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Verantwortlich: Dr. Hans Thyriot.
und OSerlag, Brühl sche Universitäts-Buch- und Steindruckerei, 2k. Lange, Gießen.
glückliche, er l.öste sich, einen feines Gleichen zu finden, der kvoh allen Hindernissen der Statur doch noch alles getan, was in seinem Vermögen stand, um in die Reihe würdiger Künstler und Menschen ausgenommen zu werden, — Ihr meine Brüder Carl und
sobald ich tot bin und Professor Schmidt lebt noch, so bittet ihn in meinem 2tamen, daß er meine Krankheit beschreibe, und dieses hier geschriebene Blatt füget ihr dieser meiner Krankengeschichte bei, damit wenigstens so viel als möglich die Welt nach meinem Tode mit mir versöhnt werde, — Zugleich erkläre ich Euch beide hier für die Erben des kleinen Dermögens (wenn man es so nennen kann) von mir. Teilt es redlich und vertragt und helft Euch einander; was Ihr mir zuwider getan, das, wißt Ihr, war Euch schon längst verziehen; Dir, Bruder Carl, danke ich noch insbesondere für Deine in dieser letzten spätern Zeit mir bewiesene 2lnhänglichkeit. Mein Wunsch ist, daß Euch ein besseres, sorgenloseres Leben als mir, werbe; empfiehlt Euren Kindern Tugend, sie nur allein kann glücklich machen, nicht Geld, ich spreche aus Erfahrung; sie war es, die mich selbst im Elend gehoben, ihr danke ich nebst meiner Kunst, daß ich durch keinen Selbstmord mein Leben endigte, — lebt wohl und liebt Euch — allen Freunden danke ich, besonders Fürst Lichnowski und Professor Schmidt, — Die Instrumente von Fürst L. wünsche ich, daß sie doch mögen aufbewahrt werden bei einem von Euch, doch entstehe deswegen kein Streit unter Euch; sobald sie Euch aber zu etwas Nützlicherem dienen können, so verkauft sie nur; wie froh bin ich, wenn ich auch noch unter meinem Grabe Euch nützen kann, —
So wär's geschehen — mit Freuden eile ich dem Tode entgegen. Kömmt er früher als ich Gelegenheit gehabt habe, noch alle meine Kunstfähigkeiten zu entfalten, so wird er mir trotz meinem harten Schicksal doch noch zu frühe fontmen, und ich würde ihn Wohl später wünschen, — Doch auch dann bin ich zufrieden, befreit er mich nicht von einem endlosen leidenden Zustande? — Komme wann du willst, ich gehe dir mutig entgegen, — Lebt wohl und vergeht mich nicht ganz im Tode, ich habe es um Euch verdient, indem ich in meinem Leben oft an Euch gedacht, Euch glücklich zu machen, seid es —
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Heiglnstadt am lOten Oktober 1802. So nehme ich denn Abschied von dir — rmd zwar traurig: — ja die geliebte Hoffnung — die ich mit hieher nahm, wenigstens bis zu einem gewissen Punkt geheilet zu fein, sie muß mich nun gänzlich verlassen; wie die Blätter des Herbstes herabfallen, gewelkt find, so ist — auch sie für mich dürr geworden; fast wie ich hieher kam, gehe ich fort — selbst der hohe Mut, der mich oft in den schönen Sommertagen beseelte — er ist verschwunden. — O Vorsehung — laß einmal einen reinen Tag der Freude mir erscheinen — so Tange schon ist der wahren Freude inniger Widerhall mir fremd. — O wann, o wann o Gottheit — kann ich im Tempel der Natur und der Menschen ihn wiederfühlen. — Nie — nein —; es wäre zu hark —"
Eine Pilgerfahrt zu Beethoven.
Von Richard Wagner.
Rot und Sorge, du Schutzgöttin des deutschen Musikers, falls er nicht etwa Kapellmeister eines Hoftheaters geworden ist, — Not und Sorge, deiner sei auch bei dieser Erinnerung aus meinem Leben sogleich die erste rühmendsie Erwähnung getan! Laß dich besingen, du standhafte Ge- sahriin meines Lebens! Du hieltest treu zu mir und hast mich nie verlassen, lächelnde Glückswechsel haft du stets mit starker Hand von mir abgewehrt, hast mich stets gegen Fortunens lästige Sonnenblicke beschützt! Mit schwarzem Schatten hast du mir stets die eitlen Güter dieser Erde verhüllt: habe Dank für deine unermüdliche Anhänglichkeit! Aber kann es sein, so suche dir mit der Zeit einmal einen andern Schützling, denn bloß der Neugierde wegen möchte ich gern einmal erfahren, 'wie es sich auct) ohne dich leben ließe. Zum wenigsten bitte ich dich, ganz besonders unfere politischen Schwärmer zu plagen, die Wahnsinnigen, die Deutschland nut aller Gewalt unter ein Szepter vereinigen wollen: — es würde ;a bann nur ein einziges Hoftheater, somit nur eine einzige Kapellmeister- Iteile geben! Was follte dann ans meinen Aussichten, aus meinen ein- Wen Hoffnungen werden, die schon jetzt nur bleich und matt vor mir üxüe?en' — roo 65 doch der deutschen Hoftheater so viele gibt? —
— ich sehe, ich werde frevelhaft. Verzeih', o Schutzqöttin, den laeben ausgesprochenen, vermessenen Wunsch! Du kennst aber mein Herz, unö weiht, wie ich dir ergeben bin und ergeben bleiben werde, selbst wenn es m Deutschland tausend Hoftheater geben würde! Amen!
