&e® Nordens, die nach Süden drängte, erster Europäer ohne Nassen- Vorurteile: den Kranz verspäteter Enkel auf die Porphhrstufen deines Grabes,
Ich trete in die Sonne hinaus, es ist zwölf, die Jungen balgen sich, Der Marmvrsitz an der Böschung ist Warin vom Mittag, Durchwärmter Marmor: das war ein Wunsch aus Friedrichs Seele.
Das ist eilt Gleichnis Siziliens.
Der ideale Raum.
Bon den Normannen ist hier nur gewiß, daß sie die Finattziers dieser fabelhaften Unternehmungen waren, Kapitalisten oder Seeräuber, die den Fundus uralter Kultur in Notation brachten, damit Wunder daraus entsprangen. Wo mag der edle Admiral, der die „Marmorata" baute, das Geld zu dieser Kirche gefunden haben? Jedenfalls hat sein Baumeister die Quadratur des Kreises vollbracht, indem er die Kuppel auf Las Quadrat der vier Spitzbogen setzte und die Seiten zwischen den Bogen mit herrlich undefinierbaren Nischen verwischte.
Roger aber, der Zweite, der seinen Bruder umbrachte, wie so viele Könige nach Kain, dieser Normannensohn, der die Insel von den Sarazenen „befreite", wie Viktor Emanuel die Bozener Bauern, oder Wilhelm II. die Polen, Roger also, dessen Kriege niemand mehr interessieren, kommt auf die Nachwelt durch eine Kapelle und durch ein Zimmer: dafür wird man ihm sogar sein Heldentum verzeihen.
Eine Art Turm ist das Mittelstück jenes weitläufigen Schlosses, bas sich links als Renaissancepalast, rechts als Barockraum entwickelt. Durch die bekannte Flucht von Zimmern mutz man sich zuerst fressen. Dabei seufzt der königliche Diener, weil das Schloß nicht mehr königlich ist und er nicht Weitz, wer ihn morgen bezahlt: denn der König Hat ein paar Schlösser „seinem Volke" geschenkt.
Rogers Zimmer endlich oben im Turm, nicht grotz, doch hoch, tst der vollkommene Wohnraum des Südens: Marmor und Gold- mofaik, doch ohne hieratische Note, ganz weltlich, Heiterkeit und Eleganz strahlend. Da Heilige in diesen Lust- und Luftraum nicht passen und Zeremonialien noch minder, fielen jenen befreiten Arabern, die dem Eroberer die Laune schmücken mußten, ihre persischen Gedichtbücher ein, und Leoparden und Pfauen, Schwäne und Zentauren, Fontänen und Sterne, gestutzte Rosenbüsche wie in Schiras zauberten ihre geduldigen Morgenländerfinder an diese Wände, und wie sich der mäßige Raum in diesen Bildern erhebt, eine tiefe Fensternische sich ausbiegt, ein paar eingebaute Gestühl« sich reihen, eine leichte Kuppel, klein, sich wölbt, alles von weißem, gelbem, rotem Marmor: so erneuert man im Geiste bas ganze Rogerschlvtz, von dem nichts mehr sieht als der Turm und vom Turm nichts als das. Zimmer in seiner Marmorschöne, kühl und heiter, vollendet. So muß der Nordländer im Süden leben, wenn er sein« heimatliche Kargheit, sein« Kühle mit Stolz in die eroberte Welt eines heißeren Genusses tragen will.
Wundervoll, wenn man in lächerlichen Schlotzpantoffeln diesen Raum und die parkettierten Spaniersäle durchschlürfen muh und der Kammerdiener mit der schlüpfrigen Ehrfurcht alter Kastellane das moderne Köirigsehebett herzeigt, „ci-devant Genius der Zeit".
Quer durch die Insel.
Roch immer Hausen die alten Götter auf dieser Insel; sie allein vermag dem Fremden, der Griechenland nicht kennt, ein Stück davon zu spenden. Demeter vor allem breitet den Segen über diese weiten Täler, die den Teppich des Reichtums von den Derggürteln der nördlichen Küste bis zu den Küsten des Südens niederrollen. Im Norden, wo die Flut geringer, das Meer geschlossener, wachsen die Reben bis zwei Meter izahe der Brandung; buchstäblich aus dem weihen Dünensand« ragen die Stöcke und bringen dennoch Trauben. Beweis« schließen sich Gemüsebeete an, Tomaten mehr als Hand-
(im Februar). Salat und Lauch zwischen den Reben, meter- schön die Fava, die Dohne, lila blühend; und alles, was sich meilenfern daran schließt, breit, gelagert wie Abundantia, und über sie strebt, das sind Weizenfelder. Pflaumen tragen schon Blätter, Pfirsiche grüne Früchte. Mandeln, Birnen überblühen den Weizen, und dazwischen strecken sich immergrün die pathetischen Gärten der gelben Limone und immergrau die romantischen Wälder der Olive, die mit SWerfingern aus uralten Bäumen in die Bläue weist.
