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Als wir am Abend zu Tode erfdjöpft, die hoffnungslose Verfolgung aufgeben, da fagt Makamanda resigniert: „Herr, die Löwin, die uns begleitete, war keine Löwin, es war ein Waldgeist, der nachher deine Kugel in den Baum lenkte."
Kinderspiel und Kunst.
Bon Dr. Hedwig Fischmann.
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herum. Schnell werfe sich mich zurück, den zweiten Lauf anzuMngen. Verschwunden der Elefant, wie vom Erdboden verschlungen.
Mit einigen Sprüngen bin ich am Platz, wo er gestanden hat. Suche nach Schweißfpur. Folge dem Weg, den er durch das dichte Gestrüpp gebrochen. Deutlich die weitausgreifende, flüchtige Fährte. Kein Tropfen Schweiß. Kehre wieder zurück zum Anschuß. Suche, — suche. — Unmöglich, daß ich gefehlt habe! — Ein Ruf: Makamanda! — Ich stürze zu ihm. — Da zeigt er mir traurig den Anschuß in dem Baum, unter dem der Elefant gestanden. Grausames Jagdpech! Er hatte nicht diesseits, andern jenseits des Baumes gestanden. In dem trügerischen Schatten war die graue Rinde des Baumes, mit der grauen Haut des Elefanten
«rfmnqct wieder geschlossen. Den Rüssel steif, schräg nach Unten gehalten, l ? t „r lieb die Lianen über den Rücken gleiten lassen. Weber die Baum- «smme die wir mühselig überklettern, ist er leicht hinweggetreten.
1 Der'Elefant war nicht im Dschungel geblieben. Er hatte seinen nton aeändert, um wieder auf seine Kollegen zu stoßen. Vielleicht war bJ Alleinseins müde. Hatte eine Radionachricht von einer Herde be- »nmrnrni sich ihr anzuschliehen. .
ff/ hatte wieder zu marschieren begonnen. Bald waren wir auch am Rande des Dschungel, folgten der Spmr im offenen HoA 2 Wir waren jetzt dem Elefanten dicht auf den Werfen. Er halte, sich
Dkllmnael Zeit qelaffen. Es lag frische Losung auf dem Wechsel. Lm'§b feucht schimmernd. Makamanda steckte den bloßen Fuß hin-
Kant ehrfurchtsvoll. — Es lag etwas Wollüstiges tu dieser einfachen fanblung. Ohne den Fuß herauszuziehen, spähte er nach allen Seiten, tonte ben Finger an die Sippen, Ruhe heischend und sagte ganz stolz, Ä es sein Verdienst fei, nur das eine Wort warm" ..
Es war jetzt leicht der Fährte zu folgen. Ich konnte das Spuren Makamanda alleine überlassen. Ich spähte nach vorn unb den Seiten. «Tift immer möglich, daß ein Elefant einen Bogen schlagt.
L' o'I kann mir nichts Aufregenderes vorftellen, als die Verfolgung eines (fletaten auf frischer Fährte. Alle Sinne, jeder Nerv aufs mißerste aefoannt Man weiß, daß man dme Kampf mit einem wehrhaften Riesen kntaeacnqeht, der, wenn er nicht gleich tödlich getroffen wird der gefa^r- iMe Gegner der Tierwelt ift. Selbst im offenen Gelände fahrt man bei ebem Geräusch zusammen. Ein aufwirbelndes Frankolin bringt das Herz zum Stillstand.
Eine kaum merkliche Bewegung lenkt mein Auge zur Seite. Da steht aant ruhig, uns mit feinen großen Lichtern vertrauensvoll anaugend, elli ^weißrückiger Duiker. Eine ganz seltene Urwaldan ttope, die immer noch in meiner Sammlung fehlte. Die Versuchung zu schießen war noch fdimerer, als bei dem Sitatunga. Aber heute galt bie Jagd nur komg- idiem Wild. Die kleine Antilope stand ganz ruhig. Sie hatte woh. vor kurzem den Elefanten durchwechfeln sehen. Wußte sie, daß wirchm olqten, oder hielt sie uns auch für Elefanten? — Es ift mir häufig paffiert daß selbst die scheusten Antilopen auch auf freier Steppe ruhig sichm bleiben, wenn ich Elefanten nahe folgte.
Einige hundert Meter vor uns ruft ein Honigvögel. Schrill gellt fein o-idiiv tfdnp" durch den Wald, in dem die Vogelwelt eigentümlich wenig vertreten ist. Begleitet er den Elefanten, dieser kleine Satan, der ' mir schon so manches Stück Wild vergrämt hat?
Ich pähe aufmerksam nach allen Seiten und — was ist das. — Parallel mit uns bewegt sich etwas Großes, Braun gelb es. — Em ,,«ft - wie ein gut dressierter Jagdhund steht Makamanda. Ich deute vor- fichtia, doch schon erkenne ich eine Löwin, die gemächlich, kaum sechzig Schritte entfernt, mit uns entlang trollt. Neugierig äugt sie herüber. Sobald sie merkt, daß wir halten, verhofft auch sie.
Wie mühselig und erfolglos hatte ich Löwen gejagt. Ich hieß nicht umsonst bei meinen Kameraden in Rhodesia „der Elefantenschreck, beim wo ich hinkam, waren die Löwen wie weggeblasen. Hier nun dieser leichte Schuß! Was war denn nur heute? — Wollte mich nach Weiber- art Diana narren? — f, . , . .
Wir gehen weiter. Gleich trollt die ßomin, es scheint em junges Ster, gemächlich neben uns her. Wieder laß' ich halten, wieder verhos sie. Setzt sich ruhig auf die Hinterhand, wie em großer Hund. Gähnt gelangweilt. Mehrere Male dasselbe Manöver. Ich merke, wie Makamanda unruhig wird. Auch mir fällt die stumme Begleiterin aus die Nerven. Ich versuche sie zu vergessen, nur nach dem Elefanten auszuschau en. Vergeblich! Zu groß war die Anziehungskraft der geschmeidigen, jungen ■ Barne. Voller Wut nehme ich ein Stück trockenes H°lz, werfe nach hr.
Natürlich ohne sie nur annähernd zu erreichen. Ich hatte ja vielleicht noch kräftiger, weiter werfen können, aber man weiß doch nie, t Damen gelaunt find. Sie nahm kaum Notiz davon. Cs kam mir vor, als ob sie mir nur einen verächtlichen Blick zuwarf. Jedenfalls trabte sie weiterhin friedlich neben uns her.
Makamanda schien sich mit der Begleitung abgesunden zu haben. So viel Mühe ich mir gab, ick) konnte den Blick nicht von ihr lassen. — Da, — beinahe wäre idj über meinen Jäger gefallen, der lautlos zufammen- sank und mit weit ausgestreckter Hand nad) vorne zeigte.
Hundert Meter vor uns zog ruhig der Elefantenbulle. Verhofft, um einen besonders leckeren Zweig mit dem Ruffel abzureißen und m Rachen zu schieben. Bei jeder Sdjroingung heben sich zwei mächtige Stotz- zähne schneeweiß ab gegen das dunkle Grün des Waldes. Dor mir die edelste Beute. Vergessen, ausgelöscht die Löwin , bte feüenen Antilopen. Noch einmal den Wind geprüft, der leidlich f^ht- Vorsichtig die fdjwe Doppelbüchse entsichert. Ich nehme die Führung. Makaman^i dicht hinter mir mit der Reftrvebüchse. Wie ein Leopard gleite ich lautlos auf Gummisohlen durch den Wald. Jede Deckung ausnutzend von Baum S» Baum. Ganz langsam zieht der Elefant. Jetzt verhofft er wieder steht un Schatten eines großen Baumes. Blitzschnell madje ich ^on Platz a , dem ich schießen will. Eine kleine Lichtung liegt dazwischen. ttch husche darüber hinweg. Nock) steht der Bulle. Einen Augenblick halt H *8 und Lunge zu beruhigen. Die Nerven sind,ruhig, jetzt,.wo das Ziel vor / Augen steht. Noch ein paar Schritte. — Ein Baum dietet Deckung, dem ich vorsickstig die Büchse anstreiche. Der E lech nt steht günstig, Mnz breit. Allerdings etwas stark im Schatten. Doch deutlich auszumachen. Kaum dreißig Gänge. — Kopf- oder Blattfchuß? — Schatten und schwere Büchse. Ich entscheide mich für Blatt. Der Elefant steht regungslos l Brummt zufrieden Selbst sein unljeimlid) feiner Instinkt 'hn ^me
Gefahr wittern. Die schweren Zähne berühren fast den Boden. Ich bringe Kimme und Korn auf den Ohrrand. Gehe langsam herunter, bis ich die Spitze habe, die an der Vorderfäule anliegt. Tief, dort, wo dei^ Herz sitzt- Freie Schußbahn, ruhig liegt das Gewehr. — Nicht ein Zttlern des Laufes. - Langsam krümme ich ben Finger. - Sie Explosion von zehn Gramm Nitro-Pulver zerreißt die Stille des Waldes. Harter Anschlag des fünfundsiebzig Gramm schweren Geschosses. Der Rückstoß dreht ch
tm5>od) auch von dem letzten Schein der Heiligkeit, den klügeln, befreit, durchaus verwurzelt im irdischen, sehr irdischen Boden der Sev llaner Kalle stellen sich Murillos „Wurfelspielende Knaben dar. Versunken ist für diele zerlumpten, auf der Erde kauernden Betteljungen die ge- imte Umweltaufetbem Vefultat ihres Wurfes, den sie mit lebhaften Kesten begleiten Welch packende Verkörperung einer leicht zur verderb- lidien Klamme emporlobernben jugendlichen Spielleidenschaft! Und dann, durch eine ®eU ron biefen temperamentvollen Spielern getrennt, tos bodi her gleichen Zeit, dem gleichen Lande angehörende Bildnis des selbst zum Spielen zu müden, bleichen Gefchöpfchens, des Jnfanten Phi >PP
Frühlingszeit — heiterer Spiele und Tänze Zeit! Die unbezwingliche Luft der Jugend, in Kraft- und Gefchicklichkeitsübungen das eigene, hoch anfchwellende Lebensgefühl zu bewähren, das der Winter, wenn auch nicht besiegt, so doch durd) die Enge des umschließenden Hauses znruck- gedämmt hat,, treibt mächtig empor gleich dem steigenden Soft der Pflanze. Und wieder wie schon in jahrhundertfernen Lenzen spielen die Kinder die ewig alten und ewig neuen Spiele, die sich so erstaunlich wenig gewandelt haben, trotzend der Alleswandlerin Zett. Aus alten Chroniken und Dichtungen, aber auch in besonders beredter Weise aus den Werken der bildenden Kunst klingt das brausende Lied uberschau- mender, im Spiel sich befreiender Jugendluft in kaum verändertem Rhythmus durch die Jahrhunderte. t , ...
