Ausgabe 
27.9.1927
 
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i Gifte' Das war das Gchermmsvoue, oas w v

- WH't hloR mich fetder, ganze Familien, ganze Mörser, ganz

i EsiissÄÄ sys

beKt es Eiflern zu beÄeiK. Diese Kunst wemgstens werden meine

nur doziert. ,. .. . , ,,

Wie dem auch immer sei: ein späteres, ruhiger wagendes Geschlecyt wird in Sudermann den großen Erneuerer der deutschen Buhne, den eigentlichen Schöpfer des Gesellschaftsstückes erkennen und im Berfasjer derLitauischen Geschichten" und manches anderen Prosawerkes einen der größten Erzähler unserer Zeit verehren.

Ms solchen grüßen wir ihn schon heute, an seinem 70. Geburtstage.

Kritlker mir nicht °bs^tten^onnen.^^b^iten des Handverkaufes «in- npn'Tih1 ünb dabei verblieb es bis aus weiteres. Brustbonbons, Kaimllen- tee Rhabarber,' Lakritzen, Magentropsen, Appetitpulver für die Schweine, B bergest Honig7 Asa foetida - eine böse Nummer übrigens - und w^ill der Deibel was sonst noch, alles ging alsbald mtt flotter Selbsi- nsvNöndlickkeit durch meine Hände. Die Bruftbonbons stehen in dieje Ä ähluna^mit Fu? und Recht an erster Stelle, denn sie erregten.n mu auch privatim «in/greisbare Anteilnahme, die sich allerdings sehr ba.d in Nn^enanMen^Dingen gesellte sich allerhand Rätselhaftes, das leis- gefedert und aus höchst harmlosen Flaschen

Rnrhiirfifeit verabfolat wurde: Muttertropfen, Liebestranke, ^uapuivei, ^ensett nebst vielen wilden Rezepten, in denen die Zauberkunst weise ®ri£>er ^M/settegäst", mein hochverehrter Chef, erteilte mir selbst die nötigen Unterweisungen, denn einen Gehilfen gab es nicht.

Als ein wohltätiger Geist geht dieser Mann durch manche^ 31 meiner Jugend. Sein Haus blieb mir eine zweite H^mat, auch la S, nachdem ich nicht mehr darin tätig war, und noch alsStudent half «y an den Markttagen, an denen kundige Hande nottaten, ausLust undi u fleißig mit, dem Litauervolke, das sich m Scharen vor demi Ladenüs^ drängte, seine quackfalbrischen Wünsche zu er,ullen. Es wurde mein Stolz, in seiner Sprache mit ihm zu reden und mich in dem seines Stammelns zurechtzufinden. r . .. ... oiet

Aber mein Ehrgeiz ging hA)er. Den Handverkauf hatte ich m ° Wochen ausgelernt. Ich kannte den Platz eines jeden Medikaments, j wußte seinen Preis und war mit dem Kauderwelsch der Fordern g

restlos vertraut. ,,M

Der höheren Tätigkeit aber, tue sich daran schließen mußte, stano eu Verbot der obersten Medizinalbchörde gegenüber, demzufolge ^Leyru Ä erst in dem dritten Jahre ihrer Lehrzeit das Rezeptiersn unter II gestattet ist. . ; j, snron

Vor mir lagen zwei endlose Jahre ödesten Kommistums, ehe ich . denken konnte, das Allerheiliaste des Rezeptiertisches zu betreu.1, dabei schien selbst hier nichts Schwieriges zu erlernen. Das +

Von was redet man alles an einem schönen sonnigen Nachmittag, wenn | sonderbare Gefühle den Menschen bestimmen! Vom Himmel durch die Welt zur Hölle fährt man, und will man sich besinnen, dann ist das meiste Gefühlswert, der erst viel später zum Gedanken wird. Lcoer etwas haftete, etwas sehr Lustiges. Die klein« Geschichte, wie Sudermann Direktor eines Varietes gewesen ist. Das war im Jahre 1916. Man sah ooen am grünen Tische ein, daß etwasfür das Volk" getan werden mu st Berlin saß im Dunkeln, hungerte und fror, nachdem Prof. Eltzbacher, der oqcnannle Schweinemörder, haarscharf bewiesen hatte, daß die Schein« uns die Nahrungsmittel wegfrähen. Infolgedessen gingen wir an Fett- mange! zugrunde, derweilen Rüben und sonstiger Schweinefraß in Millionen Zentnern umkam.

