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Eine astronomische Expedition im 18. Jahrhundert.
Von Dr. I. Larink, Hamburg.
Im September des Jahres 1769 lud der dänische Gesandte am Lose der Kaiserin Maria Theresia dem Direktor der Wiener Stern« Sorte den Jesuitenpater Maximilian Hell, zu einer Forschungsreise m<6 dem nördlichsten Teil von Norwegen ein, das damals zu Däne« mark achörte. Im Jahre 1769 sollte nämlich die kleine Scheibe des Blatteten Venus vor der Sonnenscheibe vorüberziehen. Da sich dieser Dorübergang in Europa in der Rächt vom 3. auf den 4. Juni er» rianete, war er hier im allgemeinen nicht sichtbar. Rur im Lande der Mitternachtsonne konnte man ihn beobachten. Als nördlichste dänische Ansiedlung sollte Warboe das Ziel der Expedition fein, eine {feine Insel etwas östlich vom Nordkap, die von den Dänen zu einer feftung ausgebaut war.
Was den damaligen König von Dänemark, Christian VH., zu hiesst Einladung bewogen hat, wissen wir nicht sicher, zumal von ihm bekannt ist. daß er ein sehr unbedeutender und in jeder Beziehung schwächlicher Herrscher gewesen ist. Wahrscheinlich war sein Minister, Vraf Bernstorfs, der geistige Airheber der Reise.
Heute kann man von Wien aus in etwa 3 bis 4 Tagen die nörd» stchste Spitze von Europa erreichen, falls man zunächst die bekannte Aeiselinie übet Berlin—Rügen—Stockholm wählt und von Stockholm sogleich mit der bequemen schwedischen Eisenbahn durch die herrlichste Wald- und Gebirgslandschaft parallel der Käste bis etwa nach der derichmten alten Grzstadt Golltvari fährt. Don hier aus kann man das Nördliche Eismeer in verhältnismäßig kurzer Zeit int Kraft« HxKren erreichen.
Ganz so leicht und bequem hatte es der Pater Hell vor 160 Jahren Mt. Auch wenn sich nicht die merkwürdigen wissenschaftlichen Fragen an die Reise knüpften, von denen nachher zu reden ist. wäre ste interessant genug, um hier kurz erzählt zu werden.
Hell nahm als Reisebegleiter den Pater Sajnowicz mit, seinen früheren Assistenten an der Sternwarte in Wien. Dann bestimmte er noch einen Vertreter auf der Wiener Sternwarte, der auch fein Dachfolger werden sollte, falls er von der Reise nicht zurückkehren würde. Am 28. April 1768, also mehr als ein Jahr vor dem großen Ereignis, reiftet dann die beiden mutigen Ordensleute von Wien ab. Bin Aeisetagebuch ist von Sajnowicz geführt worden und ist uns er« halten geblieben. Es enthält neben den rein wissenschaftlichen eine Fülle von kulturgeschichtlich inteceffanten Beobachtungen und Bemerkungen. So z. B. wenn sich die Reisenden über die ewigen Schwierigkeiten der verschiedenem Geldsorten beschweren, wenn sie in Leipzig den alten kränklichen Dichter Gellert besuchen. Wenn sie in den norddeutschen Städten sich darüber wundern, daß die Häuser fast ganz aus Fenstern bestehen, oder wenn in den Dörfern her Lüneburger Heide die Bewohner mit Entsetzen zusehen, wie unsere Reisenden sich ihre Schokolade als Morgentrank bereiten.
Die Reise führt über Dresden, Leipzig, Braunschweig und Ham« bürg nach Lübeck. In der Nähe von Lübeck treffen sie mit dem 22jährigen dänischen König zusaminen. Im Gespräch mit ihm wird auch die verzwickteste astronomische Frage aller Zeiten besprochen, nämlich, was bann, wenn in den kurzen wichtigen Augenblicken der Beobachtung der Himmel bewölkt sein sollte?
In Lübeck erreicht unsere Reisenden auch ein Brief vom römischen Hofe. Sehr trocken schreibt Pater Sajnowicz ins Tagebuch: »Die von uns nachgesuchte Befreiung vom Drevierbeten und Fasten blieb aus, toahrscheinlich weil der Heilige Dater nicht hinlänglich unterrichtet worden war, und weil der Berichterstatter geglaubt hatte, daß totr diese beschwerliche und gefahrvolle Reise nur unseres eigenen Vergnügens wegen, zwischen italienischen Gärten und Weinbergen machen.
