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Verantwortlich: vr. Han» Thhriot. — Druck und Verlag: Drühl^fche Mnioetf itätee&u<$« und Steindruckeret.R. Lang«, Dieben-
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zwei Stunden erlittene Qual nur die Wirkung der mangelhaften Atmung war.
20 Minuten vor 9 Uhr, also kurz bevor ich die Oeffnung der Zelle schloß, hatte das Quecksilber seine Grenze erreicht oder war im Barometer, das, wie schon gesagt, von besonders großer Bauart war, abgelaufen. Es zeigte jetzt eine Höhe von 132 000 Fuß oder 25 Meilen, und ich konnte also damals von der Erdoberfläche einen Abschnitt übersehen, der nicht weniger als den 320. Teil ihres ganzen Umfanges ausmachte. Um 9 Uhr sah ich im Osten wieder kein Land mehr, aber erst als ich bemerkte, daß der Ballon rasch nach NNW trieb. Der Ozean unter mir behielt seine scheinbare Konkavität, obgleich mein Blick oft durch die hin- und herflutenden Wolkenmassen aufgehalten wurde.
Um 9.30 Uhr machte ich das Experiment, einige Handvoll Federn aus dem Ventil zu werfen. Sie schwebten nicht, wie ich vermutet hatte, sondern fielen alle zusammen mit größter Geschwindigkeit wie eine Kugel herunter und waren nach wenigen Sekunden aus meinem Gesichtsfelde verschwunden. Ich wußte zunächst nicht, was ich aus dieser außergewöhnlichen Erscheinung machen sollte, da ich nicht glauben konnte, daß die Geschwindigkeit meines Aufstieges plötzlich so ungeheuer zugenommen habe. Aber bald begriff ich, daß die Atmosphäre jetzt viel zu dünn war, um auch nur Federn zu tragen, daß sie tatsächlich mit so großer Geschwindigkeit fielen, wie es den Anschein hatte, und ich durch die gleichzeitige Schnelligkeit ihres Fallens und meines Aufstieges überrascht wurde.
Um 10 Uhr hatte ich wenig Interessantes zu beobachten. Alles ging glatt, und ich glaubte, der Ballon befinde sich jetzt in einem jeden Augenblick schneller werdenden Aufstiege, obgleich ich keine Möglichkeit besaß, die SchnelligkeUszunahme zu messen. Ich fühlte weder Schmerzen noch Unwohlsein irgendwelcher Art und war in besserer Stimmung als je seit ich Rotterdam verlassen hatte; beschäftigte mich bald mit dem Nachprüfen meiner verschiedenen Apparate, bald mit der Erneuerung der Luft in der Zelle. Für diese hatte ich beschlossen, regelmäßige Abstände von vierzig Minuten einzuhalten, mehr meiner Gesundheit zuliebe, als weil eine so häufige Lufterneuerung nötig gewesen wäre. Inzwischen konnte ich mich nicht enthalten, Zukunftbilder zu .ntwerfen. Meine Einbildungskraft schwelgte in der Vorstellung der wilden und traumhaften Gefilde des Mondes. Die plötzlich entfesselte Phantasie schweifte nach Herzenslust durch die ewig wechselnden Wunder eines schwankenden Schattenlandes. Einmal sah ich altersgraue, urehrwürdige Wälder mit felsigen Abhängen und Wasserfällen, die mit lautem Getöse in bodenlose Abgründe stürzten; dann kam ich plötzlich in ewig mittägliche Einöden, wo kein Wind vom Himmel jemals eindrang und weite Strecken, mit Mohnwiesen und schlanken liliengleichen Blumen bestanden, sich ewig still und bewegungslos ausdehnten. Dann wieder geriet ich tief hinab in eine andere Gegend, die nur von einem einzigen trüben, dunklen, von Wolken eingefaßten See erfüllt war. Aber diese Bilder waren nicht die einzigen, die meinen Geist beherrschten. Finstere, entsetzliche Schrecken drängten sich allzu häufig meinem Gemüte auf und erschütterten die innersten Tiefen meiner Seele nur durch die Ahnung ihrer Möglichkeit. Aber ich ließ meine Gedanken nicht bei diesen Vermutungen verweilen, da ich fand, daß die wirklichen und greifbaren Gefahren meiner Reise schon für meine ungeteilte Aufmerksamkeit genügten.
