den betreffenden Personen irgend eine physikalisch nachweisbare Verbindung durch Sprache oder andere Mitteilungsmittel besteht. Der telepathisch Begabte weiß in gewissen Augenblicken, was um bestimmte Personen in diesem Moment vorgeht; so wird es wenigstens von den Gläubigen dieses Gebietes behauptet. Wenn eine Person sich scharf eine bestimmte Zeichnung vorstellt mit der Absicht, sie einer telepathisch veranlagten zweiten geistig zu übermitteln, so soll dies möglich sein, auch wenn einige Kilometer Weges samt Häusern und Wäldern zwischen ihnen liegen.
Und da man im Rundfunk nun eine so schöne Gelegenheit hat, mit einem großen Kreis von Menschen in Verbindung zu treten, so ist es in der Tat naheliegend, einmal zu versuchen, ob hier tatsächlich etwas derartiges möglich ist. Im Ausnahmeraum befindet sich ein Experimentator, der sich bestimmte Worte, Zahlen, Farben, Namen intensiv vorstellt; wohlgemerkt: im eisigen Schweigen; und nun soll festgcstellt werden, ob von den zahlreichen Zuhörern einer etwas merkt, und zwar das Richtige ...
In England verlief das Experiment ziemlich positiv. Eine ganze Anzahl von Personen fanden die richtige Lösung. Die Anhänger der Tele- pachie jubelten.
Aber einige böse Leute behaupteten, daß es selbst bei dieser Methodik nicht mit rechten Dingen zugegangen fein sollte; die richtigen Eindrücke mancher Hörer seien reine Zufallssache .. .
Und das veranlaßte nun den Grafen Arco und den Dr. Herzberg in Berlin zu einem Versuch, der noch.weit schlauer angelegt war, als der englische. Um nämlich herauszubekommen, welche Rolle der Zufall hierbei spipelt, wurden zwei Gruppen von Experimenten vorge- nommen: und in der einen wurden die Hörer sozusagen auf schnöde Weise betrogen. Man redete ihnen nämlich ein, daß die vor dem Mikrophon sitzenden Experimentatoren in diesem Augenblick an Namen, Weben, Zahlen dächten — in Wirklichkeit aber saßen diese ruhig vor einem Sessel und lasen die Zeitung. So ging es allen Zuhörern, die zu dein Expriment aufgerufen waren: denen, deren Name mit dem Buchstaben A bis K beginnt. Dann kam die zweite Gruppe an die Reihe: di« Leute von L bis Z, und diesmal dachten sich die beiden Herren wirklich etwas. Den Hörern wurde aufgegeben, in beiden Fällen mitzuteilen, was ihnen an Zahlen, Namen, Farben während dieser Zeit in den Sinn gekommen sei. Vieriausendfünfhundert Hörer antworteten auch. Eifrig wurden ihre Mitteilungen geprüft. Und siehe da — es stellte sich heraus, daß bei den betrogenen Leuten von A bis K etwa ebensoviel richtige Lösungen waren, wie bei den wirklich in das Experiment Einbegrisfenen von L bis Z...
Hieraus die scharfsinnigen Experimentatoren schlossen, daß es mit der Telepathie im Rundfunk, mit dem Fern fühlen, leider doch nichts sei. Man muß sich schon vorläufig mit dem Fern hören begnügen.
Die Todesstrahlen.
Von dieser unerfreulichen Erfindung war vor einiger Zeit ziemlich viel die Rede. Ein Ingenieur wollte eine Sorte Strahlen entdeckt haben, die geeignet seien, sämtliche Lebewesen in einiger Entfernung umzubringen. Bei näherem Zusehen, erwiesen sich allerdings Nachrichten über diese menschenfreundliche Erfindung als unrichtig. Leider — das muß man schon sagen — stellt sich aber jetzt heraus, daß die Technik auch in dieser Hinsicht weiter fortschreitet. Das Problem ist nämlich identisch mit zwei anderen, an denen intensiv gearbeitet wird: dem der Konzentration von Radiowellen in eine bestimmte Richtung und zweitens, unmittelbar damit zusammenhängend, dem der elektrischen Kraftübertragung.
