etar ging schnell durch die seufzte Jabel,mir wird

Verantwortlich: Dr. Hans Thhrrot. Druck und Verlag: Vrühl'sche Universitäts-Buch» und Steindruckerei, R. Lange, Gießen.

'°r gabel riß Augen und Mund auf, als er die Umarmung und den Kuß sah.Zabel, Er muß die Franzosen an der Türe in Empfang nehmen. Bekomplimentier' Er sie ein bißchen." Der Sekretär ging schnell durch die kleine Tür hinaus.Oh, lieber Heiland!" seufzte Jabel,mir wird

Siegener Land steht Erzherzog Karl mit den Reichsdeutschen. Da muß Er hin. Und wenn Er das erste Pferd zuschanden reitet, nehm' Er's zweite. Flipp, Er muß hin! Dem ersten besten Offizier gibt Er diesen Brief"

Er setzte sich und schrieb eilig einen Brief.Und wenn ich ihn nit find', den Erzherzog?"So frag' dich durch, Lümmel! Du bist doch sonst mit deinem Schnabel bei der Hand."Ich sag' Ihnen, Vatter, die Sansculotten werden mich beim Wickel kriegen, und dann habt Ihr einen Flipp gehabt. Dann seht Ihr ihn erst bei der Auferstehung alles Fleisches wieder!"Dat ist noch früh genug!"

Der Sekretär siegelte den Brief.Da, Flipp. Verwahr' ihn gut, auf der Brust, im Strumpf oder wo, und eh' man ihn dir entreißt, friß ihn lieber."Freß' ich ihn lieber," willigte Flipp mit weinerlicher Stimme ein,freß' ich ihn lieber mitsamt dem Siegel."Und schweig' Er still gegen jedermann!"Führ' nit dein los Maulwerk spazieren, Jung!"

Der Sekretär drückte ihm die Hand und klopfte ihm auf die Schulter. Flipp, guter Junge, geh' Er mit Gott! Die Bürgerschaft wird dir's danken bis an dein Ende!"

Sabine trat rasch durch die kleine Tür herein.Liebster, ist's glücklich abgelaufen? Schau; der Flipp! Was für ein bekümmert Gesicht?" Ich muß auf Kundschaft, Jungfer", antwortete Flipp seufzend.Auf Kundschaft, wie?"Er soll uns Hilfe holen für die Stadt."Dat erstemal, dat er wat Vernünftiges tut."

Sabine gab Flipp die Hand und sagte herzlich:Das ist brav von Ihm! Er ist ein ganzer Mann!"Ja", antwortete Flipp traurig. Glück auf den Weg, Flipp!Jungfer, grüß' Sie mir die Bärb! Ade!" Marsch!" rief Zabel weich werdend und zog ihn mit durch die Haupt­tür hinaus.

©abine umarmte den Sekretär.Liebster, diesen Kuß zuvor. Ein Labsal gegen Sorgen."Wahrhaftig! Reich' mir öfter das Labsal. Ich fürchte, daß ich's nötig habe."

Ich sah die Herren im hellen Disput aus dem Rathause gehen. Wie steht's um unsere Sache?"Ich habe Hoffnung, daß der Streich ge­lingt."Hoffnung, Liebster, ist die Mutter des Trostes, sagt man, Sei getrost mein Tapferer!"

Der Sekretär drückte sie an sich.Dein Vater hat soeben bös geklopft!" Ich hab's gehört und bin sogleich hinaufgelaufen und hab' ihm Wein gebracht und was Gutes zu effcn. Der Aerrnste hatte, glaub' ich, i)unger."

Du hast di« Tür geöffnet?" fragte der Sekretär erschrocken.Wie kann ich das? Ich hab's ihm durch das Luftloch gereicht."

Zabel kam hastig und erregt zurück.Die Parlamentäre, Herr «etretarl Sie kommen die Straß' herauf, drei Offizier' und etliche Sansculotten und viel müßig Volk hinterher."

Dann schnell!" rief der Sekretär und kam in Aufregung.Jetzt gilt -, den Bürgermeister spielen. Leb' wohl, Sabine! Ich muß mich herausstaf- fieren für die Komödie. Geh' und laß' etliche Flaschen Wein bringen für die Franzosen. Die spucken nicht ins Glas. Leb' wohl!" Er umarmte und küßte sie schnell.Mut, mein liebster Bürgermeister!" sagte sie und eilte

ganz schwach im Magen!" .