. . ,T\. L’3,iel"12' meinem täglichen Gebete beginne ich nichts, also auch lucht die Aufzeichnung meiner Pilgerfahrt zu Beethoven.
i daß dieses wichtige Aktenstück nach meinem Tode ver- durfte, batte ich es aber auch noch für nötig, zu sagen, dies vielleicht vieles darin unverständlich bleiben konnte. Wisset daher, Welt und Testamentsvollstrecker!
öes mittleren Deutschlands ist meine Vater- Usozu man mich eigentlich bestimmt hat, nur nur9; b.a6 ich , eines Abends zum ersten Male eine Beet- fmn7^,r^EsOn'.e fuhren horte, daß ich darauf Fieber bekam. b als ld) w-eder genesen, Musiker geworden war. Aus „ *lenl "Mstande mag es wohl kommen, daß, wenn ich mit der Zeit
aurf) ?n,i3re sKöne Musik kennen lernte, ich doch Beethoven vor allem llebt verehrte und anbetete. Ich kannte keine Lust mehr, als mich so ganz VÄÄ ®ennk5 3U °°5-nken bis ich mir endlich einbildete ch on ÄVT’l" 3U fein, und als dieser kleinste Teil sing mwn n 3 ?d)ten' öohere Begriffe und Ansichten zu be- kommen, kurz das zu werden, was die Gescheiten gewöhnlich einen Narren
1 : nennen- Mein Wahnsinn war aber sehr gutmütiger Art, und frfiabeh. niemandem; das Brot, was ich in diesem Zustande atz mar X ®" und der Trank, den ich trank, sehr wäsjerch^denn'Stundenaebkn wlrft bei' uns Nicht viel ab, verehrte Welk und Testamentsvollstrecker'
. l®‘e 'ch ewige Zeit in meinem Dachstübchen, als mir eines Taoe« nnrhe!»m>a®ffcber beJfen Schöpfungen ich über alles verehrte. jii w nur unbegtetflidi, bis dahin noch nicht daran gedacht er eingefallen, daß Beethoven vorhanden fein, daß
fS.f^^efien und Luft atmen tonne, rote unfereins; dieser Beethoven lebte ja aber in Wien, und war auch ein armer, deutscher Musiker'
• ... ?uu “?°r ds uw meine Ruhe geschehen! Alle meine Gedanken wurden
L Ä““W:Je^roe" 3U seh«"! Kein Muselmann verlangte gläubiger, nach dein Grabe seines Propheten zu wallfahrten als 'ick nar«n-ern Stübchen, in dem Beethoven wohnte. *
es anfangen, um mein Vorhaben ausführen zu können?
Rach Wien war eine große Reise, und es bedurfte Geld dazu; ich Armer n rlm bas Leben zu fristen! Da mußte ich denn außer.
™ 1 eesmnen, um mir das nötige Reisegeld zu verschaffen Einige Klaviersonaten, die ich nach dem Vorbilde des Meisters tomvo. TO trUs A*n Zum Verleger, der Mann machte mir mit wenigen Sborten klar, daß ich ein Narr ;ei mit meinen Sonaten; er gab mir aber den Rai, daß, wollte ich mit der Zeit durch Kompositionen ein paar Xalcr verdienen, ich anfangen sollte, durch Galopps und Potpourris mir F" fl^es Renommee zu machen. - Ich schauderte; aber meine Sehn- jucht, Beethoven zu sehen, siegte; ich komponierte Galopps und Pot- pourns, konnte aber in dieser Zeit aus Scham mich nie überwinden, einen Blick auf Beethoven zu werfen, denn ich fürchtete ihn zu entweihen.
Zu meinem Unglück bekam ich aber diese ersten Opfer meiner Unschuld '-PH gar nicht einmal bezahlt, denn mein Verleger erklärte mir daß ich mir erst einen kleinen Namen machen müßte. Ich schauderte wiederum u''b s'°l 'n Verzweiflung. Diese Verzweiflung brachte aber einige vor- i* neni,^n„(iPP5 ’V?'01'' Wirklich erhielt ich Geld dafür, und endlich glaubte
?enug gesammelt zu haben, um damit mein Vorhaben auszuführen °ber Zwei Jahre vergangen, während ich immer be-‘ fürchtete, Beethoven könne sterben, ehe ich mir durch Galopps und Dot. pourns einen Namen gemacht habe. Gott fei Dank, er hatte den Glonn meines Namens erlebt! — Heiliger Beethoven, vergib mir dieses Re! nommee, es ward erworben, um dich sehen zu können!