Bekanntlich strahlen die Radiowellen gleichmäßig nach allen Seiten aus, wodurch nur ein minimaler Bruchteil der am Sender verwandten Energie zu dem Empfänger gelangt. Da sich aber, wie Heinrich Hertz zeigte, diese Wellen in jeder Hinsicht so verhalten wie die Lichtstrahlen, so muh es möglich fein, etwas Aehnliches mit ihnen vorzunehmen, wie es bei der Konzentration von Licht noch einer bestimmten Richtung etwa durch einen Parabolspiegel geschieht. Dazu aber ist nötig, daß ein Spiegel vorhanden ist, dessen Größe zum mindesten gleich der einer Wellenlänge ist. Somit bei Welle Königswusterhausen 1250 Meter.
Einen solchen Spiegel kann es natürlich nicht geben. Wohl kann die obige Bedingung erfüllt sein, wenn man mit ganz kurzen Wellen unter 50 Meter arbeitet, und das tut in der Tat auch M a r e o n i, der ja ein System dieser Art für die Nachrichtenübermittlung erfolgreich entwickelt hat.
Wenn cs nun möglich wäre, in einem solchen Strahl starke Energiewengen auszukenden, so hätte dies die Folge, daß überall dort, wo ein solcher Strahl die Luft durchschneiden würde, diese ionisiert, d. h. elektrisch äußerst leitfähig gemacht würde, im Gegensatz von ihrem sonstigen Zustand. Sie Müßte dann einen brauchbaren Leiter für Elektrizität ergeben wsd könnte nun dabei dieselbe Funktion übernehmen, wie die bünnen Kupferdrähte der Hochspannungsfernleitungen. Wenn man zwei solche Strahlen parallel nebeneinander leiten würde, so könnte man sie mit den beiden Polen eines Hochspannnungstranssormators verbinden und auf viefe Weife die Strecke als Hochspannungsleitung benutzen. Um dies zu verwirklichen, ist, wie kürzlich ein hervorragender amerikanischer Ingenieur k e.lncr Fachzeitschrift ausführte, eigentlich nichts notwendig, als die Konstruktion von Apparaten und Röhren, die Wellen von etwa zehn vientmieter Länge mit großer Energie hervorbringen. Das ist zwar heute
"icht möglich, wird es aber in kurzer Zeit bestimmt fein.
. Em auf biefe Weife fortgeleiteter Hochspannungsstrom könnte in Entfernung erstens so verwandt werden, wie jeder andere, «Much als Kraftquelle. Wer aber eine solche unsichtbare Luftleitung ri« & ’ ^iUde, der müßte denselben Effekt verspüren, wie wenn er an wu.'LHochspannungsleitung aus Metall geraten märe: das heißt, er ’Tas Isfort tot sein. Hier hätte man also tatsächlich die berüchigten ^vbesstrahlcn vor sich ...
Soli auIlO ober bleiben sie, wenn wahricheinlich auch nur für kurze M der Menschheit noch erspart.
Abschied.
Von Hermann Hesse.
Drunten pfeift ein Zug durchs grüne Land — Morgen, morgen fahr' auch ich davon!
Letzte Blumen pflückt verirrt die Hand, Und sie welken, eh ich fort bin, schon.
Abschiednehmen ist ein bittres Kraut, Wächst an jedem Fleck, den ich geliebt;
Keine Stätte, die ich mir gebaut, Heimat wird und Heimatfrieden gibt.
In mir selber muß die Heimat fein, Jede andre welkt so schnell hinab, Jede ließ mich gar so bald allein, Der ich alle meine Liebe gab.
Tief im Wesen trag' ich einen Keim, Der wird stille größer Tag für Tag: Wenn er reif ist, bin ich ganz daheim, Und cs ruht der ewige Pendelschlag.
Ein Fest aus Haderslevhuus.
Novelle von Theodor Stör m.
(Schluß.)
„So spat?" Rolf Lembeck war es, als habe er unsichtbar einen Schlag erhalten. „Laß ihn hierher kommen!"
Es ritt dann einet in den Hof, und als er näher kam, erkannte der Ritter bei dem Mondlicht, das über den Seitenbau hereinschien, daß er bunt und lustig gekleidet war: von der Achsel hing ihm ein lichtrot Seidengeschnür, auch solche Feder von der Haubenkappe. Als er aber schwerfällig von seinem weißen Pferd gestiegen und, das Tier dem Knechte übergebend, mit entblößtem Haupte vor den Ritter getreten mar, sah dieser, daß es ein alter Mann sei, dessen weißer Knebelbart über einem zahnlosen Munde hing.
