Ausgabe 
22.2.1927
 
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Lzeanverkehrsstraßen in naher Zukunft immer mehr entwickeln. Der mit einigen Röhren erzielte hohe Verstärkungsgrad ermöglicht es nämlich ßon heute, den Gitterkreis eines Telephoniefenders zu besprechen und i Hochfrequenzstrom im Rhythmus der Herztöne zu beeinflussen. Eine Vergrößerung der Reichweite ließe sich, sobald das Problem eine prin­zipielle Lösung gefunden hat, durch Erhöhung der Sendeenergie ohne weiteres erzielen.

Vielleicht ist der Zeitpunkt nicht mehr fern, an dem der Schiffsarzt aus einem Hunderte von Seemeilen entfernten anderen Dampfer das Herz eines erkrankten Menschen schlagen hört, daß er die Herztöne nicht nur gut hört, sonden auch zwischen einem normalen und krankhaft ver­änderten Rhythmus unterscheiden und danach seine Maßnahmen treffen kann.

Kapitän und Schiffsoffiziere wachen Tag und Nacht auf der Brücke Über das Wohl der ihnen anvertrauten Passagiere. In der Tiefe des Schiffes arbeiten im Wirbel der Maschinen die Ingenieure. Wenn Schiffs­wände reden könnten, würden sie von stillen Heldentaten, von selbstlosester Aufopferung des Schisssarztes erzählen, der oft genug Leben und Ge­sundheit «insetzt, um anderen Hilfe zu bringen.

Windkraftwirtschaft.

Bon Ingenieur Johannes Becker.

(Nachdruck verboten.)

In der technischen Ausnutzung der Windkräste zur wirtschaftlichen Kraftgewinnung machen die auherordetlich großen Schwankungen in der Windgeschwindigkeit und damit in der Windstärke die meisten Schwierig­keiten. Die Erfahrung lehrt, daß im allgemeinen die mittlere Windstärke am Vormittag zunimmt, bald nach Mittag ihren Höchstwert erreicht, dann allmählich abfällt und in der Nacht oft in Windstille übergeht. Diese täg­liche Veränderung der Windstärke ist im Winter kleiner als im Sommer. Errechnet man die mittlere Windstärke für jeden Tag, so findet man sie durchschnittlich im Winter größer als im Sommer. Neben diesen täglichen und jährlichen Schwankungen finden sich die ganz unregelmäßig wieder- kchrenden windarmen und windstillen Tage. Im Jahresdurchschnitt beträgt die Windgeschwindigkeit in Deutschland nach den Beobachtungen des me­teorologischen Institutes zu Berlin 4.4 Meter in der Sekunde. Das ist die Geschwindigkeit eines mäßigen Windes, der schon die schwächeren Zweige der Bäume bewegt. In Berlin z. B. herrscht in 87 v. H. der Stunden eines Jahres eine Windgeschwindigkeit von mindestens 3 Meter in der Sekunde, in 71,5 v. H. eine Windgeschwindigkeit von mindestens 4 Meter in der Sekunde. Für noch höhere Windgeschwindigkeiten fallen diese^ Zahlen rasch.

L-olange man aus die unmittelbare, sofortige Verwendung der aus dem Winde gewonnenen Kraft und auf Windmotor« angewiesen war, die hohe Windstärken verlangten, blieb der Wind daher als Antrieb auf solche Zwecke beschränkt, bei denen die Arbeit aus das Vorhandensein der Kraft warten konnte, wie etwa beim Mahlen des Getreides. Windmühlen gb infolgedessen Jahrhunderte hindurch die einzige Anwendung der indkraft geblieben. Noch im Jahre 1895 dienten von damals in Deutsch­land vorhandenen 18 242 Windmotoren 16 638 dem Mahlen von Ge­treide. Um die Mitte des vorigen Jahrhunderts begann man jedoch in Nordamerika verbesserte Windkraftmaschinen, sog. Windturbinen, die mehr als die früheren Windräder von der Kraft des Windes nutzbar machten, jum Betrieb von Pump- und Schöpfwerken zu verwendend Diese neuen Windturbinen fanden auch in Deutschland Eingang und wurden hier viel­fach verändert und verbessert.

Auf eine neue Grundlage wurde die Windkraftwirtschaft gestellt, als man die Windturbine zum Antrieb von Dynamomaschinen verwenden und so die aus dem Winde gewonnene Energie in elektrische Energie um- wandeln konnte. Nun war es durch Speicherung der elektrischen Energie in Sammlerbatterien möglich, die Schwankungen in der Windstärke we­nigstens einigermaßen auszugleichen. Abnahme und Schwinden der Wind­stärke zogen keine sofortigen Schwankungen in der zur Verfügung stehenden Kruft mehr nach sich. Während bei der Wasserkraftausnutzung der Ausgleich in der Menge des zur Verfügung stehenden Wassers durch Stauung und Speicherung des Wassers erzielt wird, also vor der Um­wandlung der Wasserkraft in elektrische Energie, wird die Energie in der Windkraftwirtschaft nach der Umwandlung gespeichert; die speicherbare Menge ist dabei allerdings wegen der hohen Anlagekosten umfangreicher Sammlerbatterien bedeutend kleiner. Die Möglichkeit, den elektrischen Strom bequem verteilen und fernleiten zu können, begünstigte ferner das Entstehen größerer, für mehrere Verbraucher, mehrere Gutshöfe, ein­zelne Dörfer und ganze Landgemeinden gemeinsamer Windkraftwerke. Durch den gemeinsamen Betrieb solcher Kraftwerke nahmen die Anlage- und Betriebskosten und damit der Preis der Kilowattstunde ab. Freilich machte das Zusammenarbeiten zwischen Windturbine und Stromerzeuger zunächst groß« Schwierigkeiten, weil die Schwankungen der Windstärke Drehzahländerungen und damit unerträgliche Spannungsschwankungen zur Folge hatten. Nachdem diese Schwierigkeit aber überwunden und die Vorteile des elektrischen Antriebes für die Zwecke der Landwirtschaft und des Kleingewerbes auf dem Lande eingesehen waren, begann ein schneller Aufstieg in der Ausnutzung des Windes in der Kleinkraftwirtschaft.

Die neueren Fortschritte in der Windkraftwirtschaft betreffen haupt­sächlich die Fortbildung der Windturbinen und die Betriebsweise der Windkraftwerke zur Erhöhung der Wirtschaftlichkeit. Bei den Windtur­binen ist man gegenwärtig bemüht, das Verhältnis der Flllgelspitzenge- schwindigkeit zur, Windgeschwindigkeit zu steigern. Früher betrug die Flügelspitzengeschwindigkeit etwa das Zweifache der Windgeschwindigkeit, gegenwärtig ist sie auf das Drei- und Mehrfache gestiegen. Damit ver­größert sich für eine bestimmte Flügelfläche die Leistung, und die erhöhte Drehzahl vermindert die Zahl der Uebersetzungsglieder zwischen Windrad und Stromerzeuger und damit die Uebertragungsvcrluste. Bei den üblichen Windturbinen liegt der Nutzbereich zwischen den Windgeschwindigkeiten von 3 bis 8 Meter in der Sekunde.

Bei höheren Windgeschwindigkeiten wird die ganze Turbine durch den Winddnick aus der Windrichtung herausgeschwenkt. Wo bei neueren Ban-

arien luftschraubenartige Flügel verwendet werden, sind die Flügel um ihre Längsachse drehbar und werden mit der Breitseite so weit in den Wind gedrückt, wie es der notwendigen Kraftentnahme bei der gerade herrschenden Windgeschwindigkeit entspricht. Die dadurch angebahnte leichtere Anpassungsfähigkeit an wechselnde Windstärken zielt offenbar dahin, die Kraftentnahme aus dem Windftrom nicht mehr von der herrschenden Windstärke abhängig zu machen, sondern vom Verbrauch im Netz, wie dies ähnlich ja bereits in der Dampfkraftwirtschaft geschieht. Schon jetzt arbeiten Windkraftmaschinen unmittelbar auf das Netz, unter Umständen neben einem zweiten Stromerzeuger, der durch einen Ben­zin- oder Petroleummotor angetrieben wird, denn es ist vorteilhaft und notwendig, als Vorrat eine Brennkraftmaschine aufzustellen, damit man in windstillen Zeiten die notwendigste Leistung stets abgeben und in Zeiten der Höchstbelastung den Mehrbedarf befriedigen kann.

Die Leistung einer Windkraftanlage wächst rechnerisch mit dem Qua­drat des Windraddurchmessers, in Wirklichkeit etwas langsamer. In größeren Windkraftanlagen gehen die Windraddurchmesser schon bis zu 30 Meter, die elektrische Leistung für Windantrieb bis zu 50 Kilowatt. Der Anschluhwert der Motoren und Lichtanlagen kann dagegen viel größer sein, bei nur 50 Kilowatt Gesamtftromerzeugung wohl auf 300 und mehr Kilowatt ansteigen, weil sich in diesen kleinen Versorgungs­gebieten leicht Vereinbarungen über die Bemitzungszeit der Motoren treffen lassen.

In den Windkraftanlagen ist die Wartung außerordentlich einfach; die Kosten für die Instandhaltung sind gering, und die Antriebskraft kostet nichts. Daher sind für die Wirtschaftlichkeit einer solchen Anlage die Anlagekosten von ausschlaggebender Bedeutung. Früher war man viel­fach geneigt, die großen Windgeschwindigkeiten auszunutzen und dem­entsprechend Stromerzeuger kleiner Leistung mit großen Sammlerbatte­rien zu verwenden. Die Batterien waren wohl auch Doppelbatterien, deren Hälften einzeln abwechselnd geladen und entladen wurden. Welche Bedeutung der Größe der Sammlerbatterie für den Betrieb eines Wind- krastwerks zukommt, mag das folgende Beispiel zeigen: Von zwei Wind- krastwerken gleicher Leistung, die etwa unter den gleichen Windverhält­nissen standen, arbeitete das eine mit einer Doppelbatterie, das andere mit einer nur halb so großen Einfachbatterie. Im ersten Falle mutzte der als Aushilfskraft vorhandene Motor während eines Betriebsjahres nur 11 v. H. der Gesamterzeugung, im zweiten Falle aber 27 v. H. der Gesamterzeugung leisten. Dieses Beispiel beleuchtet die Bedeutung der Speicherfrage Überhaupt: Wenn wir erst einen wirklich brauchbaren Elektrizitätsspeicher haben werden, wird die Ausnutzung der Windkraft einen ungeahnten Aufschwung nehmen.

Wegen der Schwierigkeiten der Speicherung für die Zeiten schwäche­ren Windes geht man neuerdings dazu Über, die fast stets vorhandenen Windstärken von 3 bis 6 Meter in der Sekunde auszunützen. Dement­sprechend muh die Leistung des Stromerzeugers größer fein, während man mit kleineren Batterien auskommen kann. Die Erfahrung spricht für diese neue Betriebsweise. Mehr noch als in der übrigen Elektrizitäts­erzeugung wird in der Windkraftwirtschaft die Wirtschaftlichkeit der An­lage durch eine möglichst weitgehende Anwendung der Elektrizität für alle Kraft- und Wärmezwecke gefördert, damit günstige Windverhält­nisse erschöpfend ausgenutzt werden können.

Die Windkraftwirtschaft ist gegenwärtig noch eine ausgesprochene Kleinwirtschaft, die hauptsächlich für Gegenden in Betracht kommt, denen keine andere Elektrizitätsversorgung zur Verfügung steht. Es ist schon häufig die Frage aufgeworfen worden, ob die Windkraft in der Groß- kraftoersorgung Bedeutung gewinnen wird. Die Aufgabe, die Windkraft im großen auszunutzen, bietet heute noch viele Schwierigkeiten. Eine davon besteht darin, daß man den elektrischen Strom in Windkraft­anlagen noch fast ausschließlich als Gleichstrom erzeugt, während in den Großkraftnetzen Wechselstrom fließt. Die Bemühungen der Windkrafttech­niker gehen nun dahin, auch in Windkraftwerken den elektrischen Strom als Wechselstrom zu erzeugen und ihn dann unmittelbar und ohne Speicherung in die Netze der Dampf- und Wasserkraftanlagen zu leiten. Diese Aufgabe findet gegenwärtig die Beachtung, die sie verdient, denn auf 1 Quadratmeter Lüftquerschnitt kommt, gering gerechnet, eine Wind- leistung von etwa 50 bis 100 Watt. Auf einem quer durch Deutschland gezogenen Streifen von 10 bis 20 Meter Höhe und 1000 Kilometer Länge ergibt sich somit eine mittlere Leistung von etwa 1 Million Kilo­watt. Da man nun mehrere Tausend solcher Streifen quer durch Deutsch­land ziehen kann, beträgt die in Deutschland verfügbare Windleistung viele Milliarden Kilowatt und damit ein Vielfaches der verfügbaren Wasserleistung. Eine Grotzkraftversorgung aus der Windenergie würde also unsere Kohlenlager außerordentlich entlasten und dieses schwer er­setzbare Gut für ferne Zukunft sparen.

Das Ei.

Von Sherwood Anderson, (Schluß.)

In diesen langen Nächten, wenn es wenig zu tun gab, hatte Vater Zeit zum Denken. Das war ein Unglück für ihn. Er kam zu dem Er­gebnis, daß er bisher ein vom Erfolg gemiedener Mann gewesen sei, weil es ihm an Heiterkeit mangelte, und er beschloß, sich für die Zukunft eine heitere Lebensanschauung anzueignen. Am frühen Morgen kam er nach oben und legte sich ins Bett. Die Mutter wachte, und die beiden redeten miteinander. Ich, in meinem Bett in der Ecke, lauschte.

Vaters Idee war: Beide, Mutter und er, sollten versuchen, die Gäste unserer Wirtschaft zu unterhalten. Ich kann mich seiner Worte nicht mehr entsinnen, aber es lief etwa darauf hinaus, daß er auf irgendeine, ihm selbst noch unklare Art so etwas wie ein öffentlicher Unterhalter werden wollte. Wenn die Leute, und besonders das junge Volk aus Bidwell, nach Pickleville kamen (was freilich höchst selten der Fall war), so sollte ihnen heitere und belustigende Unterhaltung geboten werden. Aus Vaters Worten wurde mir klar, daß es ihm darauf an kam, auf irgendeine Weise den lustigen Gastwirt zu machen. Mutter traute der Sache sicherlich von vornherein nicht, aber sie sagte nichts dawider. Es war 23aters lieber-