Ausgabe 
11.11.1929
 
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Unterhaltungsvellage zum Slehener Anzeiger

Jahrgang |929 Montag, den N-November Nummer 88

Oie Schläfer.

Von Adolf Georg Bartels.

Hinabgezogen

In den Schlund der Nacht,

Eingefogen,

Heimgebracht,

Liegen sie, vom Traum umsponnen,

Wieder da, wo sie begonnen, In dem Urschoß des Beginns Dämmernden und fremden Sinns.

Abgewandt

Vom wachen Sein, Sich unbekannt, Tief allein, Sind sie in sich eingebaucht, Und um ihre Schläfe raucht Klingend wie ein Glockenton Des Vergessens roter Mohn.

Ihr Schläfer! Selig, Ueberzählig, Ausgespannt, Eingebannt!

Schlaft, der Morgen kommt so schnell.

Schlaft, der Morgen ist so hell, Schlaft! Und auch die Ewigkeit Ist Schlaf und mehr als alle Zeit.

Oer arme Spielmann.

Erzählung von Franz Grillparzer.

In Wien ist der Sonntag nach dem Vollmonde im Monat Juli jedes Jahres samt dem darauffolgenden Tage ein eigentliches Volks­fest, wenn je ein Fest diesen Äamen verdient hat. Das Volk besucht es und gibt es selbst; und wenn Vornehmere dabei erscheinen, so können sie es nur in ihrer Eigenschaft als Glieder des Volkes. Da ist keine Möglichkeit der Absonderung; wenigstens vor einigen Jahren noch war keine. ,,

An diesem Tage feiert die mit dem Augarten*), der Leopoldstadt, dem Prater in ununterbrochener Lustreihe zusammenhängende Bri- gittenau ihre Kirchweihe. Von Drigittenkirchtag zu Drigittenkirchtag zählt seine guten Tage das arbeitende Volk. Lange erwartet, erscheint endlich das saturnalische Fest**). Da entsteht Aufruhr in der gut­mütig ruhigen Stadt. Eine wogende Menge erfüllt die Straßen. Ge­räusch von Fußtritten, Gemurmel von Sprechenden, das hie und da ein lauter Ausruf durchzuckt. Der Unterschied der Stände ist^ ver­schwunden; Bürger und Soldat teilt die Bewegung. An den Toren der Stadt wächst der Drang. Genommen, verloren und wieder­genommen, ist endlich der Ausgang erkämpft. Aber die Donau­brücke ***) bietet neue Schwierigkeiten. Auch hivr siegreich, ziehen endlich zwei Ströme, die alte Donau und die geschwollenere Woge des Volks, sich kreuzend quer unter- und übereinander, die Donau ihrem alten Flußbette nach, der Strom des Volkes, der Eindäm­mung der Drücke entnommen, ein weiter, tosender See, sich ergießend in alles deckender äleberschwemmung. Ein neu Hinzugekommener fände die Zeichen bedenklich. Es ist aber der Aufruhr der Freude, die Losgebundenheit der Lust.

Schon zwischen Stadt und Drücke haben sich Korbwagen aufgestellt für die eigentlichen Hierophanten (Oberpriester) dieses Weihfestes: die Kinder der Dienstbarkeit und der Arbeit, äleberfüllt und dennoch im Galopp durchfliegen sie die Menschenmasse, die sich hart vor ihnen öffnet und hinter ihnen schließt, unbesorgt und unverletzt. Denn es

*) Park nördlich von der Praterstraße, die den auf der Aordseite des Donaukanals gelegenen Stadtbezirk Leopoldstadt durchschneidet und auf ihrer Ostseite den Prater hat, einen andern großen Park. Die Brigittenau stößt nördlich an den Augarten.

**) Die Saturnalien wurden in Rom vom 17. bis 23. Dezember zu Ehren des Saturnus mit großer Ausgelassenheit gefeiert.

***) Aach Regulierung der Donau (1870 bis 1877) liegt zwischen der Stadt und den Parkanlagen der Donaukanal.

ist in Wien ein stillschweigender Dund zwischen Wagen und Menschen: nicht zu überfahren, selbst im vollen Lauf; und nicht überfahren zu werden, auch ohne alle Aufmerksamkeit.

Von Sekunde zu Sekunde wird der Abstand zwischen Wagen und Wagen kleiner. Schon mischen sich einzelne Equipagen der Vorneh­meren in den oft unterbrochenen Zug. Die Wagen fliegen nicht mehr. Dis endlich fünf bis sechs Stunden vor Aacht die einzelnen Pferde- und Kutschen-Atome sich zu einer kompakten Reihe verdichten, die. sich selber hemmend und durch Zufahrende aus allen Quergassen gehemmt, das alte Sprichwort: Besser schlecht gefahren, als zu Fuß gegangen, offenbar zuschanden macht. Begafft, bedauert, bespottet sitzen die geputzten Damen in den scheinbar stille stehenden Kutschen. Des immerwährenden Anhaltens ungewohnt, bäumt sich der Hol­steiner Rappe, als wollte er seinen, durch den ihm vorgehenden Korb­wagen gehemmten Weg obenhin über diesen hinausnehmen, was auch die schreiende Weiber- und Kinderbevölkerung des Plebejer-Fuhr­werks offenbar zu befürchten scheint. Der schnell dahinschießende Fiaker, zum ersten Male seiner Aatur ungetreu, berechnet ingrimmig den Berlust, auf einem Wege drei Stunden zubringen zu müssen, den er sonst in fünf Minuten durchflog. Zank, Geschrei, wechselseitige Ehrenangriffe der Kutscher, mitunter ein Peitschenhieb.