Als ich um 5 Uhr damit beschäftigt war, die Luft zu erneuern, benutzte ich die Gelegenheit, um die Katze und ihre Jungen durch das Ventil zu beobachten. Die Katze selbst schien wieder sehr zu leiden, was ich ohne weiteres hauptsächlich den Atembeschwerden zuschrieb; aber mein Experiment mit den Kätzchen hatte sehr merkwürdige Ergebnisse. Ich hatte natürlich erwartet, daß sie auch einige Qual äußern würden, obgleich in geringerem Maße als die Mutter, und dies hätte genügt, um meine Ansicht bezüglich des gewohnheitsmäßigen Ertragens des Luftdruckes zu bestätigen. Aber ich war nicht darauf vorbereitet, sie bei genauster Untersuchung kerngesund zu finden, mit größter Leichtigkeit und völliger Regelmäßigkeit atmend und nicht das geringste Unbehagen äußernd. Dies konnte ich mir nur erklären, indem ich in meiner Annahme noch weiter ging, nämlich, daß die stark verdünnte Luft ringsum vielleicht nicht, wie ich sicher angenommen hatte, chemisch ungenügend für das Leben fei, und daß möglicherweise ein in diesem Medium geborenes Lebewesen schließlich gar keine Belästigung bei der Atmung fühlen, sondern im Gegenteil beim Versetzen in eine dichtere Luft dieselben Qualen erleiden könne, die ich kürzlich durchmachte. Seither habe ich immer tief bedauert, daß ich durch einen widrigen Zufall meine kleine Katzenfamilie verlor, was mich der Einsicht in diese Frage, die ich durch fortgesetzte Beobachtung vielleicht hätte gewinnen können, beraubte. Als ich meine Hand mit einer Schale Wasser für die alte Katze durch das Ventil schob, blieb mein Hemdärmel in dem Laufknoten, der das Körbchen festhielt, hängen und löste es einen Augenblick vom Knopfe. Wäre das Ganze plötzlich in Luft aufgegangen, hätte es nicht plötzlicher und unerwarteter meinen Blicken entzogen werden können. Zwischen dem Loslösen des Korbes und seinem völligen Verschwinden ist sicher nicht eine Zehntel Sekunde vergangen. Meine guten Wünsche begleiteten Katze und Kätzchen, aber ich hatte natürlich keine Hoffnung, daß.sie am Leben bleiben könnten, um von ihrem Unglück zu erzählen.
Um 6 Uhr bemerkte ich, daß der östliche sichtbare Teil der Erde größtenteils in dicke Schatten gehüllt war, die mit großer Geschwindigkeit zunahmen, und 5 Minuten vor 7 Uhr war die ganze sichtbare Fläche in nächtliches Dunkel gehüllt. Die Strahlen der untergehenden Sonne hörten jedoch erst viel später auf, den Ballon zu beleuchten. Obgleich ich dies selbstverständlich erwartet hatte, verursachte es mir doch großes Vergnügen. Es ging daraus hervor, daß ich morgens das aufgehende Gestirn mindestens viele Stunden früher sehen werde als die Bürger von Rotterdam, obgleich ihre Lage viel östlicher war, und daß ich so Tag für Tag im Verhältnis zu der erreichten Höhe das Sonnenlicht immer länger und länger genießen könne. Ich beschloß nun, ein Reise
tagebuch zu fuhren, wobei ich die Tage durchgehend mit 24 Stunden 6«, rechnete, ohne die Zeit der Dunkelheit zu berücksichtigen.
Als ich um 10 Uhr schläfrig wurde, beschloß ich, mich zur Nachtruhe niederzulegen. Aber hier zeigte sich eine Schwierigkeit, an die ich, trotzdem sie einleuchtend genug ist, bis zu dem Augenblicke, von dem ich eben spreche, nicht gedacht hatte. Wenn ich schlafen ging, wie ich mir vornahm wie konnte dann in der Zwischenzeit die Luft in der Zelle erneuert werden? Es war unmöglich, sie länger als eine Stunde einzuatmen, und selbst wenn diese Zeit nur um eine Viertelstunde verlängert würde könnten die verhängnisvollsten Folgen daraus entstehen. Die Wahrnehmung dieser Verlegenheit bereitete mir keine geringe Sorge; vielleicht wird man mir nicht glauben, daß nach allen Gefahren, die ich durchgemacht hatte, ich diesen Punkt so schwer nahm, daß ich alle Hoffnung auf die glückliche Ausführung meines Endzweckes aufgeben und mich zu der Notwendigkeit entschließen wollte, abzusteigen. Aber diese Zögerung war nur vorübergehend. Ich überlegte, daß der Mensch der ausgemachte Sklave seiner Gewohnheiten ist, und daß manche Dinge im regelmäßigen Laufe seines Lebens überhaupt nur für unbedingt notwendig gelten, weil er sie durch seine Gewohnheit dazu gemacht hat. Sicher war, daß ich e5 ohne Schlaf nicht aushalten konnte, aber ich mußte mich doch leicht an die Unbequemlichkeit gewöhnen können, während der ganzen Zeit meiner Ruhe alle Stunde geweckt zu werden. Die Luft ausgiebig zu erneuern, erforderte nicht mehr als höchstens 5 Minuten, und die ganze Schwierigkeit bestand darin, ein Mittel zu erfinden, um im richtigen Augenblft wach zu werden. Die Lösung dieser Frage machte mir, ehrlich gestanden, große Mühe. Ich hatte natürlich von dem Studenten gehört, der, um nicht über den Büchern einzuschlafen, in einer Hand eine Kupferkugel hielt, deren Fallen auf eine Metallschale, die auf dem Fußboden neben seinem Stuhle stand, sehr wirksam dazu diente, ihn aufzuwecken, wem die Müdigkeit ihn einen Augenblick Überwältigt hatte. Aber mein Fall lag anders und konnte nicht in dieser Weise erledigt werden, denn ich wollte ja nicht wach bleiben, sondern in gleichmäßigen Abständen aus dem Schlafe geweckt werden. Schließlich verfiel ich auf folgenden Ausweg,
