bungen .Hooks, ungefähr 6 Fuß lang und 7 bis 8 Fuß im Biameter. Die Augen hatten die Größe eines kleinen Tellers, der hörnerartige Schnabel war 15 bis 18 Zoll lang und 8 bis 10 Zoll dick. Demnach kann der Gegner Hooks zu den größten Polypen gerechnet werden, die ein Mensch je gesehen hat. Der Taucher hat seinen Feind im Kampfe derart zerstückelt, daß mit Ausnahme der erwähnten beiden Fühler, nur sehr wenige heile Stellen von ihm übrig geblieben sind.
Hook, der den Auftrag hatte, die beschädigten Befestigungen für den Fischfang in Ordnung zu bringen, ließ sich 80 Fuß tief ins Wasser herunter. In Anbetracht der niedrigen Wassertemperatur, zog er sich die vollständige schwere Taucherausrüstung an, nahm außerdem noch eine elektrische Lampe und einen Speer, bestehend aus einem langen Eichen- holzgrifs und stählerner, flacher, sehr scharfer Spitze, mit sich. Solch ein Speer ist die gewöhnliche Masse der Taucher und wird als Haken zum Heben der gesunkenen Baumstämme und als Beil zur Verteidigung Segen eventuelle Angriffe unter dem Wasser, gebraucht. Glücklicherweise alte Hook, am Vorabend seines unerwarteten Kampfes, seinen Speer K geschliffen, bis er so scharf wie ein Rasiermesser war. Diesem ib hat er unzweifelhaft sein Leben zu verdanke». Wir erlauben
uns, von hier an die weitere Erzählung Hook selbst zu überlassen:
„Meine Barke verlassend," berichtet Hook, „ließ ich mich rasch zum Meeresgründe hinab. Dort befestigte ich meine Lampe an einem gesunkenen Baumstamm, kontrollierte die Signalstricke und Luftröhren und wollte gerade zur Arbeit schreiten, als ich, seitwärts des Lichtscheins, einen hellen Fleck erblickte, der sich mir langsam näherte. Die dunklen Umrisse dieses Gegenstandes konnte ich leider nicht erkennen und dachte im ersten Augenblick, es sei der weiße Bauch eines, allerdings sonderbaren, toten Fisches, der vom Strom mir zugetrieben wurde.
Um mich von der Richtigkeit meiner Annahme zu überzeugen, nahm ich den Speer in die Hand und näherte mich vorsichtig der fraglichen Stelle. Doch wie groß war mein Erstaunen und Entsetzen, als ich, nach genauerem Hinsehen, das bleiche Antlitz eines Leichnams vor mir erblickte. Die Augen waren geöffnet und'die Arme, weit auseinandergestreckt, schaukelten sich in den Wellen. Der weihe Fleck, den ich zuerst erblickt habe, waren Fetzen einer Schürze, die sich hinter den Schultern des Toten bewegte».
Aufgeregt und erschrocken begab ich mich bereits zum Signalstrick, als im selben Moment eine riesenhafte Masse, mit zwei großen, unbeweglichen Stieraugen und einem Schnabel, der dem eines gigantischen Adlers glich, übet der Leiche sichtbar wurde. In diesem Ungeheuer erkannte ich sofort einen Polypen, aber er war um wenigstens 5- oder gar 6ma( größer als diejenigen, die mir während meiner langen Tätigkeit am Meeresgründe zu Auge» gekommen sind.
Auf vier Fühlern sich langsam fortbewegend, streckte dieses wider- uche Geschöpf zwei weitere Hände, wenn man sie so nennen darf, nach Wune aus. In den übrigen beiden bemerkte ich den toten Menschen- korper, der, wie eine Eisenlast auf einem großen Hasenkran, ganz be- Msam von dem Polypen getragen wurde. Ich schäme mich nicht zu bemerken, daß ich erschrocken war, sehr erschrocken. Aber lediglich der wedanke, daß auch mir beschicken sein könnte, von diesem Vampyr der •weere ersaßt und ebenso ausgefressen zu werden, wie dieser Leichnam, brachte mich wieder zum klaren Verstand und ich entschloß mich, den •Wuppen zu töten. Mein Speer war, dank seinem leichten, hölzernen Ms »nd schweren, scharfgeschlifsenen Stahlspitze, eine wundervolle und besser geeignet zum Schlagen und Schneiden, als eine Har- punLoi)er andere, ähnliche Instrumente.
. .'i(9 stand abseits des Lichtscheins, de» meine elektrische Lampe gab Jv uahm an, daß mich der Polyp noch nicht gesehen hat. Möglich ist, gerade dieser, für den Meeresgrund zweifellos ungewöhnliche Licht- aas Ungetüm angelockt hat, während es mit der Beute feiner Be- iimn«"3 .^strebte. Auf jeden Fall rückte das grauenhafte Monstrum o", Uscher zu mir heran, bis es, einen riesenhaften Fühler in seiner mir n9c über meinem Kopfe ausstreckend, kaum noch 10 Fuß von wir entfernt war.
