Ausgabe 
19.2.1927
 
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die Wände deS Gastzimmer«. Sch ging zur Schule in die Stadt imb war froh, von der Farm weg und von der Gegerttoart der lebens- überdrüssigen. trübseligen Küken erlöst zu fein. Dennoch war nur nicht sehr heiter ums Herz. Abends kam ich von der Schule Herrn, die Turner's Pike entlang, und dachte an die Kinder, die ich bemz Spielen auf dem Schulhof beobachtet hatte. Da war ein Lrupp kleiner Mädchen hüpfend und singend umhergezogen. Sch versuchte das auch. Die gefrorene Straße entlang kam ich feierlich hupend auf einem Bein.Hippity Hop To The Barber Shop .fang«J grdL Dann hielt i4 inne und blickte mich unsicher um. Ich hatte AnM man möchte mich in dieser lustigen Stimmung beobachten. Offenbar entsann ich mich^ daß ich auf einer Kükenfarm aufgewachsen war, wo täglich d^ Tod einkehrte, und offenbar hatte ich das Gefühl daß mein Benehmen angesichts dieser Vergangenheit unpassend war.

Mutter entschied, daß unsere Wirtschaft auch nachts geöffnet sein sollte. Um zehn Llhr abends fuhr ein Personenzug an unserem Hause vorüber nach Morden, und ihm folgte ein Güterzug. Das Per» sonal des Güterzuges hatte in PickleviiE zu rangieren, und weim sie damit fertig'waren, kamen die Leute in unsere Ortschaft, wo « heißen Kaffee und etwas zu essen gab. Zuweilen bestellte sich auch einer ein Spiegelei. Um vier iüjr morgens kamen sie zur Anfahrt wieder durch und besuchten uns abermals. Das Geschäft begann en wenig aufzublühen. Mutter schlief nachts, versah am Tage die Wirt sckaft und versorgte unsere Kostgänger; Vater schlief am Tage. Er schftef in demselben Bett, das Mutter nachts mnegehabt hatte in- dessen ich nach Bidwell zur Schule pilgerte. In den langen Nachten, tnnh-enh Mutter und ich schliefen, kochte Daler Fleisch für die ve [catcn Brote die in die Frühftückskörbe unserer Gäste wanderten Und 6a geriet ihm ein Gedanke in den Kopf, wie er es zu etwas bringen könne in der Welt. Der amerikanische Geist kam über ihn. Auch er wurde ehrgeizig.

(Schluß folgt.)

ge^iefm7and"Zwei'1lein7 Haarbüschel wE-n auf -fopf,

aerade über den Ohren. Ich erinnere mich, daß ich als Kind oft bw fa<3 und ihn betrachtete, wenn er an Sonntagnachmittagen im Winter beim Ofen im Lehnstuhl schlief. 3d) hatte damals bereits angefan- aen Bücher zu lesen und über meine Beobachtungen uachzudenken, die'kMe Fläche aus Vaters Kops wurde in: meiner Phantasie so etwas wie eine breite Straße - so eine Straße, tote Casar sie einst entlanggezogen war. wenn er seine Legionen aus Rom hinweg und in die^ Wunder unbekannter Welten führte. Die Haarbüschel über Vaters Ohren wurden mir zu Wäldern Ich versank in einen Dämmerzustand zwischen Schlafen und Wachen und sah mich im Traum als ein winziges Etwas ganz allein auf dieser Strage in ein ftrnes. wunderschönes Land wandern, wo es keine Kulenfarinen gab und wo das Leben eine glückliche, eierlose Angelegenheit war.

Man könnte ein Buch schreiben über unsere Flucht von ter Kükensarm in die Stadt. Mutter und ich gingen die ganzen acht Meilen zu Fuß' sie, um aufzupassen, daß nichts vom Wagen fiel, Mid ich um die Wunder der Welt zu betrachten Aus dein Kutscher, fitz neben sich hatte Vater seinen größten Schatz. Davon will ich nun berichten. Kükenfarm, wo Hunderte und gar Tausende von Küken aus den Eiern schlüpfen, ereignen sich zuweilen merkwürdige Dinge. Aus Eiern werten manchmal Grotesken geboren gerate fo wie aus Menschen So etwas kommt nicht ost vor; unter tausend Geburten vielleicht einmal. Da kommt, seht ihr, em Küken 6g Welt, das hat vier Deine, zwei Paar FlugelzWei^KoPfew.ertoas nicht noch alles. Diese Wesen leben nicht Sie festen .raßh in die Hand des Schöpfers zurück, die bei ihrer Erschaffung einen Augen blick gezittert hat. Die Tatsache, daß solche armen kleinen Drnger nicht leben können, war eine der tragischen Fügungen tn Vaters SNein. Er war mit ter Vorstellung behaftet: Wenn es ihm nur ein­mal gelange, ein fünfbeiniges Hühnchen bis zur H°E^chaft oder <* zweiköpfiges Hähnchen 6:3 zur Hahnenschaft hochsubrir^en^so t^Le sein Glück gemacht. Sein Traum war. mit solch einem Munter tier auf die Jahrmärkte zu ziehen und sich em Vermögen damit zu verdienen, daß er es vor den anderen Farmersleuten zur Schau

