Ausgabe 
29.3.1927
 
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des Torfs besondere Bedingungen nötig sind, die wahrscheinlich nicht überall bestehen.

Genen dieses Bild vom Dürer-Deutschen, das in seiner charakterlstiich deutschen Mischung von mannhafter Tatenlust und sinnverneinender Me­lancholie, von sonnendurchwärmter Denkerseligkeit und tödlicher Gewißheit eines letzten Wissens, vonunvergleichlichem Talent" und dunklem Un- qenüQcn am eigenen Genius, von überguellenber Phantastik unu peinlui) rechnender Pedanterei, von letzter innerer Formlosigkeit und ewiger Sehn- , sucht nach reiner absoluter Form, vonliebevollinnigstem Anschauen aller gegenwärtigen Zustände" und übermächtigem Drang in alles Abseits und Jenseits hinaus gegen dieses Bild vom Deutschen Dürer, das wie em Bild alles Deutschen überhaupt erscheint, hat man neuerdings die Gestalt des neuentdeckten Grünewald zu stellen gesucht, den man gerne in den Mittelpunkt alles Deutschen setzen möchte, Dürer dabei irgendwohin an die Peripherie verweisend. Aber Grünewalds, des Meisters vom Jsem Heimer Altar Persönlichkeit, erscheint nicht umsänglich genug, vergeblich suchen mir nach der bei Dürer gewohnten Fülle persönlicher Dokumente, tritt uns zu einseitig-vollkommen, zu sehr in einem Aeußersten vollendet entgegen, um je symbolbildender Spiegel der inneren Mächtigkeit deutschen Seelenlebens werden zu können. Der Grünewald-Deutsche schon Wort und Begriff klingen nicht recht scheint nur zeitbedingtes Uebergangs- produkt zu [ein, ein mehr modernes, kein wesentlich deutsches Symbol. Ein eigentlicher Grünewaldmythos ist nicht im Werden, der schicksalbestimmend über deutscher Zukunft stehen könnte.

Eine andere Frage ist, ob das bisher so mächtige Bild vom deutschen Dürer deutsche Zukunft symbolkräftig überdauern wird. Fast scheint es, daß der Mythos vom Dürer-Deutschen sein« Polhöhe schon erreicht habe, Dürers Stern schon im Sinken ist, anderen Bildern weichend. Wolfslms letzte Synthese des Dürer-Problems (Erlanger Festrede 1921), welche die Gegenargumente io eigentümlich eindringlich häuft, um das Dafür nur ganz lapidar, in wenigen großen zusammenfassenden Gesichtspunkten zu geben, bildet vielleicht in der Geschichte der deutschen Dürer-Legende einen entscheidenden Punkt, den Punkt ihres mählichen Absinkens und Ber­klingens. , . ... ...

Der Dürer-Deutsche scheint schon der Vergangenheit anzugehoren, ist irgendwievorkriegsdeutsch": es ist der Deutsche mehr desHieronymus im Gehäus" und derMelancholie" als desRitters mit Tod und Teusel, es ist der Deutsche, sich selbst, seine Stärken und seine Schwächen nicht ohne leise Ironie betrachtend, voll dunklen Ungenügend am eigenen Genius, der tragisch-unseligen Brechung seines Wesens und einer letzten inneren Formlosigkeit sich nur allzu deutlich bewußt. Deutsche Zukunft aber mit ihren neuen harten strengen Aufgaben wird neue größere stärkere Symbole brauchen. Der vorwiegend aktive Deutsche nicht der einer Hieronymus-einsamen Weltversenkung, nicht der einer selbstguälerisch-vergrübelten Melancholie, nein, ringend und kämpfend um seine Zukunft und um seine letzte innere Form wird neue symbol­starke Sinn- und Vorbilder seines Seelenschicksals sich gestalten müssen. Vielleicht sind schon solche neuen mythischen Schaubilder, die schicksal- bestimmend deutscher Zukunft Ziel und Richtung geben könnten, im Ent­stehen. Aber es wäre versrüht und vermessen, hier auch nur andeutend den Lauf legendären Geschehens vorwegzunehmen oder gar bestimmen zu wollen. Borläusig ist uns Dürer noch zutiefst nahe und vertraut, wenn auch vielleicht schon in jener gefährlichsten Nähe eines innigen Begegnens, das Fremdheit und Trennung in sich schließt. Noch wissen wir das Thema Dürer und Wir", all das, was uns Dürerbedeutet", nicht besser zu­sammenzufassen, als wenn wir schließend fragen: was wären wir ohne Dürer?

