Ausgabe 
14.6.1927
 
Einzelbild herunterladen

und Ruhe.

Attila nxir

Attila, der Hunnsnk8rng.*>

Von Geheimrat Professor Dr. Th. B i r t.

Die rheinischen Bäder.

Von Msons P a q u e t.

der Alexander, der Napoleon seiner Zeit. Attila, der große Chan, einigte die verstreuten Hunnenvölker, und der Schrecks die Be­täubung fuhr vom Kaukasus bis zu den Pyrenäen. Er unterwarf sich von der Donau aus (zwischen Wien und Ofen lag seine Hauptstadt) alle Oander nördlich der Alpen vom Rhein bis zur Wolga, vom Schwarzen Meer bis zur Ostsee, und plante mehr; er wollte auch Frankreich, er wollte Rom, Konstantinopel, er wollte gar auch Persien nehmen. Die Barbarei hatte in ihm ein Herrschergenie "erster Größe erzeugt. Cs galt eine neue Zu- sammenfassung der Welt; da- römische Reich sollte durch das Hunnenreich abqelöst werden. Zwanzig Jahre (von 433 bis 453) sind die Jahre Attilas, der Gottesgeihel. Die starken östlichen Germanenstämme, die Heruler und Eepiden, die Rugier und Skiren, die Ostgoten waren jetzt die Vasallen­völker der Hunnen, die unter ihren Königen dem Attila willig dienten. Es ist der König Etzel, zu dem aus Worms die Nibelungen ziehen, tn dessen Saal Ärimhildes Rache spielt; es ist der Etzel, an dessen Hose auch der Westgotenheld Watthar von Aquitanien, von dem das WaltharilieS singt, mit seiner Geliebten Hildegunde als Geißel heranwuchs.

Hundert Jahre halten die Hunnen sich bisher in Europa umgetrieben; «e hatten sich in dieser Zeit veredelt, germanisiert, den Einflüssen der Sitten des Okzidents angeglichen. Nur so wurde «in Attila möglich. Seme Erscheinung war freilich asiatisch genug: kurzer Wuchs, großer Kopf mit kleinen Augen und gestülpter Nase; sein Auftreten aber herremnaßig bei aller Verschmitztheit und nickst ohne Größe; er herrschte durch die über- leqene Ruhe seines Wesens, die klug den Jähzorn bemusterte. Er war so, daß er Vertrauen erweckte und echte Treue und Ergebung fand; der Ge- pidenkönig Ardarich seine Hauptstütze. Attilas Bruder Bleda war zeit- weilig 'ein Mitregent; die Brüder vertrugen sich tadellos. Von ergebenen Königen und Fürstensöhnen wimmelte die großartige Hofhaltung; alles aina in Zobel- und Ottersellen. Auch Gesandte strömten herzu, und ein Grieche, der aus Konstantinopel mit vielem Personal zu 'hm ritt, ist es, der uns einmal am Hofe des Attila einführt und alles anschaulich zu

Ein Rest von Heiligkeit ist doch um diese Quellen, auch wo sic schon ganz industrialisiert erscheinen. Sie haben ihren Ort ja selbst gesucht, ost fern von Wegen des rasselnden Verkehrs. Und wo der Lärm der u.ages- beschäftiqungen die heilende Wirkung der Wasser zu stören drohte, da haben die Menschen selber versucht, die Quellen durch Hallen und Gärten zu schützen, vielleicht auch die natürliche Schönheit der Wiesengründc und der Bergesnähe durch die Umgestaltung zum Park zu erhöhen. Die Sommerwohnungen, die Landsitze reicher Bewohner, die in der Nahe der Quellen vor den Wirkungen des Sitters sicherer zu sein glauben, haben diesen Bäderstädtchen ihren sonntäglichen Charakter gegeben. So sind ,m Rheinland diese Bäder die ewigen Idyllen mitten in dem großen Leben, das der Rheinstrom und die Nähe großer Städte zusammenzieht. Wie friedlich ruht das schmale Ems an den Waldsäumen der Lahn, wie un- »berührt das kleine Schlangenbad, das von den Klängen der Kur­kapelle gestreichelte Langenschwalbach im Hintergrund des Rhein­gaues. Hier spendet ben Geduldigen und Genesenden selbst der späte Herbst noch Wärme, Heiterkeit und Süße. Traubenkuren helfen mit zur Diät. Ist es nötig, von den eleganten Straßen, Kolonnaden, Kursälen und Kon- * zcrten von Wiesbaden zu erzählen, das seinen Gästen durch Ausflüge auf Rheindampfern und Autoomnibussen unermüdlich Zerstreuung bereitet, aber ebenso gern einen jeden in Ruhe die wohlgebahnten Spazierwege durch seine Anlagen und Taunuswälder genießen läßt? Oder für das großzügig ausgebaute Nauheim zu werben, die hübsche Landhauser­stadt, deren Weiher ein hoher Park umrahmt, das herzbelebende Bad mit seinen starken salzigen Sprudeln, seinen immer, von frischer salziger Luft umwehten Gradierwerken? Dazwischen, am nächsten zu, F ran kfurt, das ja in einem 'wahren Kranