Ausgabe 
5.6.1928
 
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Sie Neben kleinen Teufelchen aber bekamen immer mehr weiße Tupfen, wie man das ja denken kann, und fchfleßk.ch wurden sie alle ganz weiß und kriegten noch wunderhübsche Flügel dazu, so daß sie richtige Englein geworden waren und ganz aus der Himmelswiese ge- bheSa9 fiftb'bie Geschichte von den sieben kleinen getupften Teufelchen, und es ist nicht nur eine hübsche, sondern auch eine sehr wichtige Ge­schichte. Denn einmal müssen auch alle die großen Teufel wieder Engel werden wenn die Welt so sein wird, wie sie einmal werden soll. Und dann müssen die großen Teufel erst einmal jeder so werden, wie die sieben kleinen getupften Teufelchen, denn ohne daß sie wieder Kruder werden, kommen die großen Teufel nicht in den Himmel. Es schadet auch nichts daß sie schwarze Kinder sind und Schwänze haben, denn so waren auch die sieben kleinen getupften Teufelchen. Nur Kinder müssen sie werden, sonst lernen sie es nicht, aus der Hölle herauszukrrechen und mit Öen Englein auf der Himmelswiese zu spielen. Und je großer der Teufel ist um so kleiner muh er wieder als Kind werden, das versteht sich von selbst. Und des Teufels Großmutter, die eine ganze große und fette, chwarze Person ist, die müßte schon so klein werden wie das kleinste von den sieben schwarzen Teufelchen, so klein, daß man sie nur noch mit dem Vergrößerungsglas sehen könnte mit bloßem Stuge über­haupt nicht. . ,., , ,

Aber ich fürchte, das dauert noch em bißchen lange.

Deutsche Laienbühnenspiele.

Von Sophie Lederer-Eben.

Es ist einige Jahre her Öa erlebte ich es wie ein beseligendes Weih­nachtswunder, das viele Jahrhunderte alte Krippenspiel von der Geburt Ehristi, dargestellt von Laienspielern. Es war in der grauen Kloster­kirche in Berlin. Ich war gekommen, ohne die leitenden Gedanken, die das Laienspiel ins Leben gerufen, zu kennen, eigentlich nur angezogen durch die wohlige Düsternis der Vorstellung einerKlosterkirche und den Klang des WortesLaienbühnenspiel", dessen musikreiche drei Vokale mir verheißungsvoll wie drei lichte Blütensträuße auf dunklem Grunde ^Umweht°v?n'^^Schauern, die von altehrwürdigen heiligen Wöl­bungen herabsinken, aus dem Tod der Grüfte steigen und mit Schemen- armen von den abgetretenen Grabsteinen mit den starren Gestalten der Stifter nach dem Leben zu langen scheinen, vor dem ausgedehnten Altarraum sitzend, der schlicht mit ein paar dunklen Vorhängen zur Szene gewandelt war, ward mir durch Menschen aus dem Volk vermittelt die Süße und Unschuld der heiligen Legende. Ich erlebte die Ankunft des heiligen Paares in Bethlehem, mußte erleben, wie Maria und Joseph, deren Züge von Reinheit verklärt erschienen und von herzlicher Bitte bewegt, durch den rohen Herbergswirt, den Inbegriff oller Schlechtigkeit auf Erden, zurückgewiesen wurden. Ich fah die beiden Gestalten, mein der Weihe ihrer Haltung, dem schlichten, aber so ausdrucksreichen Stil ihrer Gewandung geradewegs aus einem Holzschnitt von Meister Dürer herabgestiegen schienen, von der Nacht verschlungen. Dann aber lächelte Maria o innig auf das Kind herab, und alle Herzen lächelten mit ihr. Als aber gar Ochs und Eselein sich inbrünstig auf die Knie warfen vor dem Jesuskind, in unverkümmerter Naturnähe (die Menschen nennen sie Instinkt), die ihnen verwandte himmlische Reinheit erkennend, da schossen mir die lichten Tränen in die Augen. Und erst, als ich sie abgetrocknet, kam mir diese so feine Nuance der Regie als solche zum Bewußtsein. War ich die einzige, die weinte? D nein. Manch Schluchzen klang auf in der Kirchenstille! Laienspieler! Aus dem Herzen des Volkes, aus dem Kreise Werktätiger hervorgegangen wie vermögen sie in ihrer innig-selbstlosen Hingabe an die Sache, die ihnen Erholung, Er­lösung von grauem Alltag bedeutet, zu erschüttern; wie innig fühlt die Hörergemeinde sich ihnen verbunden, nicht nur durch das Bewußtsein von dem Ernst und dem hohen ethischen Wert ihrer Bestrebungen und Ziele, nicht nur durch das Wissen: sie sind aus unserer Mitte, sondern durch die Frische und ungeheure Unmittelbarkeit des Erlebens, wie sie nur freien Spielern, die nicht durch Rücksicht auf die Kassenersolge des Hauses in sich überstürzenden Proben abgehetzt wurden, gegeben fein kann!

