zuerst, dann ein Offizier, dann zwei Karabiuieri zogen die Augenbrauen hoch. Ausländer hier? Alsa Spion«!
Derantwvrtlich: Dr. Han« Thyrivt.
«iitrf und Verlag: Brühl sche UuiversitSts-Vvch- und Steiudrnckerei, R. Lange, Gießen.
Drüben Baia. Auch Horaz war des Faterners voll, als er das nieder- schrieb: NulluS in orbe sintts Bais praeiucet amoer.is! Heute fährt man im Rachen über die versunkene Lasterstadt hinweg, aus der Tiere leuchten die weißen Säulen herauf wie die sündhaft schönen Leiber der ambubaiae, die Kaiser und Dichter berauschten, aber das Licht, das gewaltige Licht ist geblieben. Feuer in der Erde und im Himmel, flammen« krr Blau dazwischen. Cuma. Diana, Lucifera, Venere Lurrina, Bacoli, Miseno, der Posilip — wer soll das alles schildern^
Die Direttissima führt direkt hin. Ins Herz einer Landschaft, die man besser erlebt. Ma Appia und Bia Domiziana verbunden, Campagna und phlegräische Gefilde, Rom und Neapel: das ist eine Tat. Etwas von der ichänheitsgcwaltigen Straßenbauknnst des römsichen Imperiums lebt in ihr aus.
Es gibt aber keinen zweiten derartigen Balkon ins Meer hinaus. Durchrauscht von Bläue und Gefunkel, in ein Pferdewägelchen. Längs der Bucht über Elena nach Formia zurück! Hat man schon je ein derart malerisches Fischernest gesehen wie dieses blau und rosa angestrichene St. Helena? Die Treppen winden sich wie verrückt gewordene Rampen, wie Saumwege von außen die Häuser hinauf und verschwinden hinter mysteriösen Türen. Einmal huscht ein Blick hinein; da läßt eben ein teufelsrassiges Mädel den Eimer in den pozzo hinuntersausen, den mitten im Haus gelegenen Schöpfbrunnen. Sämtliche Weiber sitzen vor den Schwellen und binden Besenreiser, sämtliche Männer machen sich rechts — die Straße führt zwischen der endlosen Häuserzeile und dem Strand hindurch — an den braunen Retzen zu schaffen. In Conca steigt eine zurückgebliebene Sommerfrischlerin triefend aus dem Meer.
Die msdsr°tts •UJimberlampe.
Der Rönkgensirahl als Detektiv.
Bon Dr. Siegfried K u r t h.
■ »erborgen trägt, , ilügel aus Aluminium, die Gewalt
seit dem Jahre 1913 hat sich in dieser Technik ein außerordentlicher ‘ Wandel und gleichzeitig ein großer Fortschritt vollzogen. Als Röntgen - 1898 die nach ihm benannten Strahlen entdeckte und zugleich auf di« ! mannigfaltigen Anwendungsgebiete für sie hinwies, tauchte natürlich zu- gleich die Frage auf, welcher Natur diese wunderbaren Strahlen seien. ! Wohl hatten die Physiker Grund zu der Vermutung, daß sie «ne dem ' Ächt verwandte Erscheinung Erstellen: aber zunächst fchite dafür ein ' v ÄAl"llercher Betveis. Da das Licht eine Wsllmbewegrmg stt, hätten Sie Röntgenstrahlen dann auch Wellen von bestimmter Länge kein müssen, trm Wellenlängen zu messen, bedient man sich in der Optik gewöhnlich der wgenmmten Beugungsgitter. Das sind Metallspiegel, auf die man n, gleichen, außerovdenllich kleinen Abstäirdon seine Spalte, bis zu 10 900
Dr. Frebold, der Privatdozent an der Technischen Hochsckmke in Hannover, kürzlich ausführte, ist man nun aber doch schon in der Ausbildung dieser Forschungsmethoden verhältnismäßig weit gekommen, selbst Kohlen. hat mau „rüntgenographiert", wie der 'Fachausdruck lautet, und aus der Artites Bildes lassen sich ohne weiteres genaue Rückschlüsse auf den Afck^nHehalt des Brennstoffes ziehen. Was das für die Verwer- tung der deutschen Kohlenjchätze bedeutet, liegt auf der Hand. Für den Ma- ichmenbauer, der sich ein Urteil über die von ihm hergestellteu Maschinen- teile bilden will, ist es oft außervichentlich wichtig, 'zu erfahren, welche Leraiiderung«, in idem bearbeiteten Metall durch sogenanntes Kaltstrecken cntsteyen. Auch in diesem Falle leistet ihm der Röntgenstrahl wertvolle Hilf»; der Techniker lernt also bald abschätzen, welche Metallegierungen
■r, Herstellung Zwei sen am geeignetsten sind, und spart dadurch
mel MateviÄ. Sorgfältige Prüfung durch das RöntgeNverfahren ver- hindert, aber auch,, daß Maschinen wegen unsichtbarer Materialschäden mitten in der Aroeit versagen, Ereignisse, die sonst zuweilen nicht nur zu Betriebsstörungen, sondern mich zu Katastrophen geführt haben.
