ihm. Aus Verhalten
mar es still; sie hatte bei dem ersten Erfttmnen ihrer Umgebung das ihr nicht unbemerkt bleiben konnte — ihre Nachbarin hatte sie noch angestoßen — eigentlich unabsichtlich, ja unbewußt nach der Seite gesehen und die weißen Handschuhe einen Augenblick nur ivahr- aenommen um sich sofort wieder in ihr Gesangbuch zu vertiefen und nach dem ungeschriebenen Lied zu blättern. Das war ihr Karl mcht mehr, der vaßie nicht ins Dors. Was brauchte der sie mit Handschuhen zu begrüßen So waren die Städter; die trugen solche ausfallenden, unnötigen linse die einem natürlichen ländlichen Empfinden lächerlich vorkommen
bürte und wie das schon immer gewefen. -uns woitesyau» unu in einer 'Reihe saßen die eckigen Gestalten mit den bunten Namenszügen nch Regiment-nummern - ging'kurz vor dem Vorspiel die Türe noch
einmal auf und „Müllersch" kamen herein. Sie hatten den weitesten Weg und wußten der Pfarrer wartete nach dem Läuten noch em paar Minuten. Alles wandte die Köpfe nach dem Mittelgang; es war ein feiner Triumphzug für den Gardegrenadier, als er sich nach der Lank begab, in der seine Kameraden schon zusammengeruckt ^ren, um ihm den Eckplatz freizumachen. Ein Gemurmel ging durch die schwarzen Reihen, hie und da reckte noch eine besonders Neugierige den Kopf, -tie Manner auf der Orgelbühne lehnten über die Brüstung und sahen nur den einen, der eben den spiegelblanken Helm vor sich auf das Geiangbuchbrett stell e und die weißen Handschuhe von den Fingern streifte, um sie quer in die
mbesstn'tiche, die gingen nef und verwundeten unfagbar cu^^n we tzen Wdschühen ging er immer mitten unter den zahllosen $to rJL„ md dann die Andeutung mit der Musik am Sonntag! Karl B&erte brauf 6a§ es nur fo eine Art 'hatte. Wahrhaft g er schwadron geworden! Lina war einen Augenblick rote betäubt; die Umstellenden aber9 fühlten sich wachsen mit den lebhaften Schilderungen vm Bettln, seinen Straßen und Menschen, bei benen es immer ®onn= toq wäre. Das war doch ein Staatsbursche, der Müllersch Karl! Und seine Kameraden, die schon auf Urlaub roaren, gingen em «tück Wegs mit ihm auch de! Ewrn der stmminste Soldat, den das Dorf gestellt; Gartens Otw der Husar war ja auch eine Mordserscheinung, aber her Müllersch Ä f o etSmtte man $t Jahr und Tag nicht ge ehen! Und wo nut innntr die Dorslmie zusammensaßen oder zustimmenstanden, gab es em ®¥^arnVX0mignm9 bie Gemeinde gekommen,. und am nächsten Sonntag ging mancheiner zum Gotteshause, der dort '"bbN leßten Monaten ein seltener Gast gewesen. Es gab was zu sehen! Die Angehung>.n und Verwandten machten mit ihren Urlaubern ötaat, wie sich, da^ ge- das schon immer gewesen. Das Gotteshaus war übervoll; iaßen die eckigen Gestalten mit den bunten Namenszügen
in ihren Anfängen geradewegs auf den öteinna icner trunreuen des Gottes Dionysos zurück, die an
den Festen bez Gottes, als Böcke verkleidet, in. lärmenden Prozessionen te:nem Heiligtum zogen. In mannigfachen Tiervermummungen finden ich die ch gowegestterten Schwärmer auch in der attischen Komödie, wo sie in höchst origineller Weise vor allem Aristophanes verwendet hat. Em- LL Ner Komödien, die'„Wespen", die „Vögel", dw.„Frösche" haben loao>- ihren Namen von den dort auftretenben Tierchoren erhalten. In dem erstgenannten Stück begleitet ein Chor von Gallwespen bte Hand» ttemr Ä M den „Fröschen", jenem köstlichen Muster einer Literat,ir- komödie umhüpft ein Chor von drolligen Fröschen den Nachen Charons, in dem Dionysos in die Unterwelt fährt. Der Hro;chchor, der;edenfalls m naturgetreuer Vermummung auftrat, hat hier kaum einen anderen Hweck gehabt, als die Zuschauer durch seine „artistischen" Darbietungen in guter Laune zu erhalten: er torkelt in luftigen Sprüngen um den Kahn und sing" dabei ein Charlied mit dem berühmten Refram „Brokekekex keax kear", den Gerhart Hauptmann in der „Versunkenen Gl^e sur feinen Nickelmann verwendet hat. Höheren Sinn gewinnt die Einführung der i Tierwelt in den „Vögeln". In diesem Stuck ziehen bekanntlich zwei
mCSatiS' nagelte auf seiner Kammer den Reservistenstock im Kreuz über das Rekrutenrohr mit dem verblaßten und verstaubten Zierat und Mief den W des Gerechten, bis i'hn das Mühlengeklapper weckte.
