Wald gehören, zu einem Almkafsee zu uns kommt — aus lvuchtigen Skiern, die er mit Bindfaden an seinen Stiefeln befestigt hat — und ungefähr folgendes sagen wird: „Eahna tragt wohl's Christkindl selm a Bäumcrl in's Haus? Denn von oaner Erlaubnis, a so a Prachs- tannen z'holn in mein Wald, da is mir nix bekannt" Worauf ein gewaltiger Pfesserkuchen ihm in den Mund geschoben wird und Gottseidank feinen Redefluß unterbricht. —
Keuchend und häufig rastend, aber voll ungebrochenem Lebensmut geht es dann mit der schweren Tann« vier Stündchen wieder hinauf in unsere kleine Berg Heimat. Wir sind sechs gute Sportkameraden da oben, fünf Männer und ich. Ich hoffe, daß Sie meine Courage bewundern, denn, wenn man auch recht leicht mit einem Manne fertig wird, von fünfen wird man einfach überstimmt, basta! Aber ich lebe, wenn auch unter Protest, noch immer. •
Die Tanne ist unter Entfaltung einer ganz eminenten, dem Fortschritt der Sache nicht immer dienlichen Geschäftigkeit geschmückt worden und steht nun endlich schimmernd und duftend im „Herrgotiswinkel". Es ist unerhört festlich; Robby, Pips und Hans find bereits rasiert, und Cläuschen und Detlef schwören, dies ebenfalls sofort zu tun; im Herd knistert das harzige Holz und es riecht nach Bratäpfeln und Fichten- zweigcn. Nur Wasser fehlt noch, Wasser —. Aller Augen sind auf mich gerichtet, nicht mit Unrecht. Vom Kochen werde ich ängstlich ferngehalten, mit der Begründung, daß dies zu unserer aller Wohle notwendig sei — was natürlich übelste Verleumdung ist; denn ich kann «inen fabelhaften Kaiserschmarrn machen und Bratkartoffeln. Aber auch die gräßliche Beschäftigung des Spülens haben diese fünf guten Männer übernommen; und wenn es mir gelingt, sehr leideird zu sagen: „Gott weiß, was mit mir los ist heute, ich bin recht elend —", so räumen sie auch noch die Hütte auf.
Doch für Angelegenheiten sportlichen und dekorativen Charakters muß ich herhalten und zu ersteren gehört das Wafferholen unbedingt. Auf Skiern, womöglich noch in der stockfinsteren Nacht, mit zwei gefüllten Eimem vom fernen Bache heimzuwandern, erfordert schon bei gutem Schnee einige sportliche Qualitäten. Aber bei Harscht wird die Sache schwierig und endet durchaus nicht immer gut; sondern es kommt vor, oaß man sich mit Schwung und unter unparlamentarischen Lleußerungen niedersetzt und zwar in den Inhalt der Eimer, was bei 10 Grad minus peinlich ist. Aber heute stehen mir die Chriftenglein bei und ich lande unversehrt wieder vor der Hütte.
Schon steigt die Nacht herauf aus den Tälern, es ha: zu schneien aufgehört und ist kalt und klar und über den vom letzten Schein beglänzten Gipfeln wandert der Abendstern. Friedlich leuchtet das Lichtchen der kleinen Hütte durch dis Bergeinfamkeit, friedlich und mrendlich weihnachtlich, als lüge dort drinnen in matt erleuchtetem Stalls zwischen Ochs und Eselein und dem Staunen der Hirten wahrhaftig das göttliche Kind im jungfräulichen Schoße. Holde, heilige Nacht.
Oeffnet man die Hüttentür, dann zerrinnt die Illusion vor Wolken von Tabak und vor fünf fabelhaft rasierten Männern in Pullover und Knickerbockers, die mir unter Triumphgsschrsi dis Eimer entwinden und zur Bereitung des Punsches schreiten, indem sie sich bei jeder Kleinigkeit, wie dies bei Männern so üblich ist, sachlich und dröhnend in die Haare geraten. Während ich nun meinerseits Toilette mache und die Tafel decke; denn es erwarten uns noch unerhörte Genüße heute, sogar ein ueritaBier Karpfen liegt im kalten Stall, der uns als Vorratskammer dient, auf Schnee; es haben ihn zwar über Nacht die Mäuse ein wenig cngefreffen, aber das tut uns nichts. —
O, welch' geschäftiges Treiben! Pips kostet bereits zum fünften Mals mit Kennerblick den Punsch. Robby wirft vor lauter Eile mit Krach und Klirr die Schals mit den griffen herunter, während Hans stillvergnügt allerhand Weihnachtspakete aus dem Rucksack holt rind Cläuschen und Detlef mit beachtenswertem Geraffel am Herde hantieren. Ich aber, auf einem Stuhle turnend, die Kerzen anzünde.
