Ausgabe 
29.1.1927
 
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nehmen immer mehr zu uns damit diejenigen Berufe, die den Menschen an das Haus, an geschlossene Räume fesseln. Die Zahl derStuben­hocker" wird dadurch gegen früher stark vermehrt, und die Beobachtungen Li den letzten Rekrutenaushebungen, daß di« Größe der jungen Sol­daten in engem Zusammenhang mit der Größe der Geburtsgemeinde steht wird hierdurch plausibel. So bringt die Großstadt im Durchschnitt mehr hochgewachsene, aber schmächtige Menschen hervor, während das Land mehr die breiten, aber kleineren aufweist. Vielleicht ist diAr Vor­gang auch als Teil einer allgemeinenDomestikation" des Menschen anfzusassen.

Infolge immer weiter fortschreitender Kultur, Verallgemeinerung der Hygiene, Besserung der Ernährung, daher eine allgemeine Tendenz zur Langenzunahme. Durch das Hocken in der Stube aber hält die Breiten­zunahme damit nicht Schritt. Diese wird vielmehr erst wieder angeregt, wenn für die notwendige körperliche Ausarbeitung Sorge getragen wird. Bei der Großstadtbeoölkerung erhält hierdurch das Turnen, der spart und das Spiel seine ungeheure, nicht zu unterschätzende Bedeutung.

Moderne Erfindungen im allen China.

Don Dr. E. Eckes, Prioatdozenten an der Universität Leipzig.

Es ist eins merkwürdig« Tatsache, daß China, dessen technische Ent­wicklung bis in die letzte Zeit so weit hinter der des Westens zurück­geblieben war, eine Menge Erfindungen Jahrhunderte früher, als das Abendland, gemacht, ja diesem sogar mehrere seiner wichtigsten Errungen­schaften übermittelt hat. Eine solche Erfindung ist z. B. das Papier, das in China im Jahr« 105 n. Ehr. erfunden wurde. Im Jahre 751 gelangte es durch chinesische Papierarbeiter, die in der Schlacht von Samarkand gefangen wurden, zu den Arabern und damit nach Europa. Chinesischen Ursprungs ist ferner der Buchdruck, der auf die Abklaschr zurückgeht, di« man schon feit 175 n. Ehr. von in Stein gemeißelten Inschriften nahm. Im 4. und 5. Jahrhundert lernte man solche Abklatsche auch von Holz­platten zu nehmen, und aus dem Jahre 594 stammt die erste Nachricht vom Druck eines größeren Werkes. Im 9. oder 10. Jahrhundert gelangte der Druck, wie in Aegypten gefundene, nach chinesischem Muster ge­arbeitete arabische Plattendrucke beweisen, durch Vermittlung der Araber nach dem Westen. Die sog. Erfindung der Buchdruckerkunst durch Guten­berg bestand nur darin, daß er die Blockdrucke in einzelne Lettern zer­schnitt, aber auch diese Verbesserung war in China schon früher gemacht worden. 1041 stellte ein Schmied, namens Pi Scheng, zuerst bewegliche Lettern aus Ton, dann auch aus Metall her; aber in China fanden diese wenig Anklang und kamen erst in neuester Zeit mit dem Aufschwung des Zeitungswesens allgemein in Gebrauch. Aus China stammt ferner der Kompaß, der angeblich schon im 12. vorchristlichen Jahrhundert bekannt war, doch aber schon im 4. vorchristlichen Jahrhundert als alte Erfindung galt. Er wurde ursprünglich nur auf Landreisen mitgeführt; erst 342 ist von einem Schiffskompaß die Rede, und erst im 9. oder 10. Jahrhundert scheint sein Gebrauch bei der Seeschiffahrt allgemein geworden zu fein. Um dieselbe Zeit müssen auch die Araber den Kompaß kennengelernt und ihn nicht viel fpäter auch nach Europa gebracht haben, wo er um 1190 zuerst in der Provence erwähnt wird. Sehr alt ist in China auch das Schießpulver, dessen Entdeckung wohl den Alchimisten des Altertums zu danken ist. Schon zu Anfang unserer Zeitrechnung kannte man Raketen und Sprengstoffe, und bereits im 4. und 5. Jahrhundert führten die chine­sischen Handelsschiffe Feuerwaffen. Die erste Feuerwaffe der Chinesen scheint die Handgranate gewesen zu sein, die aus Bambustuben hervor­gegangen ist, mit denen man seit alters Krieg gegen wilde Stämme führte. Sie bestanden in frischen Bambusstücken, die, angezündet, mit entsetzlichem Krachen zerplatzten und durch die scharfen Splitter sehr gefährlich wurden. Später wurden sie mit Explosivstoffen gefüllt, was ihre Wirkung noch bedeutend steigerte, und endlich durch eiserne Tuben ersetzt. Ein Regiment Handgranatenwerfer wird in einer chinesischen Armee schon im 12. Jahr­hundert genannt. 1232 finden sich zum ersten Male Kanonen, 1252 Ge­wehre erwähnt, und auch betäubende Gase fanden in der chinesischen Kriegsführung damals schon Verwendung; so vernichteten die Mongolen 1241 in der Schlacht bei Liegnitz die deutsche Armee durch einen Gas­angriff, den ihre chinesischen Ingenieure vorbereitet hatten. Die Araber haben zusammen mit dem Bengalischen Feuer und einer anderen Menge Feuerwerkskörper, die sie aus China übernahmen, sicherlich auch das Pulver kennengelernt und nach Europa gebracht; auch den Torpedo haben sie im 13. Jahrhundert von den Chinesen kennengelernt. Wie dieser, sind auch einige andere Erfindungen moderner Seekriegstechnik den Chinesen nicht tmbegannt gewesen, so das Unterseeboot, das schon zu Ende des 3. vorchristlichen Jahrhunderts erfunden wurde, aus Mangel an Ver­wendung aber bald in Vergessenheit geriet, und das Panzerschiff, mit dem man 1595 gegen die japanische Flotte kämpfte. Eine merkwürdige mecha­nische Erfindung muß auch der Flugapparat gewesen fein, den der Philosoph und Ingenieur Moh Tih im 5. vorchristlichen Jahrhundert konstruierte, bann der Taxameter des 3. vorchristlichen Jahrhunderts und die Proviantautomobile des 3. nachchristlichen Jahrhunderts, das Fern­rohr, das im 6. Jahrhundert unserer Zeitrechnung erwähnt wird, und der schon in vorchristlicher Zeit genannte Seismograph, der nach der er­haltenen Beschreibung genau so konstruiert war, wie um 1860 die ersten europäischen Erdbebenmesser. Wahrscheinlich ist auch die Stellungs- arithmetik, dieses fundamentale Hilfsmittel unserer ganzen Mathematik und Naturerkenntnis, über Indien aus China gekommen, denn sie wurde schon in China um 542 v. Ehr. erwähnt, während sie in Indien erst in nachchristlicher Zeit auftritt Daß das Porzellan und die Lacktechnik aus China stammen, ist allgemein bekannt, weniger bekannt ist dagegen, daß einige medizinische Erfindungen, wie die Impfung und die Akupunktur, von dort entlehnt sind. Chinesischen Ursprungs sind endlich noch die Briketts, die Ende des 18. Jahrhunderts von dort gekommen sind, ferner die Klappfächer, der zusammenklappbare Schirm und vielleicht sogar der Zylinderhut, der in seinen alteuropäischen Formen eine merkwürdige Aehnlichkeit mit einer in Korea noch heute gebräuchlichen Beamtenmütze