Die Pflanzen bestehen in der Hauptsache aus der Zellulose und aus dem Holzstoff. Wenn nun auch die Zellulose unter Luftabschluß recht haltbar ist, o sällt sie doch langsam einer Selbstzersetzung anheim. Sie teilt hierin ihr Schicksal mit allen anderen Substanzen, aus denen die Organismen bestehen. Die Konservenbüchsen zeigen uns, wie sich die Technik die Tatsache zunutze macht, daß unter absolutem Luftabschluß diese Zersetzung nach menschlichen Begriffen nur sehr langsam vor sich geht. Wir wissen jedoch, daß früher oder spater auch der Inhalt der Kvn- ervenbüchsen einer weitgehenden Zersetzung anheim sE. Die Zellu­lose besteht nun, chemisch betrachtet, aus Kohlenstoff und aus den -Ze­menten bee Wassers, dem Wasserstoff und dem Sauerstoss. Aus Roheres brauchen wir hier nicht einzugehen. Wenn also die Zellulose durch den Fäulnisprozeß yerfällt, so kann sie nur in Verbindungen zerfallen, die irgendwie aus diesen drei Elementen bestehen. Zunächst sck)«mt es das Bestreben des Sauerstoffes zu sein sich aus der Bindung zu losen und er verflüchtigt sich im Laufe der Zeiten in Verbindung mit Wasselstoff als Wasser und in Verbindung mit Kohlenstoff als gasförmige Kohckn- iäure Das Auftreten größerer Mengen dieser Kohlensäure in den Braun- kohlenbergwerken bezeichnet der Bergmann als schwere Wetter ober als Stickwetter. Da nun aber in der Zellulose sehr viel mehr Kohlenstoss und Wasserstosf vorhanden ist, als der in der Zellulose enlha.ene Sauer, stoss zu binden vermag, so nimmt der Sauerstoff zwar bedeutend ab, von dem Wasserstoff und namentlich von dem Kohlenstoff bleiben jedoch be- trächtliche Mengen zurück. Die Steinkohlen sind demei>tsprechend e,n G - menge fester Kohlenwasserstoffverbindungen. Sobald der m der Kohle noch vorhandene Sauerstoff nur noch eine geringe Rolle fpieit, trennt sich dann allmählich auch der übriggebliebene Wasserstoss in ^rb'Mmg mit dem Kohlenstoss als Gas ebenfalls von dem Gestern, es entsteht das Methan oder Grubengas. Aus dem praktischen Leben kennen wir diese Erscheinung durch die gefährlichen Schlagwetter.

Der Fäulnisprozeß ist also ein Selbstzersctzungsprozeß; wir können zur Veranschaulichung auch sagen, ein Selbstmirbrennungsprozeh. Ver brennt doch die Zellulose sozusagen von den Elementen, aus denen s besteht, durch den eigenen Sauerstoff so viel, wie b'cfer ju brnoen mag. Dieser Prozeß verläuft um so reiner, je besser das Pslanzenmatenai von der Lust abgeschlossen ist, und dies ist namentlich da der Fall, w° ein Torflager, nachdem es eine gewisse Mächtigkeit erlangt hat, mit oder mit Ton oder auch mit beiden Gesteinen bedeckt worden ist. kann das aber geschehen?

Man kann unsere sich ständig abkühlende Erde mit » trocknenden Apfel vergleichen. Wie auf diesem, o s'nken auch aus Y hier und dort gewisse Partien der Oberflach« ein und an die t'esslen Stellen begibt sich immer das Wasser. So kann es leicht kommen, datz ein Moor,' das auf dem Festlande entstanden ist, sp°ter unter °^ Meeresspiegel gerät. Das Meer setzt aber namentlich in ruhigen Buq^ Ton, Sand ufw. ab, die ihm von den Flüssen zugMhrt werden, gt| ein dort befindliches Torslager bedecken können. Man erinnere M . di« Deltas. Bei so gutem Abschluß führt dann der FaulnwprüZeß m lich zu den bekannten festen Produkten, in denen sich der Kdhlensto l i anreichert. Wir erhalten die Reih«: Torf, Braunkohle, S Anthrazit.

immer an der Erd« Heben?" (Maximen und Aesl-ctionen.) Und weiter Zuspruch und Absage mit goethescher Gereyiig.eir wagens.

Albrecht Dürer förderte ein höchst inniges realistisches Anschauen, ein liebenswürdiges, menschliches Mitgefühl aller, gegenw^tigen _-3u- ftänbe- ihm schadete eine trübe, form» und boüeulose Phantasie. (M u R ) Und schließlich klagend zugleich und anklagmrd, mit emem wahrhaft schmerzhaften Akzent: .Sollen wir ewig als Aaupen herum- kriechen, weil einige nordische Künstler (und d. h. natürlich vor allem Dürer) ihre Rechnung dabei finden? (M. u.R.)