SBotn« I)renc Taucher haben mir immer geraten, beim Kampfe mit bi, Du,' an erster Stelle und so schnell als möglich zu versuchen, ihnen oyt Duler mit dem Haifischmesser abzuschneiden. Ich achtete jedoch nicht Sohl»» < pudern sprang vorwärts, so schnell es meine bleiernen artiop ?ten und schlug mit meinem Speer mitten auf das bös- y ungeheuer ein. Leider hatte ich auf die Entfernung nicht ge-
Ueberfaß auf dem Meeresgrunds.
Taucher im Sumpf mit Polypen.
Von E. Urban.
Grauenhafte Geschichten über erbitterte Kämpfe mit gigantischen Mypcn, den schrecklichsten Ungeheuern der Meeresgründe, sind uns bis nur aus Märchenbüchern und phantastischen Erzählungen bekannt gewesen. Nun aber sind wir in der Lage, über eine tatsächliche Begegnung mit Polypen zu berichten, die beinahe einen tragischen Ausgang genommen hätte. Der Held dieser Geschichte ist der Berufstaucher A. E. Hook, der im Königin-Charlotte-Meerbusen, wo die Polypen im lieber« «uh vorhanden sind und riesenhaften Umfang erreichen, von einem Men gigantischen Ungeheuer auf dem Meeresboden attakiert wurde und ihn, nach einem verzweifelten Kampfe, der über eine Stunde dauerte,
erschlug.
Dieser Zusainmenstoh Hooks mit dem Ungeheuer erfolgte in einer derartigen Meerestiefe, daß drei Menschen, welche auf die Signalstricke und Luströhren aufpaßten, nicht in der Sage waren, ein Lebenszeichen von ihm zu erhalten und infolgedessen nicht wußten, was unten vor.sich ging. Als der Taucher das Zeichen zum Hochziehen gab, war fein linkes Kein mit einem Fühler von 14 Fuß Länge umwickelt, während sich ein anderer Fühler von 9 Fuß Länge an seinem Körper, bis zu den Armen, hochgewunden hatte. Nach diesen Teilen, die Hook während des Kampfes von dem Körper des Ungeheuers abgeschnitten hat, schließen die Zoologen, daß fünf Fühler dieses Polypen nicht weniger als 18 Fuß lang waren und drei weitere 16 Fuß. Der Körper selbst war, nach den Beschrei- Fuß lang und 7 bis 8 Fuß im Biameter. >ße eines kleine» Tellers, der hörnerartige
niigenb geachtet, so daß mein Speer das Ziel verfehlte und lediglich einen großen Fühler streifte, der die Leiche hielt. Ich bemerkte, daß die Bewegungen dieses Fühlers langsamer wurden, als ob der Polyp die Kontrolle über ihn verloren hatte.
Noch ehe ich meinen Speer zurückziehen konnte, um zum neuen Schlage auszuholen, erfaßte ein anderer Fühler, der sich am Boden entlangschlängelte, mein linkes Bein. Mit aller Kraft versuchte ich nun, mich aus dieser gefährlicher Umklammerung zu befreien; ich wiege über zwei Zentner und erfreue mich einer blühenden Gefundheit, aber ich fühlte mich machtlos wie ein Kind, das in den Rüffel eines Elefanten geraten war. Ein Ring nach dem anderen wanden sich um mein Bein und drückten es mit einer derartigen Kraft zusammen, daß ich überzeugt bin, wäre nicht mein starker Taucheranzug aus dickem Gummi, so wäre es mir abgerissen worden. Immer höher und höher bildeten sich diese eisernen Ringe, bis sie mein ganzes Bein umsaht hatten.
Dies alles geschah mit einer derartigen Schnelligkeit, daß ich inzwischen nur einmal Zeit hatte, mit dem Speer auf den Fühler zu schlagen und zum Unglück noch vorbei. Im selben Augenblick rückte ein anderer Fühler, wie eine phantastische Riesenschlange, von oben an mich heran und versuchte meine rechte Hand ober meinen Speer zu erfassen. Wäre dieses dem Ungeheuer gelungen, so wäre ich unrettbar verloren gewesen. Bie Situation, in der ich mich befand, war äußerst kritisch und ich glaubte, meine letzten Minuten seien gekommen. Zu allem Unglück wurde das Wasser um mich herum plötzlich ganz dunkel: der Polyp warf seine schützende, tintenartige Flüssigkeit aus und sogar die Strahlen meiner starken elektrischen Lampe vermochten nicht, diese Finsternis zu durchdringen.
