er sie lieb habe. .,, _v . .
Aber das konnte man nicht, nein, das konnte man nicht.
vielleicht später, vielleicht, wenn man groß war wie Mama und , Papa, ja, wenn man verheiratet war! Dies war die Lösung, und sie ging in chm auf wie ein starkes Licht,erhellte ihn und eine Zukunft voll Dunkel. Denn
f)ier$ftieg zum erstenmal ein Verdacht in Peters zärtlichem Herzen auf. Was waren das ,'ür Erwachsenenreden? Kann man etwas vergessen, das einem weh tut? War das nicht das gleiche, wenn Mama sagte: „Höre weg, Peter!" Wie kann man weghören, wenn einer neben einem spricht/ Trotzdem beschloß er, dem Fräulein zu verzeihen, denn sie war gut zu,ihm. Nicht, daß sie sich mehr um ihn kümmerte, als sich Erwachsene um Kinder kümmern, nicht daß sie ein einziges Mal die turmhohe Mauer zwischen Kleinen und Großen einrih, indem sie zugab, auch Nägel zu knabbern oder die Schule zu hassen, aber sie las ihm vor, schalt ihn wenig und — m, und war da. Denn dies blieb als schönstes Erlebnis haften,, blieb Rausch und süße Ergriffenheit, dies einfache und schlichte Dastehen, ihn anblicken ohne Frage und um ihn sein wie ein st-st"" ,,Kor
Haar die Schleier des Märchens trug. Ihr
«nlr aerufen diese Bewegung vollführte. Sie wußten es nicht,die Armm, Ur Äe ich'zuAch das größte Mitleid hatte, daß sie ausschließlich von meinen Gnaden testen, daß mein Blut, meine Warme, mein Atom sie zu ibrer kurzen höchst flüchtigen Erscheinung beschworen. Aeuherst spaßhaft war es wie sie so taten, als wären sie nicht eben von den Schatten erstanden und als würden sie nicht gleich im Nichts verschwinden, den FiMren gleich die ich wieder in ihre Sihachteln legte, wenn es nüt dem sAel genug war. Rur waren es Menschen, die großen,, erwachsenen, dunklen Geschöpfe, über die ich diesmal so mächtig gebot. Sie traten auf, sie schlenkerten mit Armen und Beinen,, jede Bewegung war wichtig und unwiederbringlich, sie prachen auch mir zu gefallen manchmal, meist ab- geeckte und sinnlose Worte, aber schon im Klang ihrer Stimme war ihr ganzes Schick al. Verhetzt und glühend stand ich da viele Stundenlang und ganz hingegeben. Es war eine chwere Arbeit, die ich vollbrachte, ich gab alles her an diese Marionetten und Schatten. Ich tand wie em Geisterbeichwörer im Zauberkreis, und gebannt und taumelnd zog ich sie an, ganze Scharen von Menschen, keiner dem andern gleich...
sanftes Bild, das über dem schwarzen Haar die tocnieter oes wcarcyens irug. Ihr eitern, auf den er lauschte, wie wir später auf den Atem der Geliebten lauschen, ihr leiser, hauchartlger Atem wiegte ihn in den Schlaf, und manchmal richtete er sich iin Bett aus, blickte durch die offene Tür und sah sie, „bestrahlt vom Sicht der Nacht, vom schwachen grünlichen Schimmer der Bäume vor ihrem Fenster getroffen, so still und weiß in ihren Kissen, daß in seinem Herzen der Mut des Mannes erwachte und er Gefahren träumte, um sie beschützen zu können. Kleiner Mann, Mann von acht Jahren, feurig und hingebender als jemals später, aufgerichtet vor ihrer Stirn und in den kleinen Händen die einzige Waffe dieses Lebens: die Liebe. Denn dies war Liebe, ohne Wort und Laut, unerkannt und ohne Namen, ergeben und ohne Zweifel.