Das Volk aber sollte in Berlin nicht hungern und frieren, ohne daß vom Staat ein gewisser Ausgleich geschaffen würde. Da das Brot sehlie, sollte wenigstens' die Unterhaltung gepflegt werden. (Panis et circenses.) Warum nicht? Nur ... man machte es falsch. Man stellte sich auf den Kulturstandpunkt und kam mit hoher Kunst. Die Frau, die sich tagsüber abgerackert hatte, sollte sich . . . (es ist beileibe kein Witz) Beethovens Neunte anhören ... ,

Der Saal war gefüllt mit Damen, die Pelzmantel und Brillanten trnaen. Zufällig sah Sudermann einen solchen Saal. Er staunt ... begreift

macht eine Eingabe an das Generalkommando. Man sieht dort den Unsinn sofort ein und überträgt ihm die Stelle einesrectoris circensium , aber ohne Mittel. Die müsse er selbst schaffen. Zwei Schreibmaschinen und ein paar Klubsessel sind alsbald da; ein Fernsprecher fehlt; erst nach vielen vergeblichen Versuchen hat ein Geheimer Oberpostrat den Mut, die drm- aend notwendige Ausnahme zu machen. Nun kann s losgshen. Zwei­hundert oder mehr Gespräche, und das Kapital ist beisammen. Künstler stehen auf Anforderung innerhalb acht Tagen zur Verfügung, auch wenn ie im vordersten Graben liegen. Das Generalkommando sieht em, daß hier ein neuer wichtiger Weg beschritten wird ... nicht die hohe Kunst, sondern geschmackvolle Unterhaltung. Die feindlichen Staaten machten das langst. Wir redeten von Kultur und langweilten die Leute. Sudermann machte ein Varieteprogramm. 1. Teil: Ernste Kunst. 2. Teil: Heitere Kunst (lustige Stücke wieGuten Morgen, Herr Fischer" und andere). 3. Teil: Artisten. Alle vernünftigen Leute fanden das richtig. Die Ver­anstaltungen sollten über ganz Deutschland ausgedehnt werden, da er­krankte Sudermann schwer, und es fand sich kein Nachfolger.

Sudermann ist, wie sein jüngster RomanD e r t o l l e P r o f e s o r erneut beweist, voller Leidenschaft, voll Kämpfermutes und ... voll Ro­mantik. Man muß das menschlich offene, dichterische schöneBilder­buch m e i n e r I u g e n d" lesen, um diesen tapferen, etwas üoerfpannten und am Ende auch etwas problematischen Sohn einer ganz und gar pro­blematischen Zeit völlig zu verstehen. Da wird klar: Er ist durchaus Romantiker. Romantisch ist fein Schauen, sein Fühlen, sein Denken. Er stellt in seinen Werken zweifellos die Welt genau so dar, wie er sie siegt, und er sieht sie romantisch. ,, . _± . . .

Er kommt ein bezeichnendes Beispiel als blutjunger «tudent auf einen abgelegenen Gutshof; lustwandelt, ißt, trinkt, plaudert mit der tief­einsamen Herrin. Merkt nicht, wie sie zu ihm strebt, ist ganz voll roman­tischer Entzücktheit ... u..d da sic ihr. di: Nacht :st sch""' "n, berauschenden Düsten noch einmal besucht .... da meint er bitterlich ...an ihrem Herzen.

Das könnte in jeder Erzählung der sogenannten romantischen Schule stehen, als empfindsame Erfindung. Bei Sudermann ist es eine bittersüße Tatsache. Das Leben spiegelt sich ihm im Romantischen, wird Leben erst aus betn Umnxjg tmrd) bie DiomontiL Er ift EHlker, meu.eicht

sogar seine Erziehung läßt es wahrscheinlich sein, sein Werk ver­muten Moralist wie Ibsen, nur daß er liebt und leidet, wo Ibsen

Blankensee.

Sudermanns märkisches Sommerschloh.

Von Liesbet Dill.