Ich muß vorausschicken, daß der Ballon in seiner jetzt erreichten Höhe noch immer seinen Aufstieg mit gleichmäßiger und regelmäßiger Steigerung fortsetzte, und die Gondel mit so vollkommener Stetigkeit folgte, daß nicht die geringste Schwankung fühlbar war. Dieser Uebelstand kam mir sehr zugute bei dem Plan, den ich nun auszuführen beschloß. Mein Wasservorrat war an Bord in Fäßchen von je 5 Gallonen Inhalt aufbewahrt, die sehr sorgfältig in der Gondel rundum verstaut waren. Ich band eins davon los, nahm zwei Taue, band sie fest quer über den Rand des Flechtwerkes, so daß sie etwa einen Fuß auseinander und parallel lagen und eine Art Lager bildeten; legte das Fäßchen darauf und befestigte es in wagerechter Lage. Etwa 8 Zoll genau unter diesen Tauen und 4 Fuß vom Boden der Gondel entfernt befestigte ich ein anderes Lager, dieses aber aus einer dünnen Planke, dem einzigen Stück Holz dieser Art, das ich besaß. Auf dieses Gestell und genau unter den einen Rand des Fäßchens stellte ich einen kleinen irdenen Krug. Nun bohrte ich ein Loch in den Boden des Fasses über dem Kruge und paßte einen Spund aus weichem Holze hinein, der in spitz zulaufender oder konischer Form geschnitten war. Diesen Spund probierte ich solange aus, bis er gerade so fest war, daß das aus dem Loch sickernde und in den darunter befindlichen Krug fallende Wasser diesen im Verlauf einer Stunde bis zum Rande füllte. Das war leicht festzustellen, indem ich beobachtete, wie rasch der Krug gefüllt werden konnte. Nachdem ich dieses alles in Ordnung gebracht hatte, war mein übriger Plan klar. Ich legte mein Bett so auf den Boden der Gondel, daß mein Kopf genau unter den Ausguß des Kruges . zu liegen kam. Nun mußte also nach Verlauf einer Stunde der Krug, der vollgeworden war, überlaufen, und zwar aus dem Mundstück, das etwas 1 niedriger lag als der Rand. Ebenso sicher war, daß das Wasser aus einer Höhe von 4 Fuß auf mein Gesicht fallen und ich infolgedessen sofort auf- wachen mußte — selbst aus dem festesten Schlummer der Welt.
Es war genau 11 Uhr, als ich diese Vorbereitungen vollendet, halle, und ich legte mich sofort nieder im festen Vertrauen auf die Wirksamkeit meiner Erfindung. Auch wurde ich in dieser Beziehung nicht enttäuscht. Pünktlich alle 60 Minuten weckte mich mein zuverlässiger Zeitmesser, und nachdem ich den Krug wieder in das Spundloch des Fäßchens geleert und die Bedienung des Kondensators besorgt hatte, legte ich mich wieder zu Bett. Diese regelmäßigen Unterbrechungen verursachten mir sogar weniger Unbehagen, als ich befürchtet hatte, und als ich schließlich endgültig ausstand, war es 7 Uhr, und die Sonne hatte viele Grade über meiner Horizontlinie erreicht.
3. April
Ich fand, daß der Ballon jetzt in einer ungeheueren Höhe und die Konvexität der Erde überraschend deutlich sei. Unter mir im Meer lag eine Gruppe schwarzer Flecken, die zweisellos Inseln waren. Der Himmel über mir war pechschwarz und die Sterne glänzend sichtbar; übrigens waren sie das immer seit dem ersten Tage meines Aufstieges. Fern ini Norden sah ich eine dünne, weiße und äußerst glänzende Linie am Rande des Horizonts, und ich zögerte nicht, sie für die südliche Eisscheibe des Polarmeers zu halten. Meine Neugier war heftig erregt, denn ich hoff» noch viel weiter nördlich zu kommen und mich vielleicht zu irgendeiner Zeit genau über dem Pol selbst zu befinden. Ich bedauerte nur, daß tn diesem Falle meine große Höhe nicht verhindern würde, eine so genaue Untersuchung vorzunehmen, wie ich sie gewünscht hätte. Immerhin wurde ich vieles feststellen können. An diesem Tage ereignete sich sonst nicht» außergewöhnliches. Mein Apparat arbeitete weiter in guter Ordnung und der Ballon stieg ohne wahrnehmbare Schwankung. Die Kälte war sehr groß und zwang mich, mich fest in meinen Ueberrock zu lMm Als die Erde im Dunkel tag, ging ich zu Bett, obgleich noch viele Stunden rings um meine eigene Lage helles Tageslicht blieb. Die WasstE war pünktlich in ihrem Dienst und ich schlief fest bis zum Morgen, außer den regelmäßigen Unterbrechungen.
(Fortsetzung folgt.) ____


