Ausgabe 
26.3.1927
 
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wickelt, mündlich mehr darüber; grüßen Sie und drücken Sie alle Ihre mir lieben Kinder in meinem Namen an Ihr Herz. Dem Magister eine anfte Ohrfeige, dem Oberamtmann ein feierliches Nicken, dem Violon­cello ist ausgetragen, sich aufs linke Donauufer zu begeben und so lange zu spielen, bis alles vom rechten Donauuser herübergezogen wird; auf diese Weise würde Ihre Bevölkerung bald zunehmen. Ich setze übrigens getrost den Weg wie vorhin über die Donau, mit Mut ge­winnt man allenthalben, wenn er gerecht ist. Ich küssen Ihnen vielmal die Hände, erinnern Sie sich gern Ihres Freundes Beethoven.

Schicken Sie also keinen Wagen, lieber wagen! als einen Wagen! Die versprochenen Musikalien folgen aus der Stadt.

*

An Karl v. Beethoven*).

Baden, 23. August 1823.

Lümperl----bestes Lümperl! Liebes Kind, ich empfange

heute Deinen gestrigen Brief. Du sprichst mir von 31 fl., da ich doch auch Deine verlangten 6 fl. ebenfalls geschickt habe, solltes Du diese nicht bei dem vielen Geplapper durch Blätter nicht gefunden haben.

Die Quittung von Schindler mußte so lauten: 10 fl. der Haushalt des B . . .s, 9 fl. meiner Haushälterin, 31 fl. beiliegend. Summa 50 fl., welche ich Endesunterfchriebener richtig erhalten habe. Schindler.

Er war nur einen Tag mit mir hier, um eine Wohnung zu nehmen, wie Du weißt, schlief in Hetzendorf und ging morgens feiner Aussage gemäß wieder in die Josefstadt. Laß Dich übrigens nicht in Klatschereien gegen ihn ein, man kann ihm schaden; und ist er nicht gestraft genug, daß er fo ist. Ihm derb die Wahrheit zu sagen, ist nötig, da fein böser, zu Ränken aufgelegter Charakter fordert, ihm Ernst zu zeigen. Wenn die Wäsche nicht höchst nötig, so laß dieselbe bis ich 29. komme; denn da Du sie erst schickest, so wird es kaum möglich sein, daß Du selbe am 28. des Prüsungstages haft. Gib also lieber dem Bedienten ein Beinkleid im Notfall, welches dort in der Nachbarschaft wohl leicht gewaschen wird. Ich erinnere mich der Ankündigung des Petiscus. Ist er das Geld wert, so muß man ihn doch haben; das Nützliche darf nicht berechnet werden. Gott verläßt uns nicht; zwar sind die Ausgaben groß jetzt, ich erwarte nun noch die Rechnung von Blöchlinger. Ist sonst noch was zu erinnern, so vergiß nichts, damit man am 29. nicht aufgehalten ist. Den Be­dienten anbelangend, fo soll er noch einige Zeit bleiben, bis wir einmal zusammen find; denn die ganze Haushaltung mit der Alten wird nicht mehr gehen, sie riecht, sieht und schmeckt nicht mehr. Mein armer Magen ist immer in Gefahr. Die frühere Haushälterin von der Josefstadt hat sich schon wieder angetragen, sie wäre geeigneter mit einem Bedienten; allein diese Alte braucht Bedienung und Hilfe, die Küchenmagd, die ich früher weggeschafft, ist ein großes Schwein. Für jetzt hat doch der Bediente ordentliche Wohnung; er kann an viele Orte kommen, wo er die nicht hat. Er mag nun bleiben oder gehen, so soll er uns zu wissen machen, wo er ist, und sind wir zusammen, so läßt sich's überlegen. Denke, auch eine Küchenmagd kostet nur monatlich mit dem Brotgeld 10 fl. 44 kr., jähr­lich 128 fl. 48 kr., der Bediente monatlich 20 fl. Stiefelgeld, Kleidung. Und bei der Alten müssen wir noch ein Weib haben. Es geht besser mit der Gesundheit, doch nicht so gut, als ich früher war. Nun lebe wohl. Das Tagtägliche erschöpft mich. Alles Gute, Dir mein lieber Sohn. Czerny, Dein früherer Meister, speist morgen bei mir. Du wirst manche für Dich interessante Menschen hier finden.

Herzlich Dein Batcr.

(14.) September 1825.