Ich kannte die Mark als westliche Rheinländerin lange nur durch Fontane, der sie uns erschlossen hat. Ihre Reize und Stimmungen lernte ich erst durch den Aufenthalt auf dem Landsitz Hermann Sudermanns kennen, der sich vor dem Kriege von einem märkischen Baron v. Th. das alte Herrenhaus in Blankensee kaufte. Die Gutswirtschaft trennte er gleich davon ab. Dieses Herrenhaus, im siebzehnten Jahrhundert erbaut, spater ausaebaut und von Sudermann mit Geschmack eingerichtet, liegt eine Stunde bahn wärt- von Berlin bei Trebbin in der sandigen Ebene der Mark Es ist von Kiefernwäldern und großen Seen umgeben, die wie tiefe klare, fülle Augen in der Landschaft den Himmel spiegeln. Merk­würdige Seen, mit hohen dichten Schilsrändern und schmalen Eingängen, man baucht mehrere Stunden, sie zu umrudern, sie sind sehr veränderlich und reagieren auf jedes Wetter rasch. Ich selbst habe ihre Gefahr an einem stürmischen Oktobertag kennen gelernt und wäre saft daraus im Kahn ver­unglückt. Seitdem finde ich di« sanften Leistikowschen märkischen Seen nicht mehr so unschuldig, wie sie scheinen, wenn man sie bet Sonnen­schein sieht. ... . , ,,

Hierher zieht sich Sudermann während des Sommers zuruck und lebt einige Monate auf Blankensee. Ein großer alter Park, der von Kanälen durchzogen ist, die in zwei Seen einmünden, umhegt das Schloß. Man fahrt unter weißen, blumengeschmückten Brücken durch diesen schongehal- tc-nen Bark, der des Abends feenhafte Stimmungen hat, viele Marmor- smtuen beleben ibn. In der hohen Allee mit Taxuswänden leuchten die r.r;ten Profile römischer Feldherren auf ihren Sockeln, zwei rosenrote Marmorsäulen halten ein prachtvolles hohes Würzburger handgetriebenes

Tor Hier in der Gülle arbeitet Sudermann, in seinem Arbeitszimmer ift er ungestört, nur die grünen Bäume schauen zu den Jenstern herein.

Das Schloß und das kleine Dorf Blankensee mit seinen strohgedeckten, in Sand eingesunkenen Hütten hat zwar eine einzige Post, aber leine sonstige Verbindung mit der Weit. Man geht zu Fuß zum Bahnl)of Trebbin anderthalb Stunden, oder Sudermanns Wagen fahrt uns hin. Diese köstliche Abgeschiedenheit ist die beste Erholung, die sich em Laster wünschen kann. Tiefer Friede liegt über dieser herben, einfachen Land- fchast den stillen, menschenleeren Kiefernwäldern, in denen man morgens ®e sucht. Man hat alles für sich allein, Park und See. Landstraßen UnÖ5ntereÖflan't ist ein Zimmer, in dem ich meist wohnte. Ein Ahrcherr des stiemaligen Besitzers, märkischer Uradel, hatte die Wände: mit Blech ausicklagen Men. Er ließ das Zimmer an Regentagen mit Wasser und Prifcben füllen und amüsierte sich, in einer Wandnische sitzend, die jetzt nock vorhanden ist - hier zu angeln... Sudermann hat die Blechwande abnehmen lassen... Der Park ist mit reizenden Statuen, die er sich aus Italien mitdrachte, geschmückt, und das Schloß enthalt wundervolle alte Silber und wertvolle Kunstgegenstände. Es ist einfach und vornehm ein­gerichtet und sehr behaglich. Als die liebenswürdige, von ihren Freunden iuinercteHene Hausherrin, Frau Klara, noch lebte, war das Haus tm Sommer immer voller Besuch, und oft rauschte wahrend der Teesrunde e,n Kanu heran und brachte von den benachbarten Gütern Gast«.

Sudermann arbeitete eigentlich immer, ©eine erste Aage, wenn ich dem Wagen entstieg, war:Was arbeiten Sie eben? Was haben Sie vor?" Menschen die nicht arbeiten, sind ihm unsympathisch. Er arbeuet aan regstmäßig von morgens halb neun bis eme Stunde vor TiMi dann fahrt er mit dem Kahn hinaus, nach ^iW rme SMn'de Pause) dann arbeitet er wieder, bis abends vor Tuch, wo wir oft noch einen Abendspaziergang durch die Wälder machten. Nach dem Essen wiirde^vorgelesen. Ich habe seine letzten Arbeiten in Fahnen ge- le en obr er las uns daraus vor, am flackernden Kaminfeuer in der Halle, während draußen die Nacht tief und undurchdringlich es gu t fein anber-s Licht hier als Spirituslampen auf bte 6bene Jan.. weißen Göttinnen im Park schliefen, und von der Welt, ine weit draußen

! in San Äs weiches Klima, der Sonne entgegen.

Die «Apotheke.

Von Hermann Sudermann.

Dieser Abschnitt aus des DichtersBilderbuch meinest Jugend" dürfte vielen Lesern willkommen sein.

Die Wett die meine Welt gewesen war, versank.

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