Ausgabe 
3.11.1928
 
Einzelbild herunterladen

)ah

den

schweren Sinn der Worte er-

ft); dann !ie^ res nach der

Dann aber wurde er wild.

immer lärmende Hund brachte

Verantwortlich: Dr. HanS Lyyriol. - Druck und Verlag: Brühl'sche Universiiäls-Vuch. und Sletndruckerei, 2i. Lange, Gießen.

noch

vom

Halsband. Mit einem Bellaut, Hund nach außen. Der Müller

an diesem Tage ihr.Herzensliebster unter dem Lindenbufch hinternr Gar­ten aus sie warten würde.

Er raste die Treppe hinab Der den Müller aus die richtige Fährte.

Er nahm dem Hunde'die Kette der fast einem Jauchzer glich, stürzte der , tonnte ihm nicht sa schnell folgen. Aber das stetig wachsende Gebell wies ihm den Weg.

Nun hatte der Hund den Frechling gestellt! Das Bellen wuchs zum Geheul, doch plötzlich schlug es in Winseln um. Der Müller eilte, dem Hunde beizuspringen.

Als er aber den Lindenbusch erkannte, von dem das Winseln und Wimmern herkam, schwante ihn. Schlimmes, und als er die Zweige ausetnanderbog. sah er noch Schlimmeres. Balthasar und Hilde saßen Hand in Hand auf der Bank, und Leo schmiegte sich zu Hildes Füßen am Boden und stieß, als er seines Herrn ansichtig wurde, ein wahres Triumphgeheul aus.

Als doch fit zuiamir sijche, d trotz die [rieben, dessen * meuter unb W überseh! wenn je [egten, regen? unb En

Jmn trotz de jene Ku mehr al Wiste n Ceydlitz wenn e sprengte vermach Nicht bei diese Kl gebenen

Bei ' - General etwas a nussprar Müßigte Gotbatei orbentiic Exerzier nuch nu der Sch Jett des seele!

. In I leLn eigt Mei aiinb zr d-4 sie wies ui, weiter Ü

An Fen D Wutaui daß er h Wah "den gefi

Aus demselben Grunde hatte sich auch Balthasar Bubke entschlos­sen, den doppelten Brief eigenhändig nach der roten Mühle zu tragen.

Unbehell gt mar er bis ans Tor des Mühlenhofes gelangt, der stets von schweren Mehl- und Getreidewagen erfüllt war. Der erste, der ihn begrüßte, war der große Kettenköter, der mit heißwütendem Gebell aus der gemauerten Hütte am Torpfeiler schoß. Da trat ein Müller- bursche aus der Tür und fragte nach Balthasars Begehr Dem übergab er den Brief mit der Weisung, ihn seinem Herrn abzuliefern.

Dann schritt Balthasar zum Hoftor hinaus, während die struppige Bestie ihm den Abschied nachheuite und blindwütend in die Kette biß, und schwenkte nach der andern Seite ab, umging den großen Garten, der sich sanft nach dem Unterwasser hinabsenkte, und bald darauf gab es unter dem Lindenbusch am Ufer einen Kuß, in dem das ganze Weh und Leid zweier Menschenkinder versank.

Doch das Verhängnis nahte.

Der Müller las Balthasar Bubkes Antwort beim Lichte einer Oel- laterne Es dauerte lange, ehe er ' "

gründet hatte.

A'elmehr war nach dem schlage seine Sicherheit bedeutend qewackl-,. Ja er ging sogar !° weit Zwischen dem Ritterschlag im Mittelalter Ä diesem Schlage eine Parallele zu ziehen. Sodann hatte ihm der Anoni des Vaters die Tochter geradezu in die Arme geworfen, und er bürd' kostete in der Erinnerung noch einmal das eben genossene Glück

Leise und schläfrig klatschten die Wellen an die losen Uferftein- Ueber dem Strom schwamm des Sichelmondes fahles Licht und riirfu öie Bilder näher. Sinnend suchte Balthasars Auge und schweifte üh, dw Stadt, über die Brücke, über den die rauschende Mühle unb bas stumme Wehr, bis es endlich an der dunklen, ragenden Eiche der Silb-r insel haften blieb.

Und bald, bald mußte er mit Hilde reden. Aber der Later würd» sie wie einen Schatz bewachen, er würde ihr verbieten, das Haus zu uet- lagen. Nur wenn er schlief, konnten sie ungestört zusammenkommen

Den Lindenbusch konnte sie von ihrem Fenster nichi erreichen: bem, das Stübchen lag nach dem Strome zu, und ein steiler Mauerabstur, verweyrte den Eingang zum tiefer gelegenen Garten. Balthasars Blick hing an dem Fenster, hinter dem jetzt ein schwaches Flümmchen flackerte mit Inbrunst. Er hielt den Atem an, bis das Licht erlös' er. sein Auge langsam über den dunklen Strich des Weh^-, ,luu, uer S'lbennsel gleiten. Ebenso langsam verfolgte er vom jenseitigen Us-r den schwarzen Strich bis wieder zur Insel. Und nun wußte er, toa er wollte.

