Ausgabe 
21.1.1928
 
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Jahrgang 1928

Samstag, den 21. Januar

Nummer 6

chens noch dem (Buten und PestalozzisLienh ird

Schwermut.

Von Wilhelm Schäfer.

Mich kümmert nicht der Menschen Leid, Mich kümmert nicht ihr Klagen.

Dort zu des Strandes Einsamkeit Will ich mein Herze tragen.

Das Meer, das sich ans Ufer schmiegt, Spürt nicht des Windes Säuseln.

Er kann, wenn er auch Dirken biegt. Nur seine Wellen kräuseln.

Das Meer fühlt nur den wilden Schmerz Von einer tiefen Wunde, Der Sturm zexwühlte einst sein Herz In seinem tiefsten Grunde.

So bist du wie die wilde See, Mein Herz, oün Leid zerschlagen.

So rührt dich nicht das kleine Weh, Worüber Menschen klagen.

Und sollten Schmerzen endlos weit In Meerestiefen nagen. So ist doch tiefer noch das Leid, Das meine Brust zerschlagen.

gefunden 5 bis zur aus nicht gegangen, ehen, das cht, dann > in den selbst im : in dem r Claude ; Jahren, wie Car- renn Uhr und ver- inb dann, n Schlaf- m Leuten ge zutun. >er Küche, sich zum r sie las, >en Lehn­as zu ge- ilieb alles :fe Tritte, gleich dar- und Be­ll, gingen t, was in aller Hei- läufig er- >nten? ; vortreff- t alles die n werden en, sprach in vollem . dah Oli-

Tat nicht so bedroh­verruchten

Gerichts- ßte. Durch enen ganz und Be-

Olivier ausgehört, enug, dah ll er nicht en Willen, inschuldige wer steht )cm Vater Ihr, schrie - Oh, fuhr zet es mir en Schütz- Der Scu- ar ihr, als I) bestehen, Blutschuld, nen, müh- e hinabzu- it begleitet ike. Würd' sehen? So ,te sie mit >s widrige nun, mein vertrauend schuld oder erbrechens, Abftusun- onciergeri« Ture Teil-

tgen Meu­ter in der enden Tat- den leben- eden bösen annehmen,

weit »evschlagen wurde, und wie er sein ganzes Leben nach dem Hof zuruckstrebte, so ist auch der Sohn den inneren Weg nach der Hemmt $uru(fgegangen. Seme künstlerische Begabung äußerte sich zunächst ^rr ^llos in einer unbändigen Lust am Zeichnen, und erst da «

<?Äbfchullehrer sich eine tiefere Bildung aneignete, wandte er sich 411' ®ctne erften Erzählungen, die unter dem TitelMannes. lut erschienen, waren naturalistische Bauerngeschichten. Dann packte ihn $2» "^rUxnien^?ur^ : i>cr 5 mehreren Dramen anftochelte, die die erste Aufmerksamkeit auf ihn lenkten. Wanderjahre führten chn noch Pans, wo er sich in die Kunstgeschichte vertiefte, nach der stamm, verntonbten Schweiz, dle ihmmit ihren starken Säften und dem freien St-efheimat" wurde, und nach Berlin, wo befJnter» akichard D e hme! Einfluß auf ihn gewann. Von Dehmel dem Be- Lüstchen Achtersprache", lernte er, feinen Stil in strenge Zucht M nehmen und nach bem verborgenen Goldgehalt jedes Worts zu suchen. Mit seinen weiteren epischen Versuchen, denzehn Geboten" und der wunderlichen Geschichte vanGottlieb Mangold, dem Mann in der Ää> - geriet er aber m eine preziöse Sackgasse, so daß er eine mehr« e m ,?*r Herausgabe seiner Dichtungen eintreten lieft, wahrend deren er sich ganz dem Dienst für die Heimat widmete All»

>?<,r@miri,ttl9en x3eitfd)riftSie Rheinlande" als Lecker bw h,? ® Kunstfreuiche m ben Ländern am Rhein", hat er sich um

ine rheinische Kultur und Kunst unvergängliche Verdienste erworben und und das bergische Land" eine wahr­haft klassische Landjchaftsschi lder ung geschaffen. *

, Unterdessen hatte er sich durch das Vorbild desrheinländischen Haus- Mundes , Johann Peter Hebel von feiner Manier geschmäckierifcher (£,MnIinn!5re!tc befrrit und aus demSchatzkästlein", dieser schlich^.