Bärb kam mit einigen Flaschen Wein.Hierher den Wein! Der kömmt mir grab zu paß." Zabel schenkte sich ein Glas ein und trank e- aus.Herr Zabel, der Wein ist für die Sankt Lotten!"Mir tut er auch ganz gut", erwiderte Zadel und verließ das Zimmer durch die große Tür. . ,

Während Bärb die Flafchen auf den Tisch stellte, öffnete sich langsam die kleine Tür und Flipp steckte den Kopf hersin.Bärb!" Sie drehte sich um.Flipp?"Ich bin dir nachgeschlichen, Bärb. Er trat vorsichtig und zaghaft herein.Was ist dir begegnet, Flipp?"Ach, Bärb", sagte Flipp traurig.Deine krummen Absütz' kann ich dir heut mt gradklopsen. Ei, das wäre*Unser schönes Stelldichein fällt ins Wasser."E>, dann ein andermal", meinte sie achselzuckend.Ein andermal? So. Das tätft du nit so leichtsinnig sagen, wenn du wüßtest, wohin der Flipp muß! Verabreden wir ein Stelldichein auf den jüngsten Tag!"Du machst mir Angst, Flipp!"Ich glaub's. Ich muß auf Kundschaft!"Wohin? Mitten durch die Sankt Lotten durch geraden Wegs bis zum Erzherzog Karl, wenn ich nit unterwegs in den Himmel stolpere."Du rebft nit gefcheidt!"Auf Ehre, Bärb! Hier!"

Er holte den versiegelten Brief aus dem Stiefelschaft heraus.Kennst du dat Siegel, he? Geheime Botschaft! Und ich, ich bin der geheime Bot­schafter!"Heee!" machte Bärb in heller Berwunderung. Flipp mskte stolz.In meinen Beinen liegt das Geschick der Stadt, jawohl! Aber du mußt es für dich behalten, wurde mir auf die Seele gebunden. Uno heut' noch muß ich auf die Lappen."

Ei, das ist schade!"Ja, das sagst du gut." Er breitete die Arn» aus und rief kummervoll:Ade, Bärbchen!" Sie winkte ab.

Ach, ich weiß Rat; Du sollst mir dennoch zuvor die Absätz ms lo bringen."Herzensbärb!"Schau', am hellichten Tag kannst mi doch nit gehen. Oder glaubst du, die Sankt Lotten sind mit Blindheit ge> schlagen? Gleich der erste tät' dich erwischen!"

Dat sag' ich ja auch!"Und heut' abend, sagt dir doch die Vor­sicht, mußt du warten, bis alles still geworden ist, bis alles la| mein', bis gegen Mitternacht."Freilich, Bärb, bis Mitternacht! -~ Dann magst du keck durch die Posten schlüpfen."Daran hat nom keiner von uns Mannsleuten gedacht."Und vorher", sagte sie un lächelte ihn spitzbübisch an.Vorher," schmunzelte er und P 8 an zu kichern,vorher Bärb, du bist ein Engel!" Er küßte f,e- .

Draußen hörte man Schritte und Stimmen.Fort!" rief tfW Keiner darf mich sehen." Beide liefen durch die kleine Tür hmaus.

(Fortsetzung folgt.) ___.

eher Sekretär mit einem glücklichen Lächeln mehr zu sich selbst. - ckel rief in scharfem, spöttischem Tone:Herr Sekretarius, ist Er wie­der bei sich?'' .. ,

Verzeihung!" antwortete der Sekretär verlegen und zerstreut,ich hörte nicht Verzeihung!"Hm, machte Finnickel bloß.

Meine Herren," sagte Jungblut treuherzig,ich bitte Sie, unseren, mit Respekt zu sagen, Katzendreck liegen zu lassen und zum Schlüsse zu kom­men. Der Sekretarius soll reden." Alle blickten auf den Sekretär, der sich zusammenraffte und begann:

Ich hätte nicht den Mut, zu Ihnen zu sprechen, wenn ich es nicht un Namen des Herrn Bürgermeisters tun müßte. Was erwarten Sie von den Sansculotten? Die Armee des Generals Jourdan besteht mehrenteils aus Menschen ohne Zucht und Ordnung, aus zügellosen Horden und Ban­diten, von denen Sie nicht erwarten dürfen, daß ihnen ein Pakt heilig ist.'

Aha, Herr Völlig! Ein Pakt gilt denen ein Dreck."

Wert geschätzte und gestrenge Herren Stabräte!" fuhr der Sekretär fort und wurde warm dabei.Die Greuel der Zügellosigkeit und der Ver- herung. der Barbarei dieser Horden ist ohne Maß und Grenze, ja, über allen Glauben. Wohin die Jakobiner kominen, fallen sie in die Häuser, rauben, was sie nur finden und fortschleppen können. Nur Mühlsteine und glühend Eisen lassen sie liegen. Den Landleuten ist wahrhaftig nichts ge­blieben als die Augen, ihr Elend zu beweinen."

Stockebrand nickte langsam und bedächtig.Das ist de Strafe Gottes für das ewige Murren", sagte er.Wir haben jahrelang ohn' Ursach' geklagt und nun sollen roirs erfahren, wie man Ursach' dazu hat. Wer kein Leid hat, der macht sich eins. Wir haben aber so viel erfahren, daß das Leben für uns keinen Wert mehr hat, und darum mag ich's auch nicht mehr retten vor dem Schelmenoolk."

So legen wir die Hände in den Schoß," rief Jungblut,und lassen uns mit Haut und Haaren fressen!"

