SBaben Als er nicht roieibertam und man noch ihm sah, war er to t. Di« Freude hatte ihn getötet." Es ist uwmöglich, einfacher und ergreifender zu lagen, was dreien Menschen ihre eisig« Heimat bedeutet.
Leeden hat'drei Jahre an der Hudsonducht (im.nordöstlichen Kanada) unter Eskimos gelebt, und zwar unter Stämmen, die niemals zuvor (mit Ausnahme von zwei Amerikanern, die getötet wurden) einen Weihen gesehen hatten. Diese beiden amerikanischen Forschungsreisenden verloren chr Leben durch eigene Schuld. Als an einem Morgen die begleitenden Eskimos wegen eines wehenden Schneesturms sich weigerten, sofort wer- terzuwandern, sucht der eine der beiden Amerikaner die Begleiter mit - ber Reitpeitsche zum Weitermarsch zu zwingen. Die Eskimos nahmen diesen Wutanfall als ein Zeichen dafür, daß der Fremd« von oo en Geistern bfeffen sei und töteten beide. Lüge, Betrug und Zorn gelten diesen Eskimos am Hudson als Zeichen von Besessenheit. Man rettet den Menschen, der von ihr befallen wird, indem man ihn tötet.
Leeden, der viermal das nördliche Kanada besuchte, hat das Leben der Eskimos im Film festgehalten und ihre Musik in Phonogrammen ausgenommen. „Die Musik ist (so erzählt Leeden) Ausdruck und Losung aller Spannungen des Eskimolebens. Sie besingen ihr Leben, ihr« Liebe, chr Land, sie lösen ihre Streitigkeiten durch Gesang und derjenige, der den Zuhörern besser gefällt, gewinnt." Die Dafeinsbedingungen für die Eskimos an der Hudsonbucht (deren Wasserfläche die der Nordsee Wer- trifft) sind andere, als die der Eskimos im benachbarten Grönland. Während des Sommers wirb so viel Wild (Walrosse und Renntiere) erlegt, daß die Vorräte, die an der Küste unter Steinen aufbewahrt werden, auch über den Winter reichen. Um den Moschusochsen vor der drohenden Ausrottung zu bewahren, veranlaßte Leeden bei der Regierung den Erlaß eines Schutzgesetzes. Der Ersolg war, daß di« Jagd auf di es«s selten geworden« Tier unterblieb, weil di« Händler den Eskimos die Felle nicht mehr abkaufen durften. Leeden kommt zu dem Schluß, daß di« kanadischen , Eskimos, worauf Körper- und Schädelbitdung hindeuten, von den Indianern abftammen und sich in dieser Hinsicht, aber auch in bezug aus Musik und Tanz von den grönländischen Eskimos wesentlich unterscheiden.
Es sind nun fast vier Jahrzehnte her — es war im Jahr 1890 — als der Direktor für das Erziehungswefen in Alaska, Dr. Jackson, feinen Bezirk bereiste und di« Entdeckung machte, daß die Eingeborenen (Indianer, Eskimos und Lappen) ihre Nahrungsquellen immer mehr verloren. Die Wale waren, aus Furcht vor den lveißen Jägern, nach Norden aus« gewandert, das Walroß war verschwunden, desgleichen der Seehimd und der Karibu (eine Abart des Renntiers) war nahezu ausgerottet. Die Regierung in Washington empfing ben Bericht Dr. Jacksons und griff sofort ein. Schon in den nächsten Jahren wurden aus Sibirien — viele lachten über das Unternehmen — über taufend Renntiere eingeführt. Sie vermehrten sich sehr schnell. Heute find es bereits 500 000. Man hat berechnet, daß auf den weiten Ebenen von Alaska, die rund 400 000 Quadratmeilen umfassen, etwa zehn Millionen Renntiere leben könnten. Wenn man sich vorstellt, daß di« Zuchtkosten für ein Renntier (die Regierung in Washington stellt die Weide kostenlos zur Verfügung) etwa ein Dollar pro Jahr beträgt, während für ein Renntier 23 Dollar (Schlachtgewicht) bezahlt werden, dann begreift man, daß in Alaska dis Renntierzucht ein lohnendes Geschäft zu werden beginnt. Die Alaska-Eskimos unterscheiden sich sehr wesentlich von denen, die am Hudson wohnen oder gar in Bas fin sla nd. Die Leute in Alaska — 12000 Eskimos wohnen dort — haben rechnen gelernt und kümmern sich sehr geschäftstüchtig um den Fleifchversand. Sie wohnen nicht mehr, wie einst, in Eishütten, sondern in sehr komfortablen Wohnungen und verfolgen sehr genau den Stand ihres Bankkontos. Es find wohlhabende Leute geworden, die jährlich ihre viertausend Dollar einnehmem Sie haben ihr« Jagd, ihr Grammophon, ihr Radio. Freilich weiter nördlich, am Kap Narrow, wo das Packeis des Eismeers das ganze Jahr zu fchen ist, sieht die Welt schon etwas anders aus. Dort oben, am Point Barrow, und auch am Großen Bärenfee ist das Leben von grausamer Härte. Es ist das Land des Schweigens, das Land der großen ©titte, der unendlichen eisigen Em- tamfeit. , ... .
Und wenn wir nach Grönland hinübergehen, rot« ist es dort? Im vorigen Jahr ist das dänische Expeditionsschiff „Grönland , das di« An- fiedlung von Kolonisten an der noch unerschlosienen vstkust« Grönlands am Skoresbyfund, in die Wege leiten sollte, nach Kopenhagen heimgekchrt. In diesem Sonmier sollen die aus dem übervölkerten Westgrönland übergeführten Eskimos Wohnstätten erhalten, roomit ein neuer Abschnitt da- nifcher Kolonisierung Ostgrönlands beginnt. Wir vergessen, wenn rmr den Namen Grönland" ausfprechen, daß es sich bei diesem Land, ,cher größten Insel der Erde", um ein Gebiet handelt, das so groß ist wie Europa (mit Ausnahme von Rußland). Der bekannt« Arktisforscher Knud Ras- muffen hat es auf einer vierjährigen Expedition durchforscht und eine neue Kartographiernng veranlaßt. Rasmussen vermutet, daß die Grönländer aus dem arktischen Nordamerika nach Grönland herübergewandert find, und alle Zeichen deuten daraus hin, daß die Vorfahren einst vom Meere (nämlich vom Seetierfang) lebten, während heute — das Küstern gebiet hat sich inzwischen um zehn Meter gehoben — tae Bewohner sich zu Inland-Eskimos entwickelt haben. „Die Uebereinftnnmung zwischen der Kultur in Grönland und der älteren Kultur in dem zentralen EÄmno- gebiet (so berichtet Rasmussen) macht es wahrscheinlich, daß die Grönländer seinerzeit aus dieser Gegend auswanderten, was unter anderem auch dadurch erhärtet wird, daß erstaunlich viel« Sagen hier ganz ote« selben sind, wie diejenigen, die man von Grönland her kennt.
Rasmussen ließ, um Vergleiche zu gewinnen, durch einige 8 reu nie die Eskimos auf der amerikanischen Seit« ausfuchen. Er berichtet: „Dt«fe Eskimos leben vollständig unabhängig vom Meer, indem ihr Haupterwerb in Renntteriagd besteht, ergänzt durch Lachsfang in den Seen und Gebirgsbächen. So ganz ohne Kenntnis der Küsten-oerhaltnisfe sind sie, daß sie uns zum Beispiel fragten, wo die „Hörner" an den Seehunden fitzen, und uns, da wir zufällig Walroßfleisch auf unseren Schlitten hatten, baten, es auszuschneiden, da sie ganz unbekannt damit waren. Ihr« Kultur ist die am meisten primitive Eskimokultur, die man kennt. Alle die Zeugnisse, die wir sammeln konnten, deuten darauf, daß wir hier
vor einem Rest der Ur-Eskimos ftchen." Es sind jene Eskimos, die noch an Geisterbeschwörungen glauben und alle Reste, die von Mahlzeiten übrigbleiben, vergraben, weil, wie man sagt, die Geister nicht sehen dürfen, daß irgendetwas achtlos weggeworfen wird. Vor etwa taufend Jahren wurde Grönland entdeckt und besiedelt. Es ist nur an den Randen bewohnt. Das Innere — ein ganzer Kontinent, von Gletschern überzogen — wartet noch der Entdecker.
Alaska, Baffinsland und Grönland — Heimat der Eskimos —• Schnee- land und Land des ewigen Eises. Was wissen wir? Von den ewigen Wellen der Kultur umspült, ahnen wir nichts vom ungeselligen Norden und von dem Kampf, den der Mensch dieser nöMichen Zonen ausfechten muß, um fein fpärliches Leben zu behaupten.
dessen Verlängerung wir auf den Backofen sahen. Ein koft- irömte von dort auf uns zu, und in Erwartung der Wecken ins auf die Holzbänke, die um einen groben Tisch an der
Tische stehen und sah vergnüglich unserer „Liebwerter Meister," sagte Franz, al
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„Es waren zwei Königskinder".
Novelle von Theodor Storm.
(Fortsetzung.)
Meister, und wir sind schon von Stuttgart kommen!" der Tausend, scho vo Stuegert? Des mär’!"
freilich: aber saget, sind denn die Wecken fertig? Wir haben
„No net, ihr Herre, aber bald! Send Se no so guet und gonget Se derweil in d' Stube!" .
Und rasch war die Haustür geöffnet, und wir traten in em großes Zimmer, in dessen Verlängerung wir aus den Backofen sahen. Em kost- licher Duft strömte von dort auf uns zu, und in Erwartung der Wecken senken wir uns auf die Holzbänke, die um einen groben Tisch an per Wand entlang liefen. Der Meister ging zwischen uns und dem Ofen hm und wieder, bald aber schüttete er aus (einer weißen Schurze einen Hausen Wecken vor uns hin und schob ein großes, hölzernes Salz- faß, das auf dem Tische stand, in unsere Nähe Ha, rote uns die in Salz getauchten Wecken schmeckten, und wie taschenspielerartig wir Ne verschwinden ließen! Auch Marx hielt tapfer mit, und (eine blaß- gelben Wangen röteten sich von dem warmen Brote. Noch einmal mußte der Meister Sukkurs aus dem Ofen holen, dann blieb er am Tische stehen und sah vergnüglich unserer Mahlzeit zu.
„Liebwerter Meister," sagte Franz, als alles gesättigt war, und (ab ihn zärtlich an, indem er sich den Schnurrbart wischte, Sie haben sich der unzeitigen Gäste wie ein Vater angenommen; bafür (oll Ihnen auch ein Hochgenuß bereitet werden. Wir gehören nämlich zu dem immer seltener werdenden Orden der fahrenden Sänger! Damit griff er in die Tasche, reichte uns die Stimmen, dann bewegte er die Hand: „Ems. zwei!" und „Tropfen vo Tau!" klang es; wir sangen, der Meister faltete die Hände über seinem Bauch, lächelte uns an und taktierte schließlich mit dem Kopfe. „ . . .
„Schön; aber schön!" sagte er endlich, „no der Tenor , und er (^ mit bescheidener Schlauheit zu uns auf, ,Her Tenor kommt mir « bißet« schwach für!"
' ' Marr "strich fein dunkles Haar sich von den Schläfen; denn er war der Tenor. „Das macht der Text, Meister" sagte er, „das.darf man nur jo spinnewebenartig fingen, roenn's nicht zerreißen fall.
.Gut gebrüllt, Löwe!" murmelte Franz.
3a stelle," tagte der Bäcker; „die Herre verstandet des besser, und schö'isch geroea, des laß i mir net nemme! Mer haut hie au en Gsatm- verein, aber der goht no im Sommer manchmal furt. wisset Se, wenn, e Fahnenweih ober fo ebbes gelt. 3 g'hör au, derzue, well t zu bene Ausflüg b’ Wecke unb b’ Hörnle liefere mueß."
Ein schelmisches Lächeln lief über das hübsche Antlitz unseres Dirigenten. „Nun, Meister," sagte er, „wir müssen weiter, aber wir (ollen unsere Wecken noch bezahlen!" ,
Aber der gute Monn wehrte mit beiden Händen ab. »Destht met Sach ,’s sicht alles scho in Richtigkeit, und jetzt dank t ebe reacht schon für den schöne Morgegrueß!" und somit geleitete er uns zur Daustür.
„Ein prächtiger alter Herr," sagte Franz, da wir draußen auf der Gaffe standen; „das Frühstück hätten wir uns ersungen, wo kriegen wir nun den Kaffee? Die geretteten dreizehn reichen dazu nicht.
Es gab ein Hin- und Widerreden ich roolltenach frrus, aber• i* wurde überstimmt. Marx zog seine Uhr. „Nordischer SiichenschMfer rief er und wies gen Osten in eine Nebengasse, „sieh nur, wie dort die Sonne schon am Himmel tanzt! 3m nächsten Dorfe lebt mir ^n Gast- freund, das heißt: ein Krugwirt, der mich im Frühjahr °uf seinem Wagen ein Stück Weges mitnahm und mich bann mit einem Schnaps traktierte; dort laßt uns um den Kaffee fingen!
„Akzeptiert! Vorwärts zum Kaffee! rief Franz uv» wir schritten alle die buckelige Straße hinunter. Es war noch erste Mmg-nMe. die Schatten der alten Häuser lagen auf den feuchten Steinen, nur am Markte rauschte ein Brunnen aus drei (leinen Rohren, und aus dem Fenster eines oberen Stockwerks sah ein Mädchen auf uns herab, bas braune Haar um die verschlafenen Augen, einen Besenstock in der
^Marx streckte die Arme gegen uns: „Halt!" sagte er leise. „Franz, die Stimmen." _ „ .
Im Augenblick standen wir um den Brunnen, und. „Eins, zwell --Tropfen von laut" , _ , .. .
Die Dirne sah lachend zu uns nieder und druckte sich den Besenstock ans Herz; wir aber warfen die Augen »» ihr empor und sangen nicht ohne Innigkeit das Stück zu Ende. „Lebwohl, schönes Kind! nef Marx, da wir die Stimmen roieocr abgaben, „lebroohl und laß den Tag dir 6U^ßehbcroo®!?! Lebewohl!" riefen auch wir anderen und sie nickte noch einmal, blutrot in ihrem schmucken Angesicht, und verschwand im Dunkel des Gemaches. Mr aber schritten bald zum Tor hinaus, die Lerchen fangen chon, und wie leise Melodie tonte das Rauschen der Rems zu uns herüber. „Linele!" murmelte Marx und ließ den Kopf auf die Brust sinken.


