Ausgabe 
17.12.1927
 
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haften.

(Fortsetzung folgt.)

stopfen?" fiel er ftahlaunig ein. Er nahm bn denn heut' ab, Hannchen? Gehört bas

geschickt."

Um mir den Mund zuWi

seine Büchse.Warum trägst

auch zur Festvorbereitung?" . , _ . , .

Ja, für die Marianne; sie Hai gebeten, den Abend im Dars« bet hren Eltern verbringen zu dürfen, und kommt morgen früh zuruck.

Die junge Fran ging mit ihren Geräten in die Ruche hinaus. Er

9hm ivar heut« feit drei Tagen der Mntersomtenwendtag vorüber und mich der 24. Dezember schon ziemlich über die Mitte seiner kurzen Lichtspendung vorgerückt. Die einfache Mittagsmahlzeit war beendet, und die junge Frau räumte das Etzgeschirr vom Tisch. Unter diesem hockten die beiden Kinder neben dem großen Hund auf dem Boden, doch waren sie weniaer laut als gewöhnlich. Sie wisperten nur manchmal, die blonden Köpfe dicht über deut zottigen Fell zusammensteckend, mit einander und deuteten mit glänzenden Augen ab und zu verstohlen noch der ge­schlossenen Türe eines Rebengemachs., Der Förster hob sich gleichfalls vom Sitz, trat gegen di« Wand, um seine Büchse aus dem Winkel zu nehmen,'und sagte, den Kops drehend, neckisch:

Du siehst mich an, Fran Waldfee, als wärest du mich gern für ein paar Stunden los, um deine Zauberkünste hier allein betreiben zu können. Ich will wie immer deinen Willen tun, denn ich mutz doch noch in den Krummtobelschlag hinüber. Vielleicht begegnet mir unterwegs ein Rehrücken für morgen Mittag. Wie dächtest du taröber?*

Sie lachte, und das Lachen jtarib ibx n^mnche KlMflö

E -.ch'Her 7M Achllee' betreiben können?" Die Anrede hatte gut auf sie gepatzt; obwohl sie «ine weiße MckMschürz« über dem schlichten, dunkeln Kleid trug, sah Frau Johanna Eisenhut doch aus, daß man auf den Gedanken kommen konnte, sie sei irgendwo ans einem Blumenkelch, etwa aus dem ihres Namens, hervorgeschlüpft und habe ihre schlanke Elfengestalt zum Scherz mit einem Hausfrauenkleid vermummt., «o jung und mädchenhaft erschien sie, das; man selbst die beiden kleinen erwartungsvollen Kinder am Boden nicht für die ihrigen halten konnte. Sie schüttelte noch einmal verneinend den blondgescheitelten Kopf, doch ein schalkhaftes Leuchten der gleichfalls eisenhutblauen Augen gab eljee bejahende Erwiderung.

Wenigstens versetzte ihr Mann, die Hand nach einem Zeitungsblatt ans der Kommode streckend, das sichilich zur Einwickelung eines Gegen­standes gedient hatte:Das hat der Wind wohl leer zu uns herauf­geblasen?" * , . , .

Rein, Herr Tütengucker," entgegnete ste, wieder lachend,sondern meine Mama hat mir auf meinen Wunsch gutes Stopfgarn darin

Die WeihnschLskifts.

Von ßiesbet Dill.

(Nachdruck verboten.)

Wann mir nur Eener sahn dät, was m'r unserem Cmilche ditz Johr schenke Eint", sagte die Mutter, die sich, erhitzt vom Zimtwaffelbacken und mehlbestäubt, in der Wohnstube am Kafseetisch niederlietz. Es war eine große Beratung in der Familie, jedes Jahr vor Weihnachten, was man dem Emilchen schenken könnte. Emilcheu lebte als Mutter von drei Söhnen hoch da oben in Pommern, in Rügenwalde, wo man niemals hinkam, einer Gegend, von der die Saarbrimer nur vage Vorstellungen von endlosen Weiden mit Gänseherden, niedrigen Wäldern und in der Ferne einem Streifen Meer besaßen. Die Reise war zu weit. Und so blieb das Emilchen In Pommern und die Saarbrücker in Saarbrücken. Aber zu Weihnachten fuhren zwei große Kisten zwischen diesen aus der Landtarte räumlich ziemlich weit entlegenen Städten hin und her, die sich in Frankfurt a.M. kreuzten. Emilchens Kiste enthielt Selbstgeschlachtetes, Bauchspeck und ein braunes Gebäck, das immer am längsten auf den Tellern liegenblieb.Sie hau dort e ganz annerer Geschmack wie mir", sagte die Mutter.

In der Kiste aus Saarbrücken befanden sich die Spezialitäten des Lan­des: Zuckerzeug, Zimtwaffeln, Schokoladenmuscheln, Zimtplatzchen, Zimt­sternchen, Kleieplätzchen und Pfeffernüsse, die der Mutter immer etwas hart gerieten, und mit denen die pommerschen Jungens vom Emilchen nach den Spatzen schossen. Der Clou dieser Kiste aber bestand aus der be­rühmten kalten Fleischpastete. Dieses Jahr wollte die Mutter durchaus etwas Abwechslung in das Ganze bringen, und man beschloß, dem Emil- chen unter den Delikatessen etwas ganz Besonderes auszusuchen.