Ha, welche Wonne! Mein Ziel war erreicht! Wer war seliger als ick!
mc,n schnüren und zu Beethoven wanderii. Ein hei- liger Schauer erfaßte mich, als ich zum Tore hinausschritt und mich dem Süden zuwandte! Gern hätte ich mich wohl in eine Diligence gesetzt Strapazedes Fußgehens scheute — (o, welche Mühselig leiten hatte ich nicht ireybtg für dieses Ziel ertragen!) —, sondern weil ml aUf «e,e schneller zu Beethoven gelangt wäre. Um aber Fuhr- lotjn zahlen 3« können, hatte ich noch zu wenig für meinen Beruf als Galoppkomponist getan.
Somit ertrug ich alle Beschwerden und pries mich glücklich, so weil zu fein, daß sie mich ans Ziel führen konnten. O, was schwärmte ich was träumte ich! Kein Liebender konnte seliger fein, der nach langer Trennuna zur Geliebten seiner Jugend zurückkehrt. — ' H
So zog ich in das schone Böhmen ein, das Land der Harfenspieler und Straßensanger. In einem kleinen Städtchen traf ich auf eine Gesell- schäft reisender Musikanten; sie bildeten ein kleines Orchester, zusammen, gesetzt aus einem Baß, zwei Violinen, zwei Hörnern, eine Klarinette unb einer Flöte; außerdem gab es eine Harfnerin und zwei Sängerinnen mit Äonen Stimmen. Sie spielten Tänze und sangen Lieder; mein gab ihnen I (Selb und sie wanderten weiter. Auf einem schonen schattigen 'Plätzchen neben ber Landstraße traf ich sie wieder an; sie hatten sich da aelaqert und hielten ihre Mahlzeit. Ich gesellte mich zu ihnen, sagte, daß ich auch ein wandernder Musiker sei, und bald wurden mir Freunde. Da sie Tänze spielten, frug ich sie schüchtern, ob sie auch meine Galopps schon spielen? Sie kannten meine Galopps nicht! O, wie mir das wohl tat.
5cf) frug, ob sie nicht auch andere Musik als Tanzmusik machten? „Ci wohl, antworteten sie, „aber nur für uns, und nicht vor den vor> nehmen Leuten.1 — Sie packten ihre Musikalien aus — ich erblickte das große Septuor von Beethoven; staunend frug ich, ob sie auch dies spiel- ten? „Warum nicht?" entgegnete der älteste; - „Joseph hat eine böse Wiw und kann jetzt nicht die zweite Violine spielen, sonst wollten wir uns gleich damit eine Freude machen."
Außer mir, ergriff ich sogleich die Violine Josephs, versprach ihn nach Kräften zu ersetzen, unb wir begannen bas Septuor.
O, welcges Entzücken! Hier an einer böhmischen Landstraße, unter -'E H'mmel bas Beethovensche Septour von Tanzmusikanten, mit einer Reinheit, einer Präzision unb einem so tiefen Gefühle vorgetrogen, rote fetten von ben meisterhaftesten Virtuosen! — Großer Beethoven, wir brachten Dir ein roürbiges Opfer!
_ „ V roaren soeben im Finale, als — die Chaussee bog sich an dieser toteUe bergauf — ein eleganter Reifewagen langsam unb geräuschlos her- »- ankam, unb endlich dicht bei uns still hielt. Ein erstaunlich langer und 1 m? r» < blonder junger Mann lag im Wagen ausgeftreett, horte unserer xcuftf mit ziemlicher Aufmerksamkeit zu, zog eine Brieftasche hervor und notierte einige Worte. Darauf ließ er ein Goldstück aus dem Wagen tauen, unb weiter fortfahren, indem er zu seinem Bedienten wenige eng- müsie JB°rte roornu5 wir erhellte, daß dies ein Engländer fein
Siefer Vorfall verstimmte uns; zum Glück waren wir mit dem Vorträge des Septuors fertig. Ich umarmte meine Freunde und wollte sie begleiten, sie aber erklärten, daß sie von hier aus die Landstraße verlassen > unb einen Feldweg einschlagen würden, um für diesmal zu ihrem Hei- matsborfe zuruckzukehren. Hätte nicht Beethoven selbst meiner gewartet, tq) würbe sie gewiß auch dahin begleitet haben. So aber trennten wir y?.5„ gerührt unb schieben. Später fiel mir auf, baß niemand das Gold- ftnck bes Engländers aufgehoben hatte. — (Fortsetzung folgt.)
Heiglnftadt Ludwig van Beethoven
am 6ten Oktober 1802, (Schwarzes Siegel)
Für meine Brüder Carl unb nach meinem Tode
lesen und zu vollziehen.