Und heule nach fünfzig Jahren?!
9r1Ut hem Mühlweg und in dem geräumigen Hoi wocylt du. Gr a ban" sich das Mächen lohnte. Die stets gefchlostenen Fiugei des breiten Tmes hängen schläfrig in den rostzerfresfenen, von oturm und Wetter aelockerten ^Angeln. Das Hühnervolk blinzelt vor der halb geöffneten, rolndick e en Haustür nach dem ersten Fenster, dessen gesprungene Scheibe mit einem Papierstreifen überklebt ist. Wallende Spinnweben Men die Ecken unb Winkel; vor der Mühle steht ein kleiner merradnger Manen mit rostroten Reifen, rissigen speichen und angefaulten Rungen, ^r dem dunklen, dumpfen Statt brummt verlassen eine Kuh. Nur das : 6nmmerienfter gähnt nach dem Bache hinunter. Das Rad steht moos- überwuchert mit9 gebrochenen Armen still; lässig rieselt das Wasser an i,eraMnL!n‘fan!erqetttIeinb^ei5; der steife Hut und die weißen Handschuhe^ |SV Än R Opfer ge'faÄn. Der Alte hatte fern langes Leben allein verbringen muffen; es war ihm keine recht ge- te ÄM< SW *» NW ihn wieder zu sich genommen.
Der Schauspieler als Tier.
Von Dr. Franz Pfeffer.
au heu seltsamsten Ausgaben des Schauspielers hat es feit jeher ge- hört auk dem Theater Tiere darzuftellen. Die Geschichte der Tierrolle aber ist fo alt wie die Geschichte des Dramas selbst. Lchon der uralte, primitive Natur - Minus bringt in pantomimischer Darstellung n^ben vbantastischen Gestalten, Geistern und Dämonen mit Vorliebe das Tier oor hie Bühne"' Tiergestalten spielen in diesen ältesten dramatischen Dar stettun gen 'ei ne große Rolle, da sie, von heiliger Weihe und em er ^nmbnlit umkleidet als Träger geheimnisvoller Ncfturkrafte gelten. Als ^er^rekigiös^ernste Charakter des Urdramas burlesker Ausgelasfenheft mar erzielten die Schauspieler durch naturgetreue Tiernach- öhmungen komische Wirkungen, etwa beim Känguruhtanz der Australier oder beim Austreten als quakende Frösche rm alten Mimus.
Befoudere Ausgestaltung erstihr jedoch die Tierrolle erst auf der aiti- fcben Bühne. Die Tragödie geht in ihren Anfängen geradewegs auf den Sefana jener trunkenen Verehrer des Gottes Dionysos zurück, die an gelang jener u , „orN»ih»t in lärmenden Prozessionen
mUE’m'®erf war er geworden. Wieder regte es sich in ihrer Seele: was war das mit der Musik am Sonntag? Fand man sich da in einem solchen auiammen^ Und mit wem? Hatte Nicht immer die alte Großmutter9 vor der Eitelkeit gewarnt und vor der Gefallsucht? Wüste Bilder von rauchigen, mit wirbelnden Paaren erfüllten Tanzfalen " woher ihr das nur kam? — hasteten an ihrer Seele vorbei; sie muhte den fchweren Kopf zwischen die Hände nehmen, fast schwindelte ihr. Dann wurde sie ruhiger und sah klar: Karl, den sie so herzlich heb gehabt, kam ihr vor wie ein von der Großstadt Angekränkelter. ;
Mächtiger regte sich die Abneigung gegen ihn, s'° könn e , ihn .acht mehr achten. Sie'ließ es sich vorerst nicht so sehr anmerken, ging auch am Abend in die „Krone". Aber der Riß war da. Was für Dieben Jüljrte er; und Berlinisch, scheint'-, war es, wie er sprach! Schielte er nicht auch mit verführerischen Augenzwinkern nach der so vornehm ausftafherten Ella vom Hof „Schön-Eichen"? Wohl sah er ihr zur Seiten und suchte ab unb zu nach ihrer Hand; aber jedesmal, wenn er sie gefunden und geatzt hatte, wußte sie sich wieder langfam freizumachen von ihm. Aus einem Händedruck, aus feinen Mienen, aus seinem ganzen Verhalten chloh sie auf einen, mit dem sie nichts gemein haben ^'inte. llnter Scherzen brachte er sie heim; im anderen Arm aber hing die Ella mit dem Pofen Mundwerk, im modischen Gewand, der dic Dorfleute hinter den Gardinen kopfschüttelnd nachfahen, die überdies sich chres Wertes als einzige Tochter eines begüterten Landwirtes voll bewußt war. Sie war auch schon »n der Wett da draußen gewesen! Und als Karl Lina beim Abschied küssen wollte, sie sich aber zur Wehr setzte, da meinte er leichtfertig zu feiner willfährlicheren zweiten Begleiterin. „In -Berlin find die Mädels anders, nich wahr Ella? Das war für ^na genug. Sie entwand sich feinem Arm; einmal hatte sie die Hand mit dem weißen Handschuh gedrückt, vor wenig Tagen bei 6er Ankunft; znm Empfang — und zum Abschied, wie sie letzt es. fühlte, für immer.
