Ausgabe 
26.3.1927
 
Einzelbild herunterladen

L.

Wien, 11. August 1810.

ewig ewig ewig

Dein mein uns.

An Bettina Brentano.

ohne Dich verfolgt von der Güte der Menschen hier und da, d>e ich meine ebensowenig verdienen zu wollen als sie zu verdienen. De­mut des Menschen gegen den Menschen sie schmerzt mich. Und wenn ich mich im Zusammenhang des Universums betrachte, was bin ich und was ist der den man den Größten nennt? Und doch ist wieder hierin das Göttliche des Menschen. Ich weine, wenn ich denke, daß Du erst wahrscheinlich Sonnabends di« erste Nachricht von mir erhältst. - Wie Du mich auch liebst - stärker liebe ich Dich doch. - Doch nie verberge Dich vor mir gute Nacht. Ach Gott so nah! so weit! ist es nicht ein wahres Himmelsgebäude unsere Liebe aber auch so fest, wie die Veste des Himmels!

Guten Morgen am 7. Juli.

Schon im Bette drängen sich die Ideen zu Dir, meine unsterbliche Geliebte, hier und da freudig, dann wieder traurig, vom Schicksal ab- wartend, ob es uns erhört. Leben kann ich entweder nur ganz nut Dir oder gar nicht: ja ich habe beschlossen, in der Ferne so lange herurm zuirren, bis ich in Deine Arme fliegen kann und mich ganz ^heimatlich bei Dir nennen kann. Ja leider muh es sein. Du wirst dich fassen, um so mehr, da Du meine Treue gegen Dich kennst, nie eine andere kann mein Herz besitzen, nie nie! D Gott, warum sich entfernen müssen, was man^so liebt und doch ist mein Leben in V. so wie etzt em tum- merliches Leben. Seine Liebe machte mich zum Glücklichsten und zum Unalücklichsten zugleich. In meinen Jahren letzt bedurfte ich einiger Einförmigkeit, Gleichheit des Lebens; kann diese be> unserem Verhalt- niste bestehen? Engel, eben erfahre ich, daß die Post alle Tage av

__unb ich muß daher schließen, damit Du den B. gleich erhältst. Sei ruhig, nur durch unser ruhiges Beschauen unseres Daseins könnet wir unseren Zweck, zusammenleben erreichen. - Sei ruhig - hebe mich. Heute gestern welche Sehnsucht nut Tranen nach Dir Dir Dir mein Leben mein Alles, leb' wohl o liebe mich ort verkenne nie das treueste Herz Deines Geliebten

Aus Beethovens Briesen.

Am 6. Juli, morgens. (6.-7. Juli 1801 (?), wahrscheinlich 1812).

An dieUnsterbliche Geliebte"*).

