und in diesem Sinne licht bewirkt, getrost
Verantwortlich i.D..vr.Fr.W Lange.—Druck und Derlrrgt Brühl'f che-Universitäts-Buch. und Steinbruckerei,«.Lange,Gießet
Der scharfsinnige griechische Philosoph Protagoras hat nun den Ausspruch getan: „Der Mensch ist das Maß aller Dinge!" r ,v “ s dürfen wir von allen Vorgängen, die das Sonnenlicht bewirkt, getrost den im Pslanzenblatt als den wichtigsten bezeichnen.
kächker der Barbaren; nur Attila findet kein Gefalle» daran Vielleicht verstand er die Sprachen nicht.
Die Gesandten hören sich unter den Leuten achtsam um. Da finden f>e auch einen Griechen, der seit längerem bei den Hunnen als einer der Ihren lebt; der sagt: „Unter Attila lebt sich's weit besser als im Reich bei euch Römern. Hier fehlen dis hohen Steuern, und jeder macht so ziemlich, was er will, ohne Beruf szwang und leidige Aufsicht; da kann man sich glücklich fühlen." Den Gesandten stimmt das nachdenklich, und er weiß wenig zu erwidern.
Der Mordanschlag aber, der sich gegen Attila richtete, wird jchliehlich doch aufgedeckt. Attila begnügt sich damit, den kaiserlichen Gesandten, der den bösen Plan betrieb, in Ketten zu legen und 50 Pfund Gold als Lösegeld für ihn zu fordern. Außerdem forderte er, daß der Kaiser in Byzanz den Eunuchen am Leben strafe, der den Plan zuerst ausgcheckt hatte. „Wie ein elender Bauer stellst du mir diebisch nach", ließ er dem Kaiser sagen. „Ich hab' meinen Adel bewahrt, du hast den deinen geschändet und bist mein Knecht, da du fortfährst, mir Tribut zu zahlen."
So bellte der Gewalüge die byzantinischen Katzen an, die sich wie vor der Dogge feige vor ihm verkrochen; so hallte sein Wort wieder und wieder über die Alpen und Balkan. Aber er erlag schließlich seinem eigenen Allmachtstriebe. Als er endlich wirklich erobernd in Frankreich einfiel, erlag sein Heerbann in der wütenden Völkerschlacht auf den kata- laumschen Feldern, zwischen Troyes und Chalons sur Marne, im Jahre 451. Für ihn fochten die Ostgoten, gegen ihn aber die Westgoten unter Führung des kaiserlich römischen Feldherrn Aetius. Für die Westgoten war dies der Tag, der ihren Ruhm verewigt; denn sie retteten damals Frankreich und die römische Kultur. Ihr König fiel in vorderster Reihe; aber auch die Toten schwangen noch die Waffen und fochten in den Lüften weiter.
Attila sah in seiner Wagenburg, als die Sieger ihren Heldenkönig auf dem Schlachtfeld selbst begruben, als sie ebenda einen neuen König auf den Schild erhoben. Dann zog er ab, aber er ruhte nicht. Was in Frankreich mißlang, sollte ihm jetzt in Italien gelingen. Den Schlüsselpunkt Italiens, Aquileja, nahm er; er verbrannte es. Die Einwohner flohen in die Lagunen ans Meer und bauten dort auf Pfählen eine neue Stabt, Venedig. So ist durch Attilas Raubzug Venedig entstanden, die eigenartige Keimstätte neuer üppiger Kultur.
Attila dünkte sich Herr Italiens. Als er aber Rom nehmen wollte, zwangen ihn feine germanischen Vasallenkönige, dem Flehen des Papstes nachzugeben, der um Schonung bat. Sein Rückzug war ein Symptom des Endes: sein Wille war zum zweitenmal gebrochen. Im folgenden Jahre starb er. Unter seinen Söhnen zerfiel und zerbröckelte fein Riesenreich sofort wie ein Sandhaufen, über den die brandende Woge spült. Ardarich, der Gepidenkönig, der Ostgermane, derselbe, der des Attila Hauptstütze war, zerschlug das Reich seiner Söhne in glorreichstem Schlachtenkampf am Netad in Pannonien. So wie in späterer Zeit das Reich Napoleons, des Korsen, erst in 6er Völkerschlacht bei Leipzig und dann endgültig bei Waterloo zerbrach, so das Reich des hunnischen Napoleon erst bei Chalons und dann in der Gepidenschlacht.
Der Hunnenschreck, das wilde Intermezzo, war zu Ende. In der Phantasie der Völker lebte Attila so ewig weiter wie Bonaparte; die Weltgeschichte aber konnte neu beginnen und da wieder anknüpfen, wo sie vor ihm aufgshört.
Vom „Margen" der Pflanzen.
Von Dr. Robert Potonic Privatdozent an der Technischen Hochschule Berlin.
