Ausgabe 
17.12.1927
 
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Solling noch häufig versichern, daß in der Christnacht der Hopfen wachse, , und aus der lifuieburger Heide verzeichnet Prof. ®r. Kuck in seinem volkskundlichen WerkeDas alte Bauernleben" die Sitte, daß man nach dem Christelen unter den Tisch nach Körnern leuchtet, wie die Drescher sie in die Stube treten.Je mehr man von einer Getreideart findet, desto besser gedeiht sie "

Als das Christentum den Kampf mit dem heidnischen Wesen aufnahm, suchte man das Heidnische dadurch zu verdrängen, daß ihm christliche Mäntelchen umgehängt und sogar Heilige an die Stelle der Götterge­stalten gesetzt wurden. Aus diesem kirchlichen Eifer ist u. a. St. Nikolaus entstanden, der, auf einem Schimmel reitend, an seinem Namenstage, dem 6. Dezember, als Vorbote des Christkindleins seinen Umzug hält und den braven Kindern Zuckerwerk in die ausgestellten Schuhe steckt!

Diese Gestalt hat im Volksgernüte Wurzel gefaßt und kann somit als eine gelungene Einführung gelten. Nach der Reformation trat an ihre Stelle, vornehmlich in Nvrddeutschland, Knecht Rupprecht mit dem Sack voll Aepfel und Nüsse und der Ricke in der Hand, jene für die folg- stamen, diese für die unartigen Kinder.

Aber die Christianisierungsversuche vermochten doch nur ausnahms­weise bis in d«s Gemüt des Volkes durchzudringen. Immer wieder trat das ursprüngliche heidnische Wesen zutage. Weshalb seitens der Kirche und der weltlichen Obrigkeit schon im frühen Mittelalter heftig gegen die Vermummungen und Maskierungen geeifert wurde. Völlig vergeblich. Die heidnischen Geister waren so fest im Dolksgemüt verwurzelt, daß sie sich trotz der Jahrhunderte anhaltenden Bekämpfung von oben in den breiten Schichten des Voltes allzeit, selbst bis in unsere Tage fröhlich am Leben erhalten haben. Und das ist wahrlich kein Unglück. Es sei nur erinnert an denKlapverbock" in Pommern, an denSchimmelreiter" in Nord und Süd, an denPelzmärtel" und viel andere Gestalten dieser Art. Ja, in Mecklenburg trat der Vorbote des Christkindes im letzten Jahrhundert sogar noch unter dem NamenWode" auf, der also unmittelbar an den alten Göttervater Wodan anklingt.

Auch mancherlei Weihnachtsspuk, wie man ihn im Oberdeutschland während der Klöpflins- oder Bosfelnächte treibt, gehört hierher: Junge Leute tun sich mit einer vermummten Gestalt zusammen, sind auch wohl selbst vermummt, lärmen durch die Straßen, klopfen mit Ruten oder Hämmern an die Türen und bewerfen die Fenster mit Linsen oder Erbsen. Aus meiner Jugendzeit erinnere ich mich, daß in meiner süd- hannoverschen Dorsheimat an einem Christabend gegen zwanzig Burschen masliert mit demile Käst" (heilge Christ) von Haus zu Haus zogen, uns Kinder in Angst und Schrecken setzten, uns auch manchmal hart zu Leibe gingen.

Wie iiek-t nun das Weihnachtsfest zu der altgermamschen «onnen- wendfeier? Es ist nickt einfach als Fortsetzung jener zu denken, rote manche möchten, sondern erst mehrere Jahrhunderte nach Christi Geburt in die Zeit der dunsten Näckcke verlegt worden. Wie wir wissen, wurde der Tag der Geburt Christi in den ersten Jahrhunderten der christlichen Zeitrech­nung verschieden gefeiert und erst im Jahre 354 nach den gottesdienst­lichen Vorschriften des römischen Bischofs Liberins auf den 25. Dezember festgelegt.

Ob nun seitens der Kirche die Absicht vorlag, sich den dunklen Tagen der heidnischen Zeit anzupaffen, um sie mit der Macht des Cl)ristentums zu überwinden und die Menschheit von der Finsternis zum Licht, zum Lickt der Strebe zu führen? Man kann es wohl annehmen.

Ohne Zweifel hat die Kirche für ihre hohen Tage aus dem Inventar des ursprünglichen Volkstums, wenn auch ungewollt, viel gewonnen, denn die alten heidnischen Vorstellungen, Sitten und Bräuche passen sich den großen Festen so an und wirken sich in ihnen so aus, daß sie ganz .. ungemein zu ihrer Wurzelfestigkeit, Volkstümlichkeit und poesivollen Aus­gestaltung beitrugen und noch beitragen. Was wären, möchte ich ge­radezu fragen, die großen kirchlichen Höhepunkte, was wäre insbesondere das Weihnachtsfest ohne diese Fülle der Volksüberlieferungen! Sie um- fätoten 46 wte jnit einem bunten Kranze und helfen, zumal in der Verschmelzung mit dem Gedanken an die Geburt Christi, jenen wunder­samen Zauber schaffen, den das Weihnachtsfest selbstinunferm nüchternen Zeitalter noch immerdar in die Jugend- und Volksgemüter ausffrti)».

giatorferäfie im MsiMs des Menschen.