Während sie in dem Delikatetzgeschäft stand und wartete, bis di« Reihe an sie kam, sah si« ein« Reihe fettglänzender Gänsebrüste da Han- gen.Das wäre ebbes fors Emilche" ... Der Vater war auch ihrer Meinung,'s is emohl ebbes annerfcht, wie die alt Paschtet" ... Sie kauften die Spickgans, ließen sie sich einwickeln, und die Kiste mit der Spickgans fuhr iiit strömenden Regen durch das Saarland, an der Rahe herauf über den Rhein, Frankfurt, Eisenach, Halle, Berlin, und von dort über Stargard nach Rügenmalde. . .

Indessen hatte das Emilchen droben in Pommern auch seine weih­nachtlichen Vorbereitungen getroffen. Als sie den Bauchspeck in die Kiste versenken wollte, fielen ihr die schönen Spickgänse ein, die in der Räucher­kammer hingen.Das wär« doch emohl ebbes nnneres sor die , meinte sie zu ihrem Jüngsten, dem Quartaner, der sich noch zum Kistenpacken herveitietz. Sie schickte ihn hinauf, ließ die dickste Spickgans holen und packte sie zwischen die Stollen. Der Vater würde sich freuen ... Und dte Kiste fuhr ab ...Du liewer Herrgott," sagte das Emilchen ein paar Tage später, als es die elterlidx Kiste auspackte,wo ist dann die guti alt Paschtet?" Sie suchte vergebens unter den zu Atomen verkrümelten Zimt­waffeln und Kleieplätzchen nur die Pfeffernüsse waren ganz geblieben auf der weiten Reise, ihr rundes Gesicht zog sich immer mehr In die Läng«. Aber als sie eine fette Spickgans aus dem weißen Pergament­papier schälte, stieß sie einen Schrei aus:D jeffes, e Gänsebruschil «o hatte sie noch vier oben hängen! Jetzt war ihr die ganze Weihnachtsfreude hinMir so ebbes zu schicke, nach Pommern, wo s« doch herkomme, die Gans ... Ree, unser Mudder wird alt", schluchzte das Emilchen.

Plötzlich fiel ihr etwas ein. Taute Billa, eine halbvergessene Kusine ihres verstorbenen Mannes, die in ihrem Häuschen in Burgen an der Mosel lebte, war Weihnachten immer mutterseelenallein, der mußte man doch anstandshalber etwas schicken. Und sie nahm diese Spickgans, tat sie in eine Schuhschachtel und sandte sie an Tante Billa ...Aus die Weis koschts mich wenigstens ditz Johr nix. Dummel dich, Karl, daß se noch mitkommt", sagte sie zu dem Jüngsten. .

Der stülpte feine Quartanermütze cpzs unb i'ArnU» mit der Spkckgans MM ÄöstSMi üüTuj Mgenwal'des nasse, windige Gassen. Und die Spick- i gans reifte an die Mosel, über das kalte Stettin, nach Berlin, Magdeburg, ! Kassel und Köln, wo sie unter Bergen anderer Weihnachtspakete vorläufig ; liegenblieb. Dann warf sie jemand in einen Postwagen und sie ftchr weiter rheinaufwärts nach Koblenz, wo sie umgeladen wurde nach Trier. In Trier verfehlte sie den Anschluß nach Wengerohr, wurde eist am nächsten Morgen ausgeladen und sand mit einem Berg« anderer verspäteter Weih- nachtspakete Aufnahme in einem Schuppen. ImFlaschenbähnchen an der Mosel entlang, erreichte sie endlich im Schneegestöber Lieser, Dte kettenrasselndePont" fuhr sie über Mosel, ste wurde in Muhlheim aus- geladen, fuhr in einer gelben, gemütlichen Rostkutsche über Land nach Burgen und erreichte das Haus der Tante Billa, als die eben abgereist war zu ihrem Bruder nach Stolp in Pommern ...

Es war dies ein merkwürdiger Zufall, denn Tante Billa hatte seit 20 Jahren keine Reis« mehr unternommen; aber dieses Jahr hatte ihr der Bruder das Reisegeld geschickt, und so hatte sie denn, woh ve^ackt und seufzend, diese entsetzlich weite Reise in unbekannte, sicher sehr kalte, zugige Lande angetreten. Die Spickgans wurde ihr nachgeschickt und reiste hinter Tante Billa her.

Aber nicht so rasch, denn Tante Billa fuhr zweiter Klaße, und Die Spickgans reifte in einem dunklen, kalten Wagen zwischen Weinkiften und Aepselkörbeu an der hochgeschwollenen Mosel entlang, an Eichtd^ schneiten, kahlen Weinbergen vorüber, über Trier und Saarbrücken, dirrcy die Pfalz, über die Rheinbrücke in Ludwigshafen, wo sie zwischen eine» Hutschachtel aus Mainz und einer Sektkiste aus Eltville einstweilen

Rauch in bi« Luft. Er kam aus dem Schornstein eines stattlich aus Stein aufgemauerten Gebäudes, wie man es in dieser Oed« am wenigsten curzu treffen vermutet hätte. Ein« hübsche, durchbrochene Holzgalerie lief um das obere Stockwerk, daran stund auf einer eingelegten Tafel:Forst­haus Krähenhütte".

Das Haus war erst vor kurzer Zeit an Stell« eures alten, baufällig gewordenen, neu errichtet, und die gegenwärtigen Bewohner befanden sich noch nicht länger als seit dem letzten Sonimerbeginn darin. Ihre Sprache kennzeichnete sie sogleich als nicht aus dem Elsaß stammend, sondern wies mich dem Norden Deutschlands. Von dort, aus dem äußersten Winkel Ostpreußens, war der Förster Adolf Eisenhut vor Halbjahresfrist hierher ins Reichsland versetzt worden. Er hatte bmnit eine Beförderung und wichtig« Stellung in weitausgedehntem, lange verwahrlostem Revier erlangt, wie es seiner Tüchtigkeit, seinen Kennt­nissen und feinem eigenen Wunsche entsprochen, denn fachmännische und allgemeine Bildung berechtigten ihn zum weiteren Aufrücken im Forst­wesen. So betrachtete er seinen augenblicklichen Posten als Gelegenheit, sich für die höhere Laufbahn einige Jahre hindurch auf praktischem Gebiet auszuzeichnen, und war dem Antrag, in diese Gebirg-mbgeschiedenheit überzusiedeln, bereitwillig entgegengeto-mmen. Die südlich fremde Natur und der lehrreich-neuartige Betrieb lockten ihn; den Mangel an Verkehr mit anderen, zumeist an geistigem Interesse weit unter ihm stehenden Kollegen nahm er gern mit drein. Er konnte dies unschwer, denn feine behaglich eingerichtete Wohnung bot ihm nach dem Tagesberuf alles, wonach er verlangte. Dein junges Weib stand seiner praktischen Tüchtig­keit ebenbürtig in der Führung des Hauswesens zur Seite und war nicht minder auf allen höheren Gebieten ein« verständnisvolle Gefährtin ihres Mannes. Ihre Kinder, ein Knabe von vier und ein Mädchen von fünf Jahren, bildeten beider gemeinsames Glück. Bis dieselben des Unter­richts bedürftig wurden, war das Vorrücken des Paters zu einer höheren Stellung in sicherer Aussicht; so genossen sie sorglos-fröhlich ihr« Kind­heit unter den wilden Blumen und vielfältigen Beerenfrüchten der Wald- unb Felseinsamkeit. Der Sommer und iherbst waren überaus köstlich gewesen; wie eine Märchenwelt, in die nur der Rus des Kuckucks mtb des Pirols, das Flattern bunter Schmetterlinge hineindrang, hatte es die junge Frau bedünrt. Doch auch, als der Winter gekommen, hatte er nichts Oedes, Trauriges und Trostloses für sie mit sich gebracht. Auf ihrem Wandsims standen viele Bücher, die sonst feine Jörsterwohnung beherbergte, und statt draußen untenn Waldgezweig spielten die Kinder im warmen Zimmer mit Hellem Lachen nm sie her. Erwartungsvoll blickte sie in der Dämmerung durch die offene Haustür ihrem heim­kehrenden Gatten entgegen. Dann horte sie schon von fern seinen festen Tritt auf dürrem, knackendem Gezweig, der große Leonberger Hund sprang vorauf und gewaltig wedelnd an ihr hinan, nun kam der junge, kraftvolle Mann selbst, schlang den Arm um ihr« Schulter, und sie gingen hinein. Im Ofen knatterte das Feuer, die Kinder jubelten beim Anblick des Vaters, heimlich umschcänktm die geschloffenen Läden den Lichtkreis der -Stube. Ob draußen jetzt auch statt des Kuckucksrufs der 'charfe Schrei eines hungrigen Milans oder einer nächtigen Ohrsule erlcholl und der Sturm in den Föhren schnob, ob es Winter und weitu-m menschenveclassen, bas nächste Dorf weiter als zwei Wegstunden ent- 'ernt war, Frau Johanna erschien es noch immer so märchenlieb wie zur Sommerszeit, als sei nichts Schöneres auf der Erde, daß sie nicht mit Ehrgeiz, sondern mit Schmerz des kommenden Tages gedachte, an dem sie als Frau OSerförsterin von Ijicr davonziehen müsse.

- fjatte zustimmend genickt:Mir lieb, da sind wir zunt erstenmal am Weihnachtsabend ganz für uns allein, denn Gäste brauchen wir hier nicht zu befürchten." Als er die Büchse ummerfen wollte, gewahrte et- an dem Laus einen kleinen Rostfleck und ergriff das aus einem Städtchen i Westgreußens gekommene Zeitungsblatt, um ihn fortzureiben. Dabei ' Hel fein Blick zufällig auf die erste Druckseite desselben unb blieb darauf