Ausgabe 
11.3.1929
 
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lässig-sanften Stil des Praxiteles, mit bernsteinfarbener Patina. Hinten an der teebraunen Hvlzwand steht eine Gewandsigur im altertümlichen Stil der Griechen, rosa wie berauchter Meerschaum; eine Priesterin oder

. Göttin, Demeter-vielleicht, sicherlich sechs Jahrhunderte vor-Christus ge­meißelt, so alt wie der Apoll von Tenea. Die geformten Steine der Grie­chen stehen unter dem Hellen Licht des Mondes; dis Strahlen der Lampen im Haufe fallen gelber, röter hinaus in das Licht vom Himmel mischen sich mit dem weißen Mondlicht vor der Brust der Griechen; zwei .Andachten als eine. Im Zimmer drinnen sitzt Edwin Fischer am Kla­vier, spielt inbrünstig Beethoven. 2tuf der Terrasse erscheint der faszi­nierende Kopf Fernand C r o m m e l-y n ck s, des belgischen Dramatikers, blond, blauäugig, hager, scharf profiliert, liebenswürdig, voll drängender, werbender Wärme. In der verborgensten Ecke der Terrasse, hinter einer asiatischen Steingöttin mit kugelförmigen Brüsten, ist aus einem Liege- stnhl 8ten6 Schickele ausgestreckt; wortlos abgesondert, zwischen Mufik und Mond; zuständlich, voll jener gespannten Trägheit, in der die wahre Poesie wächst wie in einem Ackergrund; ein Schein aus dem Zimmer neben ihm trifft seine Brille, seinen starken blonden Scheitel, sein kräs- tiges Gesicht mit den feinen Spuren des Erlebens, Erleidens, dies Gesicht, das einem Kleriker gehören könnte, der ein Dichter wäre. Aus der großen Glastür tritt Annette Stoib; sie tritt aus der Tür wie aus Tönen; sie ist zerstreut, ist abwesend, ist vollkommen gesellschastlich und wie verirrt und schon verschwunden, als Hütte sie nicht eben dagestanden. Der Baron bringt ein Glas Wein daher, verbindlich, heiter, gesund, ein wenig chine­sisch bringt den Wein, wie cm Glücksgott das Glück.

D, feine Gespräche über Wagner, lieber Monsieur Crommelynck, ver­ehrte 2(nnette Kolb; Ihr seid für ihn, ich weih es, und ich kann so schwer begreiflich machen, warum ichgegen ihn" bin! Und keine Gespräche über bildende Kunst denn diese Gefahr ist da: Ascona beherbergt Maler, Kunsthändler und leider auch Kunsthistoriker.

Aber in einer Nacht, zwischen zwei und drei, geschah es, daß RenL 8 chickele auf einen Tisch schlug; daß er aufbrach aus feiner Ver­schwiegenheit wie aus einer Höhle oder einem Busch und die Malerei von heute mit einer Philippika in den Boden schlug, vor lauter Fach­leuten. Da er fein Fachmann war, konnte es nicht anders ausgehen, als daß er der einzige war, der recht behielt. Es war prachtvoll. Sein Gesicht brannte rot, glühte weinig unter dem schweren blonden Scheitel; er zerriß das gelbe runde Paketchen nach einer Maryland fingernd: die Brillen­gläser sprühten Licht; die blauen Alemannenaugen dahinter waren mit elektrischen Strömen geladen. Ich jubelte. Wir tranken auf die Alten. CLzaunc gehörte zu ihnen so gut wie Poujsin oder Lorrain.

*

Sie laufen Gefahr, etwas zu viele Menschen zu finden, die mit der Kunst zusammenhängen; Sie laufen Gefahr, Kunstgespräche führen zu müssen. Dies muß ich Ihnen gestehen. Eie stoßen auf Weltanschauungen. Nehmen Sie sich in acht. 2lscona ist Zustand, Ascona ist aber auch Welt­anschauung, zwar heute nicht mehr so sehr wegen der asconischen Natur- preopheten sie sind da, die letzten ihres Geschlechts; aber wegen der Literatur und wegen der bildenden Künste und wegen der Musik und des modernen Tanzes. Sie können die mauvaise chance haben, das halbe künstlerische Berlin und München anzutresfen und etwas mehr! Aber Sie können auch zu den Borromeischen Inseln entweichen, ober nach Lugano oder nach dem Comersee hinüber, oder wie wir es einmal ver­zweifelt und übermütig trieben, nach Venedig ... Oder Sie können ein Schild auf Ihren Asconeser Balkon hängen, so gut wie Marianna Werefkin, wenn sie arbeiten will:Nicht zu Haufe".

