Zwischen dem Porzellan uni) der Kunst besteht eine uralte Liebe. Es hat ja auch die wunderbare Eigenschaft, daß es ß^^^^kormen laßt wie Lehm, sondern auch bemalen une Leinwand, Zhuachst walte man m Meißen fast ausschließlich chinesisch, als ginge es nicht anders. Porzellan und China, das war ein Begriff. Es lagen ja auch ferne anderen Muster vor als chinesische Porzellane. Mit dem Delfter Steingut kamen holländische Motive hinzu. Das waren die ersten Besuche. Es dauerte immerhin zwanzig Jahre, bis die ganzen Kunsstnöglichkesten des Porzellans erschlossen worden waren. Erst der Bildhauer I. I. Ka en d le r schuf, NM naMnals Inbegriff von Meißner Porzellan wurde:, eine unerschöpfliche Fülle^ vollendeter Niedlichkeiten; Schäferinnen, Harlekins, Tiroler Bauern, Ratsherren, Türken, 'bas ganze Personal der commedia dell orte und fas den ganzen Umkreis der Schöpfung. Er erkannte die Grenzen des Mate, rials^ das mehr als Spielerisches kaum hergibt. Aber er opferte die Wahr- heit der Figuren nicht der verlockenden, gleihnerischen Glasur. Das Nied- liche war nicht vettogen. Sein Rokoko hat Dauer, wie jeder Stil, auch ^b^Taufend Handgriffe find nötig, ehe so eine Schäferin im.Reifrock mit (üftetn Lächeln farbig dasteht. Das Modell des Wnftlers wird in mete Teile ungerecht zerttgt, wie ein Körper in der Anatomie m der Gipserei werden von Kopf, Rumpf, Händen, Beinen die entsprechenden Negative hergestellt und diese dann mit der Porzellanmasse gefüllt., ^opf, Rumpf, Fiände Beine fügen sich in dem halbweichen Porzellantelg wieder zum Kan^n ist eine köstliche, diffizile Handbäckerei, das noch mancher bi fr Är bebarf. Wf großen Brettern, wie die Semmeln,

Die historische Fabrik.

Vom rNeitzener Porzellan.

Bon Hans Raton e k.

Die großen Autocars des Fremdenverkehrs, die Packards und Buiks der Reichen aller Länder ftehen vor dem Hauptportal der großen SabnE. Soeben wird eine Gruppenführung abgefertigt. Schirme, Stocke, Akten­mappen bitte in der Garderobe ablegen. Diese Fabnk hat eine prachtvolle Sckmuhalle vom Erdgeschoß bis in die Kuppel, darin das Porzellan von zwei Jahrhunderten schimmert. Lorgnettierende Amerikanerinnen stürzen sich funkelnden Blickes über die Vitrinen und feilschen,Preise Die e Fabnk

ist keine Fabrik, sondern viel eher ein Museum, eine Kunstanstalt, eine historische Stätte mit all dem Zauber geschichtlicher Erinnerung: Hier hat das europäische Porzellan vor zweihundertneunzehn Jahren das Licht der Welt erblickt.

