trfa so hilflos. Lachen Sie bloß nicht über mich! Die werden jeden Tag gnonos haben. Auch heute. Aber lachen Sie nicht! Es scheint mir, daß ich em Tölpel bin. Ich möchte etwas ganz anderes erfinden — etwas hinreißendes, Wildes, um Ihnen zu zeigen, wie verzaubert —"
Er stockte. Dann nahm er sich männlich zusammen und riß das Gesicht zu ihr empor. „Ich hole jetzt die Ammas. Aber ich könnte es nicht ertragen, daß die Stunde nutzt gang so köstlich wie gestern —"
Sie strich mit der rechten Hand einmal flüchtig über sein haar. „Sie wird! Sei ruhig!" sagte sie warm. ..
Er taumelte aus der Hütte, rih -je Frucht aus der Erde, brach Matter und war in einer Minute zurück. Sie aßen die goldigen Scheiben so hastig, als wäre -das Essen nicht mehr die wirkliche Handlung dieser Stunde. Als käme das Eigentlich-Süße erst.
Aber dann war er plötzlich in einer dichten, dunklen, wirren Verzweiflung. War das Süßeste nicht schon gewesen, in die sausende Zeit gefallen, abgetrieben, fern und verschollen?! War er nicht jene Sekunde gewesen, in der sie sagte: „Sie wird! Sei ruhig!?" War denn noch etwas zu erwarten? Küsse?'Berührungen? Brust an Brust?
Er sah ihr zurückgehaltenes Gesicht, sah eine fast qualvollwche Er- wartimg. Wollte sie dennoch? Aus einem schmerzlichen Mitleid mit ihm, das er nicht faßte, vor dem ihm graute? Sie wollte ihm noch das übrige schenken, die äußerste Schicht. Warum? Weil das ihr wertlos war, weil sie wußte, daß ihre Süße erst tief innen begann.
Henry stand auf. Er machte drei Schritte zu Imogen. Dann fiel er ihr mit dmr Kopf in den Schoß und schrie fast: „Vergib mir, vergib mir!!"
Am näcksiten Morgen wurde von Berg vom Mädchen ein Brief ins Zimmer gebracht. Er las: „Ich habe mich fortgefchlichsn. heute morgen in aller Frühe. Frage Imogen niemals warum! Auch mich nicht! Niemals! Ick, bleibe Dein Freund. Henry. P. S. Auf der Post zu R. liegt eine Kiste mit Llu-anas. Auch im Garten ist noch sine vergraben, hinter dem Pavillon. Laßt sie euch schmecken!"
Herr von Berg bekam ein behutsames, fretmdlich-bedauerndes Lächeln.
Jedesmal, wenn Imogen Ananas ah — diese sieben und ander«, die ihr von Berg nun zuweilen schenkte —, wurden ihre Lippen vergrstbelt. Die sragte sich, ohne Antwort zu finden: „Warum hat er sich nicht getraut, mich zu küssen?"
LöVEK r-nd Tiger.
Von Paul E i p p e r.
Als ich das erstemal einen Löwen im Arm gehabt f,abe, konnte ich weder lesen noch schreiben. Da heiratete der Besitzer des Zoologischen Gartens meiner Vaterstadt eine Tante von mir, und am Nachmittag der Hochzeit brachten zwei Dienstmänner einen Reisekorb, der für die junge Frau abgegeben worden war. Ich, der Abc-Schütze, sollte die Verschnürung aufknoten und befand mich fünf Minuten später einem Wunder gegenüber: dem Löwenkind, das ich tags zuvor noch im Tiergarten bestaunt hatte. Alle Befehle meiner Eltern und der Verwandten, das gelbe Geschöpf der Eigentümerin abzuliefern, blieben erfolglos. Ich schwur mit verzweiflungsheißen Seufzern, das „Löwle" nie wieder wegzugeben und nur unter Anwendung von Gewalt wand mein Vater dem brüllenden Jungen die Beute aus den Händen.
Von diesem meinem ersten Löwen stammt wohl die Sehnsucht nach den großen, gelben und gefleckten Katzen, eine Sehnsucht, die mich immer wieder von Schreibtisch und Beruf hinweg zu jenen Orten führt, an denen wilde Tiere in Europa leben»- zoologische Gärten, Wander-Menagerie, Zirkus und Variete, Tierfangstationen, Exporthäuser für Großwild, Züchtereien, Schaustellungen und abseits liegende stille Privat- fiedlungen. *
„Alle Katzen sind falsch", sagen. Hundeliebhaber und wollen nicht glauben, daß Freundschaften zwischen Großkatzen und Menschen möglich sind. Tiger feien heimtückisch, Löwen blutgierig, Panther unberechenbar, eben Katzen, Schleicher, Bestien.
Da muh ich an jenen Novembernachmittag denken, als ich Tilly Bsbs aufsuchte, auf dem leeren Platz hinter dem Berliner Zoologischen Garten. Sie hatte ihren Raubtierwagen in einem offenen Schuppen untergefteHt; draußen riefelte, ein neblig kalter Regen und frierend stand die kleine tapfere Frau neben mir.
„Keine Beschäftigung seit vier Tagen. Das neue Engagement beginnt erst nächste Woche, solange liegen die großen Tiere im engen Wagen, werden mürrisch und beißen sich während des Fütterns. Man hat's schwer mit feinen Löwen im Winter; den ganzen Tag kaufe ich im Regen herum, Fleisch zu beschaffen, Stroh und einen warmen Stall. Wenn man die „Buben" nicht so lieb hätte!"
Während Tilly Beb« mir so erzählt, nimmt sie an der geschützten Innenseite des Wagens das Deckblech weg, und durch die Gitterstäbe (ehe ich die mächtigen Berberlöwen, eingekuschelt in der wärmenden Strohschütte. Saum erblicken sie die Herren, springen sie rautcnb auf die Füße und streichen am Eisen auf und ab.
Wahrhaftig, so aus der Nähe gesehen und die Erinnerung an die Löwen des Zoologischen Gartens im Kopf, glaubt man die Arkisten- behauptung, daß Tilly Böbs die größten aller Löwen besitze. Das Schmeicheln nimmt kein Ende; immer wieder faßt die Frau durchs Gitter und zaust die Mähnen, reibt über das Nasenbein des einen Tieres, klatscht dem andern auf die Schulter.
Pfui, der Schwarze hat zugefaßt und spielerisch in die Hand der Frau gebissen. Tilly Böbs macht ruhig und langsam die Hand frei, schüttelt den Missetäter am Ohr und sagt vorwurfsvoll und ganz traurig: „Was, beißen tust du? Und ihr andern helft mir nicht? Schämt's euch, was hab' ich nicht schon um euch ausgehalten! Gehungert habe ich, mich geplagt mein Leben lang, ihr tieben Jungen!"
Wenn ich's nicht selbst gesehen hätte, würde ich nicht daran glauben; aber so weiß ich, daß der große Löwe schuldbewußt und rührend mit breiter Zunge die Menschenhand gestreichelt hat.
Eines Tages rief mich das Telegramm eines Tierfängers in dessen Sammellager: Morgen eintreffen acht Tiger, vier Leoparden, drei Schwarzpanther.
Eine nächtliche Bahnfahrt, und ich war zur stelle. Der große indische Elefant, der auf dem Hof der Station Rangierdienste versah, schob mit bedächtigen Stößen einen vollb-stückten ®age,n bis vors Naubtierhaus. Die indischen Transportleute hoben die großen Kästen zu Boden, aus denen dumpfe Laute hörbar wurden. Und als sie verteilt waren, je einer vor einem leeren Käfig, da begann der Oberwärter, ein alter, erfahrener Mann, das verantwortungsvolle Werk. Die betreffende Kiste wurde mit der Stirnseite dicht ans Eisengitter gerückt, mit Stricken und Klammern fest verankert, der Mann kletterte auf die Kiste und zog den Verschluß hoch. c . . ,, .
Ein zischender, rasselnder Schrei, Poltern, und wie eine flamme schoß jäh irgendetwas aus dem Dunkel der Kiste ganz weit nach hinten in den Käfig hinein: ein Tiger.
Bei sechsen ging es glatt; die beiden letzten wollten nicht aus ihren Kästen heraus, kein Rütteln half und kein Geschrei.
, Wir lassen sie am besten gewähren," sagte der Oberwärter, „gehen wir inzwischen Mittag essen!" Sprach'-, sprang von der Kiste herab und warf auf alle Fälle in den leeren Käsig einen verlockenden Klumpen Fleisch. ... ...
Als wir einige Stunden später zurückkamen, waren auch die beiden Widerspenstigen herausspaziert; nun konnten wir die Herrschaften beobachten, die sechzig Tage zuvor noch im Dschungel geräubert und weiße Menschen nie gesehen hatten. .
ha, was für ein Unterschied zwischen ihnen und den friedlichen Insassen der zoologischen Gärten, deren Großeltern ja häufig schon in der Gefangenschaft geboren worden sind!
Am tollsten benahmen sich zwei junge Sunda-Tiacr, vielleicht zwanzig Monate alt, also bestensalls halb erwachsen. Sie lagen wie Schlangen plattgeduckt hinten im Käsig, den Kopf flach am Boden, und starrten uns mit phosphorreszierenden Augen an. Di« Zeichnungen Ärs Fells «nes fast keine weißen Streifen auf; schwarz und dunkelgelb geringelt peitschte der Schweif. Und aus ihren gebleckten Rachen kam ein böses Fauche», dem rasselnden Zischen einer Schlange verwandt, doppelt unheimlich, weil die langen weihen Schnurrbarthaare klirrten, als seien sie von Glas. Bewegungslos lagen die Tiger. Alles Leben konzentrierte sich im Blick und all« Wildheit. ,
Den größten Schreck aber jagten mir die Leoparden em, die ebenfalls im Transport mitgekommen waren. Sie saßen zusammengekauert in einer Ecke, und sobald man sich dem Käfige näherte, (prangen fie mit einem unbeschreiblichen Satz vom Boden auf, mitten in die Eisenstäbe des (Sitters hinein, so als wollten sie die Trennung im Sturm zerbrechen. Das waren wirkliche Bestien. *
In diesem Raubkierhaus, das kein „Schauhaus", sondern ein stilles Zweckhaus ist, habe ich gelernt, mit wilden Tieren umzugehen. Ich stand oft tagelang allein auf jenem schmalen Raum, der — ein Quadrat von vielleicht fünf Metern — ringsum begrenzt ist von Raubtierkäfigen.
In der ersten Stunde rührt man sich am besten gar nicht, beobacht:!, wie sich die Tiere bewegen, lauscht auf die Töne jedes einzelnen und, studiert Körperbau und Kopfbildung. Während man beim Eintritt nichts als eben lauter Löwen und Tiger oorfindek, unterscheidet man bald unh weiß halb gefühlsmäßig, wo Freundlichkeit erwartet wird und wo man Ablehnung findet.
Einmal bin ich nach solch einer Stunde der Beobachtung schnurstracks auf einen ausgewachsenen Tiger zugegangen, habe ihn mit halblauten Worten angesprochen und lockend gewartet, obwohl er sich mit verlegenem Fauchen in den Hintergrund zurückzog. Es dauerte etwa fünf Minuten, ich sprach pausenlos auf ihn ein und stand — ohne mich zu rühren — zehn Zentimeter vom Gitter entfernt, da kam er wieder nach vorn, strich auf Katzenart an den Stäben auf und ab, den Kops gesenkt und gab jenen Tigerlaut von sich, der ein Freundschafisgruh ist: ein Gemisch aus dem behaglichen Schnurren des Angorakaters, aus Schlan- gengezisch und dem Rasseln von Krokodilen.
Als er zweimal an mir vorüber gelaufen war, riskierte ich's, faßte zwischen den Eisenstangen hindurch und streichelte feinen Rücken. Er drückte dagegen, kehrte um und ich — gestehe ich's nur — mir war nicht ganz wohl dabei, wartete, bis auch fein Kopf an meiner Hand vorbeistreifte. Der Tiger prustete fortdauernd; es machte ihm sichtlich Freude, Gesellschaft zu haben.
Und ich wurde mutiger, tätschelte seinen Leib, faßte am hals entlang, unter ine Kehle. Er schnurrte, der große Tiger, und richtete den Kopf hoch, so daß die Kehle sich spannte. Ich begriff und traute ihn. Das war wohl sehr angenehm, denn Plötzlich richtete das Tier sich auf feinen Hinterbeinen auf, preßte die weiße Unterseite seines Bauchs dicht an die Stäbe und verlangte nichts weniger, als daß meine Finger sein ganzes Fell durchkämmten.
Da kam gerade der Inhaber der Tierhandlung ins Haus. Ich trat zurück, besorgt, wegen Unvorsichtigkeit Vorwürfe zu bekommen. Aber im Gegenteil. „Sie haben, es ganz richtig angefangen. So, durch Beobachtung in aller Abgeschlossenheit, suchen die Dompteure das geeignete Tier aus. Der anschmiegsame Tiger ist nicht zu verkennen, wenn er auch, wie dieser hier, erst vor wenigen Wochen importiert worden ist
Von der aüernerrften Momtheorie.
Von Professor Dr. Paul Kirchberger.
(Nachdruck verboten.)
Unsere heutig« Atomtheorte ist nicht etwa eine naturwissenschaftliche Entdeckung wie so viele andere auch, die irgendeine Naturerschemung beschreiben ober eine Frage beantworten, und alsdann als sicherer BW der Wissenschaft gelten können. Sie ist vielmehr eine Lehre und uve 2000 Jahre alt; im Lauf ihrer langen Geschichte hat sie mancherlei langen erfahren, die am meisten einschneidende zu Beginn des 19. UM