Diese schmerzlich-zürnenden Ausbrüche wie sehr auch immer dem klassizistischen Wesenspol Goethes zustrebend, -rsendwie sind sie mehr als ein bloßes Messen Dürers an italienischen Kunstidealen, jedenfalls legen sie weitere Ausdeutung äußerst nahe, da sie über sich selbst hinausdeuten, scheinen auf letzte deutsche Seelennot, allgemeines deutsches Seelenschicksal, das hier mit Dürers Emzelschickfal man beachte nur jenes zweimalige, beinahe fatalistisch-herbeweil geheimnisvoll- unabwendbar für alle Zeiten verbunden erscheint. Denn das lsts ja. Mangel anEbenmaß der Schönheit", Mangel °n »Ich>cklich^ Zweck­mäßigkeit", ein Zuviel antrüber, form- und bodenloser Phantasie , immer an der Erde kleben",ewig als Raupen ljerumknechen , ohne ,« den leichten Schmetterlingsslug einer letzten Gelöstheit und Freiheit der Seele zu kennen, allem Dunkel vertraut, allem Chaotisch-Drängenden ewig verschwistert, das ist's, deutsches Schicksal, dunkles deutsches Seelenver-

Was ist aber zunächst eine Verwesung? Wir kennen noch einen an­deren außerordentlich häufigen Prozeß, bei dem gleichfalls ein Material sozusagen spurlos verschwindet. Es ist dies die Verbrennung. Nichts ist also näherliegend, als anzunehmen, daß sich ein verwesender Körper ganz wie ein verbrennender in der Hauptsache in Gase verwandelt. In der Tat verbindet sich ein toter Pflanzenkörper bei der Verbrennung wie bei der Verwesung mit dem Sauerstoff der Lust, und zwar im wesentlichen zu der gasförmigen Kohlensäure und zu Wasser. Der Unterschied zwischen den beiden Prozessen scheint zunächst nur der zu [ein, daß das Zusammentreten mit dem Sauerstof in dem ersten Falle wesentlich schneller unb mit Flammenerscheinung vor sich geht, wahrend im zweiten Fall die Reaktion recht langsam und flammenlos erfolgt.

Noch ein anderer Prozeß, den wir als Bermodermig bezeichnen, muh hier erwähnt werden. Er weicht von dem eben geschilderten der Verwesung in einem wichtigen Punkte ab. Fallen z. B. in einem Laubwalde im Herbst sehr viele Blätter von den Bäumen, so werden sie den ganzen Waldboden dicht bedecken und sich oft zu einer beträchtlichen Schicht anhöhen. Wenn sie sich, wie beispielsweise die Buchenblätter, nicht rollen, dann werden sie sich glatt aufeinanderlegen. Geht dann vielleicht ein Regen nieder, so wird er die naßwerdenden Blätter noch dichter aufeinanderpacken. Dies wird die Möglichkeit der Verwesung, der slammenlosen Verbrennung bedeutend ein- schränken, denn der Sauerstoff der Luft vermag so nur noch schwer auj die Blätter einzuwirken. Wer schon einmal einen Ofen geheizt hat, der weiß ja am besten, daß eine gute Verbrennung nur bann vor sich gehen kann, wenn hinreichender Zug vorhanden ist. So erklärt es sich auch, datz wir in unseren Buchenwäldern den Moder, eine schwarze Humusschicht, vorsinden, die sich durch die alljährlich niedersallenden Blätter langsam mehrt. Immerhin pflegt aber die Einwirkung des Sauerstoffes noch stark genug zu jein, um die Mächtigkeit der Humusschicht in bescheidenen Grenzen zu halten. ... r . ,. : .

Man ahnt jetzt schon, wie diejenige Form der Zersetzung beschaffen fein dürfte, die für uns von ausschlaggebender Bedeutung ist, da sie zur Bil­dung des Torfs führt. Sie beginnt genau [o wie auch die Humusbildung. Da aber die Torfbildung nur in ruhigem Wasser stattfindet, unb in solchem nur außerordentlich wenig Sauerstoff gelöst ist, da weiter bei der Ver­torfung auf der kaum entstandenen Humusschicht schon wieder neue Pflanzen emporwachsen, die den Hinzutritt des Sauerstofses immer mehr erschweren, so leuchtet es ein, daß die sich zersetzenden Pslanzenreste immer mehr in eine neue Richtung der Zersetzung hineinkommen inussen. Können doch die anderen Zersetzungsarten, die doch im weitesten Sinne alle Verbrennungen sind, ohne Luftstrom nicht vor sich gehen. Diese neue Zersetzungseinrichtung ist nach der Definition von Liebig die Fäulnis.

lieber die Entstehung der Kohle.

Von Dr. Rodert Potonie, Privatdozenten an der Technischen Hochschule Berlin.

Das Moor ist die Wiege der Kohle. Will man also wissen, wie jener chemische Prozeß begonnen hat, durch den unser wichtigstes Material, die Steinkohle, geworden ist, bann wird man sich vergegenwärtigen müssen, wodurch denn ein totes Pflanzenmaterial zu Tors wird. Das ist das wich­tigste Moment bei der ganzen Kohlewerbung; alles andere kann mit dem Weg verglichen werden, den eine einmal angestoßene Kugel unbedingt rollen muh.

Wenn alle Pflanzenreste zu Torf würden, bann müßten überall, wo überhaupt ein Pflanzenwachstum ftattfinbet, Torflager entstehen. Wir wissen aber, baß z. B. bie im Herbst von den Bäumen fallenden Blätter '«ist sehr schnell verwesen, d. h. sie verschwinden, populär gesprochen, ohne i.dwekche Spur zu hinterlassen. Wir sehen also, bah zur Entstehung