Unwesen. No,
Jahre Hindus
^er geschichtliche Schinderhannes.
Ban Dr. Ernst Kayser.
Dieser Tage fand im Berliner Lessing-Theater die erfolgreiche Uraufführung von Carl Zuckmay erneuern Schauspiel „Schinderhannes statt.
Format, per deutsche Cartouche, syny)a- tdNctier als man wer lerner uener beleumundeten Zeitgenossen, ein r mit Humor, Galanterie, nicht geringer Schlauheit und mner GewäM keitsliebe, die manchmal mit den Schattenseiten seines Charakters ver öhnt Sein TätigkZtsfeld ist der Mittelrhein, dort, wo Hunsruck! ug Taunus einander grüßen, wo sich der Odenwald dehnt. Da sind sie Wälder «eit, dunkel, verschwiegen, des Räubers romantisches Nach quartier. Da treiben, seit dem dreißigjährige Krieg Räuberbanden ihr -- - ™ idj schlimmer wird es un 18. Jahrhundert — säst hunoeri
rch wird am Rhein gekämpst und gerauft, gesengt und ge brannt,'geplündert und gebrandschatzt, Leben un^ Gtgentum Mla^^tet denn kein starker Arm schützt Ordnung und Recht. Die große Revolution läßt die Verwirrung der Gemüter ihren Höhepunkt erreichen.
In solchen Zeitläuften wächst Schinderhannes auf. ^inen nom a guerre hat er von seinem Vater, der, wie die meisten seiner Vorfaywn, das Gewerbe des Abdeckers, des Schinders, betreibt. Der ber hmi^ Sproß der „Dynastie" wird um 1778 geboren. Seine Jugendsteht ume° einem unfreundlichen Stern. Der Vater, den die Armut auf die schäft treibt, der nach Polen auswandern will, „unterwegs tmienuw Soldat wird, desertiert, wieder in die Heimat zurück.kehrt, nm IW _ < schlecht als recht durchs Leben zu schlagen, wird andere Sorgen >w gehabt haben, als seinem Sohn eine sorgfältige Erziehung angeaeiy
s1nirh„f wollte er seine Frau nicht entlassen. Es war schon an sich Ni Wirbel woure er fti v> Frau und Mann keinen gemem- “ Ä?anü aefübrt Ä - solchen Standesausfassungen entzieht
L kick doch nur^aul Freude, aus Begeisterung über das, was man aber oder gar Befletlttnmj e npw a(ten Bindungen
^ibm "fast unzulänglichen und jedenfalls unverständlichen Offiziers- fachitte wikder - oder^Schli'Nmerem (seltsam, wie hinter den schonenden
— großer Tei! feines Unbehagens fchiich iich von der ^-sEde-en SItiiation ber in der er Mathilde kennengelernt hatte. Auf einem « inst «ball bat e er sie aus den Händen zudringlicher betrunkener Koll äen befreit Dann sofort mit wilder Energie die Alternative gestellt ^Berlin und dieses Leben weiterhin oder mich — was wählst du.
Si^nickte^ernst ^Btan^klmüte^ihr^ ansehen, daß der Entschluß aus der Tiefe kam. — Eine Weile noch lief er vergebens Sturm gegen ihre Bofition bis ihm plötzlich einfiel, daß sie irrt Hereintreten, Mit ihrer schwingenden lachenden Stimme, doch eigentlich genau das Gegenteil Ät,9 feinen ganzen Brief für überflüssig erklärt hatte, um eines einzigen Satzes willen, der genügte. . , , ,,
' Da war es doch klar gewesen, daß sie bleiben «olleUnd> letzt hatte er sicb in die Irre locken lassen — immer Mit dem Gefühl, daß IN Ihrer Nähe das Denken so schnell und mühelos vonstatten Sehe. Schnell wohl. Aber unlogisch, falsch. Ihre Macht über ihn war zu groß. Ihr Duft Ver- sübruna Und in dieser wichtigen Stunde! Das durfte nicht fein! - Sachte 9machte er sich frei. Schob sie vom Schoß hinunter. „Warte em« "'°Nun9mertt?fst"wie er sich - auch innerlich - von ihr entfernte Das Wort von der Scheidung hatte sie scherzend mbie ^E seschleudert. Das macht gar nichts aus. Aber dieses etwas zaghafte "^arte einmal klang viel verletzender, klang plötzlich ganz scharf nach. Mathilde richtete sickt steif auf streifte mit zwei Fingern über die Morgenrockfalten, als Krippte ^^'ein SÄubchen weg^Plötzlich war die Witzsti—g m W ie einander auch Bedenkliches leichchin sagen konnten, von beiden gewichen. Die Frau ging schnell zur Türe und hinaus.