Mein Engel, mein Alles, mein Ich. Nur einige Worte beute und zwar mit Bleistift (mit Seinem); erst bis morgen ist meine Wohnung sicher bestimmt; welcher nichtswürdiger Zeitverderb m d. g.! Warum dieser tiefe Gram, wo die Notwendigkeit spricht? kann unsere Liebe an­ders bestehen als durch Aufopferungen, durch Nicht-alles-verlangenk kannst Su es ändern, daß Su nicht ganz mein, ich nicht ganz Dem dm? Ach Gott, blick' in die schöne Natur und beruhige Dein Gemüt über das Müssende; die Liebe fordert alles unb ganz mit Recht, so ist es mir mit Dir, Dir mit mir. Nur vergißt Du so leicht, daß ich für mich unb für Dich leben muß; wären wir ganz vereinigt, Du wurdest dieses Schmerzliche ebensowenig als ich empfinden. Meine Reise war schrecklich. Ich kam erst morgens 4 Uhr gestern hier an; da es an Pferden mangelte, wählte die Post eine andere Reiseroute; aber welch schrecklicher Weg; auf der vorletzten Station warnte man mich, bei Nacht zu fahren, machte mich einen Wald fürchten, aber bas reizte mich nur, und ich hatte unrecht, der Wagen mußte bei dem schrecklichen Wege brechen, grundlos, bloßer Landweg; ohne solche Postillione, wie ich hatte, wäre ich liegen geblieben unterwegs. Esterhazy hatte aus dem anderen gewöhnlichen Wege hierhin dasselbe Schicksal mit acht Pferden, was ich mit vier. Jedoch hatte ich zum Teil wieder Vergnügen, wie immer, wenn ich was glücklich überstehe. Nun geschwind vom Inneren zum Aenßeren. Wir werden uns wohl bald sehen, auch heute kann ich Dir meine Bemerkungen nicht mitteilen, welche ich während dieser einigen Tagen über mein Leben machte. Wären unsere Herzen immer dicht aneinander, ich machte wohl keine b. g. Die Brust ist voll. Dir viel zu sagen; ach es gibt Momente, wo ich finbe, baß bie Sprache noch gar nichts ist. Erheitere Dich bleibe mein treuer, einziger Schatz, mein alles, wie ich Dir; bas übrige müssen bie Götter schicken, was für und sein muß und sein soll. Dein treuer Ludwig.

Teuerste Freundin! Kein schönerer Frühling als der heunge, das sM« ich und fühle es auch, weil ich Ihre Bekanntschaft gemacht habe. Sie haben wohl selbst gesehen, daß ich in der Gesellschaft bin rote ein 6>sch auf bem Sand, der wälzt sich und wälzt sich und kann mcht f°rtz b>L eme wohlwollende Galathee ihn wieder in das gewalNge Meer hinemsihafs .

irf, mar recht auf bem Trockenen, liebste Bettine, ich waro von Ihnen überrascht in einem Augenblick, wo ber Mißmut klanz meuter Meister war. Aber wahrlich, er verschwand mit Ihrem Anblicke, ich

- Das verzeihen Sie mir wohl, mit Ihrem guten Herzen, bas aus Ihren Augen sieht, unb mit Ihrem Verstaub, der in Ihren Ohren hegt, zum wenigsten verstehen Ihre Ohren zu schmeicheln, wenn Sie zuhoren

EsffBs «äää

Ä Ä4

Bvs Ä » SM SÄtt

'nn m:r aekhrieben nicht wahr? Daß ich meinen Kops mocyle m einen Sack^tecken wo ich iftchts höre und nichts sehe von allem, was .n der Welt vorgeht, weil Du, liebster Engel, mir doch nicht barm begegnen

rr± ptnpn 9tricf tücrbß id) hoch von erholten. v II

nuna nährt mich sie näh" ja bie halbe Welt, unb ich habe sie mein Lebtag zur Nachbarin gehabt, was wäre sonst mit mir geworden! Ich schicke hier mit eigener Hand geschriebenKennst du das Land eine (Vrinneruna an bie Stunbe, wo ich Sie kennen lernte, ich schicke Q) bas anLe was ich komponiert habe, seit ich Abschieb von Dir ge­nommen habe, liebes liebstes Herz!

Herz, mein Herz, was soll bas geben, Was bebränget bich so sehr, Welch ein neues, frembes Leben, Ich erkenne bich nicht mehr.

feine Jahre selbst nicht, glaubt aber doch fünfutiddrethrg.

Ich hatte nun viel gehört, wie behutsam man mit ihnr sein müsse, imlS? scheel zu machen; ich hatte aber fern edles U^sen auf Äne aanz ankere Art berechnet und mich nicht geirrt 3n einer TXiprtflftunbe war er mir so gut geworden, daß er nicht von mir lasten konnte, sondern immer neben mir herging, auch mit uns nach S X unb zur größten Verwunderung feiner Bekannten den aansen Tag dablieb. Dieser Mensch hat einen sogenannten Stolz. dah er toebet bem Kaiser noch den Herzögen, die ihm. eine Pension umsonst geben, zu Gefallen spielt, und IN ganz Wien ist es das Seltenste? ihn zu Hörem Auf meine Sitte , ba & er fp^si mochie, antwortete er: Sun, warum soll ich denn spielen? »Weil ich mein Leben gern mit dem Herrlichsten erfüllen will und toeil Ihr Spiel eine Epoche für dieses Leben fein wird, antwortete ich.

