Ausgabe 
6.9.1929
 
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Jahrgang <929

Zreitag, den 6. September

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Beherzigung.

Von I. W. v. Goethe.

Feiger Gedanken Bängliches Schwanken, Weibisches Zagen, Aengstliches Klagen Wendet kein Elend, Macht dich nicht frei.

Allen Gewalten Zum Trutz sich erhalten, Rimmer sich beugen. Kräftig sich.zeigen, Rufet die Arme Der Götter herbei.

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der noch immer recht verwirrt war, und den offenbar seine Geschäfte. nicht länger in Rotterdam zurückhielten, begann in diesem Augenblick eifrige Vorbereitungen für die Abreifc zu machen. Und da es nötig war, einigen Ballast abzuwerfcn, um den Wiederanstieg zu ermöglichen, purzelte das ganze halbe Dutzend Säcke, die er nacheinander auswarf, ohne sie erst zu entleeren, unglücklicherweise auf den Rücken des Bürgermeisters und rollte ihn wohl ein dutzcndmal vornüber im Angesichte aller Be­wohner von Rotterdam. Es ist aber nicht anzunehmen, daß der große Underduk diese Unverschämtheit des kleinen Mannes unbestraft durch­gehen ließ. Im Gegenteil soll er während jedes seiner sechs Purzelbäume nicht weniger als sechsmal deutlich und wütend aus seiner Pfeife ge­pafft haben, die er die ganze Zeit mit aller Macht festhielt und die mit Gottes Hilfe bis an fein seliges Ende festzuhalten er beabsichtigt.

Inzwischen stieg der Ballon auf wie eine Lerche und, hoch über die Stadt hinwegfliegend, trieb er ruhig hinter eine Wolke, ähnlich der ersten, aus welcher er so sonderbar aufgetaucht war, und blieb so den erstaunten Augen der Rotterdamer Bürger für immer entschwunden. Alle Aufmerk»

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Unterhaltungsbeilage zum Siebener Anzeiger

Nachdem sich der kleine alte Herr, wie schon gesagt, bis auf etwa hundert Fuß der Erde genähert hatte, wurde er plötzlich von einem Anfall von Unruhe erfaßt und schien abgneigl, der terra firma irgend­wie näher zu kommen. Er warf also eine Menge Sand aus einem Lcinensack, den er mit großer Mühe aufhob, und blieb sofort auf der­selben Höhe stehen. »Dann holte er eilig und aufgeregt aus einer Seiten­tasche seines Ueberrocks eine große Brieftasche aus Saffianleber. Er wog sie nxißtrauisch in ber Hand, sah dann außerordentlich erstaunt aus und war offenbar von ihrem Gewicht überrascht. Schließlich öffnete er sie, holte einen großen Brief heraus, der mit rotem Wachs gesiegelt und sorgfältig mit rotem Zwirn zusammengebunden war, und lieh ihn genau zu Füßen des Bürgermeisters Superbus Von Underduk herabgefallen. Seine Exzellenz bückten sich, um.ihn aufzuheben. Aber der Luftschiffer,

Der Ballon (denn ein solcher war es ohne Zweifel) war nun bis auf eine Entfernung von hundert Fuß heruntergekommen, fo daß die Menge die Person seines Insassen ziemlich genau sehen konnte. Das war wirklich ein sonderbarer Jemand. Er konnte nicht größer feit Zwei Fuß, aber schon diese geringe Höhe würde genügt haben, ihn dem Gleichgewicht zu bringen und über den Rand der winzigen Gr.....

zu kippen, wäre nicht ein kreisförmiger Reifen in Brusthöhe in die Taue des Ballons getakelt gewesen. Der Körper des kleinen Mannes war unverhältnismäßig breit, was der ganzen Gestalt eine lächerliche Rund­lichkeit gab. Die Füße waren natürlich überhaupt nicht sichtbar, die Hände riesengroß. Sein Haar war grau und hinten zu einem Zopf zu- sammengebunden. Die Nase war erstaunlich lang, krumm und entzündet; die Augen rund, glänzend und schlau; Doppelkinn und Wange, obgleich vom Alter runzlig, waren breit und gedunsen; aber nirgends an seinem Kopfe konnte man so etwas wie Ohren sehen. Dieser seltsame kleine Herr trug einen losen hellblau seidenen Ueberrock mit dazu passenden engen kurzen Hosen, die an den Knien mit silbernen Schnallen befestigt waren. Seine Weste war aus schönem gelben Stoffe; eine weiße seidene Mütze saß keck auf einer Seite des Kopfes und um diese Ausstattung zu vollenden, umhüllte ein blutrotes seidenes Tuch seinen Hals und hing lose, in einen phantastischen Knoten von übertriebener Größe geschlun­gen, auf die Brust herab.

Das beispiellose Abenteuer des Hans Pfaall.

Von Edgar Allan Poe.

Das Herz voll rasender Fantasien, Die alle mir untertan,

Mit meinem Luftroß will ich ziehn

Und glühendem Speer die freie Bahn.

Tom OBedlams Song.

Nach den letzten Berichten aus Rotterdam scheint in dieser Stadt eine gesteigerte wissenschaftliche Erregung zu herrschen.. Tatsächlich haben sich dort Naturerscheinungen ereignet, die so völlig unerwartet, so voll­kommen neu, so entschieden allen bisherigen Ansichten widersprechend sind, daß ich keinen Zweifel darüber hege, daß noch lange Zeit nachher ganz Europa in Unruhe, alle Kräfte in Gärung, Vernunft und Astro­nomie miteinander im Kampfe bleiben werden.

