Ausgabe 
4.8.1928
 
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Tempel zu Jerusalem ins Treffen geführt. Vor dem älteren standen zwei hohe eherne Säulen mit daroufgesetzten ebensolchen Knäufen. Und von dem zweiten, dein Herodianischcn Tempel berichtet I o s e p h u s: seine Spitze starrte von scharfen goldenen Spießen". Aber Jofephus hat zugleich den Zweck dieser Spieße mitgeteilt: sie sollten verhindern, daß sich Vögel aus dem Tempel niederließen und ihn beschmutzten. Allenfalls kann cs sich hier um eine zufällige, unbeabsichtigte Neben­wirkung gehandelt haben,'wenn diese Spieße auch blitzableitend wirkten.

Ein Fest auf Haderslevhrms.

Novelle von Theodor Storm.

(Fortsetzung.)

Ein selig Lächeln überflog das Angesicht des Kindes:O Rolf, welch ein Glück!"

Es fiel ein Regentropfen, ein langer Donner rollte über ihnen.Gott hat's gehört!" sprach er.

Sag noch einmal," bat sie,wann kommst du wieder?" Er neigte sich und flüsterte es noch einmal in ihr Ohr. Gewiß?"

Glaubst du, ich könnte den Weg vergessen?"

Nein, nein!" Sie waren aufgestanden, Dagmar hing an seinem Halse; aber die Donner rollten stärker, und die Blitze flammten, vom Turm herab scholl das Wächterhorn. Noch einen Kuß, noch einmal, als wie auf ewig, Brust an Brust; dann war nichts als Nacht und Wetterschein auf diesem Platze.

Bevor Rolf Lembeck sein Haus erreichte, war Gaspard heim­gekommen, und Bericht und Anschlag waren zwischen der Herrin und ihrem Diener schon zu Ende; als der Ritter in das eheliche Gemach trat, lag Frau Wulfhild wie schlummernd auf ihrem Lager. Doch obschon sie in voller Weibesschöne dakag, ihres Mannes Augen iahen an ihr vorüber, und seine Hand griff nur nach einem »schreiben, das auf einem Tischchen lag, auf dem er seines Vaters Hand erkannt hatte. Als er cs hastig aufgerissen, slog es wie Schrecken halb uni) halb wie Staunen über des Weibes Antlitz, und ihre Augensterne blinzten heimlich durch die Lider, denn Rolf Lembeck hatte zufrieden vor sich hingenickt. Dann streckte er sich ruhig auf sein Lager.

Einige Tage, nachdem der junge Ritter seine Fahrt nach Borgsum auf der Insel angetreten hatte, saß Frau Wulfhild in ihrem Gemachs. Allerlei Schriften lagen vor ihr aus dem Tische; aber ihre Gedanken schienen nicht bei solcher Arbeit; ihr seiden Blondhaar hatte sie rück­wärts über die Schulter geworfen, und es glänzte wie Gold gegen das dunkle Muster der Teppiche, die an den Wänden hingen. Inmitten der schönen Stirn des Weibes war eine Falte, die immer tiefer zu werden schien; sie drängte die Augen aneinander, als könne sie sicherer so das eine Ziel verfolgen, das vor ihren. Sinnen stand.

Da wurde die schwere Tür aufgestoßen. Sie fuhr empor:Wer ist da?"

Der Herr Schloßhauptmann von Hadcrslevhuus!" erwiderte der junge Bookwald, der hercingetreten war.Ihr, Herrin, hättet seinen Be­such erbeten." _

Er ist willkommen! Doch warte noch, Gehrt! Rück erst den seisel hier zum Tische!" Sic hatte sich in ihrer ganzen stattlichen Gestalt er­hoben und begann im Gemache auf und ab zu schreiten, während der Knabe das 'Aufgetragene besorgte und sich dann entfernte.

Rach einigen Augenblicken war «in grauhaariger Mann in dunkler Tracht und von gewaltigem Körperbau hereingetreten.Euer Gemahl, edle Frau," sprach er, nachdem die Grüße gewechselt waren,scheint nicht daheim zu sein; Ihr selbst wünschtet mich!"

Mein Gemahl, Herr schloßhauptmann," erwiderte Frau Wulfhild, würde zu Euch gekommen sein; Ihr müßt diesmal Euch an mir ge­nügen lassen!" .

Wollet mich nicht beschämen, edle Frau! Ich kam, um Euch zu hören!"

Sie setzte sich und lud ihn mit der Hand zum Medersitzen; eine kurze Weile Ionen ihre Augen auf seinem Antlitz, das er geduldig ihr entgegenhielt.Mit Claus Lembeck," Hub sie an,sah hier ein dänisch Weib; ich bin aus dem Geschlecht der Schauenburger; wir beide sind Landsleute" . . . , .

