Ausgabe 
22.4.1929
 
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großer

Jahrgang 1929

IFoittag, den 22. April

Nummer 51

Meeresabend.

Von Albrecht Schaeffer.

Du schüttelst, Baum, dein dunkles Haupt, so ganz gedankenüberlaubt, so altersgrün, so zeitbestaubt.

Geschüttelt flog der Windgott aus, mit Schwingen spitz, im kalten Saus, und kreist und bläst ums Bauernhaus. Dann schleicht er schlank und schlangengleich durchs weh'nde Gras, hinan den Deich, und hockt dort schwarz, norm Abend bleich. Der riesige Okeanos mit Rossen und Tritonentroh dahingestreckt die Augen schloß.

O Glanz des Meers, perlmutterklar! Der Windgott schließt das Augenpaar und lüehelt, schmal und wunderbar... Verschwand er dann? Der Deich ist leer. Es schläft der Baum, das Haus, das Meer. Aus Westen weht ein Traum daher...

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Nietzen.

SietzenerZamilieMätter

Unterhaltungsbeilage zum Gietzener Anzeiger

s. O. s.

Erzählung nach einer wahren Begebenheit.

Von Melchior Vischer.

Steuermann Janns stand in seiner Kabine über den kleinen Tisch ge­beugt. Er sah gespannt auf die ausgebreitete Seekarte; ab und zu mur­melte er etwas vor sich hin und notierte mit seinem Bleistift Zahlen auf ein Papierblatt.

Die Tür der Kabine war offen. Der Gang draußen war so schmal, daß ein Breitschultriger sich kaum durchzwängen konnte. Der offenen Kabinentür gegenüber, nur durch den engen Gang getrennt, lag die Kajüte des Kapitäns. Auch dort war die Tür offen. Man konnte aus der Kabine des Steuermanns durch die zwei Türrahmen in die Kapitäns­kajüte sehen.

Janus nickte befriedigt. Dann schielte er in die Kajüte gegenüber. Wie ein Schuljunge in das Heft seines Vordermannes schielt, um ab- zuschreibeu. ,

Der Kapitän saß, mit dem Rücken zu Janus, an seinem Tifch und schrieb. Er schien mit der Berechnung der Grade noch immer nicht fertig 8 Janus war also diesmal schneller gewesen. Selbstgefällig machte er noch rasch einen Querstrich über das Papier und rief in die Kajüte hin­über:Käpt'n, habt Ihr es schon--?"

Er schaute durch die Türen den Rücken seines Vorgesetzten an; tief gebeugt saß der Kapitän dort und rechnete noch immer eifrig.

Ich hab' es genau, auf den Breitengrad, mit Minute und Sekunden, stier auf dem Papier steht es, wo jetzt unser Kasten gondelt!" Vollertsen ärgert sich, dachte Janns, als er abermals keine Antwort be­kam.Werde den alten Seelöwen mal aufzieh'n", brummte er entschlossen, und schlich über den Gang in die Kajüte. Er wollte dem Alten eins fest auf die Schulter hauen und freute sich schon im voraus auf sein über­raschtes Gesicht. Er stand nun dicht hinter ihm und holte zum Schlage aus. t ,

In diesem Augenblick drohte sich der Manu, der an dem J-ifa) saß, um.

Jauns' erhobene Rechte sank jäh herab.

Für einen Pulsschlag setzte sein Atem aus; er zitterte am ganzen Körper.

Er starte in ein fremdes Gesicht. Und das Gesicht des Unbekannten starrte ihn an. Es war bleich, lange Haarsträhnen fielen tief in die Stirn, zwei dunkle Augen glänzten wie im Fieber; ein verwilderter Bart verdeckte die untere Gesichtshälfte. ...

Janns schrie auf und rannte aus der Kajüte, raste durch den Gang, über die Holztreppe frifcber Wind blies ihm um die Ohren, er war auf Deck. Er stürzte auf den Kapitän, der Mittelschiffs stand, zu und fuchtelte mit seinen Händen in bedrohlicher Nähe von Vollertsens Alkohol­nase. Hastig erzählte er, was er unten in der Kajüte soeben gesehen hatte.

Der Kapitän fuhr ihn an:Dil bist ja besoffen, olles Branntmeiu- saß!" Er stand dicht vor dem Steuermann, packte mit beiden Händen seine Kinnladen und riß sie auseinander. Er roch an dem gewaltsam ge­öffneten Mund; es war eine Eigentümlichkeit des 'Alten, immer andere für betrunken zu halten, wenn er selbst tief in die Flasche geblickt hatte.

Janns sagte gekränkt:Ich bin nüchtern!" Dabei hauchte er dem Kapitän ins Gesicht.Unten in Eurer Kajüte sitzt ein Mann! Seht selbst nach!"

Gut!" sagte der Kapitän, der vor der festen Stimme seines Steuer­manns Respekt bekommen hatte,sehen wir nach. Zwei kommen mit!" fifas Dulmkrack und Jörg Schuh gingen mit. Die anderen glotzten neu­gierig die Holztreppe hinunter.

