wartete Zabel ebenso leise. — .Sind die Torwachen verstärkt?" — „Sind , verstärkt und gut bewaffnet."
„Excusez, citoyen maire, ich Sie hörte sprech von Torrvach, n’est-ce pas?" — Schnell gefaßt, erwiderte der Sekretär, während dem erschrockenen Zabel die Schüssel in der Hand schwankte: „Freilich, citoyen Offizier, von den Torwachen! Ich fragte, ob man ihnen den Branntwein geliefert hätte." — „Ah, tres bien.“ — „Zabel," sagte der Sekretär zu dem, „geh' Er in den Keller und hol' Er von dem alten Rheinwein herauf/ Zabel ging. ,
Der zweite Offizier, eifrig löffelnd, stellte fest: „Sacre nom dc Dien, schmecken gut, ah!" — „La petita citoyenne," sagte der dritte, „sie ist so traurig! Sie muß essen, dann werden auch lustig. Di« Traurigkeit kommen für die meist« Teil aus der estomac, aus der Bauch." — „Mais non!" widersprach der erste Ofsizier, „die Traurigkeit kommen aus der Herzen, n’est-ce pas?" — „Aus dem Herzen!" antwortete toubine mit einem tiefen Seufzer. — „O ma petite citoyenne, hat Sie die peines amoureuses, die Schmerzen von die Liebe? Ah, das ist nicht gefährlich, au contraire, das machen so schöne Teint den jungen Mädchen, wie von die weißen Rosen, oh, wunderschön!"
„Vive la joie, citoyen maire!“ rief der zweite Offizier. „Er lassen auch hängen den Kopf! Er haben auch noch nicht gegessen drei Löffel! Er sitzen da mit so triste Gesicht!" — „Meine Herren, verzeihen Sie, ich muß gestehen, ich bin ein wenig aufgeregt." — „Oh. isch verstehen! Aber ist nix nötig! Brauchen nix ßu fürchten!"
Die Musikanten spielten unterdessen weiter. Zabel kam herein: er war so aufgeregt, daß die Weinflaschen, die er trug, klirrten. „Herr Seker — Herr Bürgermeister, hol' mich der Teufel! Draußen sind wieder die Stadträte", und dem Sekretär ins Ohr flüsternd: „mit dem Bürgermeister!!" Der Sekretär imd Sabine, die das letzte gehört hatte, sprangen auf. Sabine fiel aber bleich wieder auf den Stuhl. Die Offiziere schauten ver- wundert auf die beiden, der dritte Offizier verschluckte sich. „He, was ist passiert?" fragte der erste. Die Musikanten unterbrachen jäh ihr Spiel.
„Zabel!" rief der Sekretär, heiser vor Schreck, „hat Er recht gesehen?" — Citoyen maire, bitte, was ist passiert? Er ist ja consternirt totalement!" — „Ich habe auch allen Grund, meine Herren," erwiderte der Sekretär, sich mühsam fassend. „Ich bin sehr unglücklich, daß Sie unangenehm gestört werden. Die Stadträte sind draußen."