Er unterbrach sie:Ein Schleswiger bin ich und jetzt des Königs Mann!" , . . _. .

, Ich weih es, Ritter; Ihr wäret auf Funen in der Schar, von der mein seliger Gemahl von seinem Hengst gehauen wurde!"

Er war mein Feind derzeit; ich aber habe ihn nicht gefallt, er­widerte er ruhig. , , . _. .

Sic schwieg einen Augenblick.Mag sein! Ich habe den Schaden ausgeheilet und bin jetzt Herrin hier auf Dorning; wir sind Nachbarn, Ritter, uni) also"

Wollet Ihr mir etwa Nachbarrat erteilen?

Ei nun wie Ihr cs nehmen wollt!" und da er mckte:Ihr wisset, hinter Euerem Garten, dort, wo es so jäh hinab zu Boden schießt, steht hart daran eine italische Pappel und streckt ihre Zweige an die Mauer­zinnen so dort den Garten abschließen. Man sagt, es soll dort fast achtzig Fuß in die Tiefe gehen! Was ich Euch sagen wollte .... den Baum, Ihr müßt ihn säklei, laffen!"

Die Bavvel?" rief der Schloßhauptmann.Was wirret Euch, edle Frau' Die ist des Königs Liebling; sein Ahn Christoffer hat sie ge­pflanzt, da er Südjütland gegen Abels Söhne in Besitz genommen 1'>GttC©0 habet Ihr wohl keine Tauben oder sonstig edles Geflügel in der Feste," fuhr sie achtlos fort,und ist Euch desgleichen nicht zerrissen worden? Denn aus dem Wald gegenüber laufen Iltis oder Edelmarder an dem Baum hinauf und springen aus dessen Zweigen in den Garten!

Was wollet Ähr, edle Fraue," sprach der Ritter;ich verstehe Euere Rede nicht; ich hatte niemals kostbares Geflügel, und wäre solches mir

Der Blitzableiter.

Don Gras Carl von K l i n ck o w st r o c m , München.

Es sind jetzt 176 Jahre her, daß man die ersten Blitzableiter setzte, h .Wgx in Amerika. Denn der Erfinder des Blitzableiters ist Benjamin -kranklin, der in Boston als Buchbinder seine Lebenslaufbahn be- und zu einem der ersten Gelehrten und Staatsmänner seiner Zeit

Daß der Blitz mit den elektrischen Erscheinungen wesensgleich sei, ichon manche vor ihm vermutet, so Wall (1708), Rollet und I. H. Winkler (1746). Und daß daselektrische Fluidum" m metallenen Leitern fortgesetzt werden konnte, war bekannt. Franklin "L a(jer der erste, der experimentell die elektrische Natur des Gewitters Mäiwies, indem er 1742 mit einem Luftdrachen, der an einem dünnen St hockgelassen wurde, elektrische Funken aus Gewitterwolken herab- dslte. Nachdem er 1747 die elektrische Spitzenwirkung entdeckt hotte, Woß er aus seinen Beobachtungen, daß damit ein Mittel zum Schutz « Gebäuden gegen Blitzschaden gewonnen werden könne. Er sprach iitr, zuerst in einem berühmt gewordenen Bries vom 29. Juli 1750 aus. Sn einem drei Jahre später geschriebenen Brief hat sich Franklin aus- Mlicher über den Blitzableiter und seine Wirkung geäußert. Richtig er- lennte er, daß der Blitz seinen Weg stets durch die bestleiteudcn Körper nimmt, die er vvrfindet, und nur dannexplodiert", wenn die leitenden Körper dieelektrische Materie" geschwinder empfangen, als sie sie ab- hiten können, d. h., wenn sie geteilt, getrennt, zu klein oder zu schlecht leitend sind. Hingegen würden ununterbrochene Metallstangen von hin- nichender Stärke entweder die Explosion ganz verhüten, oder unschädlich «bleiten. Ein Gebäude würde nach Franklin gegen Blitzschaden gesichert sän, wenn die metallische Verbindung bis in frei fließendes Wasser ober feuchtes Erdreich geführt würde.