Jedenfalls hob er sich alle die kleinen Mißgeburten auf. die auf unserer Kückenfarm zur Welt gekommen waren Sie wurten in Spiritus gesetzt und jede bekam eine Glasbucyse für sich. 9lLe mit einander hatte er sorgfältig in eine Kiste gepackt und auf unsever Fahrt zur Stadt auf dem Wagensltz neben sich untergebracht. Mit ter einen Hand trieb er die Pferde an. nut der anderen umklammerte er die Kiste. Als wir an unserem Bestimmungsort angelnngt waren, hob er die Kiste sogleich vom Wagen und nahm d" Glaser heraus. Während ter ganzen Zeit, da wir tn Bidwell, Ohio, eine ©aft wirtschaft betrieben, standen die Abnormitäten in Ken kleinen Glasbehältern auf einem Bord hinterm Schanttisch. Mutter legte zuweilen Verwahrung ein. aber wenn es um feine ^Kostbarkeiten ging, war Vater ein Felsen. Die Abnormitäten, erklärte e... Ware wertvoll. Die Leute, sagte er, sähen gern etwas Merkwürdiges und

Wunderbares.

Sagte ich, daß wir in der Stadt Bidwell, Ohio, das Gasttoirts- aewerbe betrieben? Da habe ich wohl ein bißchen aufgeschnitten. Die Stadt liegt am Fuße eines medrigen Hügels und am Äfer eines kleinen Flusses. Die Eisenbahn berührte die Stadt selbst nicht, der Bahnhof lag eine Meile nach Aorben entfernt von ihr an einem Ort, ter Pickleville hieß. Es hatte am Bahnhof eine Apfelweinkelteret und eine Pökelfleischfabrik gegeben, aber beide hatten säwn vor un­serem Einzug ihren Betrieb eingestellt. Morgews und abends fuhren Omnibusse aus einer Straße, die Turner s Pike hiH, vorüber und beförderten die Gäste des Hotels an ter Hauptstraße von Bidwell vom und zum Bahnhof. Der Gedanke, an diesem entlegenenPlatzeeine Gastwirtschaft zu eröffnen, war von Mutter ausgegangen. Mn Jayr lang reteten sie davon, und dann ging sie eines Tages hin uw mietete ein leerstehendes Landhaus gegenüber dem Bahnhof. Oie hatte die Vorstellung, die Gastwirtschaft müsse Nutzenabwersen. Immer, sagte sie, würde es hier herum Reisende geben, die auf die abgehenden Züge warteten, und die Leute aus ter Stadt wurden zum Bahnhof kommen, um auf die ankommenden Züge zu warten. Dann würden sie auch das Gasthaus besuchen, um ein Stuck Kuchen zu elfen und eine Tasse Kaffee zu trinken. Run ich älter bin, weiß uh, daß Mutter von einem anderen Beweggrund geleitet wurde. Oie war ehrgeizig für mich. Ich sollte es zu etwas bringen in ter Welt, sollte in eine Stadtschule gehen und ein Gtadtmensch werden.

In Pickleville arbeiteten Vater und Mutter hart wie sie es immer getan hatten. Zuerst ergab sich die "Notwendigkeit, unsere Be­hausung so herzurichten, daß sie tote ein Gasthaus aussah. Das nahm einen Monat in Anspruch. Vater zimmerte ein Brettergerüst, auf das er Blumentöpfe stellte. Er malte em Schild, auf das er in großen roten Buchstaben seinen Namen schrieb. Sinter seinem Namen stand der scharfe Befehl:

Essen Sie hier!"

- ter fo selten befolgt wurde. Ein Schaukasten tourte gekauft und mit Zigarren und Tabak gefüllt. Mutter scheuerte den Fußboden und

Künstler und Psychoanalyse.

Bon Hermann Hesse.

Seit FreudsPsychoanalyse" über den engsten Kreis der Neroenarzie

(fc mat ,u erwarten daß besonders die Künstler fich rasch mit dieser ZWZWSS zinern und Psychologen vom Fach. -frieden war, ,

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als unbewußtes Wissen zum Teil schon angehorte. ,

In der Anwendung ausl Dichterwerkewi^sur dft

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icklüfsel aber doch eine wertvolle neue Einstellung, , e! n X»1® 5ÄÄ" 'SSSS" ohne weiteres einleuchtet«.

' Wenn es nun aber gemifierma6en jetem na^fiekflt uni) UW 6 wurde, Psychologie zu treiben, so blieb die Verwendbarkeit vief.r . loqie für den Künstler doch recht zweifelhasi. So wemg Wissen zu Geschichtsdichtungen, Botam oder Geologe zur schilderung fähig machten, so wenig kannte die des ' Psychologie der Menschendar,te«ung helfen. Man sah I«, wie A« analytiker selbst überall Vie Dichtung der ttuheren voranalyt sltz

. als Belege, als Quellen und Bestätigungen benutzten. Es war J(f > was die Analyse erkannt und wissenschastlich formuliert hatte,