Der verneigte sich und begann eine lange, kaum verständliche Ansprache; doch der Ritter fiel ihm in die Rede: „Ich habe keine Lust am Ueberfüiffigen; mach es dir bequem, fag’s kurz, was dein Herr von mir begehrt! Mir klang's, als jollt'st du mich gar zur Hochzeit laben?" „Ihr habet recht gehört, Herr Ritter," sprach der Bote; „ich aber dank Euch für den Richtsteig."
„Zur Hochzeit?" frug Rolf Lembeck sinnend. „Man pflegt sonst solche Ladung am hellen Morgen zu bestellen!"
„Verzeihet, Herr! Ich bin nur der älteste der Knechte und bin geritten wie der Herr mich ausgesandt."
„So sprich denn, wessen Hochzeit gilt es? Will Euer Herr der Witwenschaft Valet geben?"
Da schien der Bote sich mühsam aufzuraffen, und erst nach einer Weile sprach er: „Die Jungfrau Dagmar, des Herrn letztes Kind ist cs, zu deren Festtag ich Euere Gegenwart erbitten soll."
Der Ritter schwieg, in seinem Hirn erstickte er den Schrei: „Du lügst!" Nur fein Antlitz wurde braun und wieder blaß; aber der Bote sah es nicht, beim der Ritter saß im tiefen Lindenschatten. Mit trockener Stimme sprach er endlich: „So sag mir, wie heißt der Mann, dem solch Glück gefallen ist?"
„Herr," erwiderte der Alic, „ein schneller Freier ist es gewesen! Ich sah ihn nicht und ward sein Name mir nicht genannt; doch soll er weit in der Welt bekannt fein. Es fehlt an ritterbürt’gen Zeugen: drum wollet der Jungfrau die erbetene Ehre antun! Wenn Ihr mit Mondesaufgang kommet, wird es recht fein!"
Wieder schwieg der Ritter, und der Bote stand harrend vor ihm. Einzelne Knechte'mit trüben Hornleuchten gingen über den Hof, und wenn im Flügel die Tür nach der Gesindestube aufging, flog ein Lichtschein durch die Mauerschatten; im Brunnen fielen die Tropfen von dem Eimer tönend in die Tiefe. Da kam ein junger Schritt vorüber. „Gehrt, bist du es?" rief der Ritter.
„Ich bin es, Herr!"
„So nimm den Boten mit dir und laß ihm guten Trunk gebens" „Und was für Kunde," frug dieser, „bring ich meinem Herrn?" „Geh nur, wo Jungfrau Dagmar hochzeitet, darf ich nicht fehlen!" Sie gingen, und der Ritter faß wieder auf der Lindenbank. Vergebens bohrte sein Verstand an diesen Rätseln; aber in seinem Innern kochte es vor Weh und Grimm.
*
Am nächsten Tage, da schon die Abendschatten fielen, stand in einem Burgaemache Gaspard der Rabe vor feinem Herrn; die Augen des klugen Gesichtleins blickten fast ermüdet. „Du siehst übet aus; was ist dir?" fprach der Ritter, der mit aufgestütztem Arm am Tische saß.
„Herr, für uns ist üble Zeit", erwiderte der Schreiber und sah dem andern in die verwachten hohlen Augen. „Wenn Jhr's erlaubt, Ihr gleichet selber kaum einem Hochzeitsgast!"
Ein schweres Atmen war die einzige Antwort.
„Herr!" rief Gaspard plötzlich, „geht nicht, wohin man Euch geladen hat!"
Wie abwesend sah ihn der Ritter an: „Meinst du? Weshalb nicht, Gaspard?"
„Verzeihet, wenn ich von Eueren letzten Tagen mehr weih, als Ihr denket" — und Gaspard ließ den Kopf auf die Seite sinken — „Ihr seid doch unschuldig in Euerem Herzen! Herr, traut nicht den Dänen!"
„Du weißt, mich hat keine Däne geloben!"
„Er ist des Königs Mann."
Tonlos erwiderte der Ritter: „So sprich, wenn du Unholdes von ihm wahrgenommen hast!"
„Herr!" sprach Gaspard und legte die Hand auf feine schmale Brust; „soweit unsere Herrin nicht meinen Dienst begehret, der er vorab ge-


