die Hiebe der Vaumfäller. Nun fielen die Bäume um. Der ganze Dschungel schien zusaminenzutlappen, und bald stand, der mächtige Baum mit den Affen nur noch allein da. Sie schrien und hielten sich gegenseitig umklammert. Leut« mit Grasbündcln eilten herbei und steckten das Feuer an. Andere kamen mit Laub, um Rauch zu erzeugen. Einer der Drangs machte Miene, heruntsrzukommen, und ich griff nach meinem Gewehr. Doch als er in den Rauch geriet, kehrte er schreiend zum Lager zurück.
Als der Qualm dichter wurde, kletterten die beiden Tiere höher hinauf und faßen, schließlich auf dem höchsten Ast, sich gegenseitig umarmend in panischem Schrecken.
Die Wilden tanzten und stießen gellende Schreie aus. Durch die Rauchwolken, die über uns hinzogen, sah man hin und wieder die schwarzen Gestalten der Affen mit umherfuchtelnden Armen und rotem, weitgeöff- netem Maul. Der Lärm war fürchterlich. Einige Minuten lang stand ich da und vermochte mich nicht zu rühren. Hoch im Baumwipfel klammerten sich die Orang-Utangs aneinander und schwankten hin und her. Da meldete Omar, die Stelle wäre aufgeräumt, wohin der Baum fallen sollte. Ich befahl, das Retz bereit zu halten, und ließ durch zwei Häuptlinge den Leuten ihre Plätze anweisen.
So hielten denn die Leute die großen Rohrnetze bereit, um sie über die Affen zu werfen, wenn der Baum fallen würde. Andere Wilde mit scharf zugespitzten Pfeilen standen bereit, auf die Bestien loszugehen, wenn das Netzt nicht gut fallen sollte. Alle waren in höchster Erregung....
Auf ein Zeichen brach der Höllenspekatkel von neuem los. Männer liefen durch den Rauch, um den Baum vollends zu fällen. Die Schlag- irommeln lärmten, die Wilden stießen gellende Schreie aus.... einen Augenblick schwankte der Baum... die Affen schrien vor Entsetzen.....
die Leute mit den Netzen duckten sich, bereit zum Aufspringen. Langsam legte sich der Baum auf die Seite.. mit zunehmender Geschwindigkeit schlug er an der berechneten Stelle auf... der ganze Dschungel schien in Aufruhr....
Jäh verstummten die Affen. Ms sie auf den Boden aufschlugen, waren sie vor Schreck gelähmt, Schon flog das Netz über sie. Im Augenblick waren sie wieder bei Besinnung und nahmen den Kampf auf. Mit langen, schwarzen, krastvollen Armen zerrten sie an dem Geflecht. Sie sprangen und fochten und bissen in die Seile.
Da plötzlich fuhr eine haarige Pranke durch das Netz, das die wütenden Bestien gefangen hielt, griff einen Wilden bei der Kehle und schleuderte ihn hoch in die Luft — er brach das Genick. Das Netzgeflecht bestand die Probe, denn der verzweifelte Widerstand der ersten paar Minuten konnte nicht lang« anhalten. Ich ließ daher di« Seile ein wenig lockern.
Jäh wie ein Blitz aber schoß eine große Klaue durch das Netz und ergriff meinen Fuß beim Knöchel. Ich schlug zu Boden und umklammerte im Fallen den Ast eines gefällten Baumes. Mit allen Kräften hielt ich mich daran fest. Doch meine Finger erlahmten und glitten ab bei dem furchtbaren Zerren der Bestie. Hüft- und Kniegelenk schmerzten für einen Augenblick. Dann wurde mein Bein gefühllos. Vor Entsetzen gelähmt, standen die Wilden da. Und ich konnte nicht schreien! Immer dumpfer wurde es mir im Kopf, und ich wundert« mich nur, warum niemand etwas tot.
Endlich ergriffen Ali und Omar eine Keule und schlugen aus den Arm des Orang-Utangs ein. Das Zerren hört« auf, und ich merkte, daß ich von dem Netz' fortgeschafft wurde. Einige Minuten lang war ich zu betäubt, um zu wissen, was vorging. Doch der Gedanke, die Wilden könnten die Affen töten, während ich so dalag, ließ mich auffahren — sie standen da, starrten mich und die Tiere an und wußten nicht, was sie tun sollten. Zum Glück war mein Bein nicht gebrochen, sondern nur so böse verrenkt, daß ich nicht darauf stehen konnte. Während ich daher auf dem Boden saß und die Arbeiten leitet«, wurden Stricke durch die äußeren Maschen der Netze gezogen. Dann zog man das Netz zusammen, und die beiden Bestien steckten im Sack. Ätzt konnte ich unseren Fang zum ersten Male mustern — es waren die beiden größten Orang-Utangs, die jemals auf Borneo gefangen wurden.