Fahren Sie einmal nach Ascona; Sie follten es tun. Spätestens im März, wenn sich dies Land mit Blumen Überschüttet, mit Violett und Gelb, Weiß, Blau und Rosa.

Unterm Birnbaum.

Von Theodor Fontane.

(Fortsetzung.)

Aber das vierte Mal kamen sie bis an die verrammelte Tür, stießen sie mit Kolben ein und fprangen die Treppe hinaus. Immer höher zogen sich unsere Tapferen zurück, bis sie zuletzt, mit den Frauen und Kindern und im bunten Durcheinander mit diesen, auf dem abgedeckten Dache standen. Da sah ich jeden einzelnen so deutlich vor mir, wie ich Sie jetzt sehe, Bauer Mietzel" dieser fuhr zurückdenn ich hatte meine Wohnung in dem Hause gegenüber und hörte, wie sie unser Lied fangen:Roch ist Polen nicht verloren." Und bei meiner Ehre, hier, an dieser Stelle, hätten sie sich trotz aller Uebermacht des Feindes gehalten, wenn nicht plötzlich, von der Seite her, ein Hämmern und Schlagen sag' ich, wie von Aexten und Beilen."

Wie? Was? Don Aexten und Beilen?" wiederholte Mietzel, dem fein bißchen Haar nachgerade zu Berge stand.Was war es?"

3a, was war es? Vom Nachbarhause her ging man vor; jetzt war ein Loch da, jetzt eine Bresche, und durch die Bresche hin drang das rus­sische Regiment auf den Dachboden vor. Was ich da gesehen habe, spottet jeder Beschreibung. Wer einfach niedergefchofsen wurde, konnte von Glück sagen, die meisten aber wurden durch einen Bajonettstich auf die Straße geschleudert. Es war ein Graus, meine Herren. Eine Frau wartete das Massacre, ja, vielleicht Schimpf und Entehrung (denn dergleichen ist vor- gekommen) nicht erst ab; sie nahm ihre beiden Kinder an die Hand und stürzte sich mit ihnen in den Fluß."

Alle Wetter," sagte Kunicke,das ist stark! Ich habe doch auch ein Stück Krieg mitgemacht und weiß wohl, wo man Holz fällt, fallen Späne. So war es bei Möckern, und ich sehe noch unseren alten Krosigk, wie der den Marinekapitän über den Haufen stach, und wie bann das Kolben­schlagen losging, bis alle dalagen. Aber Frauen und Kinderl 2llle Wet­ter. Szulski, bas ist scharf. Is es benn auch wahr?"

Ob es auch wahr ist? Verzeihung, ich bin kein Ausfchneider. Herr Kunicke. Kein Pole schneidet auf, das verachtet er. Und ich auch. Aber

was ich gesehen habe, daß hab' ich gesehen und eine Tatsache bleibt eine Tatsache, sie sei ro.c sie sei. Die Dame, die da herunter sprang (und ich schwör Ihnen, meine Herren, es war eine Dame), war eine schöne Frau, keine 36, und so wahr Gott im Himmel lebt, ich hält' ihr was Bessres gewünscht, als diese naßkalte Weichsel."

Kunicke schmunzelte, während der neben anderen Schwächen und Lei­den auch an einer Liebesader leidende Mietzel nicht umhin konnte, seiner nervösen Erregtheit plötzlich eine ganz neue Richtung zu geben. Szulski selbst aber war viel- zu sehr von sieh und seiner Geschichte durchdrungen, um nebenher noch zu Zweideutigkeiten Zeit zu haben, und fuhr, ohne sich stören zu lassen, fort:Eine sch-ne Frau, sagt' -ich, und hingemordet. Und was das Schlimmste dabei, nicht hingemordet durch den Feind, nein, durch uns selbst; hingemordet, weil wir verraten waren. Hätte man uns freie Hand gelassen, kein Russe wäre je über die Weichsel gekommen. Das Volk war gut, Bürger und Bauer waren gut, alles einig, alles da mit Gut und Blut. Aber'der Adel! Der Sibel hat uns um dreißig Silber­linge verschachert, bloß weil er an sein Geld und seine-Güter dachte. Und wenn der Mensch erst an sein Geld denkt, ist er verloren."

Kann ich nicht zugeben", sagte .Kunicke.Jeder denkt an fein Geld. 'Alle Wetter, Szulski, das sollt' unserm Hradscheck schon gefallen, wenn der Reisende von Olszewski-Goldschmidt und Sohn alle November hier vor- spräch' und nie an Geld dachte. Nicht wahr, Hradscheck, da liehe sich bald auf einen grünen Zweig kommen und brauchte keine Schwester oder Schwägerin zu sterben und keine Erbschaft ausgezahlt zu werden."