Ich konnte gar nichts mehr sehen, und es blieb mir schließlich nichts anderes übrig, als wie ein Wilder mit dem Speer um mich zu schlagen. Zum Glück traf ich dabei den gefährlichsten Fühler, der über meinem Kopfe schwebte. Bas scharfe Eisen durchschnitt ihn und ich bemerkte zu meiner Freude, wie er sich vom Rumpf trennte. Durch meine verzweifelten Schläge geriet das Wasser in Bewegung und vertrieb die vom Polypen herausgelasfene Schwärze; ich sah die starr aus mich gerichteten, schrecklichen Augen des Monstrums und den großen Schnabel, nicht weiter als höchstens 2 Fuß von meinem Gesicht entfernt.
Mit einer schnellen Bewegung bohrte ich die Spitze meines Speers unter den Schnabel und, den hölzernen Griff mit beiden Händen erfassend, schob ich ihn in die Höhe. Der Speer drang wie ein Rasiermesser in den Polypen und zwei" Drittel feines Körpers, mit dem oberen Teil des Schnabels und den haßerfüllten Augen, waren abgeschnitten. Dieser tatsächlich gelungene Schlag halbierte das Ungeheuer. Bas schreckliche Ungetüm legte sich vor meinen Füßen auseinander und, in dieser undefinierbaren weichen Masse, blutlos, bewegte es sich immer weiter; alle abgehackten Fühlerteile des Körpers setzten sich intensiv in Bewegung, bald zu einem Ring sich rollend, bald wieder nach allen Seiten auseinanderschlagend. Ein grauenhaftes Bild ... Aber der Kampf war noch lange nicht beendet und die Gefahren nicht beseitigt, denn die beiden getrennten Körperhälften lebten und attackierten mich einzeln immer weiter. Von oben rückte ein Fühler heran, der viel länger und dicker war als die anderen, und ehe ich ihn abhacken konnte, umfaßte er meinen linken Arm und meine Taille. Mein linker Arm und mein linkes Bein waren somit in der Gewalt des Polypen. Und wenn ich nicht meinen vollen Taucheranzug getragen hätte, wäre ich verloren, denn die Sauger, mit denen die Fühler dieses Giganten dicht besät sind, drangen sogar durch den dicken Gummi in meinen Körper hinein.
Bie Umschlingungen waren derart fest, daß meine Rippen beinahe zerdrückt worden wären. Meine Kräfte drohten mich zu verlassen, doch die drohende Sage, in der ich mich befand, zwang mich immer weiten um mein Leben zu kämpfen. Ben Speer mit der freien Hand an der äußersten Spitze erfassend, stieß ich ihn mit voller Kraft zwischen meinen linken Arm und Brust. Der Schlag gelang, und ich zerschnitt den Fühleri Nun waren meine Hände frei und ich machte mich daran, mein linkes Bein zu befreien. Schließlich zerstückelte ich noch die auf dem Boden sich windenden Fühler und befreite die Leiche. Es war das letzte, was ich tun konnte, — totmüde gab ich das Signal zum Hochziehen.
Als ich auf der Barke wieder angelangt war, traf ich meine Freunde in größter Bestürzung vor. Sie glaubten mich verunglückt und wollten bereits meinen Gehilfen zur Rettung herunterlassen. Ich erzählte von meinem Kampf. Sie Freude über den gelungenen Sieg war allgemein, und man machte sich daran, mich von den drückenden Umschlingungen der Fühler zu befreien. Die abgeschnittenen Stücke lebten immer noch auf dem Deck und wanden sich wie Schlangen.
Nachdem ich mich erholt hatte, stieg ich noch einmal ins Wasser und holte den Toten herauf. Wie groß aber war mein Erstaunen, als ich in ihm meinen alten Freund Henri Hilley erkannte. Hilley war Koch auf dem Schleppdampfer „Warren", der vor einer Woche, unweit meiner Arbeitsstätte, fant Allem Anschein nach arbeitete er, als der Dampfer unterging, gerade in der Küche und hatte dabei feine weiße Schürze umgebunden. Diese Schürze war, wie ich es jetzt erst begriff, dieser weiße Fleck gewesen, der mich zuerst auf den Polypen aufmerksam machte und, möglicherweise, dadurch mein Leben rettete."
Dielegen.
Erzählung von Gottfried Keller.
(Fortsetzung.)
Doch Bietegen erwiderte ihre Untat nicht, gab ihr kein böses Wort und war immer gleich geduldig und anhänglich. Bas sah die Forstmeisterin mit großem Wohlgefallen, und um ihn dafür zu belohnen, erzog sie 6e* Snaben wie ihr eigenes Kind, indem sie ihm alle jene zarteren und feineren Zurechtweisungen und unmerklichen Leitungen gab, welche man sonst nur dem eigenen Blute zukommen läßt und durch welche man ihm die schöne Farbe herkömmlicher guter Sitte verleiht. Freilich hatte sie davon den Gewinn, daß sie in dem Pflegling einen kleinen Sittenspiegel für das mutwillige Mädchen schuf, und es war drollig anzusehen,


