Ausgabe 
27.10.1928
 
Einzelbild herunterladen

i eng zusammengefaßten Buche niederlegt. Ein berühmter Afrika- i rlLer sagte einst mit Recht: Asrikaforschen heißt: auf einem gewundenen »-aerpfad in glühender Sonnenhitze von einem schmutzigen Negerdorf L,einem anderen ebenso schmutzigen marschieren.

p Gewürzt wird dieser Marsch durch hin und wieder auftauchende Jagd- -ilebmsse, die in ganz seltenen Fällen Gefahren mit sich bringen und sich Lfier dem Gedächtnis einprägen.

I Luch die Begegnung mit feindlichen Eingeborenen war schon m den friilieten, alten Pioniertagen Afrikas selten und kommt jetzt überhaupt «i noch in den seltensten Fällen vor. Und wenn man nach zwanzigjähriger SorlÄungstätigkeit im dunklen Erdteil zurückblickt, dann sind es kaum ein Lr Dutzend Abenteuer, die mit Lebensgefahr verbunden waren, d. h. L wirklicher Lebensgefahr. Manchmal, wenn eine Elefanten- oder Büffel- ,rde flüchtig abging und, ohne an einen Angriff zu denken, auf uns zu- kirnte, glaubte man sich m Lebensgefahr. War es vielleicht auch. Solange M noch die Nerven ruhig blieben, ging diese Gefahr stets an einem ,01Uebei die Gefährlichkeit des afrikanischen Großwildes ist viel geschrieben, M gestritten. Fast jeder Jäger hat andere Erfahrungen gemacht. Elefant, Mksel, Nashorn und Löwen sind jedenfalls diejenigen, denen europäische K«t am häufigsten zum Opfer gefallen sind. Dazu kommt noch der Leo- Mib, der zum furchtbaren Gegner werden kann und dem ein so erfahrener Mer wie mein Freund Braecken in Nord-West-Rhodesia zum Opfer Mde. Nashörner und Büffel, von denen ich immerhin einige erlegt habe, Kbm mich manchmal angenommen, aber nie in ernste Lebensgefahr Macht. Da ich auf meinen Reisen nur einen Löwen und den so leicht L ein Warzenschwein erlegt habe, bin ich für Löwen nicht zuständig, iedensalls nicht für angeschossene, trotzdem ich mit Löwen am Bangweolosee mrecht ausregendes Nachtabenteuer erlebte. Nach meiner unmaßgeblichen Meinung und meinen Erfahrungen ist der gefährlichste Gegner der asri- Iwische Elefentenbulle.

-fch führte auf meinen Jagden in Ost-Afrika auf Großwild mit Vorliebe die schwere Elefantenbüchse, Kaliber 600, die ungefähr 14 Millimeter entspricht. Das Geschoß wiegt 75 Gramm und wird getrieben von 10 Gramm Atro-Pulver. Eine solche Doppelbüchse wiegt zwischen 10 und 12 Pfund. Bit dieser Büchse konnte ich mit der größten Ruhe einem annehmenden Whorn oder einem Büffel gegenübertreten. Der Schock dieser schweren Aael, getrieben von einer solchen Pulverladung, wirkt einfach zermalmend.

I güt Büffel und Nashorn benutzte ich ^-Mantel-Geschoß, während für I Wanten nur Bollmantel in Frage kommt. Nie haben nach meiner Er- schung Büffel oder Nashorn der 600 standgehalten, wohl aber em Ele- jantenbulle.

Dem aunehmenden afrikanischen Elefaiitenbullen ist überhaupt schwer beizukommen. Der Stich l Brust) ist durch den beim Annehmen gerade mch vorn gestreckten Rüssel gedeckt. Der verhältnismäßig spitze Schädel ist beim Angriff meist in einer solchen Lage, daß das flache Gehirn mcht jii erreichen ist. Nach dem ersten Schuß überwindet der Elefant jeden Schock; ich spreche hier natürlich nur von den mächtigen alten Bullen, so daß man selbst mit der 600 den annehmenden Elefanten nur auf Sekunden ins Schwanken bringt. Diese Sekunden genügen natürlich dem erfahrenen, Mtblütigen Jäger, sich durch einen schnellen Sprung in Sicherheit zu bringen. Aber dieser Sprung kann auch mal zur verkehrten Seite fein, und von einem solchen Fall will ich jetzt erzählen:.