Kohle, Erdöl, Cuff, Sonne.

Von Professor Dr. Adolf Mareuse, Berlin.

Die Technik begann mit der Erfindung von Werkzeugen, für die unsere Gliedmaßen als natürliche Modelle dienten. Franklin, der Erfinder des Blitzableiters, definierte deshalb den Menschen alsWerkzeuge schaf­fendes Wesen". Goethe prägte das bezeichnende Wort:Ein Mann, der recht zu wirken denkt, muß auf das beste Werkzeug halten." Und Kant hielt treffend dieHand für das äußere Gehirn des Menschen". Auch die Sprache ist ein unkörperliches Werkzeug, das sich aus den einzelnen Lauten sammensetzt, wie die Schrift aus den Buchstaben des Alphabets.

Das Wesen der Technik besteht also in der Herstellung von Werk­zeugen. In der Urzeit begannen sie mit dem einfachsten Steinbeil, und sie verooitrommneten sich allmählich bis zur genauesten Arbeitsmaschine.

Wie in der Natur alle Vorgänge einfach und wahr sind, so müssen auch sämtliche gute technische Lösungen in erster Linie durch einfache Wahrheit sich auszeichnen. Zugleich sollen sie Starkes leisten, da alte Ma­schinen Verstärkungen unserer schwachen Körperkräste, sämtliche Instru­mente Erweiterungen unserer begrenzten Sinne und die Werkzeuge Er­weiterungen unserer Gliedmaßen bedeuten. Ferner müssen die brauch­baren Schöpfungen deck Technik zweckmäßig fein, und schließlich sollen die guten Erfindungen dem Menschen auch Freiheit verschaffen und ihn die Nat 'rerscheinunaen bewältigen lassen.

Diese Freiheit der technisch fortgeschrittenen Kulturmenschen kommt auf zwei Gebieten ganz besonders zum Ausdruck. Einmal in der 23au«

kechnik, die fast alle Unbilden der Natur bezwingt. Dann aber vor allem bei den hochentwickelten Transportmitteln, die den Men­schen über alle (Entfernungen im Bereiche der festen, flüssigen und luft- förmigen Hülle der Erde hinwegführen.

Große und erfolgreiche Erfinder sind zugleich Werte-Schöpser und da­mit auch Wohltäter der Menschheit. Gelingt es, wofür bereits die ersten Anfänge vorliegen, aus Holz brauchbare Nahrungsmittel herzustelten, so brauchte die Menschheit nicht mehr unter Hunger und Wucher zu leiden. Glückt es, die in der Kohle schlummernde Energie voll auszunutzen, so wäre das auch in sozialer Hinsicht eine der größten Errungenschaften. Würde die Sonnenwärme, die in der Natur so Gewaltiges leistet, auch technisch in allen sonnenstarken Ländern der Erde zum Ersatz und zur - Streckung von Kohle und Deien mit Erfolg verwendet, so könnte ein goldenes Zeitalter heranbrechen.

So wird zweifellos die wertvollste Weltverbesserung durch die Technik kommen, wenn es gelingt, neue und ungeahnte Energiequellen so zu er­schließen, daß die Menschheit aus Hunger, Frost und Zwangsarbeit ooll- ! kommen erlöst wird.

s Bisher allerdings konnte die Technik vor allem nur durch Ausnutzung j der irdischen Brennstoffe ihren Aufschwung nehmen und ihre Triumphe feiern. Die wichtigsten Brennmaterialien der (Erbe, Kohle und Dele, sind unmittelbar Endergebnisse der Erhitzung und Verwesung pflanz­licher und tierischer Stoffe unter Luftabschluß und Druck. Mittelbar aller­dings bedeuten sie anfgespeicherte Sonnenenergie, ohne die weder bas Entstehen noch das Verbrennen und Verwesen jener vegetabilischen und animalischen Substanzen erfolgt wäre.

Betrachten wir zunächst die Kohle, deren älteste und wertvollste i Art, die Steinkohle, von pflanzlichen Organismen abstammt und bet , Steinkohlenperiode unseres Planeten angehört.

Während Steinkohle mit 82 v. H. Kohlenstoff durchschnittlich 7000 : Wärmeeinheiten pro Kilogramm besitzt, hat die viel später entstandene Braunkohle mit .69 v. H. Kohlenstoff nur etwa 5000 Wärmeeinheiten pro Kilogramm. In der Tertiärformation der Erde brannten riesige Wälder von Nadelhölzern, versanken, verkohlten unter Luftabschluß und bildeten, auch unter Druck, im Lause von Jahrmillionen die Braunkohlenlager. Diese liegen zumeist dicht unter der Erdoberfläche und lasten sich, im Gegensatz zu der in tiefsten Schichten mühsam zu gewinnenden Stein­kohle, im bequemeren Tagbau fördern.

Neben der Kohle liefern die Erdöle den wichtigsten Brennstoff für di» Technik. Sie sind zumeist aus der Verwesung tierischer Organismen, be­sonders der Meeresfauna, unter Druck entstanden. Erdöle find verbreitet und werden aus Bohrlöchern von 20 bis 100 Meter Tiefe gewonnen. Sie sind sehr reich an Kohlenstoffen und übertreffen an Heizwert erheblich die Kohle, da jedes Kilogramm Erdöl gegen 10000 Wärmeeinheiten lie­fern kann.

So reich aber die Erde an den für die Technik äußerst wichtige» , Brennstoffen gegenwärtig noch sein mag, so muß doch damit gerechnet i werden, daß sie, die letzten Endes auch nur aufgespeicherte Sonnenenergie . darstellen, in absehbarer Zelt sich erschöpfen.

Es ist daher dringend geboten, die dem Schoße der Erde entnom­menen Brennstoffe durch die auf der Erdoberfläche verfügbaren Statur« ; träfte nach Möglichkeit zu ersetzen ober zu strecken. Diese Kräfte sind sämtlich kosmischen Ursprungs und rühren fast ausschließlich von der Sonne her, dem Urquell alles irdischen Lebens. Der Technik stehen in ! erster Linie die folgenden Naturkräfte zur Verfügung: Waster, Wind, ; (Ebbe und Flut, Luftelektrizität und vor allen Dingen die Sonnenwärme.

Schon jetzt leisten die Wasserkräfte gewaltige Dienste, wie u. a. Bayern, Schweden, Nordamerika und besonders die Schweiz zeigen, wo der aus Wasserkraft gewonnene elektrische Strom bereits einen großen Teil der Eisenbahnlinien betreibt. Aber diese wertvolle Ausnutzung der Wasserkräfte, so zweckmäßig und notwendig ihr weiterer Ausbau auch ist, : kann immer nur einen verhältnismäßig kleinen Teil der für die Technik erforderlichen und stets sich steigernden Kräfte liefern.

Auch die an sich so nützliche Verwendung der W i n b f r ä f t e reicht längft picht aus, um irgendwie den irdischen Bedarf an Kraft zu decken selbst dann tnchk, wenn durch Verbesserungen im Bau der Windmotoren die Kräfte jener Luftbewegung viel mehr «och ausgenutzt werden.

Die Meeresgezeiten, bei denen Ebbe und Flut heS Seswaffsrß ausgenutzt werden kann, ergaben bisher, trotz vielfacher Versuche, noch immer keine, im rationellen Verhältnis zu den dafür nötigen großen Kraftanlagen stehende (Energie.

Die 8 u f t e l e 11 r i 511 ä t, deren technische Ausnutzung auch schon versucht wurde, weist bisher noch sehr erhebliche Schwierigkeiten auf. Ans riesigen Oberflächen ließen sich zwar große Spannungen in kürzesten Zeit- räumen erzielen, aber immer nur verhältnismäßig kleine Strommengen. : So bietet sich denn in erster Linie ein Ersatz und zur Streckung der

erschöpfbaren Kohlen- und Oetoorräte unserer Erde die in unendlicher Fülle vorhandene kosmische Kraft der Sonne dar, deren Wärmestrahlen eine ungeheure Energiefülle besitzen. Dies gilt ganz besonders für alle sonnenstarken Länder der Erde, deren Zahl und Ausdehnung viel größer ist, als man gewöhnlich anzunehmen pflegt. Man denke an Südungarn, Süditalien, Südfrankreich und Griechenland, ferner an sehr große Teile von Nord- und Südamerika, an Mexiko, an die Türkei, Palästina, Klein­asien, Indien, Afrika, Australien, Zeylon, Neuseeland, Südjapan und i China. Von den vielen Vorteilen, die eine rationelle Ausnutzung der i Sonnenwärme bietet, fei hier schließlich noch die folgende erwähnt. In : vielen tropischen und subtropischen Gebieten, wo Rohstoffe in Fülle, aber Kohlen und Oele fast gar nicht vorhanden sind, würde die technische Aus- i Nutzung der dort besonders reichlichen Sonnentraft ganz neue ^nduftri^ ! zweige schaffen können. Cs kommt jetzt eben nur darauf an, wirklich leistungsfähige und rentable Sonnenkraftmaschinen zu konstruieren, eine ! große Aufgabe, die gegenwärtig in der Lösung befindlich ist.__

Verantwortlich: Dr. HanS Thyrivt. Druck und Berlag:Vrühl'fche Dniversitäts-Duch- und Steindruckerei, 2t. Lange, Vietze«.