Den Weg nach Schön-Eichen kannte Karl bald recht genau; er ging ihn in später Nacht vor seiner Abreise in die Garnison und mied sorgfältig das Dorf. Lina wartete nicht mehr auf ihn. Ihre Freundinnen udjten anfänglich sie umzuftimrnen, machten chr sogar Vorwurfe und verlachten sie schließlich. Sie konnte das ertragen. Karls Bild verschwand aus ihrem Ziinmerchen; nur die weiße Rose behielt sie; die trug sie als Begleiterin im Gesangbuch! ,
Tränen! Die Hoffen reichlich in ihrem mitteilsamen Kämmerlein, das ihre Zuflucht war, unb das auf Trost unb Heilung fann und sie auch für sie and. Den Müllersleuten war es ja unbequem, wenn sie unten am Mühlbach mit dem Rechen in den Wiesen stand ober sich »ur kurzen Ruhe am Bachrand niedergesetzt hatte. Sie wußten, sie war tuchng im Haushalt und im Feld; ihre Eltern als ehrbare, iparamc Leute bekannt und wohl gelitten. Unb sie brachte schon was mit in die Ehe.
Aber die Ella mit den feinen Manieren unb der flotten Haartracht, bas war doch auch nicht übel! Unb Kar! als Unteroffizier bei den Alerandern — in wenig Wochen ging er ab — das war soviel wie sonst beim Militär fast ein Offizier. So machten sich die Miillersleute ihre Gedanken, Karl hakte eben recht bei ihnen. .
Ella hatte wohl selten ihr Haus betreten; sie war viel auf Reifen, und man kannte sie in der Mühle nur flüchtig. Dennoch war dort mel von ihr bie Rede. In jedem Brief erkundigte sich Karl nach ihr, machte manchesmal ganz bestimmte Dtnbeutungen unb legte einmal ein Lud von sich bei, das die Eltern ihr beim nächsten Bestich geben sollten. Sie war
auch vorübergekommen; die Mutter hatte das Bild schnell zur Wb, aber fie brachte es nicht übers Herz, Karls Auftrag auszuftihren. Ella hatte bie Photographie betrachtet, dazu nichts, rem gar »^gesagt; es sWir mit einer lässigen, nebensächlichen Handbewegung au. den Tisch gewor- fen, fo daß Karls Mutter ihren Augen nicht traute. Noch acht Tage nor Karls Entlastung sprach sie in der Muhle vor. Sie kam gerade auf einem Spaziergang vorüber und wollte der Mühle Lebewohl sagen; sie fuhr auf längere Zeit weg zu Verwandten in die Stadt, d»e sie schon vor Monaten zu sich gebeten hätten. Karl lieh sie freundlichst gruhen; er wäre ihr Wer ein famofer Tänzer und netter Gesellschafter m bem oben Dorfe gewesen; ste wünschte ihm eine liebe Frau und Gotte- reichsten Segen! Händedruck! Und fort war sie! mrnn»^-l»tte
Sie tänzelte los, war schnell außer sehweite — bte Mullersleute standen 'wie versteinert; sie kamen erst wieder zur Lesmnung, als die Schelle in der Mühle zum Aufschütten bimmelte und bimmelte unb bun- melte So hatten sie an noch keinem Abend beieinander gesessen wie an dleem. Sie redeten kaum miteinander; Ella hatte genug verraten! Zwischendurch fiel auch einmal das Wort Lina! Es war zu spat, ba_> hatt!n sie eVfahren. Die zog in einigen Wochen ins Nachbardorf, um. 9^Ein Unangenehmes stand ihnen noch bevor: wenn Karl heimkäme,' und wie sie ihm das alles beibringen sollten. Und er kam! Im mobernen "ackrock flotten Schlips, mit Manschetten — '.mb weißen Handschuhen, i7uf dem Ohr das steife Hütchen: den beauafteten Refetwistenstock ließ, er mit einer fabelhaften Fertigkeit in den Fingern der Rechten rmid laufen Wußte er Bescheid? Es fchien.fo! Er stülpteumstandttch d,eManschetten mi« unb legte sie mit den Handschuhen au, den Lehn estel am unm. Dann rü(tte9er einen Stuhl an feinen alten Platz am Tisch und Aahtte unb erzählte während des Essens und nachher bis tief mine Nacht hi w ein Viel Lustiges unb Heiteres von Berlin und den letzten Manovetn von fänen Quartieren bei den märkischen Bauern unb den endlosen Seibern unb rmHen Küttrne c5 nichi uerroinben können, so zu fragen Karl lachte halb bitter, halb vergnügt auf; ine hatte er m
Den Ettern genügte die Andeutung. Sie fanden m dieser Rachr nut


