viel Böses. Voll Schrecken darüber schloß der Tyrann Tankred mit einem nichtswürdigen Vertrag und machte ihm große Geschenke an Geld, Silber, Getreide und Wein, um Sizilien vor weiteren Verheerungen zu bewahren. Dieser Tankred hatte nach dem Tode Wilhelms IL von Sizilien mit Gewalt und List dessen Land an sich gerissen, das von Rechts wegen an den römischen König Heinrich fallen mußte, da dieser mit Konstanze vermählt war.
1191 (Otto von Sankt Blasien). König Heinrich zog mit einem Heer über die Alpen, marschierte in Italien ein und eilte nach Rom, wo er vom Papste Cölestin ruhmvoll empfangen und unter dem Beifall aller Römer mit seiner Gemahlin am heiligen Ostertage gekrönt wurde. Die Gunst der Römer hatte er gewonnen, weil er ihre Habsucht durch außergewöhnlich große Geschenke sättigte und ihnen die Feste Tusoulum überließ. Sie hatte bisher gegen alle Anmaßungen der Römer ein festes Bollwerk des Reiches gebildet; Heinrich fügte dem Reiche durch diese Uebergabe große Schmach zu. Die Römer drangen denn auch sofort in die Festung ein und zerstörten sie von Grund aus, rissen die Türme und Mauern nieder und vernichteten zuletzt alles durch Feuer. Damit rächten sie sich für die Niederlage, die sie an dieser Stelle durch den Mainzer Bischof Christian erlitten hatten.
Nach der Krönung zog der Kaiser mit seiner Gemahlin und einem Heere nach Companien, um sich Apuliens und Siziliens zu bemächtigen, fand aber das ganze Land gegen sich in Aufruhr. (Denn der Tyrann Tankred) leistete mit der Zustimmung der Barone und Städte jener Gegenden dem Kaiser entschiedensten Widerstand, und solange jener am Leben war, konnte sich dieser des Erbes seiner Gemahlin nicht bemächtigen. Der Kaiser belagerte darum das aufständische Neapel und verheerte die ganze Umgebung der Stadt mit Feuer und Schwert.
Da das deutsche Heer von einer schweren Seuche befallen wurde und gegen den Feind nichts mehr ausrichtete, traf der Kaiser die Vorbereitungen zur Heimkehr. Inzwischen wurde die Kaiserin von mehreren apulischen Baronen ausgegriffen und einige Zeit sorgfältig bewacht und in Gefangenschaft gehalten. Der erste Versuch des Kaisers, sich Apuliens zu bemächtigen, war also kläglich und schmählich gescheitert.
Der Kaiser erhob noch vor seiner Rückkehr nach Deutschland beim Papst Klage über die Gefangennahme seiner Gemahlin. Dieser belegte das Land jener Verbrecher voll Empörung über diese Anmaßung mit dem Interdikt und erzwang die Herausgabe der Kaiserin. Auf ihrer Reise nach Deutschland traf sie mit ihrem Gemahl zusammen, der in seiner Erbitterung zu furchtbarer Rache entschlossen mar.
1194 (Jahrbücher von Marbach). Die Ostsachsen, die niederdeutschen Fürsten und die Bischöfe von Mainz und Köln verschworen sich gegen den Kaiser vor dessen zweitem Zug nach Sizilien. Wider aller Erwarten gelang es ihm mit größter Leichtigkeit, über diese Verschwörung die Oberhand zu gewinnen.
In diesem Jahre starben Tankred, der sich Apuliens bemächtigt hatte, und dessen ältester Sohn, der mit Irene, einer Tochter des Kaisers von Konstantinopel verlobt war. Nach der Einnahme von Palermo übergab Kaiser Heinrich diese griechische Prinzessin seinem Bruder Philipp zur Gemahlin.
Im gleichen Jahre empfahl sich der Kaiser allenthalben dem Gebete der Mönche, ordnete an, daß Messen für ihn gelesen und Gebete für ihn verrichtet würden, zog von allenthalben Truppen zusammen und trat am 12. Mai von seiner Burg Trifels aus mit der Kaiserin die Heerfahrt nach Apulien an. Das Pfingstfest feierte er zu Mailand, wo ihn Gesandte Leos von Armenien trafen. Sie baten, den Kaiser Leo in seinem Land^ auf den Dhron zu erhoben, und versprachen dafür, immerdar dem Römischen Reich untertan zu bleiben. Außerdem ersuchten sie den Kaiser um Be- lchnung mit einigen früher nicht bekannten Gebieten in Syrien, die „zum bleiernen Turm" heißen. Der Kaiser erfüllte diese Wünsche.