Wie verlautet, war eines Tages (das Datum weiß ich nicht genau) eine große Volksmenge aus Gründen, die nicht besonders erwähnt werden, auf dem großen Börsenplätze der guten Stadt Rotterdam ver­sammelt. Der Tag war für die Jahreszeit außergewöhnlich warm kein Lüftchen regte sich und die Menge ertrug es gern, daß hier und da kurze Regenschauer sie bespritzten, die aus ber großen, weißen, über ben ganzen blauen Himmelsbogen zerstreuten Wolkenmasse herniederfielen. Trotzdem wurde gegen Wittag eine leichte, aber deutliche Erregung bei der Versammlung bemerkbar; bas Schwatzen von 10 000 Zungen folgte; und einen Augenblick später waren 10 000 Gesichter zum Himmel auf­wärts gewanbt, 10 000 Pfeifen sanken zu gleicher Zeit aus 10 000 Mund­winkeln, und ein Getöse, das nur mit dem Rauschen des Niagara ver- een werden konnte, tönte lang, laut und rasend durch Stadt und

jegenb von Rotterdam.

Die Ursache dieses Tumultes wurde bald offensichtlich. Aus der ge­waltigen Gestalt einer der schon erwähnten scharf gezeichneten Wolken- masse trat langsam in den offenen blauen Himmelsraum ein sonder­barer, fremdartiger, aber offenbar fester Gegenstand, der so seltsam ge­formt, so absonderlich zusammengesetzt war, daß der Haufe handfester Bürger, die mit offenem Munde unten standen, ihn durchaus nicht zu begreifen und gar nicht genug zu bewundern vermochten. Was konnte das (ein? Im Namen aller Teufel von Rotterdam, was konnte das möglicherweise bedeuten? Niemand wußte es, niemand konnte es aus­denken; niemand nicht einmal der Bürgermeister Mynheer Superbus Von Underduk hatte den geringsten Anhaltspunkt, um dieses Geheim­nis zu entwirren; da also nichts Vernünftigeres zu tun war, steckte jeder­mann seine Pfeife sorgsam wieder in den Mund, behielt dauernd die Erscheinung im Äuge, paffte, sann nach, watschelte umher und grunzte, sann und passte schließlich wieder.

Inzwischen aber senkte sich der Gegenstand von soviel Neugierde, die Uxsache von soviel Rauch tiefer und tiefer auf die schöne Stadt herab. In wenigen Minuten war er so nah, daß man ihn genau erkennen konnte. Es schien, ja es w a r zweifellos eine Art Ballon, aber sicher hatte man einen solchen Ballon noch nie in Rotterdam gesehen. Denn io muh ich fragen wer hat jemals von einem Ballon gehört, der ganz aus schmutzigem Zeitungspapier gemacht war? Niemand in ganz Holland; aber hier unter den eigenen Nasen ber Leute ober vielmehr m einiger Entfernung über ihren Nasen, hing eben dieses erwähnte ®ing und war wie ich von wohlunterrichteter Seite weiß wirklich ous diesem Material gemacht, von dem man niemals je gehört hatte, daß es zu solchem Zwecke verwendbar sei. Es war eine offenbare Be­leidigung für ben gesunden Menschenverstand der Bürger von Rotter­

dam. Und die Gestalt des Phänomens war noch empörender, denn es war nichts anderes als eine umgekehrte Narrenkappe. Diese Aehnlichkeit wurde durchaus nicht abgeschwächt, als die Menge bei näherer Betrach­tung bemerkte, daß eine große Quaste von der Spitze herabhing und am oberen Rande, der Grundfläche des Kegels, ein Kreis kleiner Jn- strumente angebracht waren, die Schafglocken ähnlich sahen und dauernd die Melodie vonBetty Martin" klingelten. Aber es kam noch schlim­mer. Mit blauen Bändern an dieser abenteuerlichen Maschine befestigt, hing anstatt einer Gondel ein riesiger mausgrauer Kastorhut mit über­trieben breitem Rande, halb kugelförmigem Kopfe, schwarzem Bande und silberner Schnalle. Es ist jedoch bemerkenswert, daß viele Bürger von Rotterdam beschworen, denselben Hut früher schon öfters gesehen zu haben, und die ganze Versammlung schien ihn als alten Bekannten zu betrachten, während Frau ©rettet Pfaall bei seinem Anblick in einen Ausruf freudiger Ueberraschung ausbrach und erklärte, cs sei genau der Hut ihres eigenen guten Mannes. Dieser Umstand war nun um so anf­allender, als tatsächlich vor etwa fünf Jahren Pfaall mit drei Ge­ährten in ganz plötzlicher und unerklärlicher Weise von Rotterdam ver- chwunden war, und seither alle Versuche, Nachricht von ihm zu erhalten, zu keinem Ergebnis führten. Allerdings hatte man kürzlich in einer ein­samen Gegend im Osten der Stadt einige Knochen, die für menschliche gehalten wurden, mit allerlei sonderbarem Plunder vermischt, gesunden, und manche Leute gingen so weit zu glauben, daß an diesem Ort ein ab­scheulicher Mord verübt worden sei, dessen Opfer aller Wahrscheinlich­keit nach Hans Pfaall und feine Gefährten wären. Doch kommen wir auf unsere Erzählung zurück.