Er versicherte mir, daß er dieses Lob zu verdienen Jucken wolle, setzte sich neben das Klavier auf die Ecke emes Stuhles und stzielte leise mit einer Hand, als wollte er suchen, den Widerwillen zu über w^ sich?m zu lassen. Plötzlich hatte er alle Umgebung ver- geCunb feine ^ele war ausgedehnt in einem von

Harmonie. Ich habe diesen Mann unendlich lieb gewonnen. In allem, was feine Kunst anlangt, ist er so herrschend und wahrhaft, daß kein Künstler sich ihm zu nähern getraut, in fEm ubrcqen Leben aber so naiv, daß man aus ihm machen kann, was man Will. Er ist durch feine Zerstreutheit ordentlich zum Gespött getoorben, man benutzt dies auch so, bah er selten so viel Gelb hat, um nur das und^Bncder' zehren ihn auf. Seine Kleiber smb zerrissen, sein Aeußeres ganz zerlumpt, unb doch ist feine Erscheinung be­deutend und herrlich. Dazu kommt noch, da'h er sehr kurzsichtig ist unb beinahe gar nichts sieht. Wenn er aber gerade komponiert hat so ist er ganz taub, und seine Augen sind verwirrt im Blicke auf das Aeutzere: das kommt daher, weil die ganze Harmonie sich in seinem Hirne fortbewegt unb er nur auf biefe ferne ©inne j^en kann. Das also, was ihn mit der Welt in Verbindung halt (das Gefichtunb Gehör), ist ganz abgeschnitten, so. daß er in der testen Einsamkeit lebt. Wenn man zuweilen lange mit ihm spricht und auf eure Antwort toartet, so bricht er plötzlich in Töne aus, zieht fern Aotenpapier hervor imb schreibt. Er macht's nicht wie der Kapellmeister Winter, der hinschreibt, was ihm zuerst einfiel; er macht erst großen Plan mw richtet seine Musik in eine gewisse Form, nach welcher er nachher arbe@rt'£am diese letzten Tage, die ich noch in Wien zubrachte, alle Abend zu mir, gab mir Lieder von Goethe, bie er komponiert hatte, unb bat mich, ihm zum wenigsten alle Monate einmal zu schreiben, weil er außer mir keinen Freunb habe.

Ja, liebste Bettine, antworten Sie mir hierauf, l^retben mir, was es geben fall mit mir, feit mein Herz solch em Rebell 9.

ist. Schreiben Sie Ihrem treuesten Freund Beethoven.

Abends Montags am 6. Juli.

Du leidest, Du mein teuerstes Wesen. Eben jetzt nehme ich wahr, daß die Briefe in aller Frühe aufgegeben werden müssen. Montags Donnerstags die einzigen Tage, wo die Post von hier nach K. geht. Du leidest. Ach, wo ich bin, bist Du mit mir; mit mir und Dir rede ich, mache, daß ich mit Dir leben kann; welches Leben!!!! so!!!!

*) Wahrscheinlich Gräfin Therese Brunswick.

4-

An Gräfin Marie Erdödy.

Meine liebe, werte Gräfin! Sie beschenken mich schon wieder, und das ist nicht recht, Sie benehmen mir dadurch alles kleine Verdienst, ich um Sie haben würde. Ob ich morgen zu Ihnen kommen kann, n ungewiß, so sehr auch meine Wünsche dafür, aber m einigen läge G n sollte es auch nur nachmittags sein. Meine Lage ist dermalen s h