Allegorisch sieht das, gegenüber in der kleinen Anlage, etwa so aus: Das Denkmal des kursächsischen Hofapothekers Johann Friedrich B Lt tg e r, zu dessen Relief ein Pausbackenengel einen galbbemalten Por­zellanteller huldigend emporreicht, indes einer Flammengarbe ein klassische? Gesäß fix und fertig entsteigt. Das dankbare Meißen dem großen Mit­bürger. Aus der einfältigen Sprache der Allegorie übersetzt, bedeutet das: Nach langwierigen Versuchen war es Johann Friedrich Bottger gegluckt, in besonders scharfem Feuer eine Masse zu brennen und zu glasieren, die dem damals angestaunten, äußerst seltenen und kostbarenost-inteschen Porcellain" beinah gleichkam. Ost-indisch das war China und Japan, dessen jahrtausendaltes Porzellangeheimnis Böttger gelöst und damit die Grundlage der europäischen Keramik geschaffen hat. Seine Erfindung durchzusetzen und industriell auszuwerten, war in jener -bett volkswirt­schaftlicher Indifferenz ein Leidensweg der Widerstände. August der Starke hegte zwar, wie für alles Schöne, auch für das chmesv che Por­zellan eine verständnisvolle Liebhaberei, und die ersten Prachtstucke, die aus der Meißner Manufaktur tarnen, trugen eingebrannt sein königliches Monogramm A R (August Rex). Aber die Herren von der holjen, Unter- suchungskommisfion hatten von denunnützbaren Subtilitäten die denk­bar geringste Meinung. Eigentlich sollte Böttger das Gold erfinden Statt dessen brachte er weiße Scherben an, die perlmuttig glanzten und sehr hart waren. Nicht deshalb hatte ihn die königliche Vorsicht auf, der Feste König­stein eingesperrt und ihn vor den Schweden in Sicherheit gebracht. Böttger, der Goldmacher, war mit einer der wertvollsten Besitztümer August des Starken, eine Art wissenschaftlicher Hofnarr und Allerweltskerl, und hätten ihn damals die Schweden erwischt, stündeMeißen irgendwo bei Stockholm. Die Herren Kommissarii ahnten nicht, daß Bottger in der Tat mit demweihen Porcellain" das rote Gold gefunden hatte. Nur Sachsen besah das Geheimnis, dasArcanum", ein Monopol von un­erhörten Nutzungsmöglichkeiten; Böttger fieberte zu beginnen, industriell und kaufmännisch, und muhte sich in hundertseittgen Memorials nut den Kommisfarien herumschlagen. n, ...

Unb als es so weit war, lockten die Nachbarländer die Arbeiter aus Meihen fort und entrissen ihnen das gehüteteArcanum". Und Frie d- rich der Grohe hat das Geheimnis mit Gewalt nach Berlin geschleppt un4) feine ei neue ftdutli d>c SOtanuf-attur auf gemacht. Zwanzig Äahre nach Böttgers Tod war fein Alchymistengeheimnis Gemeingut von Pans bis Wien. Und die Manufakturen blühten.

toinette ihre Morgenandacht verrichtet haben mag. Es ist das einzige Exemplar, das existiert, und wurde 1900 nach dem Modell für die Welt­ausstellung in Paris angefertigt. Das Original serkstrrte unter den Feuer- fchlagen ter Großen Revolution. Um aber, auf die Nachbestellung des großen Porzellanspiegels zurückzukommen, durfte dieser Auftrag an dsM Preise scheitern, den man erst kalkulieren mühte. . .

So geht man durch die historische Fabrik, die di« Ordres Friedrichs des Groken cmsaeführt, für die russische Elisabeth und alle,Hofe Europas gearbeitet hat und die gleichen Stücke in gleichem Glanz jeden Tag Her­stellen kann. t

Dies ist eine historische Fabrik. Davon kommt man nicht los. Geht man durch die Schauhalle der vielen Etagen ein PorzellamnusAUN, das seinesgleichen nicht hat erlebt man in hunterttausenden von Modellen tie Geschichte des guten und schlechten Geschmackes zweier Jahrhunderte; und darüber hinaus Geschichte an sich. Das Porzellan ist, das bildsame Material, in das sich die Zeit mit Farbe und Form eingedruckt hat.

Es wäre keine üble Aufgabe, am Meißner Porzellan Geschichte zu sttidieren. Der Porzellan-Pfeifenkopf etwa, aus dem der Burger rauchen wollte, muhte jene Bilder enthalten, die der Zeit gemäh waren und seinen Lieblingsvorstellungen entsprachen. (Was damals das politische Bilderrätsel war, wäre heute, rauchte man noch aus Pfeifenköpfen, das Kreuzwort- rätsel.) Ja, selbst bis in das Warenzeichen der Meißner Manufaktur bringt die Geschichte, und der kulturhistorisch geschulte Porzellankenner kann an der Führung Meißner Schwerter die Entfernungsperiode, ablesen.

Porzellan mit dem chinesischen Drachenzeichen (es ist kern Aeskulapstab) mit dem K.P.M. (Königliche Porzellan-Manufaktur) sind Kostbarkeiten, die den Sammler in Leidenschaft versetzen. Die mit dem Punkt zwischen den Degen entstammen der glänzendsten Periode Meißens und sind sehr gesucht. Und die Stücke mit dem Monogramm von August Rex stehen unter Glas im Grünen Gewölbe.