Es war im Jahre 1908 im Jiam-Jiam-Gebiet, im Neu-Langenburg- »czirk in Deutsch-Ost-Afrika. Ich hatte bei dem Dors des Häuptlings ®mani, einem Suaheli, der von der Küste heraufgewandert war und sich hier niedergelassen hatte, ein größeres Standlager errichtet und unternahm Bott hier aus Jagdausflüge in die Umgebung. Am frühen Morgen marschierte ich ab. Kaum anderthalb Stunden vom Lager entfernt, fand ich die frische Fährte von drei kapitalen Elefentenbullen, denen ich mit meiner klemen Fagdkarawane folgte. Trotzdem die Fährte nur einige Stunden alt war, gelang es mir den ganzen Tag nicht, die Elefanten, die scheinbar von einem Etandrevrer ins andere wechselten, einzuholen. Am Nachmittag verwischte sich die Fährte rmserer drei Bullen mit der. einer Herde. Wahrscheinlich wollten die alten Herren ihre Liebchen aufiuchen, die zu dieser Herde gehörten.

Es tvurde spät. Die Sonne neigte sich bedenklich dem Westen zu nud I noch hatten wir die Elefanten nicht zu Gesicht bekommen. Ich beschloß I daher, für den Tag die Verfolgung aufzugeben. Ich wußte, daß wir deir I Elefanten nahe waren, doch noch so spät am Nachmittag aus einer Herde heraus die Bullen zu finden, erschien mir schwierig. So suchte ich einen Nah, um das Lager aufzuschlagen und bann am nächsten Morgen von neuem die Verfolgung auszunehmen. . ,

Nichtsahnend ging ich vor meinen Gewehrträgern, drehte nur tu aller Ruhe eine Zigarette und suchte einen guten Platz für das Lager. Plötzlich schaue ich auf und sehe einen starken Elefantenbullen mir entgegenkommen. I Fch iinke ins Knie, greife nach meiner Elefantenbüchse. Da drückt mir mein zweiter Gewehrträger Bulia das Reservegewehr, eine altmodische, acht Bore rauchstarke Büchse in die Hand. Unmutig gebe ich sie ihm zurück, tob es dauert einige Sekunden, bevor Longoma mir meine sechshundert I Expreß-Doppelbüchse zureicht. Die Situation war brenzlich, denn nur ,toch wenige Schritte hätte der Elefant zu machen brauchen und er hätte meinen Wind gekreuzt und wäre damit für mich verloren gewesen. Denn der fmfte Luftzug vom Menschen zum Elefanten, selbst auf Hunderte von Metern, genügt, um ihn sofort zur Flucht zu bringen. Ohne Rücksicht auf vgendwelches Geräusch zu nehmen, lief ich jetzt auf den Elefanten zu, der mich über einen Busch hinweg mit einem Auge anblinzelte. Es war em ungünstiger Schuß, den ich nur im Vertrauen auf meine schwere Büchse toogen konnte. Ich zielte auf die Schläfe, drückte ab, und wie vom Blitz getroffen brach der Riefe zusammen, um aber sofort wieder hoch zu werden, und, bevor ich um den Busch herum kam, wurde er flüchtig. Im lichten «albbeüanb ging es etwas bergab, fo daß ich die Aufforderung des Elefanten jum Wettrennen annahm und, sobald ich freies Schiißfeld hatte, ihm spitz °°n hinten mit der schweren Büchse Schüsse auffetzte. Trotzdem mir hier , Gelände günstig war, konnte ich einmal aus eigener Anschauung kennen- I 'Aen, wie schnell ein Elefant sich in dem ihm eigenen Paßgang bewegt, uu) war in jenen Tagen gut trainiert und ein guter Läufer, aber trotzdem