„Ah, das sind die Leute, die isch habe spediert gestern abend an die > frische Luft, n’est-ce pas? Was wollen denn schon wieder? — „Sie > wollen mit den Ziiojängs Offiziers fprechen", antwortete Zabel. — „Aber ich bin überzeugt," fiel fchnell der Sekretär ein, „daß es den Herren gerade jetzt nicht paffen wird." — „Mais non!“ gab ihm der dritte Offizier recht ; und füllte sich den Teller noch einmal mit Suppe. „Isch habe keine ! mich ßu lassen stören. Die Suppe ist delicieuse." — „Ich werde mit j Erlaubnis der Herren Offiziere den Stadträten sagen lassen, daß sie zu s einer anderen Zeit kommen sollen." I
„C’est juste!“ sagte der erste Offizier und wandte sich an Zabel. „He, sagen Er, wir haben jetzt keine Lust. Aber wir wollen sprech mit ihnen morgen! Ha, wird mir sein ein plaisir extraordinaire! Sollen haben ihre Freude, sacre, sacre!" Zabel ging. Der Sekretär goß Wein ein. Genehmigen Sie unterdes ein Glas Rheinwein. Auf Ihre Gesundheit, meine Herren!" — „Mille merci! Mais un Moment! Isch will gehen selber ßu - die Leute. Isch ihnen will sagen, daß isch schmeißen raus encore une fois, ; sacre bleu! Sollen sehen, ah!" Der Offizier stand schnaufend auf und ging j zur Tür. s
Zabel aber kam schon wieder voller Bestürzung herein, hinter ihm < Finnickel. „Was wollen Er?" schnauzte der erste Offizier den an. „Ha? s Quelle impertinence! Gehen Er ßum Teufel!” — „Ich bitte um Ber- i gebung, meine gestrengen Herren! entgegnete Finnickel ruhig. „Mer di« Sache ist von einer solchen Dringlichkeit und Wichtigkeit, daß ich lieber Ihren Zorn ertragen will, als daß ich sie Ihnen nicht mitteilte." — „Herr Finnickel!" ries der Sekretär mit zornfnnkelndm Augen. — „Aber ein bisken snell, citoyen Finnickel!" befahl der erst« Offizier barsch. Sabine war aufgestanden. Sie stellte sich neben den Sekretär und faßte seine Hand.
Finnickel sagte mit scharfer Betonung: „Der Herr — Bürgermeister ; bittet auf das dringendste, ihm für etliche Augenblicke Gehör zu schenken." i Die Offiziere lachten. „Der citoyen Bürkermeister?? Ist Er verrückt oder hat Er huviel getrunken? Da steht er doch, der Bürkermeister!" Der Offizier zeigte lachend auf den Sekretär. — „Verzeihung, Herr Offizier!" erwiderte Finnickel, ohne seine Ruhe zu verlieren, „das ist der Bürgermeister nicht." — „He?" — „Das ist des Bürgermeisters Sekretär!" — „He? Was reden Er da? Will Er uns hatten ßum Narren?" — „Gott soll mich be- \ hüten! Aber dieser junge Mann hat Sie zum Narren gehalten!"
Er zeigte mit dem Stock auf den Sekretär. Der erste Offizier wandt« ; sich zu dem Sekretär und schaut« ihn scharf an. „Was soll das heißen??" Der Sekretär sagte zornglühend zu Finnickel: „Haben Sie meinen schriftlichen Verzicht nicht bekommen??" — „Doch, mein Lieder", antwortete Finnickel freundlich. — „Und dennoch!" rief der Sekretär in verzweifelter Wut, „und dennoch, Sie elender, abscheulicher Mensch, verraten Sie mich?!" Finnickel zuckte mit den Achseln. „Ich had's mir anders überlegt. Der schriftliche Verzicht allein ist mir nicht sicher genug. Jungem, stürmischem Blut, mein Lieber, kann man nicht trauen. Ein Blick, ein Tränchen, und Er hätte sich den Teufel gekümmert um den Verzicht. Es ist schon besser so."
„Konrad," flüsterte Sabine ahnungsvoll, „wovon spricht er? Von welchem Verzicht?" Der Sekretär zog sie heftig an sich. „Der ist jetzt null und nichtig! Und du. Liebste, gehörst mir wieder! Und Sie, Herr Finnickel, tun Sie, was Ihrer Niedertracht gemäß ist!" Finnickel nickte und öffnete die große Tür.
Herein traten der Bürgermeister und die Stadträte Völlig, Stockebrand und Nägele. — „Mille tonnöres!" rief der erste Offizier, als er den Bürgermeister sah, „der verrückte secretaire!" — „Verzeihung," sagte Finnickel, „es ist der Bürgermeister. Wir haben ihn aus seiner Haft befreit, in die ihn sein Schreiber gesperrt hat, um selber Bürgermeister zu
tarnen zwei Sansculotten herein.
spielen." Der Offizier schnaufte, rot vor Zorn: „Mort de ma vie! Dieser Spaß können werden serr teuer!!" — „Es ist so, Mvsjö Zitojängs Ofsi. giere," sagte der Bürgermeister. „Ich bin außer mir über diese Mystifj, fatton!"
„Das ist der Sürgermeifterl” erklärte Völlig und zeigte auf de«, „und das ist der Sekretärl" Er zeigte auf den. — „Ja, ja — ja, ja", bestätigt« Professor Nägele. Stockebrand schüttelte kummervoll den Kopf. „Unglücklicher, Er hat das Elend noch vergrößert!"
Finnickel ritz dem Sekretär di« Perücke ab. Der erste Offizier tobte. „Verfluchte Halunke! Das Er soll betzahlenl Das Ihm sollen gehen an de» Kragen! Sacra bleu!" Er rannte zur Tür und rief hinaus: „He, Tourn«. brache! He, Pevdotrl Vers ici!" Sogleich kamen zwei Sansculotten herein. „Dieser Mann", befahl der erste Offizier und zeigte auf den Sekretär, „wird arretiert! Er soll ins Lager gebracht und gut verwahrt werden!” — „Fusillez-le sans fagon!" rief der zweite, und der dritte: „Er hat sich gemacht lustig über die oificiers von die Republique franpaise. Das muß werden bestraft exemplairement!" Die beiden Sansculotten nahmen den
Sekretär in die Mitte.
Der Sekretär umarmte Sabine leidenschaftlich. „So nahe am Ziel zu straucheln, das ist bitter. Leb' wohl!" Die beiden Sansculotten drängte» ihn hinaus. „Konrad!" schrie Sabine auf und fiel halb besinnungslos auf den Stuhl. Finnickel fing sie auf. „Demoiselle Sabine, Sie mutz sich fassen!" Sie stieß ihn voll Abscheu von sich und lies dem Sekretär nach.
Dem Bürgermeister war es übel zumute. „Meine wertgeschätzten und gestrengen Herren", stammelte er. Der erste Offizier ging mit schwere» Schritten in die Ecke, wo sein Säbel stand, auf dem Wege dahin Stadträte und Musikanten barsch beiseite schiebend. „Nix, nix!" rief er, sich den Säbel umschnallend. „Jetzt ist der Spaß am Endel Camarades, ailonst* Die beiden anderen Offiziere schnallten ebenfalls den Säbel um.
„Nur schnell heraus aus diese infame Gesellschaft! Hier läuft man ja Gefahr von feine Leben! Wenn der Bürkermeister ist geroes Schwindel, dann ist auch alles Schwindel, auch diese Fest und das Essen. Peut-Stre — wir haben gefressen Gift!" Er spuckte aus.
Der Bürgermeister, während die Stadträte ängstliche Gesichter schnitten, stotterte: ,Lch bitte, meine Herren —"
„Nix, nix! Ist nix mehr ßu bitten! Wir werden machen kurzen Proßch. Jetzt wird bombardiert tout de suite, geplündert und geschossen alles kurß und klein!” Säbelrasselnd und polternd schritten die drei Offiziere zur Tür. Der Küfermeister Jungblut aber versperrte ihnen den Weg. Er hielt den Sekretär, an den sich Sabine geklammert hatte, fest an der Hand. Jungblut schaute mit zornigen Blicken auf die Offiziere und auf die Stadtrate. Er war im Arbeitskletd, war beschmutzt und trug eine steife Lederschürze. Hinter ihm füllte ein Haufen Bürger den Flur. „Was geschieht hier?” rief er. „Was bedeutet das? Mir scheint, ich komm' grab im rechten Augenblick!" Die Offizier« standen überrascht da. Die Stadträte wußten nicht, wi« st« sich verhalten sollten.
