Er faßte fle. „Ja, ich bin es," sagte er fröhlich, „und Die find es!»
Kaum konnte er sich der Tränen erwehren, als er sie ansah, Die Dame stellte Tage als ihren Sohn vor.
Tage hatte nie im Leben diesen Thorbrögger nennen hören, aber nicht bas fiel ihm auf, nur bah aus dem Gaucho schließlich ein Däne geworden war, und als eine Pause entstand und irgend jemand irgend etwas sagen sollte, konnte er nicht anders als her- ausplatzen: „Und gestern habe ich noch gesagt, Sie kämen mir wie ein Gaucho vor!" Nun das, erwiderte Thorbrögger, käme auch der Wahrheit so ziemlich nahe, da er einundzwanzig Jahre mitten in den Prärien von La Plata gelebt hätte und gewiß in all der Zeit mehr zu Pferd als zu Fuß gewesen wäre.
ilnb nun sei er nach Europa gekommen?
Ja, jetzt habe er seinen Grundbesitz und seine Schafe verkauft und sei gekommen, um sich in der Alten Welt, wo er daheim sei, umzusehen: aber zu seiner Schande müsse er gestehen, daß er es recht oft sehr langweilig gefunden habe, so zu seinem Vergnügen zu reisen.
Ob er vielleicht Heimweh nach den Prärien habe?
Nein, Sehnsucht nach bestimmten Orten oder Ländern habe er nie gefühlt: er glaube, daß ihm nur die tägliche Arbeit fehle.
So ging bas Gespräch eine Weile hin und her. Endlich kam der Kustvde erhitzt und außer Atem, mit Salatköpfen unterm Arm und einem Büschel brandroter Tomaten in der Hand, und sie wurden in die kleine, schwüle Gemäldesammlung eingelassen, wo sie nur einen ganz vagen Eindruck von den gelblichen Gewitterwolken und schwarzen Wassern des alten Bernets bekamen, indes sie vielmehr einander mit ihrem Lebenslauf und Schicksal in den Jahren seit ihrem Scheiden recht gut bekannt machten.
Denn er war es, den sie geliebt hatte, damals, als sie an einen andern gebunden wurde, — und in den Tagen, die nun folgtep, da sie viel beisammen waren und die übrigen, fühlend, daß so alte Freunde einander viel zu sagen haben '.nützten, sie oft allein ließen, in diesen Tagen wurden sie beide bald inne, daß, wie sehr sie sich auch im Laufe der Jahre verändert hätten, ihre Herzen nichts vergessen hatten. Vielleicht war er es, der das zuerst gewahrte, denn die ganze Unsicherheit der Jugend, ihre Sentimentalität und ihr elegisches Sehnen kamen sogleich über ihn, und er litt darunter: es ging dem gereisten Mann gegen den Strich, so plötzlich der im Laufe der Zeit erworbenen Abgeklärtheit und Selbstsicherheit beraubt zu sein, und er wünschte sich seine Liebe anders geprägt, hätte ihr gerne mehr Würde, mehr Haltung gegeben.
Das Gefühl, verjüngt zu sein, blieb ihr fern, aber ihr war, als ob in ihrer Seele ein gehemmter, gestauter Tränenquell wieder auf- gebrochen wäre und aufs neue zu rinnen begonnen hätte: und es war so beglückend und erleichterns, zu weinen, und in diesen Tränen hatte sie ein Gefühl des Reichtums, als hätte sie selbst und alles für sie wieder höher« Wert gewonnen: schließlich doch ein Gefühl der Jugend.
(Schluß folgt.)
IQcKdfsN iti feinen Briefen»
Wir bringen hier drei Briefe von Jens Peter Jacobsen, die wohl dazu angetan sind, das auf diesen Seiten ent» riefelte künstlerische Bild des Dichters im Persönlich- Menschlichen zu spiegeln; die Briefe sind gerichtet an Edvard Brandes, den jüngeren Bruder des kürzlich ver» storhenen, berühmten Literarhistorikers, und an Frau Brandes, die Mutter der beiden, mit der Jacobsen ebenfalls befreundet war.