konnte ich kaum mit dem Tier Schritt halten, geschweige denn ihm näher kommen. Daran war nicht allein meine zwölf Pfund wiegende Elefanten- büchfe schuld. Rach einigen Minuten, in denen ich ungefähr vier Schüsse anbringen konnte, tvurde es dem alten Bullen aber doch zuviel. Er stockte und machte kehrt, woraus ich sofort hinter einem Baum Deckung suchte. Ich weiß nicht, was an dem Tag in meine Gewehrträger gefahren war, denn trotzdem beide ausdrücklichen Befehl hatten, nie zu schießen, ging jetzt Bulia auf den Elefanten zu und gab mit der Acht-Bore-.Kanone einen Schuh auf ihn ab. Jetzt hatte ich als Zuschauer eine selten gute Gelegenheit zu beobachten, wie ein Elefant zum Angriff übergeht. Er tut es nicht un­mittelbar, sondern, wie um in Schwung zu kommen, wiegt er sich einige Male von vorn nach hinten, dann kommt der Wedel gerade nach hinten heraus, den Rüssel vorgestreckt mit gespreizten Gehören, geht er zum Angriff, diesmal lautlos. Er jagte hinter dem Boy her, der das Gewehr von sich warf und die Flucht ergriff und mir im Walde sofort aus den Augen entschwand. Sobald der Elefant bei dem Gewehr angekommen war, machte et halt, und da es mir selbst interessant war, zu beobachten, was er nun weiter tun würde, riskierte ich das Gewehr und schoß nicht. Vorsichtig betastete er das Gewehr mit dem Rüssel, um bann, sobald er zu bet Ueberzeugung gekommen war, baß es sich um einen leblosen Gegen­stand handelte, mit dem Vorderfuh Erde darauf zu scharten.

Inzwischen hatte mein Hauptgewehrträger Longoma, em Awemba- Mann aus Nord-Ost-Rhodesia, meine Pirschbüchse meinem Hauchungen abgenommen, und auch er fing nun, was noch nie vorher geschehen war, auf eigene Faust eine Elefantenjagd an, indem er aus bet mit ^-Mantel­geschoß gelabenen Büchse auf bau Elefanten schoß. Dieser Schuß hätte ihm beinahe das Leben gekostet. Es wäre feine eigene Schuld gewesen, denn er war nur mein Gewehrträger, trug meine Elefantenbüchse und Reservepatronen und hatte sonst gar nichts mit einem Gewehr zu tun. Kaum war bet Schuß gefallen, ich iveiß überhaupt nicht einmal, ob er den Elefanten getroffen hat, so war auch das aufs äußerste gereizte Der schon hinter ihm her. Longoma hatte jetzt Gelegenheit, sein Unrecht emzusehen und es zu bereuen, denn lautMama, Mama e" nhreiend, lief er, den Elefanten dicht auf den Fersen, davon. .

Es ist etwas Eigentümliches um einen Neger, «obalb er in höchster Gefahr ist, ruft er nach feiner Mutter. Ich habe in meinen langen Afnka- jahren noch nie gehört, daß ein Neger in solchen Fällen nach seinem Vater ober seinen Äammesbrübern gerufen hätte. Der Elefant folgte ihm auf ben Fersen, so bah beibc auf ungefähr hundert Schritte bet mir vorbei- gelaufen wären. Ich konnte Loiigoma noch gerade zurusen:hierher, hierher!", als der Elefant den Zipfel seines flatternden Lendens churzes erwischte, ihn sich um den Rüssel drehte, genau tote der Mensch ein Tau, um es besser zu greifen, einmal um die Hand herumschlingt. Dann nahm er den Jungen hoch, aber glücklicherweise schmetterte er ihn nicht gleich wieder zu Boden, sondern versuchte ihn, nachdem er ihn mit dem Rüssel fest um ben Körper gepackt hatte, noch im Lauf auf seine Stoßzähne zu spießen. Run lief ich an ben Elefanten heran unb brachte zwei gut fitzende Lungen- schüsse an. Wie ein nasses Handtuch warf der Elefant den Neger m emen Busch. Hier fiel er wenigstens weich und zerkratzte sich nur die Haut. In der Aufregung riß ich meine Doppelbüchse hastig auf, um ste neu zu laben. Dies wäre beinahe mein Verhängnis geworden, denn die hastige Bewegung machte den Elefanten auf mich aufmerksam, und ohne sich zu besinnen, kam er jetzt laut schreiend (trompetend möchte ich diesen schrillen Kampfesrut des Elefanten nicht nennen) auf mich zugestürzt.