Von je war diese Freiheit des idealen Willens ein Kennzeichen des echten Laienbühnenspiels, und dieser ethische Wille verdichtete sich um so bewußter zum Streben, ein einheitliches Kunstwerk zu schaffen, je weiter dieBerufsbühne", durch das BirkuofenMm allgemein grassierender Stars zersetzt, vom einheitlichen Kunstwerk abrückte.

Man bettachkeke die Geschichte der italienischen Oper, die im Laufe der Jahrhunderte an der Star-Eitelkeit ihrer Primadonnen zugrunde ging, um das Streben nach Einheitlichkeit der Darstellung, aus der die Liederspiele" des Volkes und die opera buffa hervorgingen, zu ver­stehen. Man lese, wie verzweifelt Laube und D e v r i e n t über die Ichsucht nicht nur ihrer Schauspieler, sondern aller deutschen Schauspieler von Beruf klagten, um eine Erscheinung wie die Meininger in ihren Zielen zu verstehen. Hier erzwang die militärisch-eiserne Disziplin des kunstsinnigen Herzogs eine völlige Koordinierung seiner Schauspieler, und auf den Wanderfahrten der Meininger verkündeten sie ihr Evonge- lium in ganz Deutschland: das Kunstwerk an sich. Diese Zeiten sind ab­gelebt. So tief die Meininger in echter, selbstloser Kunstauffassung murmelten, so hoch sie ihre Ziele erreichten, so vorbildlich und daher umwälzend ihre Prinzipien für alle größeren Bühnen Deutschlands wurden: den durch die kunstfeindlichen bösen Zeiten veranlaßten Ber- fall des Berufstheaters hat ihr Beispiel nicht aufhalten können! Das Kino, die grell-bunte Kirmeß der Sensationslüsternen, fog die Stars und ihre Leistungsfähigkeit auf. So wäre das Theater sie los. Und noch immer keine Kunst? Nein. Der Letter derLaienbühnenspiele", Friedrich o. Strom, sagt:Keine Hydraulik, keine Pneumatik oder Elektrizität im Dienste des modernen Maschinen-Biihnenhauses, weder Drähte, noch Hebel, noch Schotter können künstlerische Entwicklung vortäuschen." Das Theater ist zum Unterhaltungsinstitut herabgesunken, die Schauspieler sind Zettvertreiber, der Bühnenleiter ein Kaufmann, von der Pyesse, von der Mode abhängig. Sensation ist di« Parole. DieGenossenschaft

deutscher Bühnenangehörigen" entstand aus wirtschaftlichen Gründen, nicht um die Qualität der Leistungen ihrer Mitglieder auf ihre Brauch­barkeit zu prüfen. Bon dort kann kein Heil kommen! Richt aus der Be­rufsorganisation, noch aus der Organisation der Masse zum verbilligten Theaterbesuch. Masse bleibt immer kunstfeindlich! Aber Masse ist nicht Volk Und nur aus dem Volk, aus dem Laienspiel, das nichts gemein hat mit dem dramatischen Dilettantenunwesen, kann neues Aufspriehen und Blühen kommen!Der dramatische Dilettant ist Nachahmer, der Laienspieler ist Jdeenträger und Wegbereiter. Der Dilettant ist eitel, der Laien pieler betrachtet sich als ein dienendes Glied des Ganzen, ist selbst­los. Das Laienbühnenspiel ist bestrebt, seine Darftellungsform zu strenger Einheit zu führen." Es steht im Dienste des heroischen Gedankens, den die Berufsbühne fallen ließ, und es hat feine eigenen vol^tümlichen Bezirke, erdgewachsen wie es ist: das sind Heimaffpiel und Dialektdich- tungNoch haben wir nicht Paneuropa, noch sprechen wir nicht Espe- ranto, noch lebt die Sprache Luthers, Goethes und Schillers. Und das ist unsere Heimat. Um ihr Wesen dem Volke Immer wieder nahe zu bringen, um das Wirken unserer großen Männer dem deutschen Volke in die Seele zu hämmern, dazu brauchen wir das Heimatspiel." Das .Nürnbergisch Ei" von Walter Marian,Die Weiber von Schoendors" sind echte Heimatspiele, nicht zu vergessen derTell", wenn er auch nicht zwischen deutschen Wäldern und Bergen spielt. Die Schweiz ist in ihren Bemühungen um die Regeneration ihres Theater- wesens uns mit bestem Beispiel vorangegangen, so in der Gründung des Berner Heimatschutztheaters".Eine Schar von Darstellern, die in der Heimat di« Heimat erleben, das wäre Tiefstes und Bestes", sagt Friedrich v. Strom. Und er fügt hinzu:Aus dem echten Laienspiel können sich die Keime zu einem deutschen Nationaltheater entwickeln." Und er weih den Weg hierzu:

1. In der Pflege der Heimatsprache und sprachtechmschen Ausbildung der Spieler. ,rjl

2. In der Hochwertung der Körperkultur durch gymnastische und rhythmische Uebungen.

3. In der Unterordnung der Spieler unter den künstlerischen Willen des Leiters, der, in engster Gemeinschaft mit seiner Gruppe, nut der Idee zu dienen hat: Alles Dinge, die die Berufsbühne nie erreichen kann ober will. ... .....