Finnickel hob die Hand.Uebertreibung, meine Herren, Uebertreibung! Aber ich sehe schon, wir kommen so zu keinem Ende. Nicht lange mehr, und die Parlamentäre sind da. Es wird das beste fein, mit ihnen selber zu verhandeln. Und überdem wird bis Mittag der Herr Bürgermeister wieder auf den Beinen fein. Was meint Er, Herr Sekretarius?" Der Sekretär überhörte diese mit spöttischem Grinsen gestellte Frage.

Dollig erhob sich ächzend vom Stuhle.Der Vorschlag des Herrn Fin­nickel isk'der gangbarste Weg."

Ich finde nichts dawider", stimmte Stockebrand bei und Professor Nägele nickte:Ja, ja, ja, ja."

Jungblut warf Papier und Feder heftig auf den Tisch und sprang auf. Alle fuhren erschreckt auseinander.He!" rief Jungblut, rot vor Zorn,he! Macht, was Ihr wollt, ich bedank' mich!" Er schritt auf den Sekretär zu und schüttelte ihm die Hand.Wackrer junger Mann! Wenn Er mich braucht, ich weiß nicht, wann und wie Er kennt ja mein Haus!" Und zu den anderen sagte er barsch:Ich empfehle mich!" Darauf ging er mit schweren Schritten hinaus. Die anderen standen auf.Also gehen wir." Damit nahm Finnickel seinen Hut und ging. Völlig. Stockebrand und Nägele folgten ihm. .

Der Sekretär begleitete sie höflich bis zur Türe, wo er ihnen eine Ver­beugung machte. Zabel schloß hinter ihnen die Tür und äffte Nägele nach: ,3a, ja, ja, ja!" Der Sekretär wischte sich den Schweiß von der Stirn. Ich mein," sagte Zabel zu ihm,jetzt sind mir auch nit eine Schramme weiter als vorher."Still, Zadel! Das Spiel hat kaum begonnen. Die ersten Züge sind getan."Lieber Sekretarius, Er spricht um seinen Kopf. Ein verteufelt Spielchen!"

Die Tür wurde aufgestoßen, und Flipp trat ein mit der großen Schnupftabaksdose.Hier, ganz frischer Kardinal. Da, nehmen Sie eine Nase voll, Vater. Er hielt Zabel die offene Dofe unter die Nase.Jetzt kömmt der Lotterbunde, wo die Sitzung vorbei ist! Den Herren Stadt­räten hat die Prise sehr gemangelt. Wer weiß, wies gekommen wär', hätt ihnen der Tubak den Kopf erfrischt. Merk' dir, Jung, ein Dölkerschicksal ist öfter in einer Prise eingeschlossen." Jabel nahm eine kräftige Prise und nieste laut. _

Marsch, Flipp! Reg' dich und tu wat! Im Hof liegt trocken Holz zum Spalten." Flipp wollte gehen.

Halt Flipp!" rief da der Sekretär, der bis ;etzt in Gedanken ge­standen hatte.Ich habe einen besseren Auftrag für Ihn!" Er nahm Flipp an der Schulter.Er kann im Augenblick die wichtigste Persönlich­keit in der ganzen Stadt werden. Will Er bas?"Was kann bas fein? Soll ich Stifter werben?"Küster? Schwatz nit!" rief Zadel.Mt Erlaubnis, Vater," entgegnete Flipp,ohne Küster gibts keine Kmbtauf, keine Hochzeit unb kein Begräbnis, unb bas finb bie wichtigsten Dinge im Leben." ~

Ernsthaft, Flipp!" sagte der Sekretär mit Einbringl-ichkeit.Draußen vor ber Stg^t stehen bie Franzosen"

Die Sankt Lotten, ja."Jetzt nehm' Er all seinen Witz zusammen, alle seine Fixigkeit unb Keckheit unb schleich' Er sich hinburch." Flipp machte ein bedenkliches Gesicht. -

Durch durch die Franzosen?"Freilich, Dummkopf!" rief Zabel.

Und wann ich meine, wann soll ich das?"Heute noch!"

Flipp kratzte sich hinterm Ohr.Heuf noch?"Freilich, du Zapper- menter! Oder glaubst du, wann's dir beliebt?"Flipp, guter Junge," sagte der Sekretär,augenblicklich noch! Es hängt an einem Fädchen. In deine Hand ist bas Geschick ber Stadt gelegt."Ober vielmehr in beine Seine!" verbesserte Zabel.

Flipp schnitt ein Gesicht.In meine Beine?"Lauf', Flipp, renne, als säß' die der lebendige Teufel im Nacken!"Gut gesagt, Herr Sekreta­rius! Aber bin ich nit gestern im büftern Keller in einen rostigen Nagel getreten? Morgen früh, auf Ehre, kann ich wieber laufen wie ein Wiesel." Er dachte an sein Stelldichein am Holunderstrauch.

Schnickschnack!" rief Zabel unb knuffte ihn.Halunke, du willst dich drücken!"So leih' Er sich ein Pferd, Hier hat Er Geld." Der Sekre­tär drückte ihm ein Beutelchen in bie Hand.Zwei Tagemärsche weit im