In einein Märchen wird erzählt, daß einst ein Derwisch, der sich mit einer bestimmten Salbe das Auge bestrich, sofort die unterirdischen Schätze der Erde schauen konnte. Das ist zwar nur ein Märchen; aber der richtig angewandte Röntgenstrahl erfetzt diese Wundersalbe, gibt wertvoll« Fingerzeige für die Erforschung und Beurteilung der Erzlagerstätten. Er kann uns sogar unter gewissen Umständen sofort sagen, aus welche« Metallen eine unbekannte Legierung besieht. Vor Jahren waren schon aus Amerika die abenteuerlichsten Gerüchte über die Verwendung der Rontgensirahlen im Dienst der Metalltechnik zu uns gekommen. Man !>iNtd diesen Meldungen in Deutschland ei was skeptisch gegenüber, prüft« aber smt deutscher Gründlichkeit, und heute ist dieser neue Zweig der Rontgenteckmik — das sagt die Abteilung für Metallsorschunq im Mater,alprufimgsanrt in Groß-Lichterfelde, das sagt auch das Institut sur EiMzorschung m Düsseldorf, das sagen schließlich die verschiedenen Darbletzingen auf der Werkstofffchau — bereits so ausgebildet, daß selbst der einfache Lgvormck -ich seiner erfolgresch bedienen kann.
Kaum sind wir wieder in den Zug gestiegen, jagt er durch die phlegräi- schen Gefilde, die leuchtenden, die feurigen. Vulkan an Vulkan. Da der Gauro, dort der erst vor vierhundert Jahren entstandene Monte Nuovo. Ei» Berg wächst in zwei Tagen und zwei Rächten mitten in unserem aufgeräumten Europa, ja, in der „guten Stube". Vierhundert Meter hoch! Unerhört. Es ist unerläßlich, der Sache nachzugehen, steigen wir also aus, wo die Natur Allotria treibt: Station Pozzuoli-Solfatara. Zeit genug. Alle halbe Stunde geht jetzt von hier ein Zug nach Neapel. Und man tritt, den zweiten Falerner im Vorbeigehen entwurzelnd, ein, wo dieses Feuer wächst. Tranipelt der Erde auf dem hohlklingenden Bauch herum, schaut ihr in die dampfenden Eingeweide und macht bei Lu- stfer seinen Besuch. Der Alte haust noch immer in dem Schwefelkrater, wie damals, als meine Feuilleton schreibenden Vorfahren eine abenteuerliche Tagesreise von Rom aus unternahmen, um an die Quelle des ^Falernes zu kommen. Zehn. Kinder hat er inzwischen in diese gelbe Welt gesetzt.
. ßa1le schloß weiter, daß eine photographische Platte, die man hinter einem vom Röntgenstrahl getroffenen Kristall ausstellen würde, bei eignetet Beriuchsanordnung symmetrisch angeordnete schwarze Flecke aus. ve' an itlUrsC’ 6er Sa9e dieser Flecken hätte man dann einer;eite
der aus d«n Kristall tretenden Röntgenstrahlen und andererseits auch den Aufbau des oenutzten Kristalles (feine Struktur) er« rennen können. Das Experiment bestätigte Laues theoretische Heber- legungen glanzend: die aus Kristallen heraustretenden Röntgenstrahlen nefen auf der photographischen Platte die vorausgefagten eigenartigen badei hervor. LcUies Entdeckungen der fogenannten Interferenz der Röntgenstrahlen wurde zum entscheidenden Versuch für die Wellennatur biefer Tkrahlenart. Die wiffenschaftliche Großtat, die mit dem Nobelpreis ausgezeichuel wurde, leitete einen neuen Abschnitt der Naturwissenschaft «'N. Sie enthüllt, nicht nur den Ausbau der Kristalle, sie führt auch zur Auffindung der sogenannten Röntgenspektren und gab ein Mittel an di« Hand, in den inneren Bau der Atome hineinzuleuchten.