„Ich will mit dir schreiben, Fräulein," sagte er, und mehr war nicht zu verschenken als solche Ueberwindung. Denn gab es Schlimmeres als 31! schreiben, die Feder zu führen, auf und ab, hinunter zu den tiefen Linien und hinauf zu den hohen, vor denen man bremsen muhte? Was für eine Qual, und darum: was für eine Freude! Kein Wort sagte er ihr, doch er wusch sich die Hände von selbst, spuckte nie mehr an die Milchglas- sckeibe im Flur und vergaß seine Spiele, Um neben ihr zu sitzen und seine heiße, braune Wange an ihren Arm zu lehnen. Da wurde es in seiner Brust warm wie damals, als er Fieber hatte, eine schöne und neue Zärtlichkeit machte ihn lächeln, einsam und für sich lächeln und erfüllte sein einfältiges, kindliches Herz mit dem Drang, zu meinen oder ihr zu sagen, daß
Gürfte Siebe» Von Dinah Nelken.
Beter sollte ein neues Fräulein bekommen. Das ivar nichts Besonderes, denn — so dachte Peter — Fräuleins gehören zum Leben wie Schuhe lind Murmeln, die Märchenbücher und Kasperletheater, m, fast wie Mama und Papa. Aber Fräuleins find nicht so nett wie Mama oder Schnieps, die Katze, o nein, Fräuleins sind manchmal gar nicht nett. Peter hatte schlimme Erfahrungen gemacht mit älteren, traurigen Damen, die immer strickten, und jungen Mädchen, die ihn kniffen, mit frommen alteren Tonten, die heimlich „kleiner Heide" zu ihm sagten Sonnte man dagegen etwas tun? Peter dachte: nein und erwartete das Fraulem ohne Neugierde oder Freude, doch in weißem Anzug und srisch gewaschen. Sein kleines, blondes Gesicht, das hübsche Gesicht eines achtjährigen Jungen Mit blauen Augen und Locken, einer Stupsnase, drei herrlichen Zahnlücken und einem wackelnden Zahn, glänzte vor Sauberkeit; dafür hatte er sich noch schnell die Hände mii Blaustift beschmiert, einen Knopf abgerissen und auf dem Spielschrank Aufstellung genommen. Er wollte hoch sitzen, I«, das wollte er, damit sie sah, daß er sich nichts gefallen lieh und schlimmstenfalls auch auf den Spielschrank ober das Fensterbrett klettern konnte.
Um vier Uhr hörte er Schritte. Sein Herz begann zu klopfen wie damals, als er Papas Uhr badete. Da ging die Tür auf, und Mama trat in das weiße Kinderzimmer und rief: „Peter, wo bist du?
Peter hatte keine Lust, zu antworten. Doch tn diesem Augenblick sah er das neue Fräulein. Sie stand neben der Mama vor der twifcen Tapete mit den gelben Blumen, vom Fenster her wie von einem fernen geuer beschienen, war kaum größer als die großen Jungen in feiner Klaffe und hatte ein Gesicht, wie er es nie gesehen hatte: schwarze, glatte, glanzende Haare mit Fransen, eine freundliche kleine Nase, braune Augen wie längliche blanke Steine, die lächeln, und ein ulkiges Kinn. Und nun blickte sie ihn an, lieh ihn erröten und schnell von dem Schrank herunter zu ihr eilen und aus einer tiefen Verbeugung heraus glühend und glücklich ihre ^gräutein,'" sagte Peter am nächsten Tage, als er aus der Schule tarn, bnrf ich Ihnen helfen?" Aber sie hatte schon ausgepackt. Trotzdem mußte Peter ihre Koffer anfasseii, stark und männlich anfassen und nach ihren blanken Augen schielen. Dabei fiel ihm der Koffer auf den Fuß. „Au! sagte Peter und schnell: „Das macht nichts."
„Nein," erwiderte sie, „das vergeht. Du mußt nicht daran denken, mußt
hatte er nicht schon oft gefürchtet, daß sie verschwinden könne,.„wie sie ge- kommen war, daß sie gehen könne wie alle die anderen Fräuleins mit eS Koffer in der Hand und Blicken, die schon die neuen Kinder suchen und ihn schon vergessen hatten? Ach, wie er zitterte, wenn er daran dachte! Bis ihm einfiel, daß sie zu ihm gehöre, hierher in das kleine weiße Zimmer neben seinem Kinderzimmer, daß sie dort wohnen „ olle immer ibm nab wie fetzt' lächelnd, wenn er lachte, und schlafend nut Atem wie Musikwenn er chlA daheim, wenn er auszog, Geld an „der Börse zu verdi E wie Papa, und Schlachten zu schlagen wie Siegfried, um trenn er heimkam zu feinem Baukasten, ihn anzublicken und rote heute zu rag7n7„Na/bist du da? War es schön im Krieg? Aber roas hast du wieder für Rabenhände, du kleiner Schmutzfink!