Im Jahre 1752 wurden in 'Amerika die ersten Blitzableiter gesetzt. In diesem Jahr setzte Franklin auch einen solchen auf sein eigenes Haus. Franklins Entdeckung fand alsbald starken Widerhall, aber es fehlte auch nicht an Gegnern. Schon 1752 prüfte man in Europa Franklins Ver- ftchc mit hohen Stangen und mit Luftdrochen, die man hochlieb, um die Wolkcnelektrizitöt festzuftellen, eifrig nach: d'Alibard in Frankreich unternahm dies zuerst nach^ Franklins Anweisungen mit einer 40 Fuß hohen eisernen zugespitzten Stange auf erhöhtem Terrain und zog daraus bei Gewitter starke Funken. De Lor in Paris und d e Romas zu Mac, der gegen Franklin sogar einen Prioritätsstreit versuchte, und' Ms andere folgten alsbald mit Drachenversuchen usw. (1753). Das war keine ungefährliche Sache. So erlitt denn im Juli dieses Jahres zu St. Petersburg der Physiker G. W. Richman n bei derartigen Versuchen den Tod: er hatte auf dem Dache seines Hauses eine eiserne «lange ausgestellt und von dieser isolierte Drähte in sein Arbeits­zimmer geleitet, die in einem gläsernen Becher endeten, um dort Elek­trizität zu sammeln. Richmann näherte sich beim Anzug eines Ge­witters unvorsichtig dem Apparat, und ein fußlanger Funke tötete ihn augenblicklich.

In Europa führte sich der Blitzableiter nur langsam ein. Erst 1760 wurde die erste derariiac Vorrichtung auf dem Eddystone-Lcuchtturm in England errichtet. 1762 folgte der Arzt Dr. W a t s o n in Payneshill bei London. Aber noch 1786 konnte ßanbriani in seiner Statastik erst drei weitere Blitzableiteranlagen in England nachweisen; aus zwei Kirchen und auf dem königlichen Palast in London. In Deutschland war das Interesse lebhafter, namentlich literarisch wurde das Problem Die! erörtert, so insbesondere von dem Hamburger Arzt und Physiker J.A.H. Reimarus, der in seiner Vaterstadt 1769 den ersten deut­schen Blitzableiter aus dem Jacobi-Kirchturm setzte. 1771 folgte der Abt Selbiger mit einem Blitzableiter auf dem Turm der Stiftskirche zu Sagan. 1770 wurde durch Abbe Marci zu Penzig bei Schönbrunn der erste österreichische Ableiter errichtet. Die Schweiz folgte 1771 (Haus des Physikers Sauffurc), Italien 1772 (Padua), Frankreich erst 1773 (Dijon), drei Jahre nach dem Tode des zu seiner Zeit hochbc- riihmten Physikers Abbe Rollet, der sich gegen den Blitzableiter ausgesprochen hatte und eher eine Gefahr als einen Schutz für die Ge­bäude darin erblickt hatte. Den ersten Blitzableiter in Süddeutschland letzte J.J.Hemmer aus dem Schlosse Trippstadt bei Kaiserslautern in der Pfalz im Jahre 1776, und im Sommer des gleichen Jahres er­hielt München seine erste Weitcrftange: auf dem Landhause des Aka­demikers v. Osterwaldauf dem Gaststeige" an der Isar. Ofter= wald blieb lange der einzige Besitzer einer solchen verdächtigen Neue­rung. Erst 1791 wurden die Münchener Residenz, die Bildergalerie und das Schloß Nymphenburg mit Blitzableitern versehen. Und als der Stadtrat und Weinwirt Franz Joseph Albert es 1793 wagte, als erste Privatperson in der Stadt München sein Haus durch einen Blitz­ableiter zu sichern, da wurde er dasür von der bayerischen Akademie der Wissenschaften mit der Verleihung der größeren silbernen Me- dMe ausgezeichnet! .

lieber die wirksamste Form und das Material des Butzableiters wurden sich die Gelehrten nicht so schnell einig. Bald kam es auch zu kuriosen Anwendungen: so wurde vorgcschlagon, Wagen und gar Regen- chirme mit Blitzableitern auszustatten, die eine Metallkette nachschlcisen "eßen. Im Jahre 1820 macktte der Apotheker des Königs von Frank­reich, La Postolle,ein'Windbeutel und Ignorant zugleich , wie damals kritisiert wurde, den Vorschlag einer Ableitung durch virM-ile.

Wie es bei allen Erfindungen so geht, so tauchte auch bald nach °er Erfindung des Blitzableiters die Behauptung auf, die «ache sei gar 'Ws Neues. Zuerst suchte Poinsinet de Story OJW "Wo" «Wn, daß schon die Alten die Kunst besessen hätten- die Gefahren «es Gewitters zu meistern; und im Laufe der Zeit entstand cmc ganze uteratur über diese Streitfrage. Richard Hennig hat 1909 das ganze W interessante Material einer eingehenden Kritik unterzogen und ge- '»Ngt zu dem Schluß, daß alle diese Behauptungen einer genauen Pru- stondhalten und bestenfalls auf alten Wetteraberglauben zu-

Ezufuhrcn seien. Insbesondere wurden die beiden großen jüdischen