Ausgabe 
19.5.1928
 
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Von fiurpfu^ern und WunderdoVtztoren.

Bon Dr. med, Curt Thomalla.

Der osfiziellen medizinischen Wissenschaft, vielfach alsSchulmedizin" bezeichnet, wird von vielen Seiten und zu allen Zeiten der Vorwurf gemacht, daß sie zu konservativ sei. Neuerungen in der Behandlung von Krankheiten sowie grundlegende Umwälzungen in der ganzen Bewertung neuer Probleme und Anschauungen setzen sich erst im Laufe von Jahren und manchmal Jahrzehnten durch. Demgegenüber greift der frei prak­tizierende und durch {einerlei Standesrücksichten und wissenschaftliche Be­denken gehemmte Kurpfuscher begierig nach jeder neuen Heilslehre, die irgendwo auftaucht.

Wenn wir ehrlich fein wollen, müssen wir zugeben, daß die soge­nanntenNaturheilvereine", die vor Jahrzehnten mit ihrer Propagierung der Licht-, Lust- und Sonnenbehaüdlung, mit ihrer Empfehlung der vegetarischen Kost und anderem allein standen, nur die Vorläufer der heute allgemein üblichen und selbstverständlich gewordenen, auch von der Schulmedizin voll anerkannten und geförderten modernen Lebensweise geworden sind, deren deutlichste Erscheinung die Sportbegeisterung unserer Zeit und neuerdings auch die Wochenendbewegung geworden sind. Frei­lich bewegen wir von der Schulmedizin uns nicht in den seiner Zeit propagierten Extremen, aber wir wissen heute sehr genau, daß es fehler­haft ist, einzelne Krankheitssymptome und Krankheiten einzelner Organe schematisch zu behandeln, ohne auf den Gefamtorganismus Rücksicht zu nehmen, ohne die natürlichen und deshalb wirkungsvollsten Abwehr- und Hilfskräfte des menschlichen Körpers zu unterstützen und vielleicht erst zur Wirksamkeit zu entfachen. So haben die Licht-, Luft- und Sonnenbehand­lung, die Wafsertherapie und sonstigenatürliche" Heilmethoden für uns Aerzte ihren hauptsächlichen Wert in derVorbeugungvor Krank­heiten und in der Steigerung der Wider st andskraste des Menschen. ,m ... .

Man könnte auch noch die Priesuitz- und hyoropathischen Verbände, die Hypnose- und Suggestionsbehandlung, die Autosuggestionstherapie und mancherlei Neuerungen der letzten Jahrzehnte auffllhren, um zu be­weisen, daß die als Kurpfuscher bezeichneten, nicht studierten und nicht approbierten Personen in gewissem Sinne der Schulmedizin voraus waren. Wir dürfen auch nicht vergessen, daß Manches, was seit Jahr­zehnten als sinnloser Mumpitz galt, überraschende wissenschaftliche Grund­lagen erhielt: Schon die Alchimisten,Hexen" und Wunderdoktoren arbeiteten mit Vorliebe mit tierischen Organen als Heilmitteln. Heute haben wir die wissenschastlich begründeteOrganotherapie , die Schild­drüsen, Ovarien und andere tierische Drüsen als Pillen, Tropfen und Einspritzungen dem Menschen einverleibt. Wir wollen also ja nicht ins Extrem und in den Fehler verfallen, alles was nicht im augenblicklich gültigen Bestand der Schulmedizin enthalten ist, von vornherein zu ver­dammen. Wir dürfen dabei aber auch nicht übersehen, daß von den wenig ober gar nicht vorgebildeten Heilkundigen, deren Zahl in Deutschland mit feiner Kurierfreiheit sich in den Zehntausenden bewegt, neben diesen durch die Praxis allmählich bewährten und in den Wissensschatz der Schul­medizin hineingewachsenen Methoden auch unzählige üble, ja zum Teil lächerliche, verderbliche und gefährliche Quacksalbereien verübt worden sind ja auch noch ständig angewandt werden. Wenn die Schulmedizin ich erst im Laufe langer Jahre ober gar Jahrzehnte entschließt, neue Heilmethoden anzuerkennen, und was die Hauptsache ist, die Studierenden zu lehren, so tut sie dies aus dem schwer lastenden Verantwortungs- bewußtsein heraus, daß eine Irrlehre, die zu spät erkannt wird, Gene­rationen lang Unheil anrichten kann, ehe sie wieder beseitigt wird. Der mit Gewissensskrupeln weniger behaftete Kurpfuscher lauft kein Risiko, wenn er das Neueste, möglichst das Allerneueste, das Sensationellste, das Jmponierendste in feine Behandlungsmethoden aufnimmt und als All­heilmittel gegen alle Schäden der Seele und des Körpers anpretft.