Lieber Sohn! Vergesse nicht, dem Tobias die Quittung nebst dem Gelde zu geben. Der Herr Instruktor hätte früher kommen sollen. Da die Sache sich nun so verhält, so mußt Du ihm folgen. Ich wünsche auch nicht, daß Du den 19. September zu mir kommst. Es ist besser, daß Du diese Studien endigst. Gott hat mich nie verlassen, es wird sich schon noch jemand finden, der mir die Augen zudrückt. Es scheint mir über­haupt ein abgekartetes Wesen in dem allen, was vorgegangen ist, wo der Herr Bruder (Pseudo) eine Rolle mitspielt. Ich weiß, daß spater Du auch nicht Lust hast, bei mir zu sein, natürlich, es geht etwas zu rein zu bei mir. Du hast auch verflossenen Sonntag wieder 1 fl. 15 kr. von der Haushälterin, diesem alten, gemeinen Kuchelmensch geborgt. Es war schon verboten. Ebenso geht es überall, mit dem Ausgehrock wäre ich zwei Jahre ausgekommen, freilich habe ich die üble Gewohnheit, im Hause einen abgetragenen Rock anzuziehsn, aber Herr Karl, o pfui der Schande, und weswegen? der Geldsack des Herrn L. v. Bn ist ja bloß dafür da. Du brauchst auch diesen Sonntag nicht zu kommen, denn wahre Harmonie und Einklang wird bei Deinem Benehmen nie entstehen können. Wozu die Heuchelei, Du wirst dann erst ein besserer Mensch, Du brauchst Dich nicht zu verstellen, nicht zu lügen, welches für Deinen moralischen Charakter endlich besser ist. Siehst Du, so spiegelst Du Dich in mir ab, denn was hilft das liebevollste ZurechtweisenI! erbost wirst Du noch obendrein. Uebrigens sei nicht bange, für Dich werde ich immer, wie jetzt unausgesetzt sorgen, solche Szenen bringst Du in mir hervor als ich die 1 fl. 15 kr. wieder auf der Rechnung fand.

Schicke keine so dünnen Blätter mehr, denn die Haushälterin kann sie beim Lichte lesen. Eben erhalte ich diesen Bries von Leipzig. Ich glaube aber, daß hierauf noch nicht das Quartett zu senden, Sonntags kann dies besprochen werden. Früher, vor drei Jahren, verlangte ich nur 40 fl. für ein Quartett, es muß also jetzt untersucht werden, wie Du eigentlich geschrieben hast.

Geb wohl; derjenige, der Dir zwar nicht das Leben gegeben, aber gewiß doch erhalten hat, und, was mehr als alles andere, für die Bil­dung Deines Geistes gesorgt hat, väterlich, ja mehr als das, bittet Dich innigst, ja auf dem einzigen wahren Weg alles Guten und Rechten zu wandeln.

Leb' wohl.

Bring den Brief Sonntags wieder mit.

Dein treuer guter Vater.

*) Beethovens Neffe und Adoptivsohn.

Vaden, 5. (Oktober 1825).

Mein teurer Sohn! Nur nicht weiter komm nur in meine Arme, kein hartes Wort wirst Du hören, o Gott, gehe nicht in Dein Elend. Liebend wie immer wirst Du empfangen werden, was zu überlegen war, was zu tun für Deine Zukunft, dies werden wir liebevoll besprechen; Mein Ehrenwort, keine Vorwürfe, da sie jetzt ohnehin nicht mehr fruchten würden, nur die liebevollste Sorge und Hilfe darfst Du von mir erwarten. Komm nur, komm an das treue Herz Deines Vaters.

Beethoven.

Komme gleich nach Empfang dieses nach Hause. .

Si vous ne viendrez pas, vous ine tuerez su rem ent Lisez Ja lettre et restez ä la maison chez vous, venez membrasser, votre pere vous vraiment adonne, soyez assure, que tout ceia restera entre nous.

Komme nur um Gottes willen heute wieder nach Haufe, es könnte Dir, weiß was, für Gefahr bringen. Eile eite!

*

An Anion Schindler*). (1823.)

Sehr bester L(umpen)k(erl) von Epirus nicht weniger von Brundu- fium usw.! Gebt den Brief dem Beobachter, es muh aber fein Name von Euch darauf gesetzt werden. Zugleich fragt ihn, ob seine Tochter große Fortschritte im Klavier gemacht, ob ich ihr wohl einmal mit einem Exemplar von meinen Kompositionen dienen könnte? Ich habe ge­schriebenzum Ehrenmitglied"**), ich weiß aber nicht, ob es so heißen soll, ob nicht vielleicht bloßzum auswärtigen Mitglied"; unwissend und nie beachtend dergleichen. An Bernardum***) non sanctum habt Ihr auch was wegen dieser Geschichte abzugeben. Fragt doch auch wegen diesem Schuften Ruprecht den Bernard, erzählt ihm den Schnack und rote man diesem Schandmenschen ans Leder kommen kann. Fragen Sie bei beiden philosophischen Zeitungsschreibern nach, ob dies eine Ehren- oder eine Schandmitgliedsernennung sei?

