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Verantwortlich: Dr. Hans Lhyrivt. — Druck und Verlag: Brühl'sche Universitäts-Buch- und Steindruckerei, V. Lange. Gieße"
stück vorzuführen.
„Ich werde dieses „Dann werde ich es Schale zu zerbrechen.
Ei in dieser Pfanne mit Essig erhitzen", sagte er. durch den Hals einer Flasche bringen, ohne btt Wenn das Ei in der Flasche ist, wird es feint wieder annehmen, und die Schale wird wieder
die Tür entwischte und verschwand.
Vater kam die Tr'sppe herauf zu Mutter und mir mit einem Ei in der Hand. Ich weiß nicht, was er damit vorhatte. Aber ich stellte mir vor. daß er die Idee hatte, es zu vernichten, alle Eier zu vernichten, und baff er Mutter und mich dabei als Zeugen haben wollte. Als er aber vor Mutter stand, ging eine Wandlung mit ihm vor. Er legte das Ei behutsam auf den Tisch und ließ sich vor dem Bette auf die Knie sinken — wie ich schon erzählt habe. Später entschloß er sich, die Wirtschaft abends $u schließen und die Nächte oben in der Kammer im Bett zu verbringen. In jener Nacht blies er schließlich die Lampe aus, und nach einem langen geflüsterten Gespräch schliefen beide, er und Mutter, ein. Vermutlich schlief auch ich ein, aber mein Schlaf war unruhig. Ich erwachte denn Morgengrauen und betrachtete lange das Ei, das auf dem Tische lag. ; Ich grübelte verwundert darüber nach, warum es wohl Eier geben müße, ! und warum aus dem Ei die Henne käme, die ihrerseits wiederum das Ei -legte. Die Frage ging mir ins Blut. Da ist sie denn wohl stecken E blieben, meine ich, weil ich der Sohn meines Bakers bin. Jedenfalls trage ich das Problem noch immer ungelöst im Sinn. Und das bedeutet so schließe ich, abermals einen vollständigen und unwiderruflichen ^ri* umph des Eies -■ wenigstens soweit meine Familie in FE kommt.
Stg, daß em leidenschaftliches Verlangen nach seiner und Mutters chasi alles Jungvolk aus der Stadt Bidwell packen wurde. Im Abendglanz würden fröhliche Scharen glücklicher Menschen singend die Turner's Pike dahergezogen kommen. Und sie würden sich jauchzend vor Lust und Lachen bei uns versammeln. Gesang und Frohsinn würden herrschen. Nun will ich damit freilich nicht sagen, daß Vater seinen Plan in so klarer Form aussprach. Er war, wie ich sagte, ein wenig mitteilsamer Mann.' „Sie brauchen was, wo sie hingehen können. Ich sage dir, iie brauchen was, wo sie hingehen können", sagte er immer und immer wieder. An dieser Stelle seines Gedankenganges sah er fest. Die Lücken hat meine eigene Einbildugskraft ausgefüllt.
Zwei oder drei Wochen lang drang Vaters Plan m alles Leben unseres Hauses ein. Wir sprachen nicht viel davon, aber in unserem täglichen Leben versuchten wir ernstlich, an die Stelle verdrießlicher Blicke ein fröhliches Lächeln zu setzen. Mutter lächelte unsere Gäste an, und ich, vor der Ansteckung ergriffen, lächelte unsere Katze an. Vater wurde ordentlich ein bißchen fieberhaft in seinem Bemühen, sich angenehm zu machen. In irgendeinem verborgenem Winkel seines Wesens steckte ein Stuck Komödiantentum. Allerdings ging er mit feiner Munition an Ein- iällen gegenüber den Eisenbahnern, die er nachts bediente, sehr sparsam um; offenbar wollte er auf den Besuch eines jungen Herrn oder einer jungen Dame aus Bidwell warten, um feine Fähigkeiten ins Treffen zu führen. Auf dem Schanktisch in der Gaststube stand stets ein mit Eiern gefüllter Drahtkorb, und dieser Drahtkorb muß Vater wohl sozusagen vor der Seele gestanden haben, als der Belustigungsplan in ihm geboren wurde. Zwischen den Eiern und dem Plane hat wohl vor dessen Geburt irgendeine zeugende Verbindung bestanden. Sei es, wie es fei — jedenfalls war es ein Ei, das Vaters neuen Aufschwung ins Leben jäh beendete. Eines Nachts spät erwachte ich von einem Wutgebrüll, das aus Vaters Kehle kam. Wir beide, Mutter und ich, saßen sogleich vor Schreck aufrecht im Bett. Mit zitternden Händen zündete Mutter die Lampe an, die zu Häupten ihres Bettes auf einem Tische stand. Unten fiel die Haustür mit einem Knall ins Schloß, und wenige Minuten später trappte Vater die Stiege herauf. Er hatte ein Ei in der Hand, und diese Hand zitterte wie in?'Fieberfrost. In seinen Augen war ein Funkeln wie von beginnendem Wahnsinn. So stand er und starrte uns an, und ich war überzeugt, daß er das Ei entweder nach Mutter oder nach mir schleudern würde. Aber dann legte er es behutsam auf den Tisch neben die Lampe und ließ sich vor Mutters Bett in die Knie fallen. Er begann laut zu meinen wie ein Kind, und ich, mitergriffen von feinem Schmerz, weinte mit ihm. So erfüllten wir die kleine Dachkammer mit unseren Klage- lauten. Es klingt lächerlich — aber von dem Schauspiel,' das wir dar- boten, kann ich mir nur noch des einen Bildes erinnern, wie Mutter unablässig mit ihrer Hand über die breite, kahle Straße auf Vaters Schädel strich. Ich habe vergessen, was Mutter zu ihm sagte, und wie sie ihn schließlich so weit brachte, daß er erzählen konnte, was da unten vor sich gegangen war. Sein Bericht ist meinem Gedächtnis entfallen. Ich erinnere mich nur noch meines Kummers und meiner Angst
Nun also das Ereignis selbst. Aus irgendeinem mir unerklärlichen Grunde kenne ich die Geschichte so genau, als wäre ich selbst Zeuge von meines Vaters Niederlage gewesen. Man erfährt mit der Zeit so mancherlei Dinge und weiß nicht woher. An jenem Abend kam ein junger Mann namens Joe Kane, Sohn eines Kaufmanns in Bidwell, nach Pick- leville, um feinen Vater abzuholen, der mit dem Zehnuhrzuge vom Süden erwartet wurde. Der Zug hatte drei Stunden Verspätung, und Joe kam in unsere Wirtschaft, um bis zur Ankunft die Zeit totzuschlagen. Der Güterzug kam an, und das Personal wurde abgefüttert. Dann blieb Joe Kane in der Gaststube mit Vater allein.
Vom ersten Augenblick an muß der junge Mann durch Vaters Benehmen beunruhigt worden sein. Er stand unter dem Eindruck, mein Vater wäre böse auf ihn, weil er da so untätig herumlungerte. Da er bemerkte, daß der Wirt sich offentsichtlich durch seine Anwesenheit gestört fühlte, wollte er fortgehen. Aber es begann zu regnen, und er verspürte wenig Lust aus den einsamen Weg zur Stadt und zurück. So kaufte er sich eine Fünicentzigarre und bestellte eine Tasse Kaffee. Er hatte eine Zeitung in der Tasche, zog sie hervor und begann zu lesen. „Ich warte auf den Abendzug. Er hat'Verspätung", sagte er gleichsam entschuldigend.
Lange Zeii stand mein Vater, den Joe Kane nie zuvor gesehen batte, lind starrte feinen Gast schweigend an. Offenbar hatte er es mit einem Anfall von Lampenfieber zu tun. Wie es so oft im Leben geht: Er hatte sich so oft und so viel in diese Lage hineingedacht, daß er nun, da er sich ihr gegenübersah, ein wenig nervös wurdet
Vor allen Dingen wußte er nicht, was er mit seinen Händen an» fangen sollte. Eine davon streckte er mit nervösem Ruck über den Schanktisch und schüttelte Joe Kanes Hand. „— gehts Ihnen?" sagte er. Joe Kane legte die Zeitung weg und starrte ihn an. Vaters Blick fiel ans den Eierkorb, der auf dem Schanktisch stand, und er begann zu reden. „Tja," fing er stockend an, „also — Sie haben doch von Christopher Columbus gehört, was?" Er schien ärgerlich. „Daß Christopher Columbus ein Schwindler war, mein’ ich", erklärte er mit Nachdruck. „Behauptete, er könnte machen, daß ein Ci auf der Spitze steht. Behauptete das, weiß Gott, und ging her und knickte die Spitze von dem Ei ein."
Der Gast mußte den Eindruck haben, daß mein Vater über die Verlogenheit des Christopher Columbus außer sich war. Er brummte und fluchte. Er erklärte es für eine Schlechtigkeit, den Kindern in der Schule beizubringen, daß Christopher Columbus ein großer Mann gewesen wäre, wo er doch im entscheidenden Augenblick geschwindelt hätte. Hätte behauptet, er könnte machen, daß ein- Ei auf der Spitze stände, und als ers vormachen sollte, hätte er einen Kniff gebraucht. Während dieses zornigen Gebrummels über Columbus nahm Vater ein Ei aus dem Korb auf dem Schanktisch und begann auf und ob zu gehen. Er rollte das Ci zwischen den Handflächen. Er lächelte siegesgewih. Er begann Lehrsätze zu murmeln über die Einwirkung der' menschlichen Körperelektrizität auf ein Ei. Er könnte, sagte er, ohne die Schale zu zer
brechen, durch einfaches Rallen zwischen, den Handflächen, das Ei auf der Spitze stehen lassen. Er erklärte, das Ei betonte durch die Wärme seiner Hände und durch die sanft rollende Bewegung einen anderen Schweremittelpunkt. Joe Kane zeigte nur mäßige Anteilnahme. „Ich habe Taufende von Eiern in der Hand gehabt’" sagte Baier. „Von Eiern verstehe ich mehr als irgendein anderer."
Er stellte das Ei auf den Schanktisch; es fiel uni. Er versuchte es wieder und wieder; vorher rollte er das Ei jedesmal zwischen seinen Handflächen und wiederholte seine Lehrsätze über die wunderbare Wirkung der Körperelektrizität und das Gesetz der Schwere. Als es ihm I nach halbstündigem Bemühen gelang, das Ei eine Sekunde lang auf der Spitze balancieren zu lassen, entdeckte er, daß [ein Gast gar nicht mehr achtgab. Und als er Joe Kanes Aufmerksamkeit wieder auf fein Kunststück gelenkt hatte, war das Ei schon wieder umgefallen und tag auf der Seite. . z.
Entflammt von einer Leidenschaft, wie sie einen Schaubudenbesitzer I erfüllen mag, aber doch ein wenig aus der Fassung gebracht durch den ' mißglückten Anfang, holte Vater nunmehr die Gläser mit den Hühner- nbnormitäten von ihrem Bord und begann sie dem Gaste vorzuführen.
„Möchten Sie auch wohl sieben Beine und zwei Köpfe haben, wie dies Ding hier?" fragte er und stellte das wunderbarste Stück seiner Schatzes auf den Tisch. Ein heiteres Lächeln verklärte seine Züge. Er langte über den Schanktisch und versuchte, Joe Kane auf die Schulter zu klopfen, wie er es einst von den anderen in Beu Heads Saloon gesehen * hatte, als er noch ein junger Farmarbeiter war und an Samstagabenden I feinen Stadtbummel unternahm. Dem Gaste wurde ein wenig übel von dem Anblick der scheußlich entstellten Vogelleiche, die im im Spiritus schwamm; er wollte aufstehen und weggehen. Aber Baier tarn hinter dem Schanktisch hervor, ergriff den jungen Mann am Arm und führte ihn wieder zu seinem Stuhl. Er war ein bißchen ärgerlich und mußte einen Augenblick das Gesicht abroenben, um sich erst einmal wieder zmn Lächeln zu zwingen. Dann stellte er die Gläser wieder auf bas Bord. In einem Ausbruch von Freigebigkeit bewirtete er auf eigene Kosten Joe Kane mit einer zweiten Tasse Kaffee und einer zweiten Zigarre, i Hierauf ergriff er eine Pfanne und füllte sie aus einem Kruge, der unter dem Schanktisch stand, mit Essig, um, wie er verkündete, ein neues Kunst
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ursprüngliche Gestalt hart werden. Dann werde ich die Flasche mit dem Ei darin Ihnen geben. Sie können sie mitnehmen und immer bei sich tragen. Die Leute werden Sie fragen, wie das Ei in die Flasche gekommen ist. Sagen Sie et ihnen nicht. Lassen Sie sie raten, hören Sie? Auf die Art hat man seinen Spaß an dem Kunststück."
Baker grinste und blinzelte seinem Gaste zu. Joe Kane verzeichnete abschließend den Eindruck, daß der Mann da vor ihm ein bißchen ver> l rückt, aber harmlos sei. Er trank die gespendete Tasse Kaffee und begann wieder in seiner Zeitung zu lesen. Ms das Ei in dem Essig erhitzt war, trug Vater es auf einem Löffel zum Schanktisch und holte aus einem Hinterraum eine leere Flasche herbei. Er war ärgerlich, weil der Gast ‘ sich gar nicht mehr um ihn kümmerte, als er sein neues Kunststück begann; dennoch begab er sich mit heiterer Miene ans Werk. Lange Zeit plagte er sich mit dem Versuche ab, das Ei durch den Flaschenhals zu zwängen. Er stellte die Pfanne mit dem Essig wieder auf Feuer, um dar , Ei auf neue zu erhitzen; bann nahm er es heraus und verbrannte sich " die Finger. Nach dem zweiten Bade in dem heißen Essig war die Schale des Eies ein wenig erweicht, aber noch nicht genügend für den beabsichtigten Zweck. Er arbeitete und arbeitete, und der Geist verzweistungs- völler Entschlossenheit ergriff Besitz von ihm. Als er dem Gelingen feines Versuches endlich nahe zu sein glaubte, lief der verspätete Zug in den Bahnhof ein, und Joe Kane erhob sich gleichgültig, um zur Tür M gehen. Vater machte eine letzte Anstrengung, um das Ei seinem Willen gefügig zu machen und den Erfolg herbeizuzwingen, mit dem er feinen Rus als tüchtiger und unterhaltender Gastwirt begründen wollte. Er quetschte das Ei. Er versuchte, ihm einigermaßen grob zu kommen. Er fluchte, und die Schweißtropfen standen ihm auf der Stirn. Das Ei zerbrach ihm in der Hand. Als ihm der Inhalt über'die Kleider spritzte, drehte sich Joe Kane, der an der Tür stehen geblieben war, um und lachte.
Ein Aufbrüllen brach aus Vaters Kehle. Er tanzte vor Wut und stieß eine Flut unverständlicher Worte hervor. Er grapste ein anderes Ei aus dem Drahtkorb auf dem Schanktisch und schleuderte es nach Ise Kane: Es fauste hart am Kopfe des jungen Mannes vorbei, als er durch >


