und heulend entfloh seine Seele.
Eine Weil« sah Keola bem Ungeheuerlichen zu, wie einer, der im Traume ist, und dann packt ihn Furcht, scharf wie der Tod, um die Mitte, Furcht, daß er dergleichen sehen muhte. Und blitzschnell im gleichen Augenblick hatte ihn der Oberhäuptling des Stammes entdeckt, wie er so dastand, und deutete aus ihn und rief seinen Namen. Worauf der ganze übrige Stamm seiner ebenfalls gewahr wurde, und ihre Augen blitzten und ihre Zähne knirschten.
„Ich bin allzu lange schon hier gewesen", dachte Keola und lief weiter aus dem Walde hinaus den Strand entlang, ohne zu fragen, wohin.
„Keola", sagte eine Stimme dicht neben ihm aus dem leeren Sande.
„Lehua! Bist du's" schrie er nach Atem ringend und spähte vergeblich nach ihr aus, denn dem Augenschein nach war er mutteifeelenallein.
„Ich sah dich schon einmal vorübereilen," entgegnete die Stimme, „aber du wolltest nicht hören. Rasch! Sammle die Blätter und di« Kräuter und laß uns frei sein."
„Du bist mit der Matte da?" fragte er.
„Hier an deiner Seite", sagte sie. Und er fühlte, wie ihre Arm« ihn umschlangen. „Rasch! Die Blätter und di« Kräuter, ehe mein Barer wiederkehrt!"
So rannt« denn Keola um sein Leben und holte die magische Feuerung herbei; und Lehua geleitete ihn zurück und setzte feine Füße auf die Matte und machte das Feuer. Und dis ganze Zeit, da es brannte, stand Keola lauschend u. zitternd da und beobachtete, wie die unsichtbaren Hände Lehuas die Blätter aufschütteten. Rasch schüttete sie sie auf, und die Flammen stiegen hoch und versengten Kcolas Hände; doch sie sputete sich und fachte sie mit ihrem Atem an. Das letzt« Blatt war verzehrt, di« . Flamme fiel, der Stoß folgte, und da waren Keola und Lehua wieder ; daheim in ihrem Zimmer.
Als nun Keola fein Weib endlich sehen konnte, war er über die Maßen froh, und über die Maßen froh war er auch, wieder zu Hause in Molökai zu sein und sich zu einer Schüssel Poi niedersetzen zu können — denn sie machen kein Poi an Bord der Schiffe, und auf der Insel der Stimmen gibt es auch keines — und er war außer sich vor Freude, jo glücklich d«n Menschenfressern entronnen zu sein. Aber eine andere Angelegenheit war nicht so klar, und Lehua und Keola unterhielten sich die ganze Nacht darüber. Kalamake war ja auf der Insel geblieben. Wenn er mit Gottes Hilfe dort verweilte, war alles gut, sollte er aber davon- kommen und nach Molokai zurückkehren, dann würde es ein schlimmer Tag für seine Tochter und deren Gatetn sein. Sie sprachen von seiner Gabe, anzuschwellen, und ob er jene Entfernung durch die See wate« könnte. Aber Keola hatte innzwischen erfahren, wo jene Insel gelegen war — das heißt in dem Niederen oder gefährlichen Archipel. So schleppten sie denn einen Atlas herbei und studierten die Entfernung auf
,u Dutzenden in einem Walde zusammen. Von diesem Punkt« stieg «in unbeschreiblicher Lärm durcheinanderschreiender Menschen aus; uno aus • ben Geräuschen ging hervor, daß die, mit denen er lies, ihren Kurs aus die gleiche Gegend zuhielten. Roch ein wenig näher, und in das Toben mischte sich der Klang von vielen Aexten. In diesem Augenblick kam >hm der Gedanke, daß der Oberhäuptling endlich [eine Zustimmung erteilt hatte■ daß die Männer des Stammes dabei waren, jene Bäume zu schlagen daß die Kunde davon die Runde um die ganze Insel, von Zauberer zu Zauberer, gemacht hatte, und daß diese jetzt alle versammelt waren um ihre Bäume zu verteidigen. Da überwältigt« ihn der Wunsch nach seltsamen Dingen. Er rannte mit den Stimmen roeiter, überquerte den Strand, erreichte den Saum des Waldes und blieb staunend stehen. Ein Baum war bereits gestürzt, andere waren teilweise umgeschlagen. Dort jtanden di« Stammesmitglieder dicht aneinander gedrängt. Sie standen Rücken gegen Rucken, und Blut floß zu ihren Füßen. Die Farbe der Furcht lag auf ihren Gesichtern, und ihre Stimmen erhoben sich gen
einer Landkarte, und soweit sie erkennen konnten, war es eine metie Strecke für einen alten Herrn zu gehen. Trotzdem schien es nicht ratsam, sich vor einem Hexenmeister wie Kalamake allzu sicher zu fühlen, und fie beschlossen endlich, einen weißen Missionar zu Rate zu ziehen.
Daher erzählte Keola dem ersten besten, der des Weges kam, alles, Und der Missionar machte ihm heftige Borwürfe, daß er auf den flacheu Jnseln eine zweite Frau genommen hatte; was jedoch das Uebrige betraf, so schwor er, auch nicht den geringsten Sinn darin entdecken zu können.
„Wie dem aber auch sei," sagt« er, „wenn ihr glaubt, daß das ®eto eures Vaters unrechtmäßig erworben ist, so ist mein Rat der, einen -den \ davon den Aussätzigen zu geben und einen anderen Teil dem MGon-.- i fonds. Und was diesen sonderbaren Unsinn betrifft, so tut ihr am besten ' daran, ihn für euch zu behalten."
Er benachrichtigte jedoch die Polizei in Honolulu, daß, soweit e verstehen könnte, Kalamake und Keola Falschmunzere, betrieben yuucn, und daß es angebracht wäre, ein Auge auf sie zu halten. . _ „nre
| Keola und Lehua nahmen seinen Rat an und gaben mele Do « ; den Aussätzigen und dem Missionsfonds. Und zweifellos muh ■ gut gewesen sein, denn von jenem Tage ab bis auf heute hat n wieder etwas von Kalamake gehört. Ob er aber in i^r Schlach Bäumen gefallen ist, ober ob er immer noch auf der Insel der enmu feine Daumen dreht, wer kann das wissen?
(Die Erzählung ist der im Verlag Gebrüder Enoch, j
schienenen Gesamtausgabe von R. L. Stevensons Werken ent____
Verantwortlich: Or. HanS Thyrivt. - Druck und Derlag: Drühl sche Universitäts.Duch. und Steindruckerei, V. Lange, ®’e6en'
Veranda, sowie ein Katechet. Oh, es ist ein sehr schöner Ort! Der Händler - hat ganze oässer mit Mehl gefüllt, und ein sranzvsiiches Knegsjchiss erschien einmal in der Lagune und gab jedem Wein und Zwteoack. Ach, mein armer Keola, ich woute, ich könnte dich dorthin bringen, denn groß stt meme Liede zu,dir, und es ist, mit Ausnahme Papeetes, der schonst« DI6ö Keola zu dem angsterfülltesten Manne in den vier i
Weltmeeren würde. Er hatte bereits von Menschenfressern aus den sud- : lieben Inseln reden hören, und die Sache war stets em Schrecken lurchn aewesen und jetzt pochten sie hart an seiner Tur. Außerdem hatte er noch durch Reisende von ihren Gebräuchen vernommen, wie sie, wenn sie die ; Ab lickt haben einen Menschen zu essen, den Betreffenden hegen iind ; Bn L e^e Mutter ihr Lieblingskind. Und er sah, daß das vei ihm , der Fall sein mußte, und daß das der Grund war, weswegen man, ihm , ein Haus und eine Frau gegeben und' ihn von aller Arbeit befreit hacke, und weshalb die alten Häuptlinge sich mit ihm "“LÄ !
von Bedeutung unterhielten. So lag er denn auf [einem Bette und ,!u.)te . feinem Geschick, und das Fleisch gefror iym an den Knochen.
Am folgenden Tage waren dis Genossen des Stammes auf ihre 3ßa[ , !ebr höflich zu ihm. Sie waren alle gewandte Redner und machten | wunde rscho e Poesie und scherzten bei ihren Mahlzeiten, so daß em ; Missionar vor Lachen sicher gestorben wäre. Wenig, in der Tat, fragte Keola nach ihren schönen Manieren; er sah mir die weißen ^ahne m ihren Mäulern schimmern, und ihm wurde übel bei dem Anblick, und als sie ihre Mahlzeit beendet hatten, ging er fort und lag wie em Toter
Am nächsten Tage war es ebenso, und seine Frau folgte ihm nach. Keola," sagte sie, „wenn du nicht ißt, wirst du morgen getötet und ; gebraten werden, das sage ich dir rund heraus Einige der: al en Haupt- linoe murren bereits .Sie glauben, daß du krank geworoen bist und Fletsch ! verlieren wirst." Bei diesen Warten sprang Kema aus [eine Fuße, und Som brannte in [einem Innern.
„Ich frage wenig, wie es nun enden mag. jagte er. "^ ichwebe hier zwischen einem Abgrund rechts und links. Da 'ch nun sterben oll, so laßt mich auf di« rascheste Weise sterben; und da ich doch im besten Falle" gefressen werden muh, so will ich lieber von ©elftem als von Menschen gefressen werden. Lebewohl", sagte er und lieh sie stehen, wo sic war, und begab sich an den Meeresstrand der Insel.
Dieser lag ganz kahl unter der starken Sonne; von Menschen war nichts zu sehen, aber der Sand zeigte Fußspuren, und wo immer er auch aina redeten und flüsterten die Stimmen, und die Feuerchm stammten auf und brannten wieder nieder. Sämtliche Zungen der Welt wurdm dort geredet: Französisch, Holländisch, Russisch, Tamil und Chinesisch. Welches Land auch immer von' Magi etwas wußte, dessen Angehor.ge waren da und flüsterten in Keolas Ohren. Der Strand war so stark besucht wie ein ausgerufener Jahrmarkt, und doch war kein Mensa) zu leben, und im Gehen sah er die Muscheln vor sich verschwinden, und kein Mensch las fie auf. Ich glaube, leibst der Teufel hätte sich allein in solcher Gesellschaft gefürchtet; Keola jedoch war über jede Furcht erhaben und suchte den Tod. Wenn die Feuer erglimmten, stürzte er wie ein Stier auf sie los. Körperlos« Stimmen riefen hin und her: unsichtbare Hand« schütteten Sand auf di« Flammen, und sie waren von dem Strande verschwunden, noch ehe er sie erreicht hatte. _
„Es ist klar, daß Kalamake nicht hier ist," dachte er, „sonst wäre ich längst getötet worden."
Daraufhin setzte er sich am Rande des Waldes meder, denn er war müde, und stützte sein Kinn auf die Hände. Vor seinen Augen wurde die Sache fortgesetzt: der Strand summte von Stimmen, und die Feuer schossen auf und versanken, die Muscheln schwanden und erneuerten sich, noch während er zusah. „ . ,,
„Cs war ein stiller Tag, als ich das erstemal hierher kam, dachte er, „mit diesem nicht zu vergleichen."
Und sein Kopf schwamm bei dem Gedanken an die Millionen und Millionen von Dollars, sowie an di« Hunderte und Hunderte von Menschen, die hier am Strande sammelten und sich höher und schneller als Adler in die Lüfte schwangen. ..
„Und zu denken, wie sie mich mit ihrem Gerede von Staatsmunzen zum Narren gehalten haben," sagte er, „und daß das Geld dort hergestellt würde, nun es doch ganz klar ist, daß sämtliches neues, gemünztes Geld der Welt hier an diesem Strande aufgelesen wird! Aber das nachste- mal werde ich es besser wissen!" sagte er.
Und schließlich, «r wußte nicht genau, wi« oder wann, [ank der Schlaf auf Keola herab, und er vergaß die Insel und alle seine Leiden.
Früh am anderen Tage, ehe noch die Sonn« aufgegangen war, weckt« ihn ein Lärm. Er erwachte voller Furcht, denn er dachte, der Stamm wäre im Schlaf« über ihn gekommen, aber es war nichts dergleichen. Jedoch am Strande vor ihm schritten und riefen die körperlosen Stimmen einander zu, und es schien, als fegten alle an ihm vorbei, die Küste entlang.
Was ist jetzt im Gange?" dachte Keola. Und es wurde ihm klar daß es etwas Außergewöhnliches sein mußte, denn weder wurden die Feuer anqezündet, noch die Muscheln gesammelt, sondern di« korperlo en Stimmen fuhren fort, den Strand entlang zu lagen, einander zuzurufen unb zu verklingen. Und ander« folgten, und aus ihrem Tone ersah man, daß die Zauberer zornig waren. .
„Ich bin es nicht, auf.den sie böse sind," dachte Keola, „denn sie b^Wie^'wenn^Hunde°odn Pferde auf einem Rennen ober Stadtmenschen auf dem Wege zu einem Feuer oorbeiftürmen, so daß alle sich ihnen anschließen, so war es jetzt mit Keola; und er wußte nicht, was er tot, noch weshalb er es tat. Aber siehe da! Plötzlich lief er mit den
Himmel, schrill wie Wieselgeschrei.
Habt ihr schon einmal ein Kind gesehen, wenn es ganz allein ift und ein Holzschwert hat und damit ficht, hin und her springt und in die leer« Luft schlägt? Ganz so standen die Menschenfresser, Rücken gegen Rücken gepreßt, und schwangen ihre Aexte und hieben drauf los und schrien, während sie schlugen, und siehe da! Keiner war dort, der gegen sie stritt. Nur hier und da gewahrte Keola eine Axt ohne Hände über ihnen schweben, und wieder und immer wieder sank ein Mann aus dem Stamme vor ihr nieder, in zwei Teile gehauen und auseinandergeborsten.
Stimmen mit! ~ , . ..
Er jagte an der einen Landspitze der Insel vorbei und gewann die zweite in Sicht; und dort, erinnerte er sich, wuchsen die Zauberbaume