Die grünen Laubblätter können wir als den Magen der Pflanzen bezeichnen. Wenn wir dies heute hervorheben, so geschieht dies deshalb, weil die Wissenschaft von diesem Magen der Pflanzen in der letzten Zeit bedeutende Fortschritte gemacht hat. Die neuesten Entdeckungen auf diesem Gebiete verdanken wir dem hervorragenden Chemiker R. Willstätter. Er hat unsere Kenntnisse von dem grünen Farbstoff der Blätter wesentlich vermehrt. Mancher wird sich nun vielleicht wundern, warum man sich gerade für den grünen Farbstoff der Blätter so sehr interessiert; eben das ■ ist es, was in den folgenden Zeilen erklärt werden soll. — Die Tagespresse hat in der letzten Zeit über Willstätters Ermittlungen manchs Notiz gebracht, kaum aber ist darauf hingewiesen worden, warum es denn nun von so großem Interesse ist, gerade über das Blattgrün Näheres zu wissen.
Der Magen Der Pflanzen hat Eigenschaften, die ihn von unserem * Magen gänzlich verschieden machen. Aber das wird jeder nur vermutet haben. Wenn wir es ganz kraß und allgemeinverständlich ausdrücken wollen, was den Pflanzenmagen in erster Linie von dem unseren unterscheidet, bann dürfen wir cum grano salis sagen: Die Pflanze verdaut Steine, aber wir können nur Brot verdauen!
Die Wurzeln entnehmen dem Erdboden Wafser, dieses wird mit den „Gesteinen", die es gelöst enthält, zu den Blättern geführt. Die Blätter selbst entnehmen der Luft ein Gas, die bekannte Kohlensäure, und nun beginnt die Verdauung dieser Nahrung. Das heißt, das Wasser sowie die in ihm gelösten Gesteine und die Kohlensäure werden miteinander verbunden und in denjenigen Stoff verwandelt, aus dem die Pflanze ihren Körper aufbaut. Aber wie kann das alles geschehen?
Die Antwort auf unsere Frage lautet: Es ist das Sonnenlicht, das im Pflanzenblatt in so wunderbarer Weise wirksam ist!
Daß das Sonnenlicht die mannigfachsten Umwandlungen zu vollziehen vermag, ist heute niemand mehr fremd. Beruht doch die Photographie auf dieser Tatsache. Ja, manche modernen Chemiker sagen sogar, es gebe überhaupt keinen chemischen Prozeß, der nicht vom Licht beeinflußt werben könne.
Trotzdem mancher es als müßig bezeichnen mag, so ist es doch ein sehr anregendes Experiment der Phantasie, sich einmal diesen Ursprung, lichsten aller Lebensprozesse wegzudenken. Diesen einzigen uns bekannte»' Vorgang, bei dem wir direkt verfolgen können, wie aus „toter" anorgani. scher Materie „lebende" organische wird. Hier wird vor unseren Auge» „aus Steinen Brot"! Denken wir uns den in Rede stehenden Vorgang fort, und versetzen uns in Gedanken in jene urgrauen Zeiten, in denen noch kein Lebewesen unsere Erde bevölkerte, bann müssen wir einsehen, daß ohne diesen Vorgang das „Leben" wohl nie entstanden märe.
Gerade von der die Sonnenwärme bannenden Kraft des Pflanzen Mattes wird so gern in phantasievoller Weise geschwärmt. Deshalb fei auch noch daran erinnert, daß man sich mit Porliebe auszumalen pflegt, wie nur durch die Wirkung des Blattgrüns die Kohlen entstanden feien; und wie ohne Kohlen die ganze Pflanzenwelt völlig unmöglich wäre.
In den Zellen des Pflanzenblattes befinden sich nun in Form rot kleinen Körnern die Träger des Blattgrüns. Das find die „ßaboratorien“, in denen der uns int-eressterende Vorgang, die Assimilation, vor sich geh Schon ein Mann wie Darwin hat deshalb das Blattgrün die vielleicht interessanteste unter den von den Lebewesen herstammenden Verbindunge: genannt. Wenn man aber auch schon längst wußte, baß das Blattgriii das Sonnenlicht in sich aufnimmt, und so indirekt zur Bildung der standteile des Pflanzenkörpers beiträgt, so hat man doch erst in letzte, Zeit eine tiefere Einsicht in die Art seiner Wirksamkeit gewonnen. Das selbe gilt, wie schon angebeutet, von seiner chemischen Zusammensetzung Man hat kristallisiertes Blattgrün hergestellt, seine künsüiche Darstellung ist gelungen usw. Aber diese rein chemischen Dinge sind recht spezielle, Natur. Es wird den Leser weit mehr interessieren. Näheres von ben Lebensoorgängen in dem Pflanzenblatt zu erfahren.
Wenn die. Pflanzenblätter ihre Nahrungsmittel, die Kohlensäure uni das gesteinhaltige Wasser „verdauen", d. h. also, diese Stoffe in Diejenigen ihres eigenen Körpers verwandeln, bann geht das nicht mit einem Sprunge vor sich, fonbern die Verwandlung vollzieht sich stufenweise. Eim dieser Stufen ist ein bestimmter Zucker. Es ist dechalb von größtem Irn tereffe, daß es dem Prager Gelehrten S t o k l a f a in Gemeinschaft ml Zdobnicky vor einiger Zeit gelungen ist, aus der Kohlensäure der Sufi bet Gegenwart von gesteinhaltigem Wasser einen Zucker herzusteM Einen ähnlichen Erfolg hatten die beiden französischen Gelehrten B en thelot und Gaudechon. . .