Wo wohnen die Menschen, all diese Arbeit zu tun? Einzelne stehen auf den Feldern neben gesunden Eseln und Maultieren, fast unsichtbar bleiben die seltenen Gehöfte: zuweilen glaubt man durch Anatolien zu fahren, bei Tarsus, wo es fruchtbar ist; Dörfer und Städtchen, baumlos, die weihen Häuser mit verschlossenen Fronten, wie in Tunis, zeigen ihr Innenleben nicht. Auf den weißen Strahen reiten manchmal Männer, selten Frauen, rittlings auf ihren Eseln in die Stadt, den Frauenschal wie einen Burnus umgeschlagen, auf dem Kopf« di« spanische schwarzgestrickt« Zipfelmütze, auf Sätzen sitzend, rauchend, stumm.
Blühend strömt ein rosa Mandelgarten dahin, mit weißen Mar- gueritenfeldern unterbaut, Orangen stehen abgeerntet und fangen wieder an zu blühen, Limonen aber hängen noch, wahrhaft hesperi- difch, wie auf den Fresken von Marees. Rur die Feigen stechen nackt wie graue Gespenster in dies farbige Wachstum und scheinen neben den Platten leblosen Blättern der Kakteen eine Mahnung an di« Nähe der Tropen.
Weiter ins Land hinein gegen höhere Hügelketten zu herrscht nur noch das gelbe Korn, aus dem, wie gestürzte Gigantentwürse, graugelbe Felsblöcke ragen, von den waldlosen Gipfeln gefallen. Kleine Flüsse haben sich ihr Bett ins Tal geschnitten, und von den Bergen senken sich graue Schluchten: dort wohnten Kentauren, und am Abend kamen sie zur Furt herab, zur Tränke. Heute laufen weihe Ziegen durch den Dach, dem Hunde nach, zu dornumhegten Hürden, andere Hunde laufen ihnen entgegen; die rote Anrphora auf dem Kopfe, steigt ein Mädchen herab, um zu schöpfen, Steine Wirst der
Hirtenjungen aus dem Wollcape nach den Zicklein, die sich ver» stiegen, und ein Alter schließt das Bild auf grauem, zartbeinigem Esel.
Lleberall leuchten die Blumen der Persephone, blaue Anemonen und gelbe Dergnarzissen. Appolons schöngehörnt« Rinderherden, schwarzbraun behaart, großäugig und statuenhaft, schauen dem lang* Tarnen Zuge nach, und der Hirt, auf den antiken Stock gestützt, zeigt keine Sehnsucht im Blick, als er das moderne Fahrzeug der Küste zufauchen sieht. Doch auch Hephaistos lebt noch hinter den grauen Wänden und schickt den gelben Schwefel, den er einst in seiner Este siedet«, in die Eisenhäfen der neuen Dielt.
Städte liegen zuweilen auf den Spitzen der Hügel, flach und grau gestuft, mittelalterlich steinern, mißtrauisch, dumpf blickend. Wer wohnt dort? Harte Geschlechter erdenkt sich der Smn für sie, di« vielleicht den Segen der Götter nicht achten.
Da blaut es wieder wie Poseidons Welt: plötzlich hat sich aufs neue das Meer, das wir am Morgen verlassen, geheimnisvoll am Abend an jener anderen Küste aufgetan, wieder fühlt man die Insel. Wie Schwäne, die gegen den Wind ihre Flügel öffnen, liegen weihe Segler darauf, und man Weitz, die sind in Akragas zu Hause, der Stadt des Empedokles-Agrigententum, das einst stolze — und der erste Blick in den Abendhimmel läßt die Silhouette dessen erkennen, was blieb von Girgenti.
Sie ist «in Garten, diese Insel der Gärten, und aus steinumhegten Gehöften dringt das Lied der Mädchen auf, die jäten und trockenes Holz sammeln: „La gioia d'amore" — doch wie ich vorüberkomme sehe ich, sie sind kaum zwölf. Don überall taucht in diesen stillen heißen Lavaseldern das Lied empor aus den barocken Kaktushecken, aus dem süßlichen Geruch der Luzerne, hinter den Schnörkeln spanischer Hofgitter. Aus Sarazenenfenstern dringt es, in deren bröckelnde Schlotzwand Bauern ihre Hütten bauten, aus verschlossen dunkeln Rischen spanischer Kapellen auf römischem Grunde — doch da liegt plötzlich auf mäßigem Hügel, ein gutes Stück unter uns, goldgelb im Abendlichte — der Tempel.