^r^!erfu^t, das Gefühl für echte Epik gewonnen. DieRhein- tagen und das erste Bändchen feinerAnekdoten" waren die Frucht CT 3utn ersten Male aus dem Volkstu^ cher gestaltet er Klang und Wort, Satz und Absatz zu einem rhythmischen ?^uge. das zimir noch mcht ganz die Künstlichkeck abwirfh a^r den 00Jk Ton des geborenen Erzählers hat. Die Bedeutung er allmählich mit wachsender Reife und Meisterschaft aus über vierzig brachte, die ihn zuerst bekannt machten ueues, viel iiachgeahmteres Genre in unser Schrifttum eiw ^rten. bestand vor allem darin, daß sich nach aller psychologischen Zer- gliederung und beschreibenden Stimmungskunst wieder ein Dichter fand ^t;T-erS°$'en fx mie es die großen Epiker aller Zeiten getan: freckich m einem Geiste, der weitere Perspektiven eröffnete.Ich habe U'chts ^gewollt , sagt er selbst,als ein Stück Weltgeschichte so zu er- zahlen wie man eine Sage, eine Schnurre ober Anekdote auch erzählt LrtUiSÄi mT Vorgang selber als künstleris.ches'

tsrobtem gestellt ... In diesem Sinne könnte man von ber Erzählung fugen, daß sie ans menschlichen Handlungen Sagen mache." Also nickst den einzelnen Vorfall will er bloß geben, sondern in einer Beleuchtung, ine t^n ins Mystische, ins Allgemeingültige, Ewige rückt. Diese Form

er m grofjeren Novellen, wie berHalsbandgefckstchte", derUnter- brochenen Rheinreise auszuweiten: er suchte sich von dem Problema- tischen und Komplizierten der Zeit und seiner eigenen Natur in tief« bobrenben Charakterstubien, wie denMißgeschickten" und dem Roma« Karl Stauffers Lebensgang zu befreien. Immer einfacher, knapper, klarer wurde fern Stil, immer weiter, typischer, allgemeiner seine Welt« ansicht Aber in der ergreifendenChronik ber Leidenschaft" von ®1 p: lI j e r= ® e.r n s Ringen und Untergang hatte er doch nur den SonbetjaU des Künstlers gestaltet: ihn drängte es von der Anekdote" zum Weltbild, vom Menschen zur Menschheit!

MtzenerZamilieOMer

Unterhaltungsbeilage zum Siebener Anzeiger

Wilhelm Schäfer.

Don Dr. Paul Landau.

Der Dichter Wilhelm Schäfer vollendete gestern das 60. Lebensjahr.

Die Kluft Müschen Dichter und Volk, die im Laufe der Jahrhunderte ttmner größer geworden ist, kommt vielen Schaffenden heut kaum noch Mm Bewußtsein: sie haben sich damit abgefunden, daß sie mit ihren Werken nur zu einem mehr oder minder großen Kreis der Gebildeten ipred)en. Ader stets treten wieder Talente auf, und es sind gerade die ^htesten und eigenarHgften, die von ber Sehnsucht gepackt werden, diese Kluft zu überbrücken, bis ins Herz, bis zu jedem einzelnen ihrer Nation zu dringen. Dieser Trieb hat bei der Isolierung des modernen Dichters, bei »er Gegensätzlichkeit und kulturellen Verschiedenheit der Parteien und Ktassen etwas Tragisches, und nur selten glückt es einem Künstler, aus l Ms und der Problematik unserer Tage sich zu der Cin- sachyett, Klarheit und Allgemeingültigkeit burchzuringen, die allen Volk-i- genossen etwas zu bieten vermag. Wilhelm Schäfer hat in feiner Ent- rnuflung bictem Ziel mit instinktiver Folgerichtigkeit und zäher (Energie Sugeftre-bt, und feine besondere Bedeutung liegt darin, daß er an seinem 6l>. Geburtstag auf der Hohe eines wahren Volksdichters steht, daß er von ber modernen Poesie ben Fluch, nur Wenigen Brot, ber Masse genommen hat. So ist er zu einem geistigen Führer unb Prediger der Deutschen geworben, wenn nicht aller Deutschen von Heute, so doch der Deutschen der Zukunst, die ihm als das wahre Volk vorschweben. '