Dann wird das Tagebuch erst wieder am 2. Juni bei der Abreste ton Kopenhagen fortgesetzt, nachdem hier die weitere Reise gründlich torbereitet war. Arn 13. Juli erreichten sie Christiania und reiften nach einem angenehmen Aufenthalt von fünf Tagen weiter. Die halbe Stadt gab ihnen das Geleite, als sie mit den fünf leichteren Wagen, die sie auf Grund ihrer bisherigen Erfahrungen gegen die schweren eingetauscht hatten, ihre Reise sortsetzten. Sie kamen nach anstrengender Fahrt über das Gebirge am 30. Juli in Drontheim an. Der Aufenthalt In dieser Stadt wurde zum Teil astronomischen Beobachtungen gewidmet. Es scheint aber, daß man sich förmlich um bte ftemben berühmten Gelehrten gerissen hat. ihtb der gute Pater Sajnowicz beklagt sich bitter über die schier unglaubliche Trunksucht der Nordländer. So schreibt er an einer Stelle: Mittags speisten wir beim Kaufmann Friedlich, wo wir nach Tische Bischof, ein Ge» tränte aus Pomeranzen und rotem Wein, tranken. Gleich nach dem Mittagessen wurden wieder tote gewöhnlich Gesundheiten ausgebracht, diesmal aus großen silbernen Bechern, und in dieser edlen Beschäftigung wurde bis nach Mitternacht fortgefahren. Wir hatten Mühe, uns von diesen heillosen Gewohnheiten freizuhalten, da man ungestüm in uns drang, es, ihnen nachzumachen." Arn 22. August bestiegen sie dann ein kleines Küstenfahrzeug, das sie in einer Fahrt ton mehr als sieben Wochen zum Ziel ihrer Reise brachte.
Der lange Polarwinter in Wardoe wurde mit eifrigen Orts-- und oeubestimmungen und mit anderen Vorbereitungen für das große Ereignis zugebracht. ,
, Aw Beobachtung des Venusdurchgangegelang vollständig, ob» ttohl das Wetter gerade in den Tagen vorh r und nachher besonders günstig gewesen war, und obwohl andr-e Astronomen, die nach tont nördlichen Skandinavien gereift waren, keine Beobachtungen er« vmten hatten, Hell und Sajnowicz reisten schon einige Tage später ab, erreichten Drontheim nach einer bösen Seereise und kamen am 17. Oktober an. In Kopenhagen hielten sie sich sieben Monate auf. Am 12. August 1770 trafen sie schließltch
2>/tiAhriger Abwesenheit wieder in Wien ein.
Die Reife hat nun ein merkwürdiges Nachspiel gehabt, daS eigentlich erst in unseren Tagen zum Abschluß gekommen ist. Da nämlich von allen Astronomen im hohen Norden Hell der einzige war, der gutzrs Wetter gehabt hatte, waren seine Kollegen begreiflicherweise neugierig auf die Bekanntgabe seiner Beobachtungen. Weil nun Hell aber damit zögerte unter dem Dorwand, er sei moralisch verpflichtet, nichts davon vor dem Erscheinen des offiziellen Reisewerks bekannt zu geben, wurden schon bald Stimmen laut, die ihm vorwarfen, er warte nur erst die Beobachtungen anderer Astronomen ab, um danach seine eigenen zu „frisieren". Trotz großer Anstrengungen ist es ihm nicht gelungen, sich ganz von dem Dorwurf der Fälschung zu beireien. Im Jahre 1835 veröffentlichte C. Li11row, damals Assistent an der Sternwarte, einen Teil des Nachlasses, soweit er auf die Beobachtungen in Wardoe sich bezog, und kam dabei endgültig zu dem Ergebnis, daß es sich bei den bekanntgegebenen Zeiten der Deobach« hingen, aus denen nachher in Verbindung mit den Beobachtungen an anderen Erdorten die Sonnenentfermmg abgeleitet worden war, um gefälschte Zahlen handelte. Nach Littrows Bericht lag ihm die erste Niederschrift der Beobachtungen vor und in diesen Beobachtungen sei kaum eine Zahl unvechessert geblieben: nach Littrows Behauptungen waren sämtliche entscheidenden Sekundenziffern aus- rabiert und durch andere ersetzt worden. Erst in unseren Tagen ist dem Pater Hell von gänzlich unerwarteter Seite ein Ehrenretter erstanden. Der amerikanische Astronom Newcomb. der es sich zur Lebensaufgabe gemacht hotte, die Dehnen der großen Planeten nach den besten Beobachtungen aller Zeiten zu bearbeiten und zu diesem Zweck unveröffentlichtes Material in alten verstaubten Bevbachtungs- büchern usw. sammelte, ließ sich in Wien den handschriftlichen Nachlaß von Hell geben, da die Beobachtungen in Wardoe auch für feine Arbeit sehr wichtig waren, und ba er an die angeblichen Fälschungen nicht glauben wollte. Auf den ersten Blick schienen Littrows De- hauptungen richtig zu sein. Allmählich aber kam Newcomb zu der Ueberzeugung, daß die fraglichen Aufzeichnungen gar nicht die Ort« ginalniederschrift im Augenblick der Beobachtung enthielten, sondern vielleicht am Abend nachher aus der ersten Niederschrift sehr ordentlich abgeschrieben waren. Dazu kam aber noch eins. Nach gründlicher Untersuchung fand Newcomb, daß überhaupt gar nicht radiert worden war. Der Kniff, in dem das Schriftstück so lange Jahre gefaltet gelegen hatte, ging unglücklicherweise, gerade über die Reihe der Sekundenziffern hinweg und hatte das Papier aufgetoeicht, so daß der Anschein erweckt wurde, als sei an diesen Stellen radiert worden. Don Weiß, dem Direktor der Wiener Sternwarte, erfuhr er schließlich noch, daß Littrow blind gewesen sei. Damit fallen feine Beweise für die angeblichen Fälschungen, die sich auch auf die verschiedenen Tintensorten stützen, vollständig in sich zusammen.
