Ausgabe 
20.9.1927
 
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(Fortsetzung folgt.)

wie eine

Helsingfors. Dreierlei macht das Antlitz dieser üblichen kleinen Großstadt unvergeßlich: über einem pflasterweißen Platze von russischen Dimensionen, an dem Universität und Parlamentsgebaude liegen, echebt sich auf vielen hohen Steinstufen, die weiße Nikolai-Kathedrale mit ihren drei schiefergedeckten Kuppeln wie ein fremder, in den Norden ver­schollener halbrussischer Nachklang von St. Peter. Diese weiße » beherrfcherin rahmt auch das Hafenbild ein, zusammen mit der fusiiich' orthodoxen Kirche, einem verzwickten Ungeheuer aus rotem Backstein, aas wie eine gigantische Fliegenpilzfamilie auf hohen Felsen thront. Beiden zu Füßen wimmelt der Hafen und der bunte Markt, und einfach üegi

zu Füßen wimmelt der Hafen und der bunte Markt, und emsacy daran das Palais des Landesprästdenten, Re la n der.

Das zweite: Dom Hafen läuft, viel breiter als die Verlier ,,-Äiwm - die vornehmste Geschäftsstraße, dieEsplanade gatan, zum Byeaier. Wuchtige, schattendunkle Baumreihen machen die Mittelpro-msnaDe z» einem kühlen, flüsternden Park inmitten des Geschäftszentrums. PraMg Hortensienbeete, inmitten der ganzen Anlage das Standbild -^"everg-, des großen Nationaldichters, und das Wichtigste: an beiden Enden Musikpavillon, in denen über Mittag und am Abend Militär und Marm Freikonzerte geben. Man hört Sibelius und Marivanto, aber auch man ches Deutsche, den Torgauer Marsch oder Berliner Operettenschlag - während man im Esplanade-Cafe bei den nationalen Erdbeeren oder Smörgasbricka fitzt und draußen wie in südlichen Städten buntes jeden Alters und Standes sich feiner Muhe freut. , he£

Das dritte ist, vor allem mit dem rosa granitenen Batznyol, Barholmenkirche und dem Nationalmuseum, die moderne Archn Finnlands, die ja, ehe der Schnelläufer Nurmi da war, den gr v internationalen Ruhm und die stärkste nationale Eigenart Finnlands

zu haben." , . . ,

Kein weiteres Wort lieh Kalamake fallen, noch kam er je wieder auf die Angelegenheit zu sprechen. Allein sie ging Keola fortwährend im Kopfe herum und war er früher faul, so wollte er jetzt überhaupt n-rchts mehr tun.Weshalb soll ich arbeiten," dachte er,wenn ich einen Schwiegervater habe, der aus Seemufcheln Dollars macht?"

Bald war fein Anteil ausgegeben. Er verwendete ihn ganz auf schone Kleider. Und dann tat es ihm leid.

,Denn," dachte er,ich hätte besser daran getan, eine Konzertina zu kaufen, mit der ich mich den ganzen Tag hätte unterhalten können." Und er begann sich über Kalamake zu ärgern.

Dieser Mann besitzt die Seele eines Hundes", dachte er.Er kann, sooft er will, am Strande Dollars aufsammeln, und er läßt mich hier nach einer Konzertina schmachten! Er möge sich hüten: ich bin kein Jürto, ich bin so schlau wie er und bin im Besitze seines Geheimnisses. Darauf sprach er mit seinem Weibe Lehua und beschwerte sich bei ihr über ihres Vaters Manieren. , ,

Ich ließe meinen Vater in Ruhe", sagte Lehua.Es ist gefährlich, feine Pläne zu durchkreuzen." .

Ich frage soviel nach ihm!" rief Keola, und schnippte mit den Fingern.Ich halte ihn an der Nase und kann ihn zwingen, zu tun, was mir "beliebt." Und er erzählte Lehua die Geschichte.

Doch sie schüttelte nur den Kopf.

Du kannst tun, was du magst," sagte sie,aber so sicher du meinen Vater störst, so sicher wird man nie wieder von dir hören. Denke an diesen und jenen, denke an Hua, der ein Lord des Repräsentantenhauses war und alljährlich nach Honolulu ging, und es war kein Knochen und kein Haar mchr von ihm zu finden. Erinnere dich an Kamauas, und wie er zu einem Zwirnsfaden abmagerte, so daß seine Frau ihn mit einer Hand vom Boden aushob. Keola, du bist in den Händen meines Vaters so hilflos wie ein Säugling: er wird dich zwischen Daumen und Zeige- iinger nehmen und dich gleich einer Krabbe aufessen."

Nun fürchtete sich Keola in Wahrheit vor Kalamake, aber er war auch eitel, und diese Worte seiner Frau brachten ihn auf.

Gut," sagte er,wenn du so von mir denkst, werde ich dir zeigen, wie sehr du im Irrtum bist." Und er ging schnurstracks zu feinem Schwiegervater, den er im Wohnzimmer sitzend fand.

Kalamake," sagte er,ich möchte eine Konzertina haben."

So, in der Tat?" sagte Kalamake.

, Ja," sagte er,und es ist ebensogut, dir rundheraus zu sagen, daß i» 'entschlossen bin, eine zu bekommen. Ein Mann, der Dollars am Strande aufsammelt, kann sich ohne Zweifel eine Konzertina leisten.

Ich ahnte gar nicht, daß du so viel Mut besähest", entgegnete der Hexenmeister.Ich hielt dich für einen schüchternen, unbrauchbaren Burschen, und ich kann gar nicht sagen, wie ich mich freue, meinen Irrtum einzusehen. Jetzt sänge ich an zu glauben, daß ich einen Gehilfen und Nachfolger für mein schwieriges Geschäft gesunden habe. Eine Kon- zertina? Du sollst die beste in Honolulu haben. Und heute abend, sobald

3 dunkel geworden ist, werden du und ich gehen, das Geld holen.

..Werden wir zu dem Strande zurückkehren?" fragte Keola.

Das sind mir sonderbare Manieren", dachte Keola, und ohne zu über­legen, was er tat, lief er ihr nach. .. .

Im Laufen rief sie unaufhörlich Worte in einer spräche vor sich her, die in Hawaii nicht gebräuchlich war, doch waren einige der Ausdrucke die gleichen, und er verstand, daß sie rief, um andere zu warnen. Und bald sah er andere Menschen laufen Männer, Weiber und Kinder, und alle miteinander rannten sie eilig, wie Menschen vor emem Feuer. Und da begann er selber Furcht zu verspüren und kehrte, die Blatter mit sich nehmend, zu Kalamake zurück. Und er erzählte ihm, was er gesehen.

Du mußt nicht darauf achten", entgegnete der Zauberer.Wir gehen hien dank dieser Zaubermittel, am hellichten Tage unsichtbar spazieren. Indessen können sie uns hören, und daher ist es gut, leise zu sprechen, so wie ich es tue." . . , ,

Und er zog mit Hilfe von Steinen einen Kreis um die Matte und legte die Blätter in die Mitte. ...

Deine Aufgabe wird es sein," sagte er,dafür zu sorgen, daß die Blätter weiterbrennen, und das Feuer langsam zu schüren. Wahrend sie ausflammen (was nur während eines kurzen Augenblicks geschieht) muß ich meine Arbeit verrichten: und noch ehe die Asche schwarz geworden ist, wird die gleiche Macht, die uns hierher gebracht hat, uns wieder weg- führen. Halte jetzt das Zündholz bereit, und sieh zu, daß du mich recht- zeitta rufst, damit die Flammen nicht verlöschen und ich zuruckbleibe.

Sobald die Blätter Feuer gefangen hatten, sprang der Zauberer rote ein Hirsch aus dem Kreise hinaus und begann einem Jagdhund gleich, der gebadet hat, den Strand entlang zu jagen. Und im Laufen bückte er sich fortwährend nieder, um Muscheln aufzugreifen: wie es schien Keola, daß sie funkelten, während er sie sammelte. Die Blätter brannten mit einer klaren Flamme, die sie rasch verzehrte; und bald war Keola nur noch eine Handvoll übriggeblieben, und der Zauberer rannte und bückte sich immer noch in weiter Ferne.

Zurück!" schrie Keola.Zurück! Die Blatter sind fast ausgebrannt.

Boi diesen Worten drehte Kalamake um, und war er vorher gelaufen, so flog er jetzt. Aber so rasch er auch lief, die Blätter brannten noch rascher Schon war die Flamme fast erloschen, als er mit einem gewal­tigen Satz aus die Matte sprang. Der Luftzug seines Sprunges blies die Flamme aus, und im gleichen Augenblick waren der Strand und die Sonne und das Meer verschwunden, und sie standen wieder in der Dämmerung des verdunkelten Wohnzimmers und waren abermals er- ichütiert und geblendet, und auf der Matte zwischen ihnen lag ein Haufen blanker Dollars. Keola stürzte zu den Fensterläden, und da lag das Dampfschiff, das sich hart am Lande in der Dünung wiegte.

In der gleichen Nacht nahm Kalamake seinen Schwiegersohn beiseite und drückte "ihm fünf Dollars in die Hand.

Keola," sagte er,wenn du ein kluger Mann bist (was ich bezweifle), io wirft du glauben, du feist heute nachmittag aus der Veranda ein- gefchlafen und hättest im Schlafe geträumt. Ich bin ein Mann von wenig 'Worten und pfleae als meine Gehilfen Menschen mit kurzem Gedächtnis

Nordmännerlied.

Von I. V. von Scheffel.

Der Abend kommt, un-d die Herbstluft weht, Reifkälte umspinnt die Tannen, O Kreuz und Buch und Mönchsgebet Wir müssen alle von bannen.

Die Heimat wird dämmernd und dunkel und alt, Trüb rinnen die heiligen Quellen: Du götterumschwebter, du grünender Wald, Schon blitzt die Axt, dich zu fällen!

Und wir ziehen stumm, ein geschlagen Heer, Erloschen find unsere Sterne

O Island, du eisiger Fels im Meer, Steig auf aus nächtiger Ferne.

Steig auf und empfah unser reisig Geschlecht Auf geschnäbelten Schiffen kommen Die alten Götter, das alte Recht, Die alten Nordmänner geschwommen.

Wo der Feuerberg loht, Glutasche fällt, Sturmwogen die Ufer umschäumen, Auf dir, du trotziges Ende der Welt, Die Winternacht woll'n wir verträumen!

Nein nein!" erwiderte Kalamake,du mußt erst mehr von meinen Geheimnissen erfahren. Das letzte Mal lehrte ich dich, Muscheln zu sam­meln, diesmal werde ich dich lehrm, Fische zu fangen. Bist du stark genug, um Pilis Boot flottzumachen?" ,

Ich glaube, ja", versetzte Keola.Aber weswegen nehmen wir nicht dein eigenes Boot, das ja schon flott ist?"

Ick habe dafür einen Grund, den du noch vor morgen gründlich ver­stehen wirst", sagte Kalamake.Pilis Boot ist besser für meine Zwecke aeeianet. Wir wollen uns also dort bei Dunkelwerden treffen und bis dahin die Sache für uns behalten, denn es hat fernen Zweck, die Familie in unser Geschäft einzuweihen." ,

Honig ist nicht süßer, als die Stimme Kalamakes war, und Keola ver­mochte seine Befriedigung kaum zu verbergen.

Ich hätte meine Konzertina schon vor einer Woche haben fonnen, dachte er,man braucht doch nichts in dieser Welt als em bißchen Mut.

FinnlandsKhrt.

Von Ilse Re i cke.

Das schwanenweiße, schöne Schiff nimmt dich eines Nachmittags aus dem emsigen, ^hämmernden Hafen von Stettin, zeigt .bir oberabroarts Die Werften, Hellingen, Oelmühlen bann versinken dir im gelben Abendlicht die eleganten Seebäder Swinemünde, Heringsdorf, Ahlbeck hinter den grauaufschäumenden Ostseewogen; nach angenehmer Kabinmmicht um- aaukelt dich ein ganzer blauer, leuchtender Meerestag auf Deck m den Mittagsstunden begleitet vom blauen Linienspiel der Insel Gotland Dampfer und Segler voll riesiger Holzfracht kommen entgegen als erste Sendboten Finnlands, dann blicken beim zweiten Erwachen schon die morgenblassen Türme Revals dir ins Bett, und nach em paar stunden erschimmert über den salzsrifchen Wassern des Finnischen Meerbusms hinter den vielklippigen Schären hell und breit Sjelftngfors! Wer im Reiche weiß, daß dies ferne Land uns so nahe hegt? Wie nahe es unferm Herzen liegt, sagen mancherorts seine Steine: schone, eigenartige Gedenksteine für die gefallenen deutschen Krieger. .

Finnland für alles westlich der Elbe schon eine etwas sibirische Vorstellung und dabei doch ein Touristenland, in dem einem die Sonne nicht untergeht und bas Geld nicht ausgeht, voller Einfamkeitsernst und Wasserbesessenhsit freilich nichts für elegante, verwohnte und auch geistig anspruchsvolle Reifende . . .

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