An Edv. Bran.des.
12. 5. 78, Humlebeak.
Deine Worte sind süß wie der 'Berge Honig und lindveich wie N8 Amala-Bäumes Balsam: Deine Buchstaben entzücken das Auge wie Zierrate an des heiligen Elephanten Bauchgurt und Deine Gedanken sind wie Lichtpunkte in der Gazelle dunklem Auge. Krishna gebe mir Stärke zur Fahrt in die nördlichen Berge, weit von der sonnweihen Gärten zärtlichem Schatten. Am heiligen Donnerstag, wenn der Sonne Kühe von der Weide kehren, wird das Rauchtier meinen Palankin über der treulosen Wellen wogende Zinnen tragen, fort zum fernen Land, und da will ich wandern längs des Flusses Ufern und in stummer Nacht meine Lampe den Strom abwärts fließen lassen und einen geliebten Namen flüstern wohl tausende Mal. Ach, meine Seele ist unruhig wie des Kampherbaumes Laub und sie klagt trauernd wie das Gevögel der Nacht, doch am Mittwoch, da ist der Morgenröte Fest in dem wagenumgebenen Tempel auf des neuen Königs Ebene, wo das Bvoncepserd im Wondenschimmev schläft *). Dort wird der Mann mit dem belockten Haar und sein blank- äugig Weib, deren Antlitz ist wie des ' Asoka-Baumes Blüte, von der Sonne beleuchtet, und deren Stimme ist wie Wolken, die im Wasser sich spiegeln, mir fetten Reis geben und Wein zum trinken. Und bei der frohen Mahlzeit wird mein Auge des Ostens Königin schauen, deren Züge sind wie der Berge Linie, wenn sie spät sich
an der Dämmerung Himmel zeichnen: doch das Mädchen mit dem lichten Blick wird alle überstrahlen.
Neunmal berührt meine Stirn Deines Halses Marinelboden. wo der schwarze Hund im Steine lebend ist. . I. P, I,
An Frau Brandes.
19. 3. 1878, Pension Bellevue, Montreux. Liebe Frau B.!
Ich hatte gehofft, Sie vom Frühling grüßen zu können, von Blumen, Sonnenschein und blauen Bergen: doch ein anderer hat es anders gewollt und hier giebt es nur Schnee und Nebel, nasse Wege und tropfende Dächer. Das ist gar kein Wetter, um Sie auf unseren grünen Fluren und quellrieselnden Hängen herumzuführen; aber an einem anderen Tag, wenn die Sonne wiedergekehrt, sollen Sie meine Hügel von schwefelgelben Primeln, meine weißen Veilchen und blaunen Hyazinthen, meine weißen Crocus, Fleck an Fleck, in dem goldenen Moos und dem grünen Grase sehen. Aber heute ist hier allzu sehr Dänemark.
Vielleicht wissen Sie, daß ich in meinem Müßiggang eine Art blühende Blattpflanze ziehe, die diesen Frühling aufspringen sollte, Aber sie »nag 'nicht. Ich beschneide sie und treibe sie an, aber ich glaube, ich kriege mit alledem eine Herbstblmne daraus; denn ein Weihnachtsbaum will ich doch nicht hoffen, daß es wird, obwohl ich in dieser Richtung alles mögliche vor mir selbst erwarten darf. Es wird mir deutlicher und deutlicher, daß ich nie meinen ehrgeizigen Jugendtraum erfüllt sehen werde: 40 Bände gesammelte Werke zu hinterlassen, und es geschieht mit Neid, daß ich Ewald und Carit Ellar diesem Ideal sich nähern sehe, während ich schlafend im Schatten von Ws Lorbeeren liege.
