Wir sind gekommen.
Bon Knut Hamsun.
Wir sind gekommen
Weither von entlegenen
Inseln und Tälern weit vom entferntesten Meeresstrand!
Wir sind die Mauer,
Wir brechen die Wogen, Brechen die Wogen für Norwegs Sache und nordisches Land.
Wir sind die Wächter,
Wir hüten die schlafenden, Traumverwunschenen Wiesen und Welten und Haus und Herd. Wir sind di« Sänger, Die nie verstummenden. Ewig kündend von allen Gütern, die Gott uns gewährt
Mtaben in einer bezaubernden Reinheit. Die Dänen sind zu politisiert und als Rasse zu weiblich geworden. Die Norweger haben sicy mit den nunder- wertigen Randvölkern ihrer Küste zu heftig gemischt. Sn Stockholm scheint in weitläufiger Weise jenes Gefühl des Germanentums W strahlender Festlichkeit geworden, das wir fast verloren haben, und besten Myiho. uiis mit einem 'düsteren §euer dennoch immer umgibt.
Das Germanische hat hier das Süße, welches alle großen Figuren seiner Gefckfichte und seines Heldentums hatten. Es blitzt und glanzt hier
der^Morcki^über Stockholm hingeht, über die Fjorde und die Eranitpracht der Schäronparks, wenn die silbernen -.ropfen aus den Fischernetzen in den blauen Mälar, Stockholms glühende Lagune, fallen, wemi das Läuten anfängt am Turm der Södermalm, wenn die Fischer Hörner nahe Rorrström ihr Helles Tuten durch die Nacht beginnen, wenn die Dämmerung sich pfirsichrot auf der zischenden Salzsee heranbewegt und die Reiter anfangen im tauvollen Djurgarden zu traben, wenn die üppige Fahne der Schweden, tiefblau mit dem gerben Kreuz, sich unter den wilden Brisen bauscht, wenn in Kungstrüdgarden Musik anhebt und her ewige, nie endende Möwenschrei, der über Stockholm liegt, sich zur Fanfare steigert . . . beginnt die Stadt in einem Rarisch zu glühen, der diele Germanenstadt einzig macht.
Weder Wien noch München noch Berlin haben diese wilde, geh-lmms- volle und heldisch« Temperatur. t r, ,
Die alten Götter, deren Nanren von den schwedlschen Kindern noch getragen werden, haben sich hier allein mit dem Christentum vereinigt, statt sich von ihm erschlagen zu lassen. .
Und sicher lag in dem Blut der großen Könige Schwedens der Instinkt, in dieser Stadt den Mythos sich aufrichten zu la sen, der im Süden durch die Verbindungen mit der großen Vergangenheit Rom immer unsterblich machen wird. Wenn auf Walpurgis die Feuer der Santen über hundert Berge nach gang Schweden hinemgluhen, scheint über den iliorden der Tag der Bölkerwanderun-g zu wehen.
Stockholm ist mit einer Gewalt in den Grämt gesprengt, die dieser Stadt einen einzigartigen Prunk gestattet. Es blüht und glüht wie Silber zwischen den Riffm und Felsen und türmt, sich von seinen umahligen Inseln in den Himmel, den nrnde Wolken wie Allons ubevschlehen.
Vor dem Nationalmuseum stehen zwei „Baitespannare in Bronze.
Diu naht was zergangen: man sagte ez wolde tagen. 66 hiez diu edel« vrouwe zuo dem muenster tragen Sifrit den Herren, ihr viel lieben man. zwaz er da vriunde hete,, die fach man weinend« gan.
Stockholm ist zwar erst 1225 von Jarl von Bjelbo gegründet worden, der die Inseln Helgeandsholmen, Staden und Riddarholmen gegen die Seeräuber in Gestalt von schwimmenden Festungen ausbaut«,, und erreichte erst im siebzehnten Jahrhundert den Augenblick, wo es die Hauptstadt der Ostsee war. .
Trotzdem bietet sie die Einmaligkeit, alle Träume des mrmamschen Mythos in ich zu vereinigen, wie es Venedig für den romantischen Süden und Athen für die Schwärmer der Antike tun.