Biete rein wissenschaftlichen Errungenschaften, deren Tragweite noch $u. 's^sthm ist, l«t die Technik wiederum in ihren Znenft gestellt. Man hat sich besondere Röntgenröhren konstruiert, mit deren Hilie man in die Metalle sehen kann. Die Technik begnügte sich aber nicht nin der Anordnung des Apparates, wie ihn Laue gefäfaffen hatte. Wie ' In . der gewöhnlichen Spektralanalyse mit Ab orptions- und ®mi|fwnsfj»ftreit zu tun hat, so wurde auch bei den neuen Röntgenröhren die Avmrpiions-und Enulsionsmethode gewissermaßen kombiniert. Es gab mancherlei Schwierigkeiten zu überwinden, und keineswegs find sie heute schon alle beseitig!. Vor allem ist die wichtigste Aufgabe,'die nötige ; VochjpMining Ni erzeugen, knimit die Rohren in' Betrieb' kommen. Aber vorläufig sind die Grenzen für diese Hochspannung noch ziemlich eng gezogen, und die Elektronenröhren, die in der Radiotechnik eine so wichtige Rolle spielen, find auch für den Röntgentechniker, der sich in den Dienst der Metallkunde gestellt hat, ein sehr wichtiges Hilfsmittel, das ireilich nur in sehr veränderter Form benutzt wird. Außerdem darf man nicht unberücksichtigt lassen, daß die Röntgenstrahlen nicht allzu tief in das Innere des Metalls eindringen können, in Eisen etwa bis zu 7 tu j Aluminium bis zu 15 Zentimeter Dicke. Wer mit diesen Strahlen operiert, | Techniker ebenso wie der Arzt und seine Gehilfen, muß sich vor uw i angenehmen Nebenwirkungen natürlich schützen: anstatt ' der Blei- i bewahrung wählt man jetzt oft dazu Varnimäude. Roch stehen wir am Anfang dieser sorfchungsmethode, die die Techniker planmäßig weiter vervollkommnen und für ihre Zwecke ausbllden.
In der Werkstofffchau in Berlin, wo der Ingenieur Blitze schleudert, rm sich die Gebilde aus Eisen und Stahl den mannigfachsten Geduldpraben umerwerfeu müssen, gibt es seltsame Dinge, Wunder moderner Technik zu schauen. Mag auch der Dichter sprechen: „Ins Innere der Natur bringt kein erschaffener Geist", ins Innere der Metalle dringt das mit dem Rüstzeug der Wissenschaft bemuffnete Auge des Technikers. Wir haben nicht nur gelernt, durch ein Brett zu sehen, wir können auch den Aufbau der Moleküle erspähen. Manch geheimnisvolle Fehler, manche Keime einer „Krankheit", die ein scheinbar so robustes Kernstück aus Metall im Innern "erborgen trägt, werden dem Beschauer enthüllt. Da hängt ein Propeller- flügel aus Aluminium, die Gewalt der Stürme unnd sonstige Tücken können ihm sicherlich nichts anhaben, aber siehe da: eine Laborantin schaltet den Röntgenapparat ein. Bald hat man sich an die Finsternis in der Dunkelkammer gewöhnt, und es kostet nicht allzuviel Muhe, im Innern des Propellers zwei Gußsthler zu entdecken. Das Röntgenogramm ist nicht nur für den Arzt von außerordentlicher Bedeutung. Auch der Metallograph, der Maschinenbauer und der technische Ehemiker haben gelernt, den Röntgenstrahl in den Dienst ihrer Untersuchmrgen zu stellen und seine geheimnisvollen Zeichen mit untrüglicher Gewißheit zu deuten.
Formia. Noch geduckt in Staub und Vergessenheit, bald aber wird es die Brust dehnen. Erste Flasche Falerner. An, Morgen, beim Oessnen der vier Balkontüren, stürzt das Licht in solchen Wogen herein, daß , man schier in die Knie bricht. Es ist unmöglich, ohne Handschirm übers Meer zu schauen. Brennender Sommer. Und dabei Allerseelen ...
der Mann in Gaeta den Kopf geschüttelt: Was es beim um Himmels- i auf einen Millimeter, mit Hilf» eines Diamant-»« «'«-» in diesem gottverlassenen Nest zu sehen gäbe! Und ein Matrose ' solchem Beugungsgitter können in verhch n »Mßig8 du zuerst, dann em Dfmier. dann zwo, Karabinier, «men hi» »r.menf.™ ; Wellenlängen gemessen werden, wofern K nichl gkößer 2^ .
i wesentlich kleiner sind als der Abstand zweier benachbarter SnX
-runiden, zum Teck auch aus experimentellen Schlüssen, volle Be>»ckn - vernmten, daß die Wellenlängen der Röntgenstrahlen
s ähnlich sind, etwa tausendmal kleiner sein müßten als
. die Wellenlängen des ultra-violetten Lichts. Wo sollte n 'olÄ । Beugungsgitter herbekommen? Die Spalten hätten ja jo eng berrodS ' mehrere Millionen auf einen Millimeter kämen! l?in
! n f 1 i V f/vf hff I ' ivtAyi- i7' r. . vv 'J/' war unmöglich. Aber'dsi
, Natur elbst liefert uns wche Gitter. 1922 kam Professor Laue der km m Berlin die theoretische Physik vertritt, auf den Gedanken, statt di^er unerreichbaren künstlichen Gitter einfach Kristalle zu verwenden. Dß
i erblickten Nämlich die Ursache der regelmäßigen Form der
i In, Aner refl81ni«|iflen Anordnung ihrer Atome 'und MnlekAe
i ?®ar das richtig, dann mußte, wie Laue erkannte, ein Kristall eine Foto« - taKtt?“*9 feiner TeiIrf>en ^"-iche Wirkungen ausübm