besitzt. Das europäische Harmonium ist die Nachbildung des Prinzips der chinesischen Zungenflöte; eine solche gelangte zu Anfang des 18. Jahr- Hunderts in die Hände eines Petersburger Orgelbauers, der ihr Prinzip auf die Orgel übertrug. Auch das Diabolo-Spiel ist zu Anfang des 19. Jahrhunderts von China nach Europa gekommen.

Wohin geht die Weltreise?

Von Profesior Dr. st ermann.

>f beinahe 273 Grad unter Null, abkühlt. Wir würden her Grenzschicht aufhalten müssen.

ichst unsere beiden Nach- Himmelskörper, der uns

unten an.

Nicht ganz so fremdarttg wären die Verhältnisse auf dem Mars ober der Venus; auf beiden würden wir wenigstens eine Lufthülle an- treffen. Beim Mars freilich, der uns günstigenfalls auf 55 Millionen Kilometer nahekommeu kann, ist sie nur sehr dünn, denn infolge derge- rinaen Schwerkraft, die nur etwa em Drittel der irdischen betragt, kann der Planet nicht o viel Luft feschalten wie die Erde. Hingegen wurden wir auf der Sknus überhaupt keine beträchtliche Verschiedenheit in der Schwere gegen die gewohnte irdisch« Schwere empfinden, denn der Un­terschied beträgt nur etwa ein Achtel. Eine trübe Aussicht für dl« Be­sucher der Venus ist aber die Dichte ihrer Lust, die das Sonnenlicht gar nicht bis zur Venusoberfläche Vordringen läßt; es herrscht dort also Finsternis, mindestens aber ewiger Nebel.

Es ist also doch vielleicht besser, wir geben die Weltreise auf und fahren nach Tirol, zumal ja bekanntlich Mars, Eros und Venus auch fönst nicht ganz ungefährlich sind, besonders bi« beiden letzten! Sicher ist sicher!

Der ergötzlichste, leichteste und billigste Teil aller Reifen ist bekannMch das Pläneichmieden an der Hand des Lübeckers oder eines anderen geeigneten Führers, denn dabei kann man unbeschwert durch schlechtes Wetter und hohe Gasthausrechnungen alle Reisesreuden nach Belieben auskosten. In neuerer Zeit werden nun Betrachtungen über Reisen In den Weltenraum immer üblicher, und so ist es höchste Zeit, mit dem Plänemachen zu beginnen und die Frage aufzuwerfen:Wohin fall denn nun eigentlich die Weltreise gehen?"