Ah, Erbschaft", wiederholte Szulski.So so; daher. Nun, gratuliere. Habe neulich auch einen Brocken geerbt und in Lemberg angelegt. Lem­berg ist besser als Äratau. Ja, das mutz wahr sein, Erbschaft ist die beste Art zu Gelde zu kommen, die beste und eigentlich auch die anständigste ..."

Und namentlich auch die leichteste", bestätigte Kunicke.Ja, das liebe Geld. Und wenn's viel ist, das heißt sehr viel, bann darf man auch dran denken! Nicht wahr, Szulski?"

Natürlich", lachte dieser.Natürlich, wenn's viel ist. Aber, Bauer Kunicke, denken und denken ist ein Unterschied. Man muß wissen, daß man's hat, soviel ist richtig, bas ist gut und ein angenehmes Gefühl und stört nicht ..."

Nein, nein, stört nicht."

2(ber, meine Herren, ich muh cs wiederholen, denken und denken ist ein Unterschied. An Geld immer denken, bei Tag und bei Nacht, bas ist soviel, wie sich immer drum ängstigen. Und ängstigen soll man sich nicht. Wer auf Reisen ist und immer an feine Frau denkt, der ängstigt sich um seine Frau."

Freilich", schrie Kunicke.Ouaas ängstigt sich auch immer."

Alle lachten unbändig, und nur Szulski selbst, der auch darin durchaus Slnekdoten- und Geschichtenerzähler von Fach war, daß er sich nicht gern unterbrechen ließ, suhr mit allem erdenklichen Ernste fort:Und wie mit der Frau, meine Herren, so mit dem Geld. Rur nicht ängstlich; haben muh mans, aber man muß nicht ewig daran denken. Oft muß ich lachen, wenn ich so sehe wie der oder jener im Postwagen ober an der Table d'hote mit einem Male nach seiner Brieftasche faßt,ob ers auch noch hat." Und bann atmet er auf und ist ganz rot geworden. Das ist immer lächerlich und schadet bloß. Und auch das.Einnähen hilft nichts, das Ist ebenso dumm. Ist der Rock weg, ist auch chas Geld weg. Aber was man auf (einem Leibe hat, das hat man. All die andern Vorsichten find Unsinn."

Recht so", sagte Hradscheck.So mach' ich's auch. Aber wir sind bei dem Geld und dem Einnäben ganz von Polen abgekommen. Ist cs denn war, Szulski, daß sie Diebitschen vergiftet haben?"

Bersteht sich, es ist wahr."

Und die Geschichte mit den elf Talglichten auch? Auch wahr?"

Alles wahr", wiederholte Szulski.Daran ist kein Zweifel. Und es tarn so. Constantin wollte die Polen ärgern, weil sie gesagt hatten, die Russen fräßen bloß Talg. Und da ließ er, als er eines Tages elf Polen eingeladen hatte, zum Dessert elf Talglichte Herumreichen, bas zwölfte aber war von Marzipan und natürlich für ihn. Und versteht stch nahm er immer zuerst, dafür war er Großfürst und Vizekönig. Aber das eine Mal »ergriff er sich doch und da hat ers runter würgen müssen."

Wird nicht sehr glatt gegangen fein.

Gewiß nicht ... Aber, ihr Herren, kennt ihr denn schon das neue Polenlied, das sie jetzt fingen?

Denkst du daran--

Nein, das ist alt. Ein neues.

Und heißt?"

Die letzten Zehn vom vierten Regiment ... Wollt ihr's hören? Soll ich es fingen?"

Freilich."

Aber ihr müßt cinfaUen ..."

Versteht sich, versteht sich."

Und nun fang Szulski, nachdem er sich geräuspert hatte:

Zu Warschau schwuren tausend auf den Knien: Kein Schuh im heil'gen Kampfe sei getan, Tambour schlag' an, zum Blachselb laßt uns ziehen, Wir greifen nur mit Bajonetten an!

Und ewig kennt das Vaterland und nennt Mit stillem Schmerz fein viertes Regiment.

Einfallen! Chorus,"Weiter, Szulski, weiter." Ade, ihr Brüder, die zu Tob getroffen An unsrer Seite dort wir stürzen sahn. Wir leben noch, die Wunden stehen offen Und um die Heimat ewig ifts getan; Herr Gott im Himmel, schenk' ein gnädig End' Uns letzten Zehn vom vierten Regiment.

Chorus;

Uns letzten Zehn vom vierten Regiment."

Alles jubelte. Dem alten Quaas aber traten feine schon von Natur vorstehenden Augen immer mehr aus dem Kopf.