Als er ungefähr zehn Schritte an mich herangekommen war, gab ich ihm einen Schuß auf den Rüsselansatz und sprang zur Seite. Zn meinem Unglück aber auf die verkehrte, denn der Elefant, durch den Schuß ms Taumeln gebracht, kam ebenfalls dort hinüber, und schon im nächsten Augen­blick fand ich mich an das Vorderbein des Elefanten gepreßt und fah den ausgestreckten Rüssel über mir. Zum Glück suchte der Elefant immer vorn, fo daß er mich nicht finden konnte. Vorsichtig nahm ich mein Gewehr hoch, gab einen Schuß ab, der ihm den linken Unterkiefer zerschmetterte, wiese Sekunde benutzte ich, um mich zur Seite ins Gras zu werfen. Al-- der Elefant wieder zu sich kam, sah er vor sich einen ungefähr iy2 Meter langen, mannsdicken Baumstumpf liegen. Den hielt er jetzt für feinen Gegner, stürmte darauf los, riß ihn in die Höhe, schmetterte ihn zu Boden, und wie wahnsinnig bohrte er seine Stoßzähne hinein. Aber er schien ihm doch etwas zu hart für einen Menschen, denn mit ben großen Ohren lchldgenb beäugte er ihn von beiben Seiten. Jedenfalls Williberte er sich wohl über bie Härte eines Europäers. Dann zog er einige Schritte werter, machte wieder halt, kehrte um und begann, mit dem Rüssel Wind aufsaugend, fo baß ich deutlich bas Zischen der eingesaugten Luft hören konnte, nach mir zu suchen. Longoma war inzwischen, aschgrau im Gesichts auf zwanzig Meter an mich herangekommen. Genau wie der Europäer blaß toirb vor Furcht, so wirb der Neger grau, richtig aschgrau. Da bie ganze Jagd un­verhofft angefangen hatte, hatte ich nur em paar Patronen bei mir, die ich verschossen hatte unb fanb mich ungefähr zehn Schritte mit einem leeren Gewehr einem wütenden, nur noch nach Rache gesonnenen Elefantenbullen gegenüber. Ganz verzweifelt raunte ich Longoma fortgesetztRisasi, risast, (Patronen) zu, ihn zu gleicher Zeit an mich beranimntenb. Der von dem ausgestandenen Schrecken und vor Angst noch halb irre Neger gab mir aber immer wieder die Antwort:Hapana, hapana. (Ich bobe keine), trotzdem er einen ganzen Patronengürtel voller Patronen um die Lenden trug. Zu meinem Glück bemerkte mich der Elefant nicht. Ich hatte schon meine Büchse gegen einen Baum gelehnt, um im Fall emes neuen Angriffs mich ganz auf meine Berne zu verlassen. Ich kroch an Longoma heran und nahm ihm ben Patronengürtel ab, nachdem ich ihm für seinen Ungehorsam eine kräftige Maulschelle gegeben hatte. Run zog der Elefant langsam weiter, um sich bald darauf waidwund im langen Grase einzustellen. Vorsichtig, den Wind ausnutzend, pirschte ich mich an einen Termitenhügel heran, von wo ich dem etwa zehn Schritt entfernt stehenden Elefanten ben Fangschuß gab. .,. , , . r.

Es ist eigentümlich, baß ich luäljrcnb der ganzen Zett nicht das geringste Angstgefühl verspürt hatte, ja nicht einmal meine Zigarette, die ich gerade bei Beginn der Jagd angezündet hatte, war mir ausgegangen. Als ich aber an den erlegten Elefanten heranging, um feine Zähne zu messen und Sion- goma noch vor Angst zitternd zu mir kam unb sagte:Bwana, kanbusana.