Nach und nach wurden sie erschöpft und gaben den Kampf ach. Hin und wieder fuhr noch ein langer Arm durch das Geflecht, dessen Finger sich auf und zu krallten. Schnatternd standen die Wilden umher, starrten auf die Tiere und lachten.
Aus Zweigen wurden zwei Bahren hergestellt, eine für den Toten und eine für mich. Das Netz wurde an drei Stangen aufgehängt und von zwölf Mann getragen. So ging es ins Dorf zurück. Die Träger mußten oft wechseln, denn unser« Gefangenen wogen über fünfhundert Pfund. Auf halbem Weg« kamen uns die Dorfbewohner schon im Dschungel entgegen, außer sich vor Freude über den Fang der gefürchteten Bestien — der beiden Riesenaffen.
Die phyMaLischen Berufsschädigungen.
Von Professor Dr. Franz Schütz, Berlin.
Die Schädlichkeitsmomente, unter denen der Körper bei der Arbeit zu leiden -hat, können eingeteilt werden in solche, die auf physikalischem Wege wirken, und solche, deren Wirkungen sich in chemischer Weise äußern. Hier sollen nur die ersteren, also die physikalischen Schädigungen besprochen werden.
Wir wenden uns zunächst zu den Wirkungen des Lichtes. Bekannllich kann man das Sonnenspektrum in ein Büschel verschiedenfarbigen Lichtes zerlegen, doch sind die verschiedenfarbigen Lichtsorten in ihrer Wirkung auf den Menschen nicht gleich. Besonders wichtig in gesundheitlicher Beziehung ist 'derjenige Teil des Lichtes, der sich jenseits des dunkelvioletten Endes des Sonnenspektrums befindet. Wir haben hier den merkwürdigen Fall, daß Haut und Auge beeinflußt werden durch Strahlen, die wir mit keinem Sinnesorgan wahrnehmen können. Usberall da also, wo unser Körper und besonders das empfindliche Auge diesen Lichtsorten ausgesetzt ist, kann es zu Schädigungen kommen, die sich z. B. in Blendungen des Auges und in die Herabsetzung des Sehvermögens, oder aber in Verbrennungen 1., 2. und 3. Grades an der Haut äußern. Bekannt sind die Hautoerbrennungen
fn den Sonnen- und Lichtbädern Im Sommer, weiter der Gletscherbrand, die Verbrennungen durch die künstliche Höhensonne bei ungenügendem Schutz oder zu langer Einwirkung der Strahlen.
Aehnlich sind die Gesundheitsstörungen, wenn es sich um eine zu grelle Beleuchtung oder, wie bei den Feuer- und Elektrizitaksarbeitern, bei den Schweißern, Metallgießern und Glasmachern, um einen blanken Gegenstand handelt. Ein besonderes Kapitel nehmen weiter die durch das Rönt- genlicht hervorgerufenen Störungen ein. Es handelt sich bei ihnen um chronisch verlaufende Prozesse, di« erst nach einer Reihe von Wochen oder Monaten offenbar werden und sich weiter ausbreiten, auch wenn die Schädigung auf gehört hat einzuwirken.
Unter den Verhütungsmaßnahmen, die bei den durch das Licht entstandenen Schädigungen zu empfehlen sind, erwähne ich einmal das Abblenden des direkten Lichtes und die Verwendung einer künstlichen indirekten Beleuchtung. Bei manchen Gewerben, wie z. B. beim Schweißen, müssen Schutzbrillen getragen werden mit rauchgrauen oder blauen Gläsern, oder aber aus solchen Glassorten, die die ultravioletten Strahlen absorbieren. Gegen di« Röntgenbeschädigungen schützt das Blei, mit dem die Schürzen, Handschuhe, die Wände der Bchandlungszellen und das Glas versehen sein müssen.
Wenden wir uns nunmehr den sogenannten professionellen Hörschäden zu, so finden wir sie besonders bei den Schmieden, den Schlossern, den Müllern und den Webern. Die Schädigungen entstehen in diesen Berufen durch besonder« starke und regelmäßige Geräusche, die von den Berufs- angehörigen selbst kaum wahrgenommen werden. So entwickelt sichallmählich eine Schwerhörigkeit, die dadurch zustande kommt, daß bestimmte Teile des inneren Ohres durch zu starke Schallwellen einer allmählichen Ver- nichtung entgegengeführt werden.
Diese Hörschäden versucht man nun durch Dämpfung der Geräusch« in verschiedener Art und Weise zu vermeiden. Dies geschieht einmal, indem man dem Arbeitenden Watte oder besondere kleine Apparate in den Gehör- gang steckt, oder aber durch Anbringung von Gummi- oder Korkplatten zwischen der Maschine und dem Fußboden, wodurch der Schall ganz wesentlich vermindert wird. Endlich kann man das Auftreten von Hörschäden auch dadurch wirksam bekämpfen, daß die Arbeitszeit geregelt wird und das Gehörorgan Zeit und Gelegenheit hat, sich zwischendurch immer wieder zu erholen.