Mit den herzlichsten Grüßen und Glückwünschen
Ihr
An Edv. Brandes.
I. P. Jacobsen,
Lieber Freund!
21. 5. 1879.
Wenn Du glaubst, daß wir in Hemdsärmeln herumgehen und uns, aufgelöst von der Wärme, in den Schatten der Orangenbäume werfen und träge nach den goldenen Früchten emporlangen, — so irrst Du. Hier"') ist es kalt, hnndekalt, Regen oder Sturm, oder beides, und die Zirmner sind so schwach beteppicht und verbehaglicht, daß man seinen Winterrock als Schlafrock gebrauchen mutz. Die Zitronen und Orangen, die Mispeln, das Weinlaub, das blaue Meer und die grauen Berge, das ist alles hier, aber mit einem dänischen Mai über sich, Im Hotel ist eine größere Bibliothek und ich lese daher ein gut Teil unmögliche deutsche Schriftsteller; aber zumeist sitze ich und denke über das große Werk nach, während ich in meinem schlechten Lehnstuhl mit meiner Reisedecke als Bärenfell Schlitten fahre. Zur Aufmunterung der Situation habe ich an einem schrecklichen Kopfschmerz gelitten und habe keinen Appetit auf die ausgewäfserten Mittelmeer- fische, das ewige Fersenfleisch und die unendlichen Grünerbsen. Bald gehe ich nach Dom; schreibe unter allen Umständen dorthin (Due Macelli 127), und von dort direkt nach Thisted. Die Franzosen kenne ich nicht. Kiellands Buch hoffe ich in Thisted zu finden. Du sprachst davon, es von ihm cherschicken zu lassen. — Kein Lokomotivführer kann des Reisens überdrüssiger sein als ich. Behaltet nur die Wärme, die Ihr habt, damit ich bald in einem nördlichen Himmelsstrich zur Ruhe kommen kann. Bon Pompeji habe ich aus Der ganzen „südländischen;" Tour am meisten Freude gehabt, obschon es auch da kalt war. Neapel war gräßlich. Ich sehne mich vorläufig nach Aom, aber namentlich nach Thisted. Die Gesellschaft besteht ausschlietzlich aus Deutschen, die die ganze Zeit Bädeker reden und einander in Detailkenntnis des italienischen Volkslebens zu überbieten suchen.
Dein I. P. S.
Landschaft.
Von Jens Peter Jacobsen,
Eine Haide weit, bemoost Gestein, Ein blinkender Wasserstreif ferne, Ein goldroter Streif, wo die Sonne sank Die ersten zitternden Sterne.'
And seltsam treibet der Abendwind, Ein Sausen und Seufzen und Sehnen, Als klagt' in ihm ein menschliches Herz Am irdisches Leid in Thränen.
Wohl tausend Wünsche strichen hinaus Frühmorgens auf mutigen Schwingen; Ob-wund jetzt zurück und flügellahm Die seufzenden Winde sie bringen?
Sie prüfen, wer weiß es, sich hier aufs neu, Wie Vögel vor herbstlichen Fahrten, Ob wirklich auf immer die Flügel gelähmt, Ob sie Kraft noch zum Schwünge bewahrten. Und viele sind längst mit dem Weg vertraut
') In Italien, eine nähere Ortsangabe fehlt.
Verantwortlich: Dr. Hans Thyriot. — Druck und Verlag: Brühl'sche Universitäts-Buch- und Steinbruckerei, R. Lange, Gießen.
Zu des Todes schweigendem Hafen;
Die andern entflattern Schar um Schar, In Menschenträumen zu schlafen.
J) Nicht der bekanntere Schlachtenmaler Horace, noch dessen Vater Charles, sondern der Großvater Joseph V. (geb. 1714 in Avignon, f 1789). Anm. d. Nebers.
¥) Gemeint ist Köngens Nhtorv, des Königs neuer Markt, mit dem Relierdenkmal in Kopenhagen,
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