Rascher fällt das Dunkel in diese Breiten, ich sterge hinaufm die engen Strahen mit ihren schwindligen Kvrsostufen, mit den hohen Terrassen, schrägen Treppen, Kirchen und Palästen, etne andere Welt, nicht die meine. Nur noch ein rotlila Wühlen ist über dem Meere zu scheu, daraus erhebt sich ein Schatten, em Fels: Pantellaria, die Insel. Dann ein Streisen, schwach verdämmerns, doch wirklich:
Das ist Aftika.
Heinrich VI. und die Eroberung Siziliens.
Die Persönlichkeit Heinrichs IV. ist in der Geschichtsschreibung von jeher lebhaft umstritten gewesen. Friedrich Barbarossas, des großen Staufenkaisers, Sohn war schon seinen Zeitgenossen in mancher Beziehung ein unheimlicher, schwer greifbarer Charakter, seine Politik eine Streitfrage bis in unsere Tage. Am treffendsten hat ihn vielleicht Karl H a m p e, der beste moderne Kenner der Staufengefchichte, charakterisiert, wenn er schreibt: „Seltsam hebt sich die Persönlichkeit Heinrichs IV. ab von der des Vaters, neben dem jugendfrischen Greis der frühgereiste Jüngling, neben den, Helden die Charakterfigur! Von Friedrich zeitig in die große Politik eingeführt und selbständig mit wichtigen Aufgaben betraut, zum Mitreqenten erhoben und zuletzt als Vertreter im Abendlande zuruckgelassen, tritt er uns jetzt mit seinen 25 Jahren als ein völlig Fertiger entgegen. Der magere, schwächliche Körper, das bleiche, ernste, fast ban- lose Antlitz, das ganz von der mächtigen Stirn beherrscht wird, verrät die Gedankenarbeit des Staatsmannes, nicht die Faustkraft des Kriegers. In der Tat ist von dem reicheren^harmonischen Wesen des Vaters hier nur eine Seite in großartiger Steigerung auf Kosten aller anderen Eigenschaften entwickelt: der Sinn für Macht und die Kunst staatsmanni- schen Handelns. Wenn die kurze Regierungszeit einen vollgültigen Schluß gestattet, ist die Fähigkeit, die politischen Gelegenheiten beim Schopf zu fassen, die Mittel haarscharf abzumessen, die größten Wirkungen mit dem geringsten Einsatz zu erreichen, aber die letzten Ziele nur um so weiter zu stecken, vielleicht niemals einem mittelalterlichen deutschen Herrscher in solchen Grade zu eigen gewesen, wie Heinrich VI., der auch die in gewisser Hinsicht wesensverwandte, aber kleinere und unedlere Natur Heinrichs V. weit hinter sich läßt. Ein glühender Ehrgeiz, „das Reick, noch größer und mächtiger als unter seinen Vorgängern zu gestalten, trieb ihn vorwärts, verscheuchte ihm Ruhe und Genuß, machte ihn un- liebenswürdig, streng und, soweit es seinen Zwecken frommte, auch rücksichtslos, grausam, für Gefühlswerte unzugänglich. Ohne den ritterlichen Sinn, das gerechte Maßhalten und die sittlich« Gröhe des Vaters, von keinem ebenbürtigen Gegner in Schranken gewiesen, umspannte sein Herrschergeist immer weitere Kreise der Weltpolitik, bis ihn ein früher Tod aus der Bahn feiner Erfolge riß." Die hier aufgezeigten widerspruchsvollen Züge treten uns auch schon in den zeitgenössischen Quellen entgegen, besonders wo sie sich mit der Eroberung Siziliens befassen und Heinrichs Politik zur Erhaltung seines normannischen Erbes streifen. Wir stellen hier einige dieser Quellen nach dem ausgezeichneten Werk Johannes Bühlers „Die Hohenstaufen" (Insel-Verlag zu Leipzig) zusammen. Sie bilden in dieser Form eine wertvolle Ergänzung zu dem Bild, das in dieser gleichen Nummer Albert H. Rausch von der Kaiserin Konstanze, Heinrichs Gemahlin, und ihrem tragischen Geschick gibt.
1190 (Jahrbücher von Marbach). König Philipp II. von Frankreich, König Richard von England und der Graf von Flandern brachen in diesem Jahr auf, um über das Meer zu fahren. König Heinrich gab ihnen die Erlaubnis, durch feine sämtlichen Länder im Frieden und mit sicherem Geleite zu ziehen, wofür sie oerfpradjen, in seinem Gebiete nirgends Schaden anzuruichten. Der König von England ließ durch seine Fürsten noch ganz besonders beschwören, er werde dem deutschen König nirgendwo zur Last fallen. Doch das war eine Lüge. Denn als der Engländer nach Messina kam, nahm er die Stadt mit Gewalt und tat den Bürgern