Kapitän Vollertsen ging zuerst, die Fäuste borbereit. Dicht hinter ihm Steuermann Janns, fiebernd vor Aufregung. Die zwei anderen folgten, gleichfalls neugierig. Knapp vor der Kapitänskajüte blieben alle stehen. Vollertsen rief laut:

Ist hier jemand--?"

Die vier Männer hielten den Atem an und lauschten gespannt.

Keine Antwort.

Wenn Janns wirklich einen Fremden in der Kajüte gesehen hatte, iimßte man ihn jetzt erwischen. Denn der Gang hatte nur einen Ausweg: die Holztreppe, die aufs Deck führte, die sie soeben heruntergekommen waren. Vollertsen machte stumm ein Zeichen. Alle stürmten vor, in die Kajüte.

Die Kajüte war leer.

Vollertsen pfiff durch die Zähne und blinzelte schadenfroh. Der Steuer­mann ließ seine Blicke hilflos kreisen.Käpt'n, Ihr braucht mich nicht so anzuschauen, ich weiß, was ich rede. Hier saß der Mann!" Jaiins zeigte auf den Stuhl vor dem Tisch:Und hier schrieb er!" Vollertsen folgte der Handbewegung und stieß plötzlich den Steuermann beiseite.

Auf dem Tische lag ein großes Stück Papier. Darauf stand etwas geschrieben. Mit riesigen Buchstaben; ein jeder davon war so groß wie ein Finger. Janns und die anderen beugten sich vor.

Fahret Süd-Ost!"

Vollertsen hatte laut gelesen. Verständnislos blickte einer den andern an. Der Kapitän wußte genau, daß er vor einer halben Stunde die Kajüte verlassen hatte. Das Papier war leer gewesen. Er starrte die Buchstaben an. Auf einmal drehte er sich um:Warst du es doch nicht, Steuermann?"

Janns schwor sämtliche Eide.

Da, schreib'!" Der Kapitän drückte dem Steuermann den Bleistift in die Hand.Was?" Janns schaute verständnislos drein.Schreib': Fahret Süd-Ost!"

Janns schrieb. Kaum konnte man es lesen. Dann sollten auch die anderen schreiben; sie konnten aber nur drei Kreuze machen. Keiner von denen hier konnte also den geheimnisvollen Befehl geschrieben haben. Vollertsen suchte seine Kajüte ab, lief über den Gang in die Kabine des Steuermanns und suchte auch hier. Nichts.

Dann ließ er auf Deck alle versammeln. Jeder von den Leuten wurde genötigt, den geheimnisvollen Satz zu schreiben. Von den zwölf Männern des DreimastersTettenborn" der von Australien nach Bremen fuhr, und sich jetzt im Indischen Ozean befand konnten nur fünf schreiben. Keine Handschrist ähnelte der, die man in der Kajüte gefunden hatte. Es mußte also noch jemand, ein dreizehnter Mann, als blinder Passagier auf dem Schiff fein.

Das ganze Segelschiff wurde abgesucht. Stundenlang.

Niemand wurde gefunden.

Der Kapitän, der nichts zu versäumen hatte, änderte bett Kurs und ließ Süd-Ost steuern. Einige der Besatzung meinten, die Erscheinung des Unbekannten würde dem Schiff Unglück bringen; andere wieder sagten, der sonderbare Befehl deute auf einen Goldschatz hin, den man heben müßte. 'Aber niemand kam der Rätsellösung näher.An allem ist der Geestemünder schuld!", polterte der erste Maat, Uwe Setzpfand, der den Steuermann Janns nicht leiden konnte.

Janns blickte während dieser Gespräche meist vor sich hin. Er mußte immer wieder an seine Kindheit denken, wie er als Sohn eines Schiffs- zimmerrnanns in Geestemünde auf den Schisfsrümpfen gespielt hatte. Auch auf demTettenborn" war an manchen Planken der Bordwände P. I. - Geestemünde" eingebrannt. Der Zweimaster war von Pieter Janns, dem Vater des Steuermanns, gebaut worden. Plötzlich wurde er durch Setzpsand ausgeschreckt:Janns, wann bist du eigentlich geboren?" Janns amvortete mechanisch:Im Schaltjahr 18.., am 29.Februar!"

Die Männer sprangen auf und wichen zurück. Setzpfand rief aus: Deshalb hat er den Klabautermann gesehen!" Die anderen nickten; den Klabautermann konnte nur einer sehen, der nm 29. Februar ge­boren war. , t

Sie liefen zum Kapitän und beschworen ihn, bas Schiff wenden zu lassen.Unsinn!" murrte Vollertsen.Wir fahren Süd-Ost! Denn Kapitän Vollertsen war mehr neugierig als abergläubisch.

In den Masten waren Ausguckposten ausgestellt. Die ganze Be- satznng war nervös; oft erschrak einer, wenn hinter dem Deckhaus plötzlich jemand auftauchte. Man vermutete überall den Unbekannten.