In vielen größeren Städten hat das Volksbühnenfpiel seine Orts­gruppen. Möchten sie immer zahlreicher werden, möchten alle Inter- esjenten demBunde", dem Herr v. Strom vorsteht, beitreten, damit dieZunft" der Laienspieler sich in nicht ferner Zett ein eigenes Bühnen­baus bauen könne, das mit Stolz die Aufschrift tragen soll:Deutsche Laienbühnenspiele".

Die Lachsforeve.

Don Otto Ehrhart.

Ich hatte nachts von einem auserlesen guten Essen geträumt; nun wollte mir der Morgenbrei nimmer munden. Es war auch gar nicht zu leugnen, daß ich ständig an Fleisch und andere gebratene Dinge dachte, die hier oben auf meiner einsamen Almhütte jo selten und im Tal drunten so selbstverständlich waren. Bald schwebte mir ein prächtig gar­niertes Beafsteak vor, groß, schön und rund wie eine Vollmondscheibe, bald waren es locker gebratene Vögelchen, Gänse, Hühner und der­gleichen, oder auch nur knusprig braun gebratene Fische, die mich aus meiner Ruhe brachten.

Nein, so ging es nicht weiter! Den braven Brei, den faden Papp ea mochten heute meine Schafe fressen.Fleisch her!" drohte knurrend der Magen, und ich muhte ihm recht geben feit einiger Zeit wurde er arg mit Mehlspeisen überladen.

Später liege ich vor der Hütte und überlege. Mein Magen kampst einen heldenmütigen Kampf gegen meine Faulheit. Sechs Stunden Siegs, meint die, wäre zuviel für einen Brocken Fleisch. Der Magen tnurtt bloß drohend, das kann alles Mögliche heißen, z. B.du wirst ja schon sehen, was dann los ist" ufro.Außerdem," sagt die Faulheit,ist es so fad im Tal; und überhaupt, es wird heute so heiß, man könnte eher haben gehen ober sonst was tun." Da kommt ber Traum dem Magen i« Hilfe. Fleisch, Geflügel, frische Gemüse fahren auf, geröstete Fische.

Fische! Donnerwetter nochmal! Wie bumm, daß ich nicht gleich daran bachie! Forellen kann ich ja jeberzeit im Bache unten fangen! Forellen Forellen! Die schmecken ja so gut, blau, gebraten, wie ich sie will, um finb so luftig zu fangen! Wie bumm von mir, baß ich nicht gleich daran dachte. Nun brauche ich nicht so schnell ins Tal hinunter und auch mein Magen beruhigt sich wieder ... .

Kurze Zeit danach trabe ich, nur mit ber Lederhose bekleidet um den Rucksack am bloßen Rücken, den Hang hinab. Es fft schon sehr M und daher doppelt angenehm zu fischen.

Run nimmt mich ber Hochwald auf. Ich laufe weglos, guer bürgi w Stämme, den Bach hinunter. Es ist noch ganz still unter ben Säumen - bis plötzlich unb unvermutet aus bem Buschwerk eines Waldverscyms zwei fette, große Auerhennen fliegen, bie den ganzen Wald verpov Zu Tode erschrocken, fährt dicht neben mir ein alter Berghase aus o Lager unb gewinnt schnell in schusselig rührenben Zickzacksprungen Weite. Ein Häher kreischt roarnenb unb zwei Wildtauben werfen >ia> pfeifenden Schwingen unter das Blaudunkel der Stämme hinein.

los lugt ein Eichkätzchen auf mich herab.

Langsam beginnt ber Wald wieder zu träumen ... m.

Im Verlaufe einer kleinen Stunde stehe ich dann auf einem breiten, buckligen Grasboden, voll ber schönsten Wiesen» durch besten Grunb «in schnelles, klares Master schießt. -..<ri

Mein Fischwasser fängt schon etwas weiter oben an, bespaiu s ich am Rande der Wiese unter den Stämmen durch bis bartl)tn, _ Wasser in wetten Springen über eine glatte Felswand Benin ' Es gibt Zeiten, wo dort keine Fische stehen, aber heute finb pm' zu finbcn. In halbkreisförmigem Boden hat sich das Waster halbmetertief in den Fels gewühlt. Gegen diese Stelle purscy ** gut gedeckt, an.