Ein- Zeit der Schwäche fiel über Stephan.
Ekel vor dem Leben. Sagte er’s lateinisch vor sich hin: Ta-aium vitae so klang es immerhin noch anständiger, weniger ekelhaft, als er s m feinem Herzen sitzen fühlte.
(Fortsetzung folgt.)
viststströser Uebertreibung, die nichts ersaßt und niemandem wehtut, oder
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» s Nickst aebörH Eine dieser Vorbedingungen: man muß nur über- auvt Mig sein Glück z.i empfinden - gesund, jung, dankbar für alles -rttöne Luft und Licht. Aber ist man das — dann, )a 9erabe bann
es darauf an: ob man Mangel leidet oder ob man Geld hat. (Selb kann zu Lebenslust, Freude, ja zu Güte und Enthusiasmus norden. Das ist das Entscheidende. Geld geht seiner Substanz nad) n*4t in Fressen und Saufen Über — auch in Ethuflasmus, m reinste sattste- luna Warum die Augen vor dieser Wahrheit schließen. «ie ist schw uiÄ sie" hat etwas sehr Häßliches an sich. An ihr selbst hastet etwasv dem stwang, ich möchte sagen: von ber Schwerkraft des Gelbes ist schwer schwer, ich möchte bas Wort hundertmal hmteremander hm- »reiben — Schwer ist geradezu die Prägung, die unsrem ganaen®a- fein aufgedrückt ist Man soll es wissen. Man darf es mcht ableugnen wollen, mit Volksschulsentenzen. Aber gerade barau darf nmn auQ Kremen dieser Erkenntnis erkennen. Es gibt Geld, ungeheuer, saft a mächtia Aber Nicht-Geld gibt es doch auch noch. Unsere Liebe gab es, aibt^es noch Für mich die einzige Ausnahme innerhalb dieser Wüste von ZchE Ze?ns umgidd Steine Fabrik unten - Schwere Derganze anormale Wirtschaftskampf der Nachkriegszeit — schwere. Der ~oo meines Vaters, die Uebernahme ber Arbeit hier, ganz plötzlich für mich, lierausgeriffen aus meinen Studien (et ego in Berlin, darf «h G
— Schwere, Schwere. Und nur dich habe ich als einziges Gegengewicht — nein wie selbst in unserer Sprache immerfort von Schwerem die Rede ist — nicht als Gegengewicht, als Aufstieg 'N die unbeschwerte Licht-und Heiterkeitszone ber Seele gehabt. Sieh nur, Muck, gerade das ist es, was mich gestern so fürchterlich gepackt hat: daß bu plötzlich Geld auch in unsere Liebe einmengst.— 1
„Dann ist ja alles gut!" rief eine schwingende, glanzvolle, gleichsam von Lachen gesättigte Stimme hinter seinem Sessel hervor ... „Mehr hättest bu gar nicht schreiben müssen, als diesen einen Satz.
Es war Mathilde. Ach, wie mit einem Schlag alle Sorge von ihm abstel glatt ganz so, wie die aufgeknackte Schale vom Haselnußkern ab= fXÄff alle seine Sorge bezog sich auf Mathilde. Wenn aber dieser Sorgengegenstand ins Zimmer tarn, war alle Sorge weg. Es gab gewissermaßen zwei Mathilden. Eine abwesende, die seit 1- viel zu denken, zu mühen aufgab. Und eine anwefende, von ber mchte als h Freude ausging. Uebrigens hieß nur diese zweite Mathilde Mirl.
„3a, wie kommst denn du —
,Zch habe gelauert, ob du nicht endlich in die Fabrik hinübergehst. Dann bin ich leise 'reingeschlichen."
„Und du hast schon alles gelesen, was ich da schmiere?"