Ich esse heute zu Hause, wenn Sie kommen wollen, so kommen Sie.

Bitten Sic den Herrn Beobachter um Verzeihung, weil der Bries so konfus aussieht; es ist gar zuviel zu tun.

Hören Sie auch, ob man für Geld ein Exemplar haben kann vom Beobachter.

Das Heiligenstädler Testament.

Für meine Brüder Carl und Beethoven.

O ihr Menschen, die ihr mich feindselig, störrisch oder misati- thropisch haltet oder erklärt, wie unrecht tut ihr Mir, ihr Wißt nicht die geheime Ursache von dem, was euch so scheinet Mein und mein Sinn waren von Kindheit an für das zarte Gefühl des Wohl­wollens; selbst große Handlungen zu verrichten, dazu war rch imm« aufgelegt Aber bedenket nur, daß fett 6 Jahren ein heilloser Zustand mich befallen, durch unvernünftige Aerzte verschlimmert, von Jahr zu Jahr in der Hoffnung gebessert zu werden, betrogen, endlich ju dem Tleberblick eines dauernden' Hebels (dessen Heilung vielleicht Jahre dauern oder gar unmöglich ist) gezwungen; mit einem feurigen, lebhaften Temperamente geboren, selbst empfänglich für die Zer- streuungen der Gesellschaft, mußte ich früh mich absondern, einsam mein Leben zubringen; wollte ich auch zuweilen mich einmal uvtt alles das hinaussetzen, o wie hart wurde ich durch die verdoppelte traurioe Erfahrung meines schlechten Gehörs dann zuruagestotzen, und doch wars mir noch nicht möglich, den Menschen zu sagen, sprecht lauter, schreit, denn ich bin taub. Ach tote toar's möglich, daß ich die Schwäche eines Sinnes angeben sollte, der bei mir in einem vollkommeneren Grade sein sollte, einen Sinn, den ich ernst in der größten Vollkommenheit besaß, in einer Vollkommenheit, tote ihn wenige von meinem Fache gewiß haben noch gehabt haben^ o ich kann es nicht; drum verzeiht, wenn ihr mich da zuruckweichen sehen werdet, wo ich mich gern unter euch mischte; doppelt wehe tut mir mein Unglück, indem ich dabei verkannt werden muß, für mich darf Erholung in menschlicher Gesellschaft, feinem Unterredungen, wechselseitigen Ergießungen nicht statthaben; ganz En fast, und fo viel als eS die höchste Notwendigkeit fordert, darf ich mich tn sellschaft einlassen, wie ein Verbannter muh ich leben; nahe ich mich einer Gesellschaft, so überfällt mich eine heiße Aengstlichkeit, indem ich befürchte, in Gefahr gesetzt zu werden, meinen Suftanbmerfen lassen so war es denn auch dieses halbe Jahr, was uh auf oem Lande zubrachte; von meinem vernünftigen Arzt aufgefordert, fo mel als möglich mein Gehör zu schonen, kam er fast meiner letzigen Dispo- sizion entgegen, obschon, vom Triebe zur Gesellschaft manchmal hin gerissen, ich mich dazu verleiten ließ; aber welche Demütigung. wenn jemand neben mir stand und von weitem eine Note hörte, und ich nichts hörte, oder jemand den Hirten singen horte, und ich auch nichts hörte; solche Ereignisse brachten mich nahe an Verzweiflung, es fehlte wenig, und ich endete selbst mein Leben nur ß®, die Kunst, sie hielt mich zurück. Ach es dünkte mir unmöglich, dteWett eher zu verlassen, bis ich das alles hervorgebracht, wozu ich mich aufgelegt fühlte, und so fristete ich dieses elende Leben wahrhaft elend, einen so reizbaren Körper, daß eine etwas änderung mich aus dem besten Zustand in den schlechtesten versetzen kann. Geduld so heißt es, sie muh ich nun zur Führerin wählen, ich habe es dauernd hoffe ich, soll mein Entschluß sein, auszuharren, bis es den unerbittlichen Parzen gefällt, den Faden zu brechen, viel­leicht gehts besser, vielleicht nicht, ich bin gefaßt Schon in meinem 28. Jahre gezwungen, Philosoph zu werden! Es ist nicht tetd>t, für den Künstler schwerer als für irgend jemand. Gottheit, du siehst herab auf mein Inneres, du kennst es, du weißt daß Menschenliebe und Neigung zum Wohltun drin Hausen; v Menschen, toertn ihr einst dieses leset, so denkt, daß ihr mir unrecht getan, und der An»

*) Musikdirektor und Biograph Beethovens. '

**) Es handelt sich um die Ernennung Beethovens zum auswärtigen Mitglied der Kgl. Schwedischen Musik-Akademie.

»»*) Josef Karl Bernard, Redakteur der K. K. Wiener Zeitung.