Hierauf zog das Heer durch die Lombardei und Tuscien, während der Kaiser mit kleinem Gefolge nach Genua und Pisa reiste, nm Galeeren zu beschaffen und für ihre Bemannung mit Ruderern und einer starken Truppenübermacht zu sorgen. Noch im gleichen Jahre nahm er dann (am 17. September) Salerno mit stürmender Hand. (Otto von Sankt Blasien.) Dann wandte sich der Kaiser mit seinem Heere gegen Palermo. Es war bisher die Hauptstadt und Erzsitz von Sizilien sowie die Schatzkammer der Könige dieses Landes gewesen. Nachdem Kaiser Heinrich im Angesichte der Stadt ein Lager geschlagen und seine Vorbereitungen für die Belagerung getroffen hatte, gab er Befehl, in den rings umhegten und von Tieren aller Art ergötzlich bevölkerten riesigen Königspark einzubrechen; die wilden Tiere mürben dann für die mannigfachen Bedürfnisse des Heeres verwendet.
Voll Angst vor dem Zorn des Kaisers bot jetzt die Bürgerschaft sonder Zaudern ohne jeden Kampf die vollständige Unterwerfung an und bat demütig um die Frisdensbedingrmgen. Der Kaiser erklärte sich damit zufrieden, nahm die Uebergabe der Stadt huldvoll entgegen, ließ aus all ihren Türmen die kaiserliche Flagge hissen und bestimmte einen Tag für den feierlichen Einzug, bei dem die Bürger einen wahrhaft kaiserlichen Pomp zu entfalten hatten. Der Kaiser ließ darauf sein Heer, das reiche Beute gewonnen hatte und im Genüsse der köstlichsten Dinge schwelgte, sich der sicheren Ruhe hingeben irrtb sorgte durch ritterliche Kamps- und prunkvolle Schauspiele aller Art für ergötzliche Unterhaltung seiner Truppen.
Die Bürger bereiteten nun mit großem Auswand und Eifer einen Triumphzug für den Kaiser vor. Sie schmückten die ganze Stadt und insbesondere die Straßenkreuzungen mit verschiedenen kostbaren Teppichen, und die Straßen in und außerhalb der Stadt dufteten von Weihrauch, Myrrhe und sonstigen wohlriechenden Spezereien. Der Kaiser hielt sich mit seinem Heere außerhalb der Stadt auf (und hatte im Lustschloß La Favara Wohnung genommen). Die Bürger gingen ihm dorthin, nach Rang, Würde und Alter geordnet, in gesonderten Abteilungen entgegen; die Edelleute, Greise, die Männer in den besten Jahren, dann die bartlosen Jünglinge und Knaben, und zwar alle in festlicher Gewandung, die
Pferde prächtig herausgeputzt, und unter dem Klange von Musikinstru. menten aller Art, auf denen die einzelnen Künstler, so gut sie es nur )>er. mochten, spielten.
Mit nicht geringerem (Eifer hatte der Kaiser sein Heec für dieses Fest vorbereitet. Es war strengste Disziplin vorgeschrieben und jede teutonische Unbändigkeit unter Strafe des Handabhackens verboten. Da zeigte der Kaiser sein im Glanze aller Waffen strahlendes Heer, das im langen Zuge von Zweierreihen Schritt für Schritt zur Stadt marschierte. Der Kaiser folgte mit den Fürsten in kaiserlichem Prunk und Gewände. Als er die Stadt betrat, scholl ihm von allen lauter Jubelruf entgegen, und nach der Sitte jenes Landes warf sich das Volk auf den Straßen bei feinem Anblick zur Erde nieder. Nachdem er aus diese Weise in der König sburg aufgenommen war, gab er sich der Ruhe hin.
Die Bürger ehrten ihn auch mit vielen Geschenken: mit den; beste« Pferden, goldgeschmückten Sätteln, Zaumzeug und den verschiedensteil Gegenständen aus Gold, Silber und Seide. All das überließ der Kaiser mit freigebiger Hand dem Heere, indem er zuerst die Fürsten königlich beschenkte, dann die Ritter nach Maßgabe ihrer Verdienste bedachte und sie so auf alle Weise an seine Person fesselte.
In den königlichen Schatzkammern fand man unermeßliche Menge» von Gold und Silber, mit denen der Kaiser den Staatsschatz zu Trifels in ausgiebigster Weife auffüllte und auch andere kaiserliche Schatzkammern bereicherte. Denn er schaffte sich die Reichtümer Apuliens, Kalabriens und Siziliens, wo sich Metalle in Menge finden, in fein Vaterland . . .
Der Kaiser regelte die Reichsangelegenheiten in jenen Gegenden nach feinem Willen: er gab den einzelnen Distrikten Richter, den Städten ; Rechte, für die Aemter der Podestä Gesetze. Sein Heer durchfuhr auf i wohlgerüsteten Schiffen und stark bewaffneten Galeeren die Seee, er , machte sich die Inseln bes Meeres. zinspflichtig und schob des Reiche« Grenzen weit hinaus.