Ja Mieter wollte das Fräulein heiraten. Nun wußte er es, trug es mit sich herum, glühendes Geheimnis, das größer ward druckender mit jeder Minute und brennend rote Liebe und Angst. Ich habe <e>„if hqrfite er denn ich muß noch warten, dis ich groß bin. zl'ber fragen wollte er sie fragen mähte er sie, wie konnte sie sonst wissen, daß s e hier- bleiben sollte. Welchen Mut brauchte er, welches Uebermah von Mitt! Sem Blick kehrte sich nach innen, die Lippen sprachen ohne Laut, vom Zimmer ne et ta ben ®arün fud^e im Wehen der Bäume, im Kies des Weges säsää? srääsä. «
Hände faltete und nachts, allein, allein, mit stummem Wem b 9 ^ Tranen beroeat betete: „Lieber Gott, sag mir, was ich sagen soll! fVHnete sich nicht ein Spalt dort oben, siel es nicht blank vom Glanz aus uni m fynnb die chwer waren wie fein cherz. 4510^
rustmnienineineTtefeohne^n DOn Fefern Licht gezogen,
©frei en Gelb, Gicht aus chstiii v , lauschend wie em Dieb
ging Peter in das Haus, ging In« Stuf er' hmauj, wustyeno w* vielleicht so gut fein und tnt*■ en . nicht, ad),
Seine Füße, das waren ferne Fuße »Arneyr. J con „i<2r sie gingen nicht d«" °EN <Schrttt bis an ihre lü^cnb in der Hand aus rufen? Dreimal faß e d'e Klmke, juyne ^s fi-
und barg sich an der Wand, verkrochpry, o j gis u dimkel das dort drinnen schritt nut Men niedrigen Kernen«jW«. _ ?n
Dunkel war! Von allen S-utenfß rmh'mit einemmal betäubend süß feine Brust, drängte ihn vorwärts un finfl€n hörte, leife
und böse nach Tranen und' n erflriff ihn dies mit einer und sanft, wie Vogel m unseren -2ch f s Mvorwärts, unbeschreiblichen Rührung; em Hiirmte er in ihr Zimmer. In feinen und ohne Besinnen rot und euchendstunrte^er m 90 ft
Augen erschienen Tranen, doch grünte 6ie nah
melte, würgte und schrie p tz ynb „gch einmal, ohne Laut
vielleicht so gutJem und "vch heiiaten- gt°irnmJ „Liebes Fräulein,
SÄeta'Jnb blickt^'ihn^öm Dann begann ft
aus ihrem Fenster und aus dem ah en> Schimme: et und
Täler des Lichts b,s in °men Abgrund non toct>ro a ^ein SBrpet hielt die Hand auf den Mund und die Augen g I y Scham,
bebte aus allen Poren brach der Schweiß, die gratz.We W w @fl1. In feinem Rücken pfiff ^ta^^Gtan^stine Spitzen ® zu ihm. Da tens hob ein silberner und schwacher Glanz stme p v Uli)en Zweigen, kroch er noch tiefer in das ©ebufd), oerb«r3 feinen
drängte Gesicht und Brust m die kalten D °tter !xren in der
Tränen mischte. Denn wahrend er hier stano, aueii! uiw eni-
tiefen Dunkelheit, während über feinem $a\ptJ’d) er lautlos und Sete und die Nacht märchen^ft verwandelte^^inte,er^E
still, meinte, wie Männer roernen, uni) h ,5 konnte man das ver> Gesicht und auf die feuchte, buftenbe j£den' ip man nichts vergibt neben9 Ach nein, man kann es nicht vergessen, wie . Schmerzen, m* ll<£8nÄ"™« Ä« die Glut unb bie Scham und jebes unb in der N
immer wieder begegnen: unter den Wolken bes Jtmme «ippen des b7s Gebens, auf tauchend aus Abgründen «J«b tajgnb 'mtf Ibm Wissenden, siegend ober besiegt unb eroig, ewig glaub g
unserer ersten, wahrhaftigen Iranern