Finnickel hüstelte und quetschte den Knopf seines Stockes. „He, wer M dieser Mann?" wandte sich ber erste Offizier an die Stadträte. Jungblut antwortete an ihrer Stelle rasch: „Das ist der Mann, um euch zu zeigen, daß nicht allen Männern dieser Stadt das verzagte Herz, mit Respekt,.., die Hose gefallen ist!" Er klopfte dem Sekretär derb auf die Schulter. „Mui, mein Braver! Die Wackeren und Gutgesinnten stehen hinter Euch! Und wer Euch nur ein Härchen krümmen will, der hat's mit dem Jungblut zu tun!" Er rollte sich die Hemdärmel hoch. Das Volk hinter ihm drängte sich näher mit drohenden Gebärden. „Schmeißt sie raus!" riefen einige, „raus, die Spitzbubenbagasch! — Drauf> Wir sind ihnen über! — Eins, zwei, drei — und wir sind sie quitt!’' Das Volk wurde immer lauter und drohender.
„Camarades!” rief der erste Offizier, „wir sind in eine «aUe gekommen! En avant!" Er zog den Säbel. Die beiden anderen Offiziere taten bas gleiche und machten Anstalten, sich durch bas Volk hindurch- mWwm donnerten dumpfe Kanonenschüsse und knatterien Gewehre. Die drei Offiziere stutzten und f(bauten sich erblassend an. ,M was heißt bas?!" Das sind nicht unsere Kanonen!" In diesem Augenblick hörte man draußen Geschrei. Jemand drängte sich durch das Volk herein. Es war Flipp, am Kopse und Arm verwundet. „Das Reichsheer' schrie er, „Das Reichsheer ist dal" Er ließ sich auf einen Stuhl fallen.
Zabel eilte auf ihn zu und stützte dhn, zitternd vor Freude. „Bovec Jung!. Hast du's geholt?” — „Sozusagen — ja." „Braver Jung! Braver Jung!" „Das Reichsheer," murmelte der Bürgermeister, in besten Gesicht es die ganze Zeit gearbeitet hatte: Tränen standen ihm In den Augen. „Die Not ist am End! Wackerer Sekretär!” Ein reichsdeutscher Offizier, von einigen deutschen Soldaten begleitet, trat ein. „Bonsoir, Messieurs! sagte er zu den französischen Offizieren. „Ich habe die Ehre, Jhnen^mit- zuteilen, daß die französischen Truppen auf der Flucht find. „Ha! rief Zabel, „bann müßt Ihr die Beine unter die Arme nehmen, Zltöjangsi Mag leicht, Ihr holt Eure Ohnehosen nit mehr ein!" .
Der erste Offizier knirscht« mit den Zähnen. „Canaille allemandl fauchte er und eilte mit den beiden anderen fluchend hinaus. Das Voll zahlend hinterdrein. Sabine eilte auf ihren Vater zu und fiel ihm in tu Arme. „Verzeihen Sie ihm, denn er hat die Stadt gerettet, Sie und mich und alle!”
Finnickel schnitt eht saures Gesicht. „Ich möchte ber erste {ein, «r herzlichst gratuliert" Sabine wandte sich heftig und verächtlich von >ym ab. „Wir bedanken uns, Herr Finnickel!" — Finnickel zuckte mit bett Achseln.
Der Bürgermeister atmete tief auf und umarmte den Sekretär. „Meltt lieber, wackerer Sekretär! Er hat mich ewig in der Schuld!" Dann keyrre er sich zu den Stadträten. ..
„Meine Herren — für zwei Bürgermeister ist unsere Stadl zu klein. Ich mache freiwillig Platz — ber jüngeren KraftI" Er nahm ben Seketar bei der Hand. Finnickel stelzte wütend hinaus.
Verantwortlich: Dr. Hans Thyrivt. — Druck und Verlag: Brühl'sche Universikäts-Vuch- und Steindruckerei, A. Lange, Gietzen.
I
3a
quai Nsg bare Und Win Wo: roun
5 -c Bin
' 2 aus g«W nur chen. Mopj MK kl°p! Friii nieir Füll
3 klein and nicht stück muß Kon Schr trop Psef Geti beim war form ich < stvaß
bloß schon Acht, mute was Sani heut« anbe anbe so g viell« Böck! schnü blicke ich v geleh muri bei s noch Lebewette