„Ach Quatsch." Sie setzte sich ihm auf den Schoß, schmiegte sich an, küßte ihn. „Ich denke gar nicht daran. Du willst mir nur ärgern. Es ist aber bloß ’n schwacher Versuch." Sie gebrauchte mit Vorliebe die groben Berliner Bolksausdrücke und er hörte sie so gern aus ihrem Munde, in hem sie etwas ungemein Zartes annahmen, ja etwas natürlich Kefang- volles nach Art eines geheimnisvoll trockenen, knisternden Gesanges.
Das hellblaue Morgenkleid legte ihm kühle, von innen heraus warm pulsierende, fchlankgestreifte Falten an sein glühendes Gesicht. Ihr lilien- frischer Körperdust, zusammen mit dem dunkleren, ein wenig betäubenden Parfüm des Haares; etwas ungemein Gebankenanregendes, Beschwingendes ging von all dem aus. In die Atmosphäre der Frau eingehullt, die er liebte, spürte er die während des Schreibens mühsam genug zusammengereihten Ueberlegungen jetzt rasch hintereinander Form werden. Sie hatte eine Art, eine seiner Hände zwischen ihre beiden weichen, lauen Handflächen zu nehmen und zu reiben, die ihm ungemein half. Solch eine Kleinigkeit, ein ganz zarter Druck: und wie Hilft es, wie streicht es alle Slngft weg, die einem auf ber Brust sitzt. Wie erscheint plötzlich die Welt schrankenlos, voll von Möglichkeiten guter Art! In ihrer Gegenwart dachte er so gern. Das war es. Das war (so schien es ihm mit einem Schlag) ber Kernpunkt feines Glücks, ber Kern aber auch bes ganzen Zwistes. Denn gerabe ihre Gegenwart ihm zu entziehen, barauf zielte ja ihr böser Wunsch.
„Geh' nich weg, bleib’ bei mir, Mirl", schmeichelte er.
Ihr Gesicht würbe traurig. „Das kann ich nicht."
„Unb wenn ich es verbiete."
„Reben wir nicht davon."
„Dann laß' ich mich scheiben."
„Gut, angenommen!"
Sie sprachen oft unb leicht von Scheibung — wie man von etwas ganz Unvorstellbarem leise spricht, wie man in luftiger Gesellschaft von Tod und Gespenstern erzählt, um sich doppelt bes Lebens zu freuen.
„Unb bu mußt wirklich in biefes Berlin?"
Er hatte eine geradezu abergläubige Scheu vor Berlin. Nicht baß er Berlin für nüchtern, ungraziös gehalten hätte, wie man bies als gedankenlos nachgesprochene Meinung so oft zu hören bekommt. Im Gegenteil, Berlin erschien ihm verwirrend reizvoll, zauberhaft, fein Steingrau strahlend von allen Leuchtfarben ber Welt. Gerade dahin aber, in diesen
Das 18. Jahrhundert ging zu Ende unb mit ihm eine ganze Welt. In ff rankreich hatten die Sturmglocken die Revolution eingelautet, unter Strömen schäbigen und unschuldigen Blutes waren die Menschenrechte proklamiert worben; die Heere der Republik hatten die Grenzen über- schritten, um Europa eine neue Ordnung aufzuzwingen. Es mar ba frnft- iinb macktlose in Hunderte von Landern und Ländchen, Fursten- !Lrn und Ärschafttn zersplitterte, längst totkranke Deutsche Reich auf bas ber wuchtige Anprall dieser Revolutionsarmeen traf. Es mar ein ausaesoqenes, rechtloses Volk, zu dem die neue Lehre ber Freiheit brang, das sie nut Begeisterung aufnahm und den Freiheitsbaum auch in deutschen Landen aufpslanzte. -,. ,, ; „
Wie immer an den entscheidenden Punkten deutscher Geschichte, spien sich auch diesmal am Rhein das große Welttheater ad. Jn biesen letzten Jahren des 18. Jahrhunderts wird em buntes Stuck gespielt, nut gsist- Wn und weltlichen Potentaten, französischen Generalen und Sendboten, französischen und rheinischen Jakobinern und sansmlotten, hungerndem Volk und Abenteurern, Hasardeuren, Räubern und Wegelagerern, die s ) die allgemeine Verwirrung zunutze machen, der alten Ordnung, tee tone Autorität mehr besitzt, und 'der neuen, die noch mcht da ist, eine Nass drchen Vor diesem 'pittoresken Hintergrund spielt, selbst eine Proteste — ein Rauberhauptmann von L thischer als mancher seiner besser