1195 (Jahrbücher von Marbach). Nachdem sich der Kaiser ganz Apulien, Sizilien und Calabrien ohne jeden Verlust glücklich unterworfen hatte (kehrte er nach Deutschland zurück). Er brachte eine große Menge Gold, Silber und Seidenstoffe mit, ferner als Gefangene die Gemahlin > Tankreds, dessen Sohn und seine drei Schwestern. Auch der Bischof von i Salerno und zehn große jenes Landes, unter denen der vornehme Ad > miral Margarita die Grafen an Macht und Reichtum übertraf, waren in feinem Gefolge; der Kaiser ließ sie alle in verschiedenen Orten Deutschlands streng bewachen.
1197 (Jahrbücher von Marbach). Während sich der Kaiser in Sizilien aufhielt, verschworen sich alle Städte und Burgen in Apulien und Sizilien gegen ihn. Es heißt, die Kaiserin, die sich mit ihrem Gemahl verfeindet hatte, habe diese Verschwörung angezettelt, um die auch die Lombarden, Römer und selbst Papst Cölestin, wenn man diesen Gerüchten Glauben schenken darf, gewußt haben sollen. Der Papst riet auch einigen Deutschen, die eben bei ihm weilten und zum Kaiser reifen wollten, davon ab, sich zu diesem zu begeben.
Die Verschworenen hatten bereits heimlich einen König erkoren und sehr viele Bewaffnete, an die breißigtausend Mann, zusammengezogen; sie wollten den Kaiser, der eben in einem Walde jagte, mit all den Seinen ermorden. Sie hätten dies auch ausgeführt, doch wurde der Kaiser von ; jemand, der um die Verschwörung wußte, gewarnt und konnte nach ; Messina, wo fein Truchseß Mark ward von Anweiler war, entfliehen, j Dieser bot mit dem Marschall Heinrich von Salben einige von den eigenen Leuten sowie angeworbene Fremde aus. Es kam zu einem Handgemenge, bei denen die Mannen des Kaisers fast alle Feinde nieder« machten und den Gegenkönig mit einigen Helfern der Verschworenen lebend gefangen nahmen. Der Kaiser bestrafte sie alle grausam. Den Gegenkönig lieh er vor den Augen seiner Gemahlin, der Kaiserin, eine Krone mit eisernen Nägeln aufs Haupt schlagen, andere verbrennen und einige ins Meer werfen. Dadurch machte er sich bei den Bewohnern jene« Landes, aber auch bei andern, die davon hörten, äußerst verhaßt.
Im August vergnügte er sich bann wieder am Weidwerk. In den Wäldern, in denen er jagte, waren eiskalte Quellen, bei Tage herrschte größte Hitze, während nächtens solche Kälte einfiel, daß der Boden wie im Winter gefror. Da zog er sich um das Fest des heiligen Sixtus (6. August) eine Erkältung zu und begann zu kränkeln. Er ließ sich nun nach dem zwei Tagereisen entfernten Messina schaffen, wo er an der Ruhr litt. Um das Fest des heiligen Michael war eine Besserung eingetreten, und er beschloß, nach Palermo zu reifen. Der Hof war bereits mit dem ganzen Gepäck über die Meerenge gefahren, da trat ein Rückfall ein, und bet Kaiser verließ einen Tag nach dem Michaelisfest nach guter Beichte und i zerknirschten Herzens diese vergängliche Welt. Der ganze Erdkreis ward i durch des Kaisers Tod in Verwirrung gestürzt, viele Kriege und Uebel i erhoben sich, die lange Zeit währten.
(Königschronik von Köln.) Zu jener Zeit erschien einigen Personen, die sich an der Mosel ergingen, ein riesiges Gespenst in Menschengestaü auf einem Rappen. Als die Leute erschraken, ritt es näher an sie heran und redete ihnen zu, sich nicht zu fürchten. Es nannte sich Dietrich, weiland König von Bern, und sagte, viel Unglück und Elend werde in Bälde über das ganze Römische Reich kommen. Nachdem es noch verschiedenes mit jenen Menschen gesprochen, ritt es auf feinem Rappen über die Mosel und verschwand vor ihren Augen.
Ein falsches Gerücht, das sich plötzlich über den Tod des Kaisers verbreitete, gab schlechten Menschen allerorts Mut, wie reißende Wölfe in die Schafställe ohne Hirten einzubrechen. Wen sie zu überwältigen vermochten, dem ließen sie nichts übrig, bis sie durch die Nachricht, der Saiper lebe noch, von ihrem Wüten abgeschreckt wurden. Aber bato darauf sollte das Gerücht doch zur Wahrheit werden, der Kaiser starb nämlich kurz darauf . . . Ganz Apulien, Calabrien und Sizilien schüttelten die Hern schäft der Kaiserlichen ab, unterwarfen sich jedoch feiner Gemahlin um seinem Sohn und leisteten diesen den Treueid. In Deutschland brachen bis dahin unerhörte Zwistigkeiten um die Herrschaft über das Reich aus.
Verantwortlich i.V.: vr. Fr. W. Lange.—Druck und Verlag: BrühlZcheAniverfitäts-Duch- und Steindruckerei.R.Lange,Gießen.