Der Generalreeder.
Erzählung von John B r i n ck m a n.
(Fortsetzung.)
Damit klipp, klapp! klipp, klapp! trabte Humpel-Davids wieder fort. Ich sah ihm nach. 'Gr steuerte richtig nach Detkes Bude hinein und hat sich da wahrscheinlich seinen kleinen Aquavit abgeholt. Auf der Marienkirche schlug die Uhr elf. Seit sechs Uhr war ich schon so auf der Drücke herumgelaufen. Ich war ganz verfroren, denn ich war ohne Nah und Trocken von Hause weggegangen in der Unruhe und Pein, die an mir fraß wie eine Made am Apfelhäuschen. Nach Hause konnte ich noch nicht. In Loitings blaue Augen konnte ich nicht sehen, ohne noch gar viel trauriger zu werden, als ich schon war. Mir lies eine Träne die Nase entlang, als ich so an sie dachte, und wie es einmal mit uns werden sollte. An der Mönchenbrücke wurde aus der Isis Hanf gelöscht, der war vor acht Tagen aus Petersburg gekommen. Wenn Ohlsen doch deine Ladung haben soll, bann ist es am Ende geraten, daß du zu ihm gehst und ihn fragst, ob er dir nicht eine Steuermannsheuer gönnen will, dachte ich bei mir. Möglich ist es, daß er es tut, sein Maat hat ja gestern ins Krankenhaus gebracht werden müssen. Beiß du nur in den sauren Apfel, Martin, es hilft nicht. Getan muh etwas werden. DaS bist du Lotting und Mining und Stining schuldig: dafür bist du ein Mann. _ „„ .
„Um Vergebung, sind Sie nicht Kapitän Heuer? Ich sah auf. da stand ein kleiner runder Mann vor mir. „Der bin ich, sagte ich, „was steht Ihnen zu Diensten?" „O, nichts," antwortete er. „Sie kennen mich wohl nicht, wie mir scheint. Sie sind aber so lange von Hause fort gewesen, dah ich Ihnen wohl ein bißchen aus ber Kundschaft gekommen bin. Ich bin ber Seilermeister-Aelteste Dahl, Kapitän Heuer. Ihr seliger Vater hat mich gut genug gekannt. Ich habe ich mir den Hanf aus Ohlsens Schiff besehen. Und als ich hier so vorbeikam, da sagte ich zu mir, du kannst dir auch einmal den Agamemnon angucken, und wie er aussieht, nun da er vollständig getakelt ist. Das ist eine sehr schmucke Brigg, das soll wahr sein. Ich kann nicht sagen, bah eine Festgaleafse mir recht zusagt. So eine richtige Brigg ist doch ein anderer Schnack. Da sind mehr Pserde vor dem Wagen, und wenn der größere Spanndienst auch mehr Handdienst verlangt, schadet nichts, sage ich immer, es lieht.doch Hinter bei dem Wind, und Zeit gewonnen, viel gewonnen. Nächste Woche nimmt wohl ber Agamemnon seinen Weizen ein was? Habe nur gehört, daß Sie mit Schnäkel & Abensetter abgeschlossen haben. Dolle Ladung, nicht? nach London, an Kastendiek & Henz, ober heißt < das Haus anders?"
„Das ist wohl alles so beabsichtigt gewesen, mein lieber Herr Dahl, aber da wirb nun wohl nichts mehr daraus, und ob ich I« meinen Fuh als Kapitän des Agamemnon auf sein Deck setzen werde, das ist in diesem Augenblick so unwahrscheinlich, als es vor dem Antonitermin wahrscheinlich gewesen ist."
.Sie können einen ja ordentlich erschrecken, Kapitän Heuer.