Der Luftdruck kann in zweifacher Weise schädigend auf den Menschen wirken. Einmal dadurch, daß er vermindert ist, dann dadurch, daß er er- höt ist. Wenn der Luftdruck vermindert ist, tritt gleichzeittg ein Mangel an Sauerstoff ein. Ist dieser Mangel gering, tonn er durch beschleunigte Atmung und Herztätigkeit wettgemacht werden. Ist er größer, so treten Schwäche, Schlaflosigkeit, Atemnot und Schwindel ein, Erscheinungen, die wir von der Bergkrankheit her kennen und die häufig auch bei den Fliegern auftreten.
Ein« Erhöhung des Luftdruckes findet bei Arbeitern unter der Taucherglocke statt, schädigt aber den Tauchenden in keiner Weife, sondern die Beschwerden treten erst auf, wenn der Arbeitende aus der Umgebung mit erhöhtem Luftdruck in die mit normalem Luftdruck zurückkehrt'. Während des Aufenthaltes bei vermehrtem Druck ist nämlich das Blut mit einer größeren Menge von Stickstoff und Sauerstoff beladen worden, Gasen, trte sich in ihm gelöst befinden. Wird nun der Druck plötzlich vermindert, so steigen im Blute Gasblasen auf, die dadurch gefährlich werden können, daß sie sich in der Lunge festsetzen und die feinen Blutgefäße dort für nachströmendes Blut undurchdringlich machen. Um nun -derartige gefahrbringende Momente zu vermeiden, ist Vorsicht bei der Verminderung des Druckes anzuwenden. Wenn der Arbeiter nach Beendigung der Arbeit sich nach der Oberfläche des Wassers hinbewegt, um die Taucherglocke zu verlassen, so muß der Druck vermindert werden, und zwar am besten gleich auf die Hälfte, dann folgt eine längere Ruhepause, worauf wieder eine Verminderung des Druckes auf -die Hälfte stnttfindet, und dies wird solange fortgesetzt, bis der Druck — 1 Atmosphäre ist und damit der normale Luftdruck erreicht ist.
Wenden wir uns nun zu den Schädigungen, die durch Temperatur und Feuchtigkeit hervorgerufen werden können. Höher-wTemperaturen kommen vor bei: Heizern, Hochöfenarbeitern, Gießern, Glasmachern, Bäckern, in Bergwerken und in Tunnels. Bei ihnen entstehen Schädigungen durch Strahlung und Leitung der Wärm« und durch -die erschwerte Wasserdampfabgabe des Körpers. Hitzfchlag und Sonnenstich, Erscheinungen der Wärmestauung werden hier in gehäufter Menge beobachtet. Außerdem besteht eine gewisse Steigerung der Disposition zu Erkältungskrankheiten, Tuberkulose und Schlaganfällen.
Zum Schluß möchte ich noch kurz aus die Wirkungen des Staubes Hinweisen. Er kommt fast in vielen, jedenfalls immer in den trockenen Betrieben vor und wird von den Arbeitenden in großer Menge eingeatmet. Der Körper besitzt zwar natürliche Schutzvorrichtungen gegen das Eindringen von Staubteilchen. Hierher gehören die Filtereinrichtungen, die durch kleine Härchen, die Nasen-mufcheln und die Flimmerzellen in den oberen Luftwegen dargestellt werden. Auch durch Reflexe, wie z. B. heftiges Niesen, sucht sich der Körper gegen das Eindringen des Staubes zu schützen. Auch die Katarrhe der oberen Luftwege können als solche Schutzvorrichtungen aufgefaßt werden, die dazu dienen, die ein gedrungenen Massen wieder hinauszubefördern. Werden dies« Schutzwälle des Körpers aber durchbrochen, so wird der eingedrungene Staub im Körper vornehmlich in der Lunge deponiert.
Von hier aus gehen dann die gesundheitsschädigenden Wirkungen aus, über die hier nicht ausführlich gesprochen werden soll. Nur auf ix Schutzmaßnahmen sei noch hingewiesen. Diese bestehen einmal darin, daß man den Staub am Ort des Entstehens bekämpft. Man sucht den trockenen Betrieb durch einen feuchten zu ersetzen, man sucht zu schneiden anstatt ju sägen, man ersetzt die Handarbeit durch den maschinellen Betrieb, 3-J* beim Mahlen, beim Packen und beim Transport. Die Staubstellen werden abgeschlossen oder mit Exhaustoren versehen, die den Staub sofort nach dem Entstehen ansaugen und fortführen. _
Verantwortlich: Dr. Hans Thyrivt. — Druck und Verlag: Brühl'sche Aniversitäts-Duch- und Steindruckerei, V. Lange, Gießen.