Endlich, tote denn in dieser Welt jedes noch so hartnäckige Stehen­bleiben doch nur ein unvermerktes Weiterrücken ist, erscheint auch diesem Status quo ein Hoffnungsstrahl. Die ersten Bäume des Au­gartens und der Brigittenau werden sichtbar. Land! Land! Land! Alle Leiden sind vergessen. Die zu Wagen Gekommenen steigen aus und mischen sich unter die Fußgänger, Töne entfernter Tanzmusik schallen herüber, vom Jubel der neu Ankommenden beantwortet. Tlnd so fort und immer weiter, bis endlich der breite Hafen der Lust sich auf tut und Wald und Wiese, Musik und Tanz, Wein und Schmaus, Schattenspiel und Seiltänzer, Erleuchtung und Feuerwerk sich in einem pays de cocagne (Schlaraffenland), einem Eldorado, einem eigentlichen Schlaraffenlande vereinigen, das leider, oder glücklicherweise, wie man es nimmt, nur einen und den nächst darauf­folgenden Tag dauert, dann aber verschwindet, wie der Traum einer Sommernacht, und nur in der Erinnerung zurückbleibt und allenfalls in der Hoffnung.

Ich versäume nicht leicht, diesem Feste beizuwohnen. Als ein leidenschaftlicher Liebhaber der Menschen, vorzüglich des Volkes, so daß mir selbst als dramatischem Dichter der rückhaltlose Ausbruch eines überfüllten Schauspielhauses immer zehnmal interessanter, ja belehrender war als das zusammengeklügelte älrteil eines an Leib und Seele verkrüppelten, von dem Bklut ausgesogener Autoren spinnenartig aufgeschwollenen literarischen Matadors; als ein Liebhaber der Menschen, sage ich, besonders, wenn sie in Massen für einige Zeit der einzelnen Zwecke vergessen und sich als Teile des Ganzen fühlen, in oem denn doch zuletzt das Göttliche liegt, ja, der Gott als einem solchen ist, mir jedes Volksfest ein eigentliches Sselenfest, eine Wallfahrt, eine Andacht. Wie aus einem aufgerollten, ungeheuren, dem Rahmen des Buches entsprungenen Plutarch lese ich aus den heitern und heimlich bekümmerten Gesichtern, dem leb­haften oder gedrückten Gange, dem wechselseitigen Benehmen der Familienglieder, den einzelnen halb unwillkürlichen Aeußerungen mir die Biographien der unberühmten Menschen zusammen, und wahrlich! man kann die Berühmten nicht verstehen, wenn man die Obskuren nicht durchgefühlt hat. Don dem Wortwechsel weinerhitzter Karren­schieber spinnt sich ein unsichtbarer, aber ununterbrochener Faden bis zum Zwist der Göttersöhne, und in der jungen Magd, die, halb wider Willen, dem drängenden Liebhaber seitab vom Gewühl der Tanzenden folgt, liegen als Embryo die Julien, die Didos und die Medeen.

Auch vor zwei Jahren hatte ich mich, wie gewöhnlich, den lust- gierigen Kirchweihgästen als Fußgänger mit angeschlossen. Schon waren die Hauptschtoierigkeiten der Wanderung überwunden, und ich befand mich bereits am Ende des Augartens, die ersehnte Bri­gittenau hart vor mir liegend. Hier ist nun noch ein, wenngleich der letzte Kampf zu bestehen. Ein schmaler Damm, zwischen undurchdring­lichen Befriedungen hindurchlaufend, bildet die einzige Verbindung der beiden Lustorte, deren gemeinschaftliche Grenze ein in der Mitte befindliches hölzernes Gittertor bezeichnet. An gewöhnlichen Tagen und für gewöhnliche Spaziergänger bietet dieser Verbindungsweg überflüssigen Raum; am Kirchweihfeste aber würde seine Breite, auch viermal genommen, noch immer zu schmal sein für die endlose Menge, die, heftig nachdrängenü und von Rückkehrenden im entgegengesetzten Sinne durchkreuzt, nur durch die allseitige Gutmütigkeit der Lust­wandelnden sich am Ende doch leidlich zurechtfindet.

Ich hatte mich dem Zug der Menge hingegeben und befand mich in der Mitte des Dammes, bereits auf klassischem Boden, nur leider zu stets erneutem Stillestehen, Ausbeugen und Abwarten genötigt. Da war denn Zeit genug, das seitwärts am Wege Befindliche zu