Darum cheidct sich Stockholm auch m allem von der zweiten Großstadt Schwedens, die ihr Gesicht gegen das andere Meer hinaus dreht...
Hat Stockholm nahe bei sich eine romantische Umgebung, von dem Weltbad Saldsjöbaden bis nach Storängen und noch zweihundert Badern und Schären und Villenorten, so hat Göteborg eine Natur m der Nahe, die vollkommen wild ist. , . , „ __s
In 6lesen Badeorten steht die Nordsee vor einem hellen Strand. Dann kommen blühende Obstbäume, und dann schwingt sich der Basalt zu gewaltigen Steindünen auf, über denen die kleinen Schlosser und Herrenhäuser liegen, furchtbare Kontraste von Helligkeit und Schwere.
In den Seitenbuchten liegen große Möwenvolker nnt ausgebre.teten Flügeln während der Ebbe und sonnen sich. Auf den geschorenen Steppen, welche in die Monotonie einer gedankentiesen Landschaft die schwedischen Herren ihr Golf auf unendlichen.Lmks. Unten flattern ihre Segeljachten auf der wie ein Tier stählern hinaus sich spannenden ''^Die° Schären nehmen abenteuerliche Formen an nach , Norden zu.
Aus den kleinen nackten Ursteinen stehen winzig« Hauser manchmal, blaue oder rote, die einen furchtbaren Wanz ausatmen. Zwischendurch Wn sich Gmnitklippen, glattrückig, nicht größer als Wale. Sie smd Mit Drähten bespannt, an denen Hunderte Fische hangen.
Diese Tiere trocknen nicht an der Sonne, sondern an dem Wmd, der üe wie Glas macht. Er formt sich aus ihnen ein magisches Orchester.
In der hellen Nacht, wenn die Segeljachten voruberkreuzen, scheinen sie deii Seefahrern die metallene Musik eine Teufelei, deren der Norden
' in der Wahlen Sonne des Kattegats find diese Klänge der ein- famen Fisch« daV unerhörte Gespenst, das dieses Land überspannt, nmiimbaftcr als die Wut des Donners, Mit der die Trollhattafalle her- niedersausen entsetzlicher als die Einsamkeit der nordischen Wüsten, wo d e Sanne nur noch die Kraft hat, die Menschen gelb wie die Lappen au brennen . . . und furchtbarer als jene Kessel aus Grämt, mst denen die Natur die Anfänge der Erd- beschreiben zu wollen scheint, jenes
»---»'«« »», b° sinnfichen Glanz, bei dem die alten germanischen Sanger mit Staunen tomre verweilten, wenn sie umständlich die Pracht ihrer Helden von den Iüaeln ihrer Werde bis zu den Helmen und Sporen beschrieben. Es hat eine Rasse von Bewohnern, deren Frauen mehr nach der Tief« und deren Männer leicht nach der Höhe reden, was einen wunderbaren Zwreklang <rr2)ie slhwedm haben^nicht unrecht, ihr Land zu lieben, wo in« Frauen herrlich sind durch gewiss« Eigenschaften, welche sonst nur die Manner Ä K wo dieMnner ihren Geist in einer Melancholie ergänzen, di« nicht gerade feminin aber weiblich 'st. Die beiden Geschlech^r er- gänzen sich eines beim anderen mit einer Grotzarügkeit, die ihnen die Härte nimmt und ihnen die Genttlezzabeigibt. Daradies in
Es ist nicht wunderbar, daß es Dichter, gab, tW grames in Schweden nachwiesen, und Schriftsteller, die das Reich d ^
einem Sohne des testamentarischen Japhet ableiteten. Wcchriqemn können diese Menschen auch nur in ihrer Heimat leben, deren Boden vom weidenreichen Südenbis an die Grenze des Schnees den l'ch^n mytl - a scheu Nebel ausatmet, den sie bis zur Narrheit lieben, und der 1
^Stockholm ist das Lichteste in diesem Land Die Wehmut aber -«lche <-Unckhnlw in seiner königlichen Pracht umweht, ,st diesew« Schmerzum- keit, die jedermann empfindet, der im Nibelungenlied lieft, rote oiegfrie geschildert wird.
wieder ein Maler wie Zorn die nackte Haut und die Delikatesse des i
Dtt Schweden find zu lange in der Nähe des magischen Erdpols geblieben und sie haben das Gespenst der langen, hellen Tage im Blut. Wer die silbernen Nächte kennt, weiß, daß sie verrückt machen tonnen.