Und dann fitzen wir alle sechs aufgereiht wie die Spatzen am Dach auf der „Chaiselongue", dem Glanzpunkt unserer Hütteneinrichtung, und schauen in das knisternde Wehen der Lichter am Baum. Freundlich fällt ihr Schein durch die kleinen Fenster hinaus auf den einsamen Schnee, daß das ziehende Wild erstaunt den Kopf hebt und mit dunklen Tier- aunen in die Menschenweihnacht schaut.
Wir aber leeren unsere Gläser auf ein fröhliches Fest und auf gute Kameradschaft und nicht zuletzt auf einen schönen Pulverschnee.
Wir haben uns natürlich auch beschenkt und die merkwürdigsten Dinge aus dem Tal hsraufgeschleppt. Meiir Rucksack war in der Hauptsache Smit Tabak und zauberhaft schönen Krawatten, während meine de Schokolade, Parfüms und Pudsrdöschen aus ihren männlichen Taschen ziehen. Robby hat sich sogar zu einem Paar ganz unerhört schöner Seidenstrümpfe verstiegen, die er unter allgemeinem, atemlosen Staunen aus der zarten Hülle nimmt. Freudenrufe, Toaste, Becherklingen! Und dann kommt das Weihnachtsdiner.
Der Karpfen sei wundervoll geraten, behauptet Detlef, der ihn aus dem Gewissen hat. Ich finde zwar, daß er in der Hauptsache nach Essig und Zwiebeln und nebenbei auch noch ein wenig nach Skiwachs schmeckt, aber da Christfest ist, äußere ich mich nicht — und wir vertilgen ihn mit Stumpf und Stiel. Dazu gibt es Selleriesaiat, was eine aparte Zusammenstellung ist. Aber hinterher kommt ein Mokka, der wirklich exquisit ist, wie dies von Junggesellen auch erwartet werden darf und dazu Herzen, Sterne und Männchen, die ich gebaden habe. Sie werden zunächst mit beleidigender Vorsicht beäugt und berochen, stellen sich aber als vorzüglich und keineswegs sitzengeblieben heraus, und mein Ansehen steigt.
Auch die Stimmung steigt mit dein Punsck)e. Hans und Cläuschen haben sich der Zither bemächtigt und geben: „Zwei Brettln, a g’füriger Schnee" zum besten, während Robby und Pips ohne Rücksicht auf diese musikalische Darbietung zur Gitarre fingen. Und zivar das nichtswürdige Lied von der „Junggesellenweihnacht", in dem der süße, kleine Amor mit den ruppigen Worten bedacht wird:
„Stimmt er eini, der Lauser, Schmeiß mer'n glei wieder außer, Mir san lieber attoan."
Da ich das als auf mich gemünzt betrachten muß, entwende ich ihnen mit raschem Griff die Pfefferkuchen, und da« werden sie augenblicklich zahm; charakterlos, wie Männer nun einmal sind, stimmen sie ihre Leier auf inoll und machen mir mit einer so subtilen Kenntnis der Frauenpsyche den Hof, daß sie nach fünf Minuten ihre Kuchen wieder haben und einen liebenswürdigen Blick noch obendrein.
Aber ist's nicht halb Zeit, uns die Skier anzuschnallen? Denn es gehört zur Tradition der Bergweihnacht, daß man seine Sportkameraden auf den umliegenden Skihütten besucht und seftstellt, ob sie ihren Punsch auch richtig gebraut haben. Also auf!
Schweigend umhüllt uns die klare, kalte, deutsche Winternacht mit dem ruhigen Glanz ihrer Gestirne. Der Schein unserer Laterne huscht über die märchenhafte Pracht des tiefverschneiten Hochwaldes und über unsere einsame Spur. Wir sind still geworden, ergriffen vom Zauber der Stunde, als zögen wir wahrhaftig hier durch die Nacht, dem Sterne nach, um Gottes Botschaft zu schauen.
Auf dem Kamm füllt uns der Gipfelwind an; aber da unten liegen ja schon die Almhäuschen mit den kleinen, erleuchteten Fenstern. Und in einem sausenden Schuß pfeifen wir hinunter und halten mit stäubendem Christiania vor der Hiittentür: „Fröhliche Weihnacht!"
WsihNRchtSN.
Von Hans Scheffler-Breitenbach.
La ich den Tannendauin wie jedes Jahr Mit Sterzen kröne und mit Aepfeln schmücke, Weiß ich: Du bist derselbe, der stets war — Wie ich: ein Brennender im Weihnachtsglücke.
Derselbe und doch jedesmal ein Neuer, Ein Junger, ein Verjüngter jähen Lichts. Aus Sternen fällt der Mystik ewiges Feuer Und wird zum Spiegel unsres Angesichts.
Cs riefeln Tannennadeln: Jahr um Jahr.
Die Kerze knistert, tropft in wächfner Träne.
Nicht dieses Märchens Anfang heißt: Es war ... Zum Engelshaar verwandelt sich die Strähne.
In diesem Leuchten glüht die Liebe hell, Die alle Menjchenherzen heut verbindet. Ihr tiefer Sinn ist der lebendige Quell, In dem sich endlich alle Einheit findet.
Droben im Werld.
Eine Weihnachtserzählung von Wilhelm Jensen.
(Fortsetzung.)
„Nein, mein Mann ist fort; doch er muß —"
Ein Freudenschrei brach ihr die Worte auf der Zunge ab: „Da ist Melae, er kommt!"
Unwillkürlich trat der Fremde einen großen Schritt von ihr ins Dunkel zurück, als wollte er auf der anderen Seite des Hauses feinen Weg allein juchen. In mächtigen Sprüngen tarn der Leonberger Hund heran, hielr jählings, in die Luft witternd, und stieß ein zorniges Geknurr aus. Aber dann sprang er weiter gegen Johanna und packte mit den Zähnen ihr Kleid.
toie streichelte ihm glückselig den zotügen Stopf. „Freust du dich auch auf den Abend, Melae, und bist deinem Herrn so weit vorauf?"
Doch er ließ nicht los, sondern zerrte an ihren Röcken und zog. „Was willst du?" wehrte sie ihn ab, „du zerreißt mir die Schürze." Aber plötzlich stieß sie schreckensvoll hinterdrein: „Wo ist dein Herr, SJiclac?"
Da stieß der Hund ein kurzes, dmnpfes Gebell hervor; allein im nächsten Moment hatte er ihr Kleid wieder gepackt und zog und zerrte. Ein eisiger Schauer durchgraufie sie, und sie schrie auf: „Er ist gestürzt, ist tot — du willst mich zu ihm holen!"
Dann schlug ihr das Blut siedend, alle Besinnung lähmend, zurück. Barhaupt lief sie geradeaus vorwärts, der Hund ließ.jetzt die Zähne von ihr und sprang, freudig bellend, voran. Doch vorsichtig hielt er nach wenigen Schritten inne und blickte mit grünflimmernben Augensternen achtsam durchs Dunkel nach ihr um.
Der Fremde hatte inzwischen bas Haus umschriiten und kam von der anderen Seite wieder an die Tür. Er starrte der mit dem Hunde verschwindenden Frau nach, dann schrak er jäh zusammen. „Melae! Melae!" riefen verwundert und ungeduldig die beiden Kinder mit hellen Stimmen von der Schwelle.
Er hatte dis jetzt nichts von ihnen wahrgenommen, da sie sich vor dein Schneesturm etwas in den Flur zurückgeflüchtet gehabt. 9tun trat die kleine Johanna halb unter der Tür und sagte hinauslugend: „Waruni ist die Maina auch noch fort, fremder Mann? Es wird gar nicht Weihnachtsabend."
Sein Gesicht blieb eine Sekunde lang regungslos dem Kinde zugewandt, von dessen Antlitz nichts als ein weißlicher Schimmer zu unterscheiden war; darauf versetzte er kurz: „Geht hinein!" und er folgte nach und schloß die Tür hinter sich mit dem Riegel. Die Kinder gingen in die Wohnstube, doch er blieb auf dem Flur und trat nach flüchtigem Anhalten rasch in die Küche, deren Gestaltung das matte Schneelicht von draußen noch wahrnehmen ließ. Dort hob er eilfertig, als ob er ein Herdfeuer anzünden wolle, Holzscheite aus dem Kasten, aber er legte sie nicht auf die Eisenplatte, sondern türmte sie, luftig übereinandergeschichtet, auf