Hastig, riß er ein Blatt aus seinem Notizbuch unb schrieb beim blackerlicht eines Streichholzes die Worte:Morgen abend bin ich auf der Silberinsel. 1

Das Papier versteckte er unter dem Stein, der ihnen bisher ben Dienst des Briechewahrers gut und treu geleistet hatte.

Dann ging Balthasar Bubke nach Hause und legte sich, nachbem er noch einmal von seinem Fenster nach der Silberinsel ausgeschaui hatte, zu Bett. Aber er schlief ebenso schlecht, wie Hilde Krause am jen- fettigen Ufer. 1

Ehe noch die Sonne aufging, war er wieder auf den Beinen, griff nach dem Fernrohr und richtete es auf das Wehr. Der Zugang zur Insel war von beiden Seiten frei. Der jenseitige Flügel des Wehrs w"e vollftändigtrocken, der diesseitige zeigte nur ein paar ganz schwache Wasserlaufe. Bis zum Abend würden auch diese Rinnsale aufgehört haben, zu fließen. 8

Wird sie kommen? Diese Frage stellte sich Balthasar im Laufe Des Tages wohl taufenbinat Seine Arbeit erledigte er wie eine gedanken­lose Maschine.

Wenn sie aber kommt, bann ist alles gut.

Würde sie das Papier finden? Daran zweifelte er nicht.

Würde sie den Mut haben, den Weg zu machen? Denn ganz ohne Gefahr war er nicht, zumal des Abends. Aber sie war ja am Wasser ausgewachsen und schon als Kind, um den Weg zur Schule abzukürzen, über das Wehr gelaufen.

Roch bevor die Sonne hinunter war, machte er sich auf den Weg Zur S.lberinfeL An einer einsamen Stelle kletterte er zum Wasserspiegel hinab, lief dann im Schutz der hohen Ufermauern zum Anfang des Wehres und betrat furchtlos dessen breiten, schrägen Rücken.

lieber Faschinenbündel, die kräftige Pfähle festhielten, unb große »altsteine führte ihn der Weg. Balb war er bei der ersten Wasserrinne. Sie hatte ein starkes Gefälle und führte mehr Wasser mit, als er ge­meint hatte. Trotzdem schritt er ohne Aufenthalt weiter. Auf der Länge von mehreren hundert Metern zeigte das Wehr noch drei weitere Rinn­sale, von denen das eine wie ein kleiner Gebrigsdach braufte unb schäumte. Balthasar Bubke fühlte seine Kräfte wachsen.

Er durchwatete die Wasserfälle und langte glücklich auf der Insel an. Sie war kaum größer, als der Umfang der Eichonkrvne, die wie ein grüner Ball über ihr schwebte. Während sie mit breitem, fesige- fugtem Steingürtel dem Oberwasser Trotz bot, lief sie nach dem Unter- mnner in eine lange Sandbank aus, die jedoch nur bei ganz tiefem Wasserstande zu sehen war.

Balthasar Bubke stieg auf den untersten Ast der Eiche, lehnte sich mit dem Rücken gegen den gewaltigen Stamm und behielt die rote Mühle [chars im Auge.

Roch brannte im Wohnzimmer Licht.

Balthasar schloß die Augen und begann zu träumen. Bon seiner Jugendzeit träumte er wieder seit langem. Und seine Gedanken fuhren den Strom zu Berg, bis sie nach dem Dorfe seiner Heimat kamen Deut­lich zum Greifen sah er die Häuser am hohen Ufer liegen Unb jedes Satyr kam mindestens eine Ueberschwemmung, bann lief das Wasser M'tten durch die Dorfstrahe. Noch sah er klar und scharf das treue, gütige Gesicht seines Baiers vor sich, den schon lange das Wasser mit tymabgeriffen hatte. Noch fühlte er heute den Stolz, der ihn erfüllte, als er zum ersten Male quer über den Strom geschwommen war. Zehn Jahre hatte er damals kaum gezählt.

Da kam die Zeit, da Gram unb Kummer seine Mutter in den schwarzen Sarg legten. Fremde Leute kamen und Balthasar wurde vom Strome und von seiner Heimat fortgeführt und mußte manchen un­verdienten Stoß unb Schlag erleiden, da er das Brot der Fremde. Aber der Strom hatte ihn wieder herabgezogen. Und nun faß er hier in feiner Einsamkeit und atmete den feuchten, starken Duft.

Wenn Hilde kam, bann war Hoffnung, daß er immer hier bleiben konnte.