Und damit haben wir das Charaktristikum der echten, verderblichen und gefährlichen Kurpfuscherei getroffen: Nämlich die Anpreisung der Allheilmittel. Kein Arzt wird irgendeine Heilmethode irgendein Heilmittel seinen Patienten als nützlich gegen jegliche Schaden empfehlen. Man leie ober höre aber einmal die Anpreisungen her Kurpfuscher, nach denen die gerade propagierten Apparate, die Methoden, die Instrumente, Trank- chen Pülverchen, und Salben für alles, mindestens aber für ein Dutzend verschiedenster Krankheiten und Leiden, wenn nicht gar für lebensläng­liche garantierte Gesundheit und ein biblisches Alter nützlich fern sollen. In ehr vielen Fällen sind die Geschäftspraktiken der Kurpfuscher nicht gar zu gefährlich. Denn unter den Dummen, die niemals alle werden, sind es meist die wehleidigen, hypochondrischen und eingebildeten Kranken, die keinen ärztlichen Ratschlag wirklich durchführen, weil es ihnen un- beguem ist, und die deswegen die Sprechstunden und Portemonnaies der Kurpfuscher füllen. Verheerend wirkt sich aber die Kurpfuscherei aus, wenn durch irgenbroeldjemagnetopathische" Mätzchen, durch Hande- auflegen, Besprechungen, Gesundbeten und durch Tröpfchen oder Pül­verchen, die fast nur Wasser ober Zucker enthalten, schwere Leiden geheilt werden lallen und wenn die unglücklichen, vertrauensseligen Kranken die rechtzeitige ä r z 11 i ch e H i l s e, die vielleicht noch Rettung und Gesundung bringen könnte, darüber versäumen.

Man wird solchen Warnungen stets entgegenhalten, daß eine reichliche An,zahl von Wunderheilungen und überraschenden Erfolgen durch nicht approbierte Kurpfuscher, durch Naturheilkunbige, Magnetopathen, Laien- bnpnotifeüre Und wie sie alle heißen mögen, vorgekommen und nachweis­bar seien. Das ist zuzugeben. Es handelt sich aber m diesen Fallen fast ausnahmslos um hysterische Patienten. Die Hysterie ist eine nervöse Krankheit die alle, buchstäblich genommen, wirklich alle Krankheits­erscheinungen körperlicher, seelischer und nervöser Art in bem betroffenen ' Körper in ber aus bem seelischen Gleichgewicht gebrachten Konstitution Hervorrufen kann. Derartige Kranke verstehen es mit verblüffender Geschicklichkeit, die nervöse Grundursache ihrer Leiden dem untersuchenden und behandelnden Arzt zu verheimlichen und in der törichten Annahme, batz Hysterie und Nervosität eine gewisse Schwache und Minderwertigkeit bedeuten alle Sorgen und Aufmerksamkeit des Arztes auf ihre im Vor-

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s»m nächsten Morgen ein Frühlingssonntag leuchtet über alles pnnb trägt uns das Auto hiigelauf und hügelab, durch blühende, timeienbe Apfelbaumchausseen, die das ganze fränkische Land umsponnen lattett. Junge Wälder, bunte Felder, dunkles, frisch gepflügtes Land, wies schon geeggtes, gelber Raps und lichtgrüne Wintersaat; wie ein K qeroürfelter Stoff liegt die Landschaft in den Tälern. Dies Muster Ht aber viel enger und kleiner gewebt als droben im deutschen Osten. $. verM sich schon dem Wanderauge das hier ansässige kleine Bauern- Hnn mit feinen kleinen Siedern gegenüber den Riesenmustern des Krokarundbesitzers jenseits ber Elbe. Kleine Dörfer, in die Wiefen aemalt unter einen ernftäugigen Kirchtum geduckt, immer eines in ber Nickweite bes anberen, und bann wieder unter greifen Ziegeldächern, ena und winklig, mit einem Torlein bei der Einfahrt, einem Törlein bei ber Ausfahrt, ein fränkisches, altfränkisches Städtchen! lieber einem blirft herrisch und trotzig eine wohlverwahrte, noch heute feste Burg: Rimpar, die Feste des händelsüchtigen Ritters von (Srumb ad), der Eckwaqer und Verräter Florian Geyers war.

Fern auf den Hügeln grüßt ein Helles Schloß aus den Waldern: Aammelburg, einst großes Truppenlager und späteres Gefangen- laaer heute Kinderheim. Langgestreckte Baracken auf ber einsamen Höhe unb ein gewaltiges Wappentier bes Ortes als einziger sichtbarer Be­wohner. Wie viele Männersocken ober Damenpullover schleppt biefer fiammel von Hammelburg wohl in seinem Vlies mit sich?

Ein paar Schritte auf ber Landstraße: wir klinken eine Pforte auf, Muiütionsdepot Nummer 46 steht auf einem alt gewordenen Hause, bann umfängt uns ein ernstes Geviert schattender Eichen. Bier große steinerne Müler reden uns seltsam an in vier fremden Sprachen. Zur Linken ein riesiges Steinkreuz, geschmückt mit steinernem Kranze und bem eingemeifjelten Wappen von Savoyen: eine italienische Inschrift ehrt die gefangenen Kämpfer, die hier starben. An der Stirnseite des einstigen Friedhofes zwischen zwei basaltenen Säulen feiern französische Goldduch- ftaben die toten Helden, die fern bem ruhmreichen Vaterland als Ge­fangene heimgingen; in der anderen Ecke, in hoher Steintafel einge­graben, eine lange englische Inschrift, austlingenb in einen schwermütigen Sers, den gefangen gestorbenen Soldaten zu Ehren; endlich, rechter Hand, wirre und unverständliche Buchstaben in Stein, aber darüber Hammer unb Sichel unb ber Sowjetstern: die Russen. Fünfunbzwanzig ihrer Gräber liegen noch hier, unter gußeisernen Kreuzen mit ovalen Porzellanschilbern. Niemand wußte hier von bem russischen Kreuz, bas noch einen zweiten, schrägen Querbalken trägt. Michailow Andrejew, Maksimow Kutususs junge Kerle waren es, in den neunziger Jahren geboren, im Gouvernement Perm ober Kiew ober Tobolsk, gestorben 1920 unter fränkischem Himmel. Die anderen Stätten sind leer, die Erde trägt noch Wundspuren, ist noch nicht von Grün überwachsen; man hat die toten Krieger alle fortgeholt in ihre Heimat. Wenn hundert Früh­linge ihre Apfelblüten hinabgeschneit haben auf die Chausseen, werden noch immer diese vier steinernen Male in den vier fremden Sprachen zu den fränkischen Kindern reden von jener meeresbitteren- Hochflut von Weh. die einst alles Land Europas überschwemmte.

Unsagbar rührend liegt ein paar Schritt von den Soldatengräbern ein kleiner Kinderhügel: ein dreizehnjähriger Junge aus bem Kinderheim drüben, ber sich hier zu Gaste lud, fern feiner Kinderheimat, seinem Elternhause.

Im tiefen Wiefenlal ber fränkischen Saale, unter Himmel, Sonne und Vogelrufen ein Picknick am Ufer. Mit Maibowle, die der frische Fluß uns kühlte. Dann wieder Fahrten hügelauf und hügelab, über rosenrotes Sandsteingelände, zweimal vorüber am schonen steinernen Dreiklang eines hochgeschwungenen Viaduktes der Bahn nach Bebra, bann ein abgeschlossenes Waldtal voller Frieben und Festlichkeit: saubere Kur­häuser aus ber Biedermeierzeit, eine l)e,fe, gedeckte Promenade, ein Kur- gorten unter schonen Bäumen, und das alles in breiter Bahn sich hin- ziehend zu hohen, immer höher steigenden Terrassen voll buntester Blu­menbeete. Ganz oben, Terrassen, Tal unb Kuranlagen trönenb, ein win­ziges Schlößchen, beinahe nur ein Pavillon: einst der Besitz König L u b - wigs von Bayern, Stätte seines großen Herzensabenteuers nut Lola Montez! Wie still unb wohlgepflegt unb harmonisch liegt unten bas sreunbliche Bad Brückenau. Hoch auf den Terrassen büftern, unterhalb des Schlößchens, zur Rechten und zur Linken, zwei herrliche Blutbuchen in all dem lichten Laub. Kein steinernes Mal, aber zwei un­vergängliche, wachsende Denkmäler einer königlichen Leidenschaft, diese beiden einsamen Bäume.

9n Kissingen geht gerade bas Kurkonzert zu Enbe, als unser Auto im bunten Gewühl ber (onberbaren, oft exotischen, mitunter her­ausfordernden Gestalten kurze Rast macht. Prunk, Reichtum, Eleganz, alles Schöne unb Kostbare, was Menschenhand bildete, versammelt sich in Läden, die mitten im Grün der schönsten Parkwiesen stehen. Wir lassen das Weltbad wieder versinken, halten Abendrast am Wegrain, im tauig feuchten Klee, während singendes Volk überall auf den Straßen heimwärts wandert. Unb bann im Monbfchein, einem ganz betörenden Mondschein Eichendorsfs und Schwinds, Rückfahrt durch Dörfer unb Städtchen. Rote Lämpchen glühen vor den Marienbildern an den Giebeln toie winzige Blutströpfchen. Immer wieder wacht auf den Brücken der rührende alte Heilige, ber Nepomuk. Nur einmal, vom raschen Licht ber Scheinwerfer erhascht, kein Heiliger, sondern, eng umschlungen, im Kusse Erstarrt wie ein steinern Bild auf der Brücke, ein Liebespaar.

Fränkischer Frühling, den Mond und Sterne segnen!

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