Die Natur weist denselben Bruch auf. Sie ist herb und karg gegen die Ostsee zu. Bor der Nordsee dehnt sie sich mit der finsteren Gewalt, die das Urgestein hat. Der Himmel darüber ist voll berauschender Süßigkeit.
Kein Himmel bewegt sich so blau, so zitternd verführerisch um eine
Aber'die'Landschaft stellt dem Licht die kühlen männlichen Linien ihrer Formen entgegen und zieht sich, wenn es zu südlich wird, saft wie mit
Dstses^Lächeln haben auch die Menschen. Es ist die Kluft, die hier alles trennt, die nichts ganz zusammenkommen läßt, was zusammen ge- hört, es ist das irrsinnige, traurige und bezaubernde Lächeln des Nordens, das immer rätselhaft ist . . . _ „ .. .
Ja Stockholm haben die Schweden eine Hauptstadt, die, ohne mehr ol5 ein Renaissaneeschlob an Bauwerken zu besitzen, von märchenhafter ^©iHiVat'aut Inseln und hat das Glück, daß der blaue Mälar sich hier Bit her Salzsee trifft, und daß ein Fächer von Schären vor ihr liegt, em ark von Steinen, die das Paradies der Urzeit scheinen.
Von einer Seite gesehen, ist Stockholm mit Wolken hoch in den Himmel hinauf geballt von her anderen Seite aus liegt es weich und be- vezaubernd nah. ... . . ..
Das Schlanke, Königlich«, mit dem sie das Meer empfangt, bas weiblich Ungezähmte, männlich dagegen wieder schlank Gestraffte, machen diese Stadt zu einer dauernden Erregung.
Di« Möwen schreien. Die Salzsee wird unaufhörlich befahren. Die Dampfer tuten. Die Barkassen bringen unaufhörlich Publikum von einem Ufer zum anderen. Die Geierschreis der Züge, welche in die Landschaft hinausfahren, hallen ohne Pause schrill über Stockholm. Mitten 'n der Stadt steht ein dunkles Kriegsschiff, und weiß« Wellen werden vom Wind aufgeblasen, der sich der Ruhelosigkeit anschlieht...
Tatsächlich, vom Meer her scheint Stockholm das Genua der Germanen.
Wenn die englische Hauptstadt aber das blonde Rom ist, so ist Stockholm weiterhin das germanische Paradies.
Die schwedische Rasse steht mit ihren jünglingshaften Heldenkorpern zwischen der Eleganz der Romanen und der seelischen Dunkelheit der
Sie fechten den Gürtelkampf mit kurzen Messern, das alte nordische Du^l, nach dessen Regel di« Kämpfer mit einem Riemen Brust an Brust gebunden werden und sich zu zerfetzen suchen.
Stockholm ist ritterlich, voll Glanz, voll Fürstlichkeit, voll jener barbarischen Würde, welche die Höhe des Germanentums ausmachte. Stockholm hebt sich über den Schären, als würden jene Turniere hier ausgefochten, welche die Legende unserer Rasse schmücken, und die direkt in Walhall führten. ... ,
Es hat auch die ungeheure Einsamkeit, welche die germanischen Helden umwölkte, auch wenn sie heiter wie die Prinzen der Märchen waren.
Ach, wie jauchzten die germanischen Jünglinge, wenn sie den kühnsten Streit erkämpfen sollten, aber wie dumpf klingt ihre furchtbare Einsamkeit im Hildebrandsijed:
Jro saro rithun
Garutun so iro güdhamun, gurtun sih iro suert ana, helidos, ubar hrmgä, do sie tö dero hiltiu ritun.
Und wie mischt sich das Gold des germanischen Ruhmes mit der Trauer, die ihm immer als treueste Gefährtin geblieben ist, ein paar Jahrhundert« später, im Nibelungenlied, als Kriemhild die Zeremonien für ihren Gatten leitet:


