Tat, die Bruder und Bruder versöhnt, — tue die Tut, die Mann und firmt widergibt, was den Namen „Ehe" verdient, — tue, was Liebe gebietet! Laß' ab von aller Sentimentalität, die dieses Fest um- fchwelt; laß' in dir wirksam werden: Kräfte der Lergebumi, Wille zur Einigung, zum Begraben alter Gegensätze, — Liebesbereitschaft, die sich bewährt im Sturm und im Feuer ... Denk' an die, die dir zuallernächst leben, — denk' an deine Bruder und Schwestern im Volk: wie könnten wir froh Weihnacht feiern, in so viel Friedlosigkeit, in so viel Liebeleere, — wie lLunten wir froh Weihnacht feiern, wenn wir andere darben wissen?!
Ueber die breiten, freubiaen Lichtbahnen, der Weihnacht lagern sich tiefe Schatten; Weihnachten der U n r u h e!
„Keine Rot so groß, kein Leid so schwer, daß Menschenliebe nicht mächtiger wär'."
Ungeheure Nöte heut; von einer elementaren Gewalt Frieden und Liebe, die Weihnachten in die Welt brachte! Unruhe darum, weil so ivenig Menschen heut lebendig mitten stehen in diesem Strom von Liebe und Frieden! Wohl dir, wenn du um solche Unruhe weiht, durch sie dich hindurchkämpsst, innerlich sie überwindest, — ivenn du Mitwisser werden darfst um das zarteste Geheimnis der Weihnacht: Frieden und Liebe! Wenn du dann Träger und Bringer werden darfst solcher Liebe und solchen Friedens, dann, — aber auch nur dann hat's einen tieferen Sinn, wenn wir uns wünschen, was ich jedem von Herzen wünschen möchte:
Gesegnete Weihnachten!
Dcrs größte Geschenk.
Weihnachtserzählung von Elsa Marin B u d.
„Kaufe für Jrenlein Uebcrsöckchen, eine Puppe und einen Färbern kästen. Für Putz was Quecksilbriges, was zum Toben und Hinwerfen, Schreien und Erfinden (vielleicht Kasperletheater!), Schuhe, sie braucht ja immer Schuhe, aber hübsch hell, denn das kleine Weibebsn liebt alles Hell^ —"
Der Ehemann ui^> Later schob den oft gelesenen Brief seufzend in seinen Umschlag zurück und kaute mißmutig an einer kalten Zigarre. Weihnachten ohne Frau! Das war die Krippe ohne Maria, das war der Baum ohne Licht!
Sich in die Ecke verkriechen und ein paar Flaschen Wein leeren, bis man nichts mehr spürte; die Kinder vergaßen ja, wenn sie Gesellschaft und Spielzeug hatten!
Er dachte es dumpf. Der Zug ratterte heimwärts. Dann war es, als seien hinter der umdampften Fensterscheibe zwei Augen. Kätes liebe, mahnende Augen, die sagten etwas, das klang immer noch nach, von jenen schweren Kindheitstagen her:
„Gib ihnen Liebe für zwei; laß nicht den Raum leer, wo ich stand!" Das war wie ein angstvolles Vermächtnis gesprochen worden. Blieb es nicht ein Vermächtnis, auch wenn die Gefährtin des Lebens nun im Süden langsam gesundete?
Er stellte sich mit Sorgen den häuslichen Zustand vor, den er nach drei Wochen geschäftlicher Abwesenheit vorfinden.würde. Das Kinderfräulein (er hatte es kurz davor angenommen) schrieb komische Briefe, die an Traktätchen erinnerten. Aber nichts Wichtiges wurde damit angerufen,, sondern die Dummheiten, die Irene und Putz so vorzüglich auszuhecken wußten, wurden damit beschönigt, lind Anna, die Köchin, hatte auf den Briefumschlag einmal dazugekritzelt: „Mit das Fräulein kann ich mir nicht stehen!"
So — so. Er tastete mit halbgeschlossenen Augen nach dem Briefe seiner Frau und fühlte ihn wie Tröstung. Wie Wärme in einer Eisluft.
♦2l!s er am späten Abend vor seiner Haustür stand, atmete er auf; denn Gott sei Dank, von außen sah alles noch ganz heil aus. Beim Aufschließen hörte er Kindergelächter. Sie waren also noch wach! „Himmel, wonach riecht es hier?" murmelte er stirnrunzelnd, denn ein durchdringender tierischer Geruch umpfing ihn in der Diele. Klirr—rr— klatsch — etwas Porzellanenes, wassergefüllt, platzte im Kinderzimmer auf den Boden. Er öffnete. Da stand Jrenchen mit verlegenem Gesicht vor den Trümmern einer Waschschüssel, auf dem Teppich aber wälzte sich mit mänadischem Triumphgelächter die dicke Putz.
„Vati!" schrie Rcnlcin und stürzte über die Scherben hinweg in seine Arme, und Putz krabbelte, immer noch lachend, hoch und wollte dasselbe mit ihren nackten Wurstärmchen tun.
Er herzte die Kinder, er hielt sich an ihnen. Aus ihrer gesunden Lieblichkeit und Heiterkeit kam unendliche Stärkung. Gleich erfuhr er, daß Fräulein dringend fortmußte, und daß Anna ausgegangen war. Und sie zogen sich „ebent" aus; ihm schien, seit mehreren Stunden sich selbst überlassen.
Das Fräulein erschien bald darauf mit heißem Kopf.
„Der Himmel erbarme sich", rief sie im Anblick des Hausherrn und der Scherbenbescherung. Doch die Scherben wurden nicht ganz, und die üble Meinung des Heimgekchrten nicht geringer; mit still fließenden Tränen des Fräuleins wurden die beiden Kobolde zu Bett gebracht.
„Und was riecht hier so abscheulich?" fragte der Hausherr inquisitorisch.
„Die Katze", murmelte das Fräulein kraftlos.
„Das ist Wurzel", rief Putz aus ihrem Bett. „Sieh mal, ich hab' ihn hier. Ist er nicht süß?"
Eine schwarze Katzenpfote reckte sich am Fußende hervor, die sofort von Renleins Hand gestreichelt wurde. „Heut kriege ich ihn in mein Bett!"
„Vati, Wurzel ist ein Kater. Den hat uns der Portier geschenkt."
„Der wußte, was er an dem Vieh los wurde!" knurrte der Vater. »Morgen kommt mir der Gestank aus dem Hause. Wie konnten Sic das zugeben, Fräulein?"
„Der Gerechte erbarmt sich feines Viehes!" antwortete dieses spitz
Die kleinen Kinder schrien entsetzt. Ihr Flehen, von Liebesbeteue- rungsn teils zu Wurzel, teils zum Vater hin abgelöst, mit dicken Kullertranen unerträglich gemacht, bewirkten einen vorläufigen Rückzug der ■ väterlichen Energie.
? Dieses Heultrio war zuviel für verbrauchte Nerven. Es endete mit l einem einstweiligen Lager für den schwarzen Liebling in der Diele. Tot- z müde von der Reise und im Gefühl einer Hilflosigkeit den kleinen Tücken gegenüber lag der Later lange wach und hörte das Kratzen des neuen Mitbewohners, der sich in der Diele auf Entdeckungsreisen begab.
Am nächsten Tags waren zwei Kater im Hause. Dieser zweite gehörte in Riesengröße der Köchin Anna, die bei Morgendämmerung (bei Dezember- Morgendämmerung) von einem abstinenzfreicn Tanzvergnügen heim- £ gekehrt war.
! Sobald sie sich schlafwandelnden Schrittes erblicken ließ, entspann sich eine Debatte mit dem ergrimmten Manne. Anna meinte, daß der anständigste Mensch mal eine kleine Belustigung brauche; sie wolle nicht erzogen werden, sie sei nicht „hintertiickfch mit fromme Sprüche und abendliche Rendezvous".
Es war schließlich genug an weiblichen Ergüssen; was sollte ein Mann tun, den Arbeit und größere Lebenssorgen voll beanspruchten? Mit einer anscheinenden Leichtigkeit wurde seine Frau in solchen Füllen Beherrscherin der Lage; nie zuvor hatte er gewußt, welch überlegene Kunst zur richtigen Behandlung von Menschen nötig war.
Die Weihnachtstage marschierten eilig, eilig. Etwas Glitzerndes, Licht- erfülltes war da, wenn er ins Bureau und wieder nach Hause hastete — aber es war draußen, bei den andern, in den Schaufenstern. Ihm schien die Zeit dunkler als je. Käte schrieb heitere und tröstliche Briefe; sie wurde frischer, ihr Gewicht nahm zu. An Weihnachten rührte sie nicht mehr, und er verstand, daß es schweigend ertragen, sein sollte, diese Trennung am liebsten Feste. Auch er gab sich Mühe, in humoristischen Lichtern seinen Zustand darzustellen. Diese Besorgungen für die Kinder, bei denen das Kinderfräulein mehr mit guten Reden als vernünftigen Ratschlägen Beistand leistete.
Wenige Tage vor der Christnacht meldete sich eine befreundete Nachbarin und erbot sich zur Darstellung des heiligen Nikolaus; Frau Käte hatte sie im Briefs herzlich darum gebeten.
Irene und Putz waren nach Entledigung phantastischer Wünsche nur in. Sorgen um den Kater Wurzel, der von den Haupträumen in die Kammern des Obergeschosses verbannt war, aber am Feste durchaus teilnehmen sollte.
„Wenn er nicht riecht", machte der Vater zur unerfüllbaren Bedingung.
Wurzel erschixn am Weihnachtstage naßglänzend und unglücklich mauzend in den Zimmern; eine Duftfnhne Eau de Cologne wehte aus feinem Pelz. In unbezwinglichem Ehrlichkeitsdrang gestanden die beiden Heldinnen, in Mutters Kasten ein bißchen nach Wohlgeruch gesucht zu haben.
Zur Bescherun^sstunde meldete die Klingel den erwarteten Weihnachtsmann. Der Vater drückte die Hand, die — merkwürdig genug — zu zittern schien, und gab der weißbärtig vermummten Dame noch ein paar leise Winke für Fragen und Ermahnungen au die Kinder. Antwort erfolgte nicht; stapfend in schweren Soldatenstiefeln trat der Wundermann ins Zimmer und fuhr mit allzu zarter Hand über die Köpfe der Kinder hin. Putz leckte die Lippen, die trocken vor Erregung waren und starrte zu dem knallrot geschminkten Gesicht hinauf.
„Kannst du was fingen?" brummte der Weihnachtsmann mit unmenschlicher Stimme.
Putz klappte das Mäulchen mehrmals, ehe sie begann:
„Es ist ein Ros' entsprungen, aus einem Wurzel zart —"
Keiner hörte die Variante so recht.
Dem Vater war von der sonderbaren Stimme des alten Herrn ein süßer Schrecken in die Glieder geschossen; er starrte nur und klammerte sich an die Hände seiner Kinder — ängstlich und beseligt und märchenfroh zugleich, wie ein drittes gläubiges Kind.
Danach kam Irenes Verslein, und dann folgten einige Fragen:
„Habt ihr auch immer an euer Mütterchen gedacht?"
„Ja!" -
„Und Sie, mein Herr —?"
„Käte!" stammelte der Mann, und die Augen wurden ihm naß.
Der Weihnachtsmann drehte sich um, murmelte etwas von frohem Fest; gab seinen Sack ab und stapfte schnell in die Diele hinaus. Der Vater war ihm gefolgt. Er breitete die Arme wie ein Erlöster: „Du — du — geliebte Frau — mein größtes Geschenk —"
Putz öffnete wenig später — neugierig, und wenn es das Leben kostete — einen Türspalt. Da sah sie den Weihnachtsmann am Halse des Vaters liegen, und der weine Bart baumelte ihm unerklärlich in der Hand.
HüLtenWeihnachl.
Von Sofie von Uhde.
Ja, das ist eine eigene Sache, so eine Hütten Weihnacht oben auf dem Berge, und mit nichts zu vergleichen. Mir will es ja scheinen, als fei dies Überhaupt die einzige richtige Weihnacht, blutnahe der alten, holden Geschichte von der Verkündigung bei den Hirten und ganz erfüllt von Frieden und Wohlgefallen.
Schon früh am Morgen geht's los mit dem Fest. Da wird geschrubbt und gescheuert und mit Tannenzweigen garnierst, bis die ganze kleine Skihütte vor Feierlichkeit strahlt. Und barm geht's durch den herrlich weihnachtlichen Flockenfall auf lustig schwingenden „Brettln" talwärts zu einem ganz bestimmten Walde, um eine Tanne — nun ja, zu klauen, man kann das wohl nicht gut anders bazeichnen. Und zwar unter Beobachtung aller Vorsichtsmaßregeln. Obgleich wir genau wissen, daß am zweiten Feiertag wie immer der Bauer, dem unsere Hütte und dieser