Das nächste Reiseziel wäre natürlich der Mond. Er kann uns bis auf 357 000 Kilometer nahekommen und selbst im Höchstfall betragt seine Entfernung nur lumpige 407 000 Kilometer. Der Unterschied ist also fo gering, daß wir auf ihn feine besondere Rücksicht zu nehmen brauchen, und abreifen können, wenn es uns aus anderen Gnmden am besten paßt, beispielsweise bei günstiger Jahreszeit. Ob uns freilich der Mond be­sonders wohnlich erscheinen würde, mag fraglich sein, denn vor allem hat er keine Lufthülle, ober ihre Dichte kann nur den zweltausendsten Teil der irdischen betragen. Wir mußten also die zum,Einatmen notige Luft oder mindestens den Sauerstoff als notwendigen Teil unseres Reise­gepäcks betrachten und sie in einer Stahlslasche witfuhren. Diese wurde uns freilich nicht übermäßig drücken, da die Schwere auf dem Mond nur etwa' den sechsten Teil der Erdschwer« betragt. Unangenehmer wäre es schon, daß das Fehlen der Luft auch jeglichen Temperaturausgleich ver­missen läßt. Man nimmt an, daß sich der von der Sonne bestrahlt« Teil des Mondes bis auf 100 Grad erwärmt, wahrend sich der in vier- zehntägiger Nacht liegende Teil der Oberfläche bis W «'if Weltraum­temperatur, also auf beinahe 273 Grad unter Null, abkuhlt. Wir wurden uns also schon an der Grenzschicht aufhalten müssen.

Don anderen Himmelskörpern kämen demnächst unsere beiden Nach­barplaneten Venus und Mars in Frage. Der Himmelskorper üer uns von allen außer dem Mond am nächsten kommen kann, ist aber der im Sabre 1898 von Witt In Berlin entdeckte kleine Planet Eros, dessen Entfernung von uns im günstigsten Fall 21,7 Millionen Kilometer be­trägt, also immerhin fünfzigmal fo groß ift wie die Entfernung zum Monde. Zur Zeit der größten Entfernung ist ber Jßlanet freilich nicht weniger als etwa 419 Millionen Kilometer entfernt Wir mußten unst. reu Reiseantritt also ganz genau nach den verhaltmsmaßig seltenen Zeiten feiner größten Annäherung richten. Dafür gäbe es dort aber auch toon allerlei zu sehen. Das ganze Sternchen soll nur einen Durchmesser von etwa 16 Kilometer haben, so daß man also ohne Anstrengung in einem Tag zu Fuß rundherum spazieren könnte. Von einer Lufthülle ist natürlich dort feine Rede, denn ein so kleiner Himmelskörper kann keine Lust festhalten. Auch die Schwer« ist dort bis auf «men ganz gering­fügigen Bruchteil verschwunden, fo daß wir uns vor zu großen Cuff« fpriingen hüten müßten, denn wir tarnen sonst am Ende nicht mehr

Uhlan.

Bon Otto Mittler. 1

ArmerUhlan"! Wenn er heute noch lebt, ist er wahrscheinlich Makkaroni-Transportschiff der, ach, so siegreichen italienischen Kriegs­marine . . . Damals war er frisch aus der Werst gekommen und noch nicht einmal fertig gestrichen. Mit grauem Rumpf und mennigrot grun­dierten Kaminen wurden wir an di« Boje hinausgeschleppt. Wir nahmen Kohlen, Proviant, Munition, Handwaffen, Hängematten, Decken, sonstigen Schisssbedarf. Alles kam gleichzeitig und türmte sich in heillosem Durch­einander auf dem engen Deck. Flaschenzüge kreischten, Luken schluckten den Wust. Lastprähme, di« uns zugedeckt hatten, wurden von Schleppern beiseite gerissen: Platz fürUhlan"! Schlote rumorten und spuckten schwarz. Der stählerne Rumpf vibrierte klingend über den Grundinter- vallen der Kolbenstötz«. Als bunte Tragrakeien schossen die vier Flaggen des Grfennungsfignals den Mast hinan und entbreiteten sich flatternd im blauen Himmel. Aufheulte die Sirene. Die rot-weih-rote Kriegsflagge als majestätische Schleppe von Purpur und Hennelin im Wasser gespiegelt hinter uns, glitten wir aus dem Hafen, durch die Hafensperre, umkreisten das Fort Musil, das unser Ausfahrtssignal mit gleichen Farben zuruckgab. Ganze Kraft vorwärts!" befahl der Maschinentelegraph. Sechstausend Pserdefräfte drängten sich aus den Parrowkesfein durch die Ueberhitzer,