Sdjäfer hat dem Beruf des Dichters, der zum Unterhalter in müßigen «künden, zum Anreger einzelner Schichten, zum entwurzelten Literaten geworden war, die Weihe wiedergegeben, die er in alten Zeiten befaß, «ne unsere Klassik wieder erneuerte. In seinemLebensabriß", heften Michte Ueberzeugungskrafl jein Wesen und Wollen so rein offenbart nennt er den DichterSprecher der Volksseele und in ber höchsten Be- gnabung der Menschheit", und wenn er auch feinVutzprediger" sein El. so _ bekennt er:Ich bin eben doch Priester, nur nicht ber einer 5\*Fcve- sondern ber Kultur, die in einem viel natürlicheren, innigeren weheren Sinn die Erlösung ber Menschheit umgreift. Der Mensch- beit Wurde ist in meine Hand gegeben; sie zu bewahren, genügt es nicht, SJL't rm,r Jucbtig bin, sondern daß ich diese Tüchtigkett in das Schmetzsener ber Menschheit bringe. Das zu tun, habe ich fein anderes und m??mn^«bprache. dh., nicht die Aeußerlichkeit ihres Klanges Stckn>^I ni^?Er?st' sondern die Summe dessen, was mein Volk als S bekmr.nid,I)e? r>> su»en vermochte: fo ist mein Volk

fehmhinnMh an der Menschheit Würde in meinem Werk

ffraft galten, mein Amt." Die vorbildliche Reinheit und

6at l?o!)en Beruf in unserer Zeit verwirklicht

hsute die Verehrung seiner innerlichsten und ernstesten

Stimmenchor des zu seinem M. Geburtstag er- & S» Wilhelm Schäfer" zeigt, das von Otto

herausgegeben worden ist.

Wr klinischen Bauerngeschlecht. Sein Vater

war ber erste, ber nach Jahrhunderten von der Scholle nach der Industrie- I

Schäfers Pestalozzi-RomanLebenstag eines Menschenfreundes" ist btc, erste reife Frucht solchen Strebens und Wachsens. In der Erzählung dieses Lebens ist ein Sinnbild edelster Menschlichkeit und damit der Menschheit selbst gefd)affen. So geschichtlich wahr mrb seelisch Nar die Entwicklung des genialen Erziehers erzählt wird, tm einfachen Volk-Non aber mit unvergleichlicher Bildlichkeit und Wärm«, so entfallet sich doch £>n zeitloses und einiges Bild menschlichen Suchens nach dem Guten und Wahren. Ein Volksbuch ist es geworden, wie PestalozzisLienhird und Gertrud", aber zugleich ein künstlerisches Meisterwerk. Und nach diesem Gelingen waren dem Dichter die Flügel gewachsen. DSd. dem Er« lebnis des Krieg es im Innersten erschüttert, möchte er sich an die ge­waltige Aufgabe, das Schicksal des deutschen Volkes darzustellen, wie es !>ch von ber Völkerwanderung bis zum Weltkrieg entwickelt.Die drei­zehn Bücher der deutschen Seele", die rasch ms Volk gebrangen sind stellen das am meisten dichterisch geschautt, am innerlichsten erlebte Ge­schichtsbuch unseres Volkes bar. Der Historiker ist für immer zum ein. fachen, mystisch gläubigen, die Wesenheit offenbarenden Chronisten ge­worben. Schäfers eindrucksvolle Verdeutschung des deutschen Nation-^, epos derNibelungen" war eine Fortsetzung dieser Studien. Zugleich aber trat er mm in der höchsten deutschen Not mit Reden und BriefenAn

ch in jener iei möglich verschlossen rern. . .

>eri in «in itengerassel.

, sank auch Düvier ver­ein Wogen >er freveln» tg folgt.)

:, Dietzen.