zeugen. Wir pflegen zurzeit nicht weniger als vier Stück dieser schöne», T seltsamen Tiere, außer einem ausgewachsenen Paar noch zwei junge Stuten, die der derzeitige Regent von Abessinien unserer» ehrwürdigen Reichspräsidenten zugeschickt hat.
Immerhin muh dos Greoy-Zebra an Bedeutung als Neuheit Himer dem Okapi zurückstehen. Denn es ist nur ein« neue Art aus der altbekannten (Buttung der Zebras oder Zigerpferbe, während das Okapi als eine ganz neue und selbständige Säugetier- und Wiederkäuer-Gattung zu bewerten ist, die nur mit der Giraffe ein« gewisse Verwandtsäzaft besitzt. Man wurde zuerst auf sie aufmerksam durch den zoologisch sehr interessierten Gouverneur der britisch-afrikanischen Kolonial-Prooinz Uganda, Sir Harry Johnstone, dem zwei ganz abweichend gestreifte Fellstücks in die Hände fielen, anscheinend von einem Zebra. Er schickte sie nach London, und mein damaliger Kollege S c l a t e r machte daraufhin tatsächlich eine neue Zebra-Art, Equus Johnstoni. Baid darauf konnte Johnstone aber ein vollständiges Fell mit Schädel nachschicken, und das war denn die Sensation des Berliner Internationalen Zoologenkongreffes 1901, dem der Direktor des British Museums, Ray L a n k e st e r, beides vorlegte. Er stellte fest, daß es sich nicht nur um eine neue Tierart, sondern um eine ganz neue Tier gattung (Dfapia nannte er sie) handelt, die einzig und allein mit der Giraffe eine gewisse Verwandtschaft hat. In manchen Beziehungen vermittelt das Okapi zwischen ausgeftorbenen, ■ giraffenartigen Tieren früherer Erdperioden und der Giraffe der Gegen- j wart. Im männlichen Geschlecht trägt es auch ähnliche, mit Haut über- I 30gene Hornzapsen auf dem Kopfe wie di« Giraffe. An Kops und Rumpf j ist es braun, nur aus den Hinterkeulen und an den Beinen schwarz und i weih gefärbt. Auf der großen, wissenschaftlich so sehr erfolgreichen Afrika- - durchqnerung des Herzogs Adolf Friedrich zu Mecklenburg ist Pro- ; feffor Schubotz dem Okapi in feiner Heimat sehr nahegekommen, er i konnte ein von den Zwergen frifcherlegtes Stück photographieren, dessen Abbildung in der neuesten Auflage von Brehms Tierleben zu sehen ist. Gewiß eine der wertvollsten Natururkunden, die wir zurzeit haben!
Um die Seen und Sümpfe des innersten Afrikas spukt auch noch di« Sage von einem riesigen Reptil, in dem kräftige und unerschrockene Phantasie schon einen lebenden Ueberreft der allbekannten Saurier aus dem Mittelalter der Erde erkennen wollte. Das ist aber doch wohl etwas zu viel verlangt, selbst von dem sogenannten „dunklen" Erdteil, der i übrigens heute vielleicht heller erforscht ist als manche andere Gegend der Erde. Denn da müßte sich ein Riefentier unbekannt, unversehrt, und un- versolgt Hunderttaufende oder gar Millionen von Jahren forterhalten haben. Und doch hat ein australischer Fisch (Geratodus) in diesem Sinne noch mehr geleistet: er lebt seit dm ältesten Erd per io den unverändert bis heute fort.
Alles in allem also: Gibt es noch unbekannte Tiere? Kann es solch« noch geben? Auf kitzelige, verfängliche Fragen hat man in meiner Darmstädter Heimat eine orakelhafte Antwort: „Wer's waah, wevd's wisse". Das ist aber in diesem Falle nur der liebe Gott.
Das stille Wirstsn des Mondes.
Bon Johannes Schlaf.
(Nachdruck verboten.)
In vorgerückter Nachtstunde sehe ich über herbstlichen ©artenbäumen am östlichen Himmel den schon über das zweite Viertel hinausgelangten Mond. Obgleich das Firmament klar, macht er . einen trüben, herabftirn- menden, sehr im Gegensatz zu dem stehenden Eindruck, den es auf einen übt, wenn man zum ersten Male wieder die zunehmende Sichel erblickt.
Wie kommt das? Vielleicht daher, weil er zunehmend feine westliche, besonders lichte, abnehmend aber die östliche Hälfte, die seines vorwiegenden Tieflandes, also um etwas trübere, zeigt, und weil er nun bald Neumond, unsichtbar fein wird; auch weil, wenn er nach Vollmond immer mehr abnimmt, also zu immer vorgerückter Nachtstunde aufgeht, wir ihn nicht so viel zu erblicken Gelegenheit haben, wie von der wiederauf- i tauchenden Sichel bis zum Vollmond hin, weil fein Anblick der Mehr- s zahl der Menschen, also nur von der ersten Sichel bis Vollmond, vertraut ; ist und es einen fast überrascht, wenn man ihn gelegentlich auch einmal in tiefer Nachtstunde, fast nur durch Zufall, in dieser Zeit vom zweiten Viertel gegen Neumond hin erblickt.
Ja, es lohnt wohl, sich einmal Rechenschaft darüber zu geben, wie er, von der ersten Sichel über Vollmond zu Neumond hin, auf einen wirkt. Etwas anderes ist der fo unwillkürlich aufmunternd«, das Gemüt froh- ftimmenbe Anblick des ersten zarten, silberfeinen Sichelhakens: anders wieder das von Tag zu Tag vorschreitende Zunehmen der Phase, der Anblick des erreichten ersten Viertels, wenn di« Phase schon ansehnlich lichtkräftig geworden ist, man auch mit dunklen und Hellen Flecken die Einzelheiten der Oberflächenformation unterscheiden kann: anders dann die erreichte volle Phase, wenn groß und glänzend das schöne Gestirn, setzt ganz sich offenbarend, am Firmament steht: wogegen es einen, weil es nunmehr seinen völligen Verschwinden entgegengeht, wunderlich schon herabstimmt sobald die Phase nach Vollendung auch nur erst um ein Weniges abzunehmen angefangen hat.
Aber das alles ist nicht die einzige, die eigentliche Wirkung, die er auf einen ausübt; es ist nur mehr erst die ästhetische, obgleich ja auch ; die auf die Seele einwirkt und irgendwie für unsere Handlungen bestim- • mend sein kann.
Näher rührt es schon an das Eigentliche, wenn wir in Rücksicht > K" hen, daß es viel ausmacht, ob er sich östlich oder westlich noch oder - on nahe beim Horizont oder auf dem Kulminationspunkt seiner Tages- s bahn von Ost noch West, befindet; denn, genau wie im Falle der Sonne, trifft uns fein Licht ja je nachdem unter einem anderen Winkel. Und sehr viel macht es aus, auf welchem Punkt seiner monatlichen Bahn von West nach Ost er sich befindet; denn abermals wirkt er, je nachdem er tiefer ober höher geht, unter einem anderen Winkel auf uns und die Erdoberfläche ein. Mit seinem von West nach Ost gerichteten monatlichen Umlauf erst
übt er feine eigentlichste Einwirkung. Er ist aber die von Neumond zu Vollmond eine andere, als die von diesem zu jenem. Und da- richtet sich wieder danach, von welcher, von Monat zu Monat sich verändernden Stelle aus, er von der auf ihrem Jahreslauf vorrückenden Sonne be- leuchtet wird.
Da ist die Erscheinung von Ebbe und Flut, das zunehmende und abnehmende, beförderte ober um etwas gehemmte Wachstum der Pflanzen, die gleicherweise fördernde oder hemmende Einwirkung auf die tierische und menschliche Physis, bie sich im letzteren Falle bei besonders sensiblen Naturen, den sogenannten Mondsüchtigen, bis zum Zustand des Nachtwandelns steigern kann. Worauf ist diese Wirkung zurückzuführen?
Man pflegt sie damit zu erklären, bah, wie im Falle schlechterdings aller kosmischen Körper, die Wirkung der Anziehungskraft eine gegenseitige ist, also in dem Sinne, daß nicht nur der groß« Körper auf den kleinen, sondern auch dieser, relativ, auf den größeren Anziehung ausübe, nicht nur die Erde auf den Mond, sondern auch dieser auf jene anziehend wirke, und daß sich das mit den angeführten Erscheinungen äußer«.
Tatsächlich kann man ja sagen, daß, wie die Wasfermasien des Meeres sich bei Ebbe gegen Mondbahn und Mondkörper hinziehen, gegen beide hin sich aufwölben, fo auch, wenn sie bei zunehmendem Mond be- fondes rege find und emportreiben, die Säfte der Pflanzen zu ihnen hinstreben, während ihr Fleiß und Trieb bei abnehmendem Mond weniger lebhaft ist und zurückgeht, die Tendenz hat, sich einzuziehen (eine Tatsache, die jeder Gärtner ober Landwirt vollauf zu bestätigen in ber Lage ist), und gleicherweise kann es sich auch im Falle der Mondsüchtigen nur so verhalten, deren unbewußteren, physisch-vegetativen Lebensvorgängen hierin denen der Pflanzen gleichen. Es läßt sich wohl verstehen, daß der so viel kleinere und schwächer« Mondkörper den gegen ihn so gewaltigen, kräftigen Erdkörper nicht seiner gesamten Masse nach auch nur um einen sehr geringen Teil gegen sich hin- ziehen, wohl aber eine solche Wirkung auf leichte, bewegliche Stofflichkeiten ber Erdoberfläche, also bas Wasser und bi« Physis der Pflanzen und Lebewesen, üben kann. Trotzdem trifft die Erklärung aber nicht zu.
Cs ist eine den Astronomen bekannte, höchst auffallende Erscheinung, daß die Kometen, wenn sie ber Sonne nahe genug gelangt sind, infolge ber Einwirkung bes Repulsions- (Zurücktreibungs-) Drucks, den bie Sonne auf ihre so außerordentlich leichte undichte, veränderliche Masse übt, die sog. „Koma", den „Schweif" entwickeln; dies geschieht durchaus nicht in dem Sinne, daß die Masse sofort schweifartig um den Kern eines Kometen herum in der Richtung von ber Sonne ab hinter den Körper zu- rütfgetrieben wurde, sondern die Masse merkwürdigerweife sich vielmehr zunächst, oft in mehreren konzentrischen Wülsten, in der Richtung auf bie Sonne zu ausdehnt; erst wenn das bis zu einem gewissen Grab« geschehen ist, führt die Masse unter Einwirkung der schließlich doch überwiegenden Repulsionskraft ber Sonne schweifartig hinter ben Körper zurück aus, wobei feine ber Sonne zugemandten ersten Wülste jedoch bleiben.
Offenbar reagiert bie Masse eines Kometen, so überaus leicht und schwach sie auch ber bcs gewaltigen Sonnenkörpers gegenüber sein mag, auf den Repulsionsdruck der Sonne mit einem Gegendruck.
Das kann aber nur auf eine Weise zu erklären sein. Daß nämlich die Mass« eines Kometen, die, wenn sie sich hinreichend wieder von ber Sonne entfernt hat, ein rundkugelig in sich geschlossener, zusammen- gezogener Körper wie jedes andere Gestirn ist, gegen die Zusammenziehung, die sie durch den Weltraum erfährt und ber sie ihre kugelig zu- sammengefaßte Gestalt verdankt, beständig zugleich eine Tendenz übt, sich, ber Zusammenziehung entgegen, möglichst auszudehnen und einen nebelig sehr weit und undicht im Raume ausgebreiteten Urzustand wieder zu erreichen. So erwidern die Kometen ben Repulsionsdruck der Sonne bamit, daß ihre Masse zunächst gerabe in ber Richtung auf bie Sonne zu von ihrem Kern abftrebt; nicht aber deshalb, weil sie von ber Sonne, durch welche sie ja vielmehr in ben Raum zurück-, von der Sonne fort» getrieben wird, angezogen würde. Aus schlechterdings keine andere Weise ist dieser Vorgang zu erklären.
Stehen die Kometen aber in einem beständigen (pulsenden) Vorgänge von Kontraktion und Repulsion (Zusammenziehung und Ausdehnung), so sind wir genötigt, das gleiche für alle kosmischen Körper, also auch für Mond und Erde, anzunehmen.
Steht ber Mond aber in solchem Pulsungsvorgange, und hat er 3* dem die ’ Tendenz, vorschreitend feine Bahnkurve immer mehr gegen die Erde her zu verengern, der Erde sich also immer mehr zu nähern, so übt er durch den Weltraum her einen Druck von relativer Kraft auf bie Erde. Wenn aber jeder Körper, der einen solchen Druck erfährt, biefem mit einem Gegendruck begegnet, so wirb sich bas in feinet Wirkung vom Monb her auf die Erde zwar nicht damit zum Ausdruck bringen können, daß ber fo schwere und kräftige Erdkörper selbst auch nur um ein sehr Geringes gegen den Mond sich hinbewegte, wohl aber dahin, daß bie leichter beweglichen Stoffe feiner Oberfläche, also bas Wasser und bie Physis ber organischen Wesen, mit einem Gegenbruck in dem Sinne auspuffen, baß sie sich in ber Richtung zum Monb unb zu ber Mondbahn hin auszudehnen trachten. Das zieht die Masten ber Ozeane, gegen ben Mond hin (baß sie babü periobifd) zum Gestabe zurückfluten, hat feine Ursache darin, daß es sich um einen Pulsungs- Vorgang einer leitbeweglichen Materie handelt), treibt ben Saft und bie Zellen der Pflanzen je nachdem in bie Höhe, behnt sie aus ober treibt sie zurück, zieht sie zusammen, läßt auch bie Physis ber Lebewesen iu analoger Weise wie Ebbe unb Flut mit gesteigerter Lebhaftigkeit puffen ober verringern ihre Pulsung. ,
Es ist mit all diesen Erscheinungen also keineswegs nachgewiefen, batz ber Monb auf bie Erbe Anziehungskraft übte; es bestehen vielmehr sogar zwingenbe Gründe zu ber Annahme, daß sich eine solche Anziehung bes Monbes vollkomknen ausschließt, einzig von einer des Erbkörpers auf ben Monb (wie auch auf bie anberen kosmischen Körper) bie Rebe sein kann.
Verantwortlich: Dr. Hans Thyriot. — Druck und Verlag: Vrühl'sche llniversitäts-Vuch-- unb Steinbruckeret, V. Lange, Gießen-