Die unterste Fensterreihe der roten Mühle, hinter der bie Wohnuna lag, zeigte kein L cht mehr. Balthasar sprang vom Aste herunter und schlich zum jenseitigen Jnselufer, um das Wehr besser überschauen zu können.

Niemand kam.

Rasch entschlossen glitt er über die Steinböschung unb rückte auf dem Wehre langsam unb lautlos gegen die Mühle vor.

(Fortsetzung folgt.) ,

Das aber reizte beit Müller bis zur Besinnungslosigkeit. Er brüllte Balthasar Bubke im höchsten Zorne an.

Sie Halunke, Sie, was habe ich Ihnen denn geschrieben?"

Balthasar Bubke erhob sich höflich und sagte:Guten Abenb, Herr Krause' So wird mir also doch noch die Freude Ihrer persönlichen Be- iänntschaft"

Im Müller kochte es, er hob bie Hand zum Schlage.

Baler, was tust du?" Hübe fiel ihm in den Arm.

Sie scheinen im Augenblick der Erregung vergessen zu haben, Herr Krause, was ich Ihnen auf Ihren Brief geantwortet habe. Sollten Sie trotzdem noch beabsichtigen, Ihre Drohung wahrzumachen, ich stehe Ihnen zur Beifügung. Vergessen Sie aber nicht, daß ich zur Notwehr gezwungen bin, und daß Sie den Platz dann kampfunfähig verlassen werden." Damit senkte Balthasar Bubke die rechte Hand langsam und bedeutungsvoll in die Tasche seines Ueberrocks, wo er seinen imaginären Sc-chsschießer aufbewahrte.

Die selbstsichere Art Balthasars, zu sprechen und zu handeln, machte auf fernen Gegner einen tiefen Eindruck.

Sie wollen schießen?" fragte er unsicher.

Gewiß, sobald es die Umstände erfordern, und nicht nur einmal!"

Da aber war es um Hildes Ruhe und Selbstbeherrschung ge­schehen.Nicht schießen, nicht schießen!" schrie sie und schlang beide Änne seft um Balthasar,es ist ja mein Vater, schieß nicht!"

Balthasar Bubke brachte diese Umklammerung doppelten Borteil, erstlich konnte er nicht in <bic Lage kommen, das Schießeisen wirklich herausziehen zu müssen, was einer gänzlichen Niederlage gleichgekom- men märe, sodann fühlte er, daß ein Mädchenkopf fest an seiner Brust ruhte, fühlte ein junges Herz in Angst und Berzweislung um ihn pochen unb zwei weiche unb starke Arme sich um feinen Körper schließen. Aber gleichzeitig zuchzuckte ihn die Erkenntnis, daß er wehrlos dem Müller gegenüberstehe, und schon sah er seines erbarmungslosen Feindes schwungvolle Hand in weitem Bogen gegen die linke Seite feines Gesichtes heransausen.

Er duckte sich, und der Schlag traf die Krempe des Hutes, der in weitem Bogen davonkollerte.

Als Balthasar Bubke den Flüchtling wieder eingefangen hatte, sah er sich plotzl ch allein. Hilde, der Müller und der Hund waren wie durch Zauberei verschwunden. Boni Garten her hörte er noch zornige Schelt­worte und unterdrücktes Schluchzen, bann wurde es still unb zum Schluß dröhnte eine mit Heftigkeit ins Schloß geworfene Tür zu ihm herüber.

Wäre Balthasar Bubke nun ein anderer gewesen, er hätte sich ge­wiß auf den Heimweg gemacht, sich aufs Ohr gelegt und am nächsten Morgen eine neue, bequemere unb angenehmere Liebschaft angefangen. Balthasar Bubke aber blieb zunächst unter dem Lindenbusch sitzen, sodann fühlte er, wie durch den hartnäckigen Widerstand des Vaters [eine Liebe zu Hilde immer größere Kraft gewann, und endlich dachte er eifrig darüber nach, welche Wege nun wohl einzuschlagen wären, um ans Ziel zu gelangen.

Der Kampf mit dem wilden Müller hatte keine unmittelbaren Folgen gehabt, nur der Hut war etwas formlos geworden, gab aber Balthasars fortgesetzten reformatorischen Bemühungen endlich nach. An seinem äußeren Menschen konnte Balthasar Bubke keinerlei Verletzungen be- inerken. Er trat nun an bie bedeutend schwierigere Aufgabe heran, I seinen inneren Menschen nach Wunden zu untersuchen.

Da machte er erstlich die verblüffende Wahrnehmung, daß er sich t bet bem ganzen Streit überhaupt nicht aufgeregt hatte Sogar der i öttylag an die Hutkrempe hatte ihn nicht aus seiner Ruhe aufgeschreckt. I