Welch eine Suggestion von diesem Warenzeichen der kursachsi chen Wappen-Degen ausging, beweist die Flut ähnlicher Schutzmarken von Por- zellanfabriken aller Länder, die, bis hart an die erlaubte Grenze tes Musterschutzes heranreichend, mit ähnlichen gekreuzten Schwertern die IllusionMeihen" zu wecken suchen. , ~....

Das Merkwürdigste aber dieser historischen Manufaktur ist ihre Zähig­keit, dank der kompletten Sammlung aller Modelle jedes Stuck,, es Rokoko, Barock, Empire, auf Wunsch sofort Herstellen zu können. Diese Bereitschaft ist die Stärke und ewige Jugend Meißens. Gesetzt den Fall gnädige Frau, in Ihrem kostbaren Alt-Meißner-Familienservice aus dem schon Ihr Herr Urgroßvater sein Dejeuner einnahm, wurde ter Deckel einer Zuckerdose zerbrochen. Den Deckel dieser etwa im Jahre 1731 her- gestellten Zuckerdose können Sie binnen weniger Tage auf Bestellung aus Meihen beziehen. Die Möglichkeit der Ergänzung und die Gültigkeit eines materialgerecht geprägten historischen Stils macht das Meißner Porzellan absolut zeitlos. .

Ob man, fragte ich den künstlerischen Leiter der Manufaktur, auch jenen wandhohen porzellanenen Rokokospiegel, den Meißen einem feiner prominentesten Kunden, Ludwig XVI., seinerzeit in das Touillerienschlotz geliefert hat, nachbestellen könne? Wir mustern lächelnd das Riesenpracht­stück, aus Schnörkeln, Pulten, allegorischen Gestalten, Lilien, Kerzen, kunst­voll zusammengesetzt, mehr Altar als Spiegel, vor dem Maria An-

-Ui den Untergeschossen ist Kühle, Rieseln, Rauschen und vornehmer

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echnisch^ Direktor kann sich dann beimfertigenJrobutt

br/chsn, an welcher Stelle des unendlich langen Prozesses bie irtmei qUees Kmt darauf an, woher der Kaolin stammt und woher der Feld- spat Dieser wird auch hier wieder das primitiv-chandwerkiick^ '

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gangen beruht und vom Laboratorium ängstlich flautet roirb. ixi- beimnis des Meißner Porzellans ist seine außerordentliche Harte, dum-

Mischung und hohe Brenngrade erzielt. Höchstens Kopen^gen un Staatliche Manufaktur in Berlin erzeugen solches Hartporzellan.

Meißens Unvergänglichkeit: fein Rokoko, stin Barock. Das wcliottan^ blaue Zwiebel mu st er seines Geschirrs, zuruckgehend m

Gav^n Cs ist eine köstliche, diffizile Handbacterel, oas noaj nmirn-l-r «.» SS » bebarf. Auf großen Brettern, wie die Semmeln Maur vutzia an Figur gereiht, wandert die halbgare Schöpfung m den Backofen. Aber" die edel-zarte Porzellanerde darf nicht mit dem FEr direkt in Berührung geraten. In feuerfesten Chamottekapfeln verfchloffen, tarnen £ n bieVt ter 1000'Grade. Die Oefen werden zugemauert, unb^un ift die luftige Gefellschaft sich selber überlassen. Wenn sie nach secbsunddreißig Stunden herauskommt, sind die Figuren AhurA, aber noch porös. Sie bekommen das Glasurband, das aus dem glP^u Waterial besteht wie die feste Porzellanerde, und wandern bann hinauf in die Mallr atttters Der ertte Prozeß, der Modellentwurf, war künstlerisch ter letzte, bie Bemalung ist es auch. Dazwischen liegt ein sauberer Backerelprozeß.

XmiL MiMnuber unb appetitlich; in den unteren Ge cho en, wo die

^FMtEsend Menschen arbeiten hier, vertettt °u Tisch u^ Witte;^dw "S" Ä.&C® s«U ->» ew»

so delikat wie sein Produkt. *