«Bieter Brueghel, das große, erdenfrohe Kind, hat wie kein anderer vor ihm, wie kein anderer nach ihm em buntes, farbensattes Gemälde der „Kinderspiele" in dem köstlichen Bild der Wiener Galerie, dieser unschätzbaren Fundgrube für die Geschichte des Spiels, gestaltet. Wie es hier wimmelt und wogt auf dem freien Platze der Stadt, aber audi tief hinein in die enge Gasse von all den kleinen Menschlein, die m halb täppischen, halb geschickten Bewegungen die Glieder regen und einzeln ober öfter noch in geselligen Gruppen sich ganz dem Rausch des Spieles hingeben. Und wie vertraut sind auch unserer heutigen Jugend noch all diese Belustigungen, an denen sich die derben flämischen Buben und Mädel des 16. Jahrhunderts hier ergötzen! -Steckenpferd Schlag- reifen, Windrädchen in allen Formen, Kugelwerfen und Stelzenlaufen beglücken die Besitzer ober Teilhaber dieser Herrlichketten ebenso w andere die improvisierten Spiele des Bockspringens, Fatzrettens, «ett- ziehens, Purzelbaumschlagens oder das Ueber-dle-Bank-ziehen eines Kameraden in dem sich die immer lauernde Grausamkeit der Kinderseele Genüge tun kann. Und wer nicht mit dabei sein kann bei dem ausgelassenen Zeitvertreib der Gefährten, der laßt wenigstens aus den Fenstern die langen Wimpel der Freude flattern. Em Chor jauchzender ' lachender Kinderftimmen, durchaus nicht melodiös abgestimntt, aber dafür desto kräftiger und urwüchsiger, genau so, wie er uns noch heute auf Kinderspielplätzen entgegenschallt, schwingt über dieser unvergänglichen künstlerischen Widerspiegelung der Jugendfreude. .
Doch dieses sehr weltliche Jubellied Brueghels ertönte in einer Seit, die das Thema des spielenden Kindes sonst nur leise und verhüllt himmlischer oder mythologischer Einkleidung anzuschlagen wagte. Zwar feie antite Kunst, ganz besonders die der Spatzett, hat das Kind und auch" dös dem Spiele hingegebene Kind gern gestaltet, und chr verdanken wir eine so reizvolle Schöpfung wie das knochelspielende Mädchen Aber die folgenden Jahrhunderte bis weit hinein in die Neuzeit fesselt das spielende Kind nur in der Gestalt des Jesusknaben und seines Gefährten, des kleinen Johannes, denen sich, halb als Spielgenosse, halb als Spiel« ?cUa häufig ein Vogel oder das nicht immer sanft behandelte Lamm zuge ellt, wie z.B. auf den allbekannten Darstellungen Rasfae ls, Dikrers oder bei Rubens. Oder aber die kunstler. che Freude an den im Spiele bewegten Linien des kindlichen Körpers lebt Juf) in ben reigenfchlingenden, musizierenden und dabei echt jungenhaft tobenden Putten aus, die, mögen sie auch ihren Platz aus einer Kirchenbruftung haben oftmals herben, ungestümen Schulbuben — abgesehen von ben Klüaelchen __ zum Verwechseln gleichen, wie dies bei D 0 n a t e l l 0
mehr noch als liriLuca della Rob bin der Fall ist Von ihnen führt eine unsichtbare Linie über die Verschiedenheit der Zeiten und der Weltanschauungen hinweg zu Hans Thomas kerngesunden, reigew tanzenden und gelegentlich sich balgenden Jungen und Mädchen. Und auch die^Dürer scheu Enqlein, die sich im Heim der Maria und m der Werkstatt Josefs mit Besen und anderem Hausgerät so nützlich machen, ähneln sie nicht in ihrem geschäftigen Eifer putzigen Erdenrindern, „Großreinemachen" spielen? Vollkommen aber enthüllen sich die Putten als ausaelaisene Bübchen und Mägdlein in den mythologlsch-allegoriscyen Dcttstellungen, wie etwa in Tizians „Venu-opfer", das ganz wie em irhifrfw« «äinberieft anmutet, bei dem sich die kleinen Schelme an her UeberfüUe der köstlichen Aepfel wohl fein kaffen, mit den Fsuchten Ball spielen, sich selbst übereinander kugeln und allen erdenklichen Unfug