Genau wie man vor Wöhler annahm, die zum -teil ]o fompluienen Stoffe, aus denen die Lebewesen bestehen, könnten nur durch das „Leben" selbst erzeugt werden, so glaubte man bis vor kurzem, dah unbedingt der geheimnisvolle grüne Stattfarbftoff nötig sei, damit im Pflanzenblatl Zucker werden könne. Man schrieb dem grünen Blattfarbstofl als raffel hafte unerforschte Macht zu, er habe die Fähigkeit, Wärme aufzuspeichnn. und da man beobachtet hatte, daß die Zuckerbildung nur im Lichte vor sich geht so pflegte man etwa zu sagen: Das Blattgrün sammelt so die strich lende Sonnenwärme. Läßt sich doch der Zucker verbrennen und gibt bann Wärme ab, währenb dies mit den Körpern, aus denen ihn bte Pflanze herstellt, nicht der Fall ist. . , .
Stoklasa und Zdobnicky stellten nun ihre Versurye in der Weise an, daß sie die Kohlensäure ben chemisch so außerordentlich wierksamen Strahl« eines bestimmten violetten Lichtes aussetzten, und zwar wie gejagt in Gegenwart eines gesteinhaltigen Wassers und noch eines anbera, Gases, dessen Vorhandensein im Pflanzenblatt ihnen durch frühere Untere suchunaen bekannt He^vorben war. Dieses andere Gas ist der Wasserstoff. Durch die Bestrahlung entstaub ohne weiteres zunächst ein Zwischen. Produkt, und dieses verwandelte sich in einen Zucker. Bei diesem Prozch war nun kein Blattgrün zugegen. Welche Funktion kann bann aber biefer einst so hoch eingeschätzte Farbstoff haben? Wenn bas Sonnenlicht durch irqenbeine farbige Substanz hinburchgeht, so wirb ein bestimmter Teil der Strahlen aufgesaugt. Dies gibt sich nicht nur daburch zu erkennen, baß baß das Licht hinter der Substanz eine andere Farbe hat, man merkt auch, wie der durchleuchtete Körper allmählich warmer wirb. Sui Teil des Lichtes hat sich also in Wärme umgesetzt. Durchbringen nun bu Sonnenstrahlen z.B. bas Blattgrün, so geht der grüne Teil des Licht« hindurch, während diejenigen Strahlen, die zusammen Violett ergeto würden, als Wärme zurückbleiben. Stoklasa meint deshalb, bas Blatt' grün habe die Aufgabe, die violetten Strahlen des Sonnenlichtes m M aufzunehmen, um sie in ähnlicher Weife zu verwerten, wie es bet seine« Versuchen der Fall war. Mit dieser Anschauung steht er im Gegensatz z» einem anderen bedeutenden Gelehrten namens Baeyer, der aus o« chemisch bewiesenen Verwandtschast Des Blattgrüns mit dem roten stoss unseres Blutes den Schluß zieht, der grüne Blattfarbstoff habe w Aufgabe, ein mit der Kohlensäure verwandtes Gas, nämlich das Kohlern oxydgas, aufzunehmen. Dieses Gas wird von dem roten Farbstoff uchere Blutes in der Tat begierig verschlungen. Es soll nach Baeyer durch w Wirkung des Sonnenlichtes aus Der Kohlensäure entstehen. Erst Diel« Gas soll bann weiter zum Aufbau bes Pflanzenkörpers verwertet wer»
Angesichts der großen Kraftansammlung, die in der Pflanze vor R geht, und die uns unter anderem in der Form von Kohle so sehr JW' kommt, ist nun immer wieder daran gedacht worden, die Sonnenstrahie der Technik direkt nutzbar zu machen. Die Zeiten, in denen es keim Kohlen mehr geben wird, liegen nicht mehr viele Jahrhunderte ensternc Dann werden die Vorräte der von vorweltlichen Pflanzen gespeicherte» Sonnenwärme erschöpft fein. Welcher beängstigende Gedanke ist bau J benjenigen, der da überschauen kann, daß gegenwärtig keiner unserer w dustriezweige ohne Kohle möglich ist. Langsam beginnt man besw, diesem Problem näherzutreten, und einige kleine Fortschritte hat Wissenschaft auf diesem Gebiete auch schon gemacht. Bisher malte man R immer aus, wie vielleicht einstmals die wenigen kraftltefernden Wal! fälle zu den Zentren der Technik werden könnten. Heute ist die Pyoni l nicht mehr zu kühn, wenn sie zu der Ansicht gelangt, daß bte Wüste Hara das reiche Land der Zukunft fei. Brennt doch dort bte Sonne nur noch in wenigen anderen Gegenden hernieder.


