bereite.
ö’n einer solchen Situation greift man mit Spannung zu einem Buch, dessen Titel ankündigt, ein Wort zu, dieser Krise zu sagen, um so mehr, als man seinem Verfasser die innere Berechtigung zu- erkennt, dazu zu sprechen. Hans Liehe, der Wiener Kunsthistoriker, ist einer der wenigen, dir schon früher im Zusammenhang methodische Fragen durchdacht haben. Das Ergebnis dieser Studien war die vor 13 Kahren erschienene „Methode der Kunstge>chich>e . Derselbe Gelehrte hat nun ein Werk veröffentlicht: Lebendige Kunstwissenichaft (Wien, Kryftall-Derlag). Vicht wie die „LNethode" eine m allen Punkten durchgearbeitete Untersuchung, sondern „ein Werk beginnender Sammlung, ein Vorwort neuer wissenschaftlicher Existenz.
Die Problemstellung ist eine durchaus andere geworden: mcht mehr um die Erkenntnis eines Stiles, eines Meisters handel,, es sich, die Wechselwirkung von Kunst und Leben ist, zu ergründen, nie Antwort zu finden „auf die angstvolle Frage, die heute oie wissenschaftliche Erkenntnis und die lebendige Schaffenstätigkert lahmt, die Frage, nach dem Sinn der Kunst". And das Buch,ist getragen von der Aeberzeugung, daß „wahre Kunst und wahre Wisienschafi nur al» Teile des ganzen Daseins bestehen können, aus dessen Brausen wir die Gewißhen unserer Lebendigkeit gewinnen." Das Buch ist cinelose Folge von Beitrügen „zur Krise der Kunst und der Kunstgeschichte , wie der Untertitel sagt. . „ , .
„Verlebendigung der Kunstgeschichte". Wissenschaft, so sagt 2nehe, kann nur Erkenntnis liefern. Wenn sie verlebendigt werden soll, dann mutz sie statt tauben Wissens Erkenntnisse geben, die Lebenswege smo. Verlebendigung geschieht also nicht dadurch, dah man an sich loten Wissenskram popularisiert, geschieht nicht dadurch, daß man statt eines pedantische,i Schultvnes die Purzelbäume literarischer ^ages- moden mitmacht. Das Kunstwerk strebt heute aus einer gefahrliu-mi Vereinsamung, einer Losgelöstheit von allem anderen Lenen heraus, es will wieder Ausdruck verschiedenartiger Lebenssülle sein. So mutz auch das gewordene Kunstwerk in dieser seiner sozialen Funktion erkannt werden. Alle formalen Eigenschaften bilden nur die Saiale, sein Kern ist, was es an allgemeinen geistigen Kräften zusammen- zuraffen vermag. Das Kunstwerk ist nicht nur ein Spiegel seiner o«it, es ist selbst ein Stück geschichtlichen Lebens: nicht daß es das ihm aus anderen Geistesgebieten Zugeströmte in Form, umsetzt, seine Horm ist vielmehr ein unabtrennbares Stück Lebendigkeit, die sich hier tote anderwärts auswirkt, hier in der dem Künstlerischen eigenen Gesetz- mähigkeit. Ausgabe der Wissenschast wird es also, den Geist zu begreifen, der sich so und nicht anders in den künstlerischen Formen aus- spricht. Datierungs- und Lokalisierungssragen, wie reine Formal-
Probleme werden sekundär, werben die allerdings notwendige Grundlage, auf der sich die eigentlichen Fragestellungen erheben. Wie sich das Verhältnis zum Vaum ändert, wie die Bewältigung der Einzelform sich weitet, oder die Farüenauffassung sich wandelt, das sind nicht mehr Dinge, die um ihres eigenen Interesses verfolgt werden, sondern deren Zergliederung uns lockt, weil alle diese Vorgänge das Leben geistiger Kräfte ausdrücken. Geistiger Kräfte, die der Zeit gehören, die aber zu ihrer Auswirkung der Zusammenfassung durch das schöpferische Individuum bedürfen. Viel intensiver mutz also toteres die Künstlerpersönlichkeit in den Brennpunkt der Forschung treten, nicht aber so sehr als Urheber einer bestimmten Gruppe von Arbeiten wie als geistige Totalität. Und nur das wird der Kunstgeschichte wesentlich sein, was sie als ein Stück des ewigen Menschengeistes überzeugend zu machen vermag. „
Aus einer solchen Einstellung ist es unmöglich, zwischen alter und neuer Kunst in dem Sinne zu scheiden, datz den Wissensa)aftler nur die alte zu beschäftigen brauche. Folgerichtig behandelt ein Groh- teil des Buches von Liehe auch Probleme der modernsten Kunst, versucht die Linien des Expressionismus zu zeichnen, spricht zu seiner Krise, zur Literatur Über die jüngste Kunst. Der einleitende Aussatz sucht das Verhältnis von alter und neuer Kunst grundsätzlich zu klären. Kunst ist. im Gegensatz zum Denkmal, nur was lebt und als lebendig empfunden wird. Der Unterschied zwischen alter und neuer Kunst liegt also nicht in der Materie,— die ist da iind dort gestaltete Form, die Empfindung auslöst —, jedes Werk ist für den Künstler schon nach seiner Vollendung Vergangenheit, ist uns, den Gleich- lebendeti, zunächst Ausdruck eigensten Empfindens, unseren Sohnett unverständlich und unseren Nachfahren historisches Gut mit dem ganzen Gewicht des „Alten". Der Kunsthistoriker, so meint Liehe, ist der Vermittler der Gegensähe zwischen Altem und Neuem. Er nimmt lebendigen Anteil an der Kunst seiner Zeit und empfangt daraus ein Gefühl für Werte der Vergangenheit, für neue Probleme und Sichtungen: er kann auf der anderen Seite durch ^ne Kenntn^ der Geschichte der Ktmst zu mancher Erscheinung der Gegenwait ein gewichtiges Wort sprechen. Ein Kapitel über Kunstccitik betont das letzte noch einmal besonders. .
Liehe gibt in diesem Buche noch mcht «n Werk der neuen Kunstsorschung, er steckt nur Grenzen ao, weist Dichtungen, tn der sich die Wissenschaft entwickeln wird. Damit bat er ausg^prochen, was wohl in vielen lebendigen Wissenschaftlern arbeitet, hat dem Neuen tn ^Was "lebendige ^WMenschaft ist, wird erst ganz deutlich werken an Werken der Kunstforschung selbst. Es ist typisch surunseie^ag^ dah zunächst über methodische Allgemeinfragen d.i-kuckert w^d, ehe an Einzelarbeiten eine neue Methodik erprbt ist. Aber ^te fuc Liehe selbst dies Buch ein Vorwort neuer, wissenschastlichor Exstienz ist so wird auch mancher junge Gelehrte tn ihm Bestärkung f tn r eigenen Meinungen un6 den Ansporn empfangen, auf begonnenen Wegen weiterzuschreiten. ____________
Berge, ©öfter und Menschen.
fchchch urewsqem Gesetz, dem man gleicherweise untertan ist; so wird erseht und vo-n Herzen her begründet die leidenschaftliche Kon;esswn dieser Verse “ ra'ctoaHenen tn der Welt, so glüht und strömt aus ihnen die heiße Kemenmem' .nschast mit Baum und Moos und Weinstocks mit den Eidechsen, Vögeln und Fischen, mit Rindern und Pstrden und Elchen und Wölfen; Gemeinschaft und Liebe und Hingabe von so unspielertscher W cht und so unerschüttertem Ernst, daß man gerade hier: suh.tz wie diesem Dichter älteste Dinge neu geboren und lebendig verwandelt werden.
Lebendige Kunstwissenschaft.
Von Dr. Ludwig Neundörfer.
Schon immer war die Kunstwissenschaft ein besonders seines Instrument, die Bewegungen im wissensHäßlichen Denken zu registrieren. Du ih ihre Jugend entbehrt sie der festen Tradition anderer Wissen ^a ten; ihr Objekt, das Kunstwerk, sträubt sich immer wieder, rem bankmäßig ersaht zu werden, es macht Vechte an ganz andere menschliche Ansnahmeorgane geltend und stellt dadurch dte Wissenschaft- im -.--d-'z
schäft eine Krise beobachten, die das ganze Gebret der Wissenschaft umchtzt Es ist zunächst eine Stimmung des berufsmäßig wmenschaft- sich Arbeitenden. Man ist unsicher gewor^n, an seinem Dun: man sraot nach dem Sinn der ganzen Aroelt, vo sie überhaupt ein Vecht in der Gegenwart habe, und welche Stelle sie notwendig ausfulle.
Auch die Methodik des Arbeitens ist stark erschüttert. Gefolge der historisierenden Tendenzen des 13. Jayryunderts hatte sich eine bis ins kleinste ausgebildete Methode gcolldet, an Hand äußerer Merkmale die einzelnen Werke auf Zeit, Meister und Stil sestzustellen. Theoretisch war jedes Stuck gleich wichng, und das Ziel war eine vollständige Registrierung aller vorvandenen Werke. In diesem Denkmälerbestand suchte man dann Entwicktungslinien aufzuzeigen, für die organisch-biologische Begrisfe wie Jugend und Aber zu Hilfe genommen wurden. Notwendig fuhrt« diese Weise M Arbeitens zu immer größerer Spezialisierung. Die Vorarbeiten des Bestimmens und Einordnens nahmen alle Kräfte m Anspruch, immer unmöglicher wurde es, das Ganze zu übersehen und die mannigfachen Verflechtungen zu erkennen, in denen leWs lebendige Wert steht
Die Sicherheit und Selbstzufriedenheit des Spezialforschers ist heute erschüttert. Die Stilkritik hat sich zum Teil selbst überfuhrt, sie muh „innere" Merkmale zu Hilfe nehmen und leugnet damit igr eigenstes Prinzip. Man will das Ganze, das Wesentliche ues Kunstwerkes erfassen. Im Streben danach wird mancher Irrweg gegangen, der zwar von der Methodik des 19. Jahrhunderts aüiuprt, aber pabei auch das Gebiet der Wissenschaft selbst verläßt. Die Grenze zwischen Kunstschriststellerei und wissenschaftlicher Forscheraroeit ist verwischt, statt der „trockenen" Untersuchungen werden „geistvolle Essays geschrieben, die mehr über den Verfasser als über den Gegenstand aüssagen. Andere verlassen di« Forschung, um pädagogischer Ausgaben willen, sie müssen sich um die Nutzbarmachung der Kunstwerke, wollen ihren ästhetischen Wert Allgemeingut werden, lassen. Die Mehrzahl der zum Schreiben Berufenen schweigt, beschrankt sich auf die Lehrtätigkeit als auf bi« Liebermittlung festliegender Sacy-
Von Friedrich Wallisch.
Wrovolis hohe Büro der jungfräulichen Göttin, Leuchte der Well durch die Jahrtausende, schwer ist es, von dir Abschied zu nehmen. Traume der Jugend hast du erfüllt, nmrinorerblühies Heiligtum
8ß?er wie leicht ist es, von dem neuen Menschengeschlechte zu scheiden.
S i«w «-m-ch>.-°ch>»
letzten Augenblicke meines Aufenthaltes in dieser Stadt über die ernst Dallas Athene geherrscht hat durch ihren fchonheltssreudigen Günstling Perikles,'dm Freund des frohen Prunks und des Lebens m Sonne * Ihr habt meinen Trennungsschmerz gründlich verscheucht. Bu za guter Letzt noch, attischer Herakles im blauen Zwilchkittel, Gepäckträger auf dem
Müde 'all "der ' Zudringlichkeiten und Un^rschämtlMen, denen hier jedermann ausgesetzt ist, der das Kainszeichen des ntemben — will sagen, bes reichen Narren, der dazu da ist, betrogen zu werden — auf der^urne trägt müde all der Gemeinheit und Unverfrorenheit, gab ich den. Manne mehr' viA mehr, als ih-n gebührte. Aber statt sich nut Madigem Dank zurückzi,ziehen, stemmte er in frecher Pose die Finger an die Wand d Abteils und forderte höhere Bezahlung. . . „nm
Von der neugriechischen Sprachk-weiß, ich, nicht viel mehr al-v alten Griechisch. Also so gut wie nichts, obwohl es im ersten Ltezemilum dieses Jahrhunderts einige Männer der Wissenschaft gegeben Hat, deren redliches Bemühen es gewesen ist, mich die Sprache des Meuu lehren. Ich habe sie nie erlernt. Und doch konnte ich Perikles und। J.I)1 unb Mnesikles verstehen, als sie auf der Akropolis in der unsterbnchen Svrache von Hellas zu mir redeten. .... .j,
Mit dem srechen Gepäckträger im Zuge wußte ich mich nicht zu
DerG5nbmarnein trauriger Spatz. Ich wollte sehen, wie weit seine Unverschämtheit ging, und suchte ihm meinen Wunsch £(araunteidjen, er mog mir mit den Fingern deuten, wieviel Drachmen er eigentlich sondere. Dabei nun wies ich auf diese seine Finger, die er wie ich's eben erwahut yabe an die Wand des Abteils gestemmt hielt. Jetzt aber sah er mich plötzlich entsetzt an und stürzte Hals über Kopf davon.
An de? Wandten dort, woher seine Hand gehalten hatte, hing eine Kundmachung: Im Falle von Unzukömmlichkeiten wolle man die Le sck.wcrden dem Bohnhofsvorstand bekanntgcben. . .
■' Das böse Gewissen hatte den ängstlichen Athener zu dem rrn^n Glauben verleitet, mein Deuten sei eine Drohung, ihn ^1^1 gen. wurde ich rascher, als ich's vermuten konnte, den letzten Räuber los, de meinen Leidensweg hier gekreuzt hatte. . 9{.
Der Zug war überfüllt. Kaum irgendwo em freier Platz. Aber als die Bahnhofsglocke bimmelte — hier wird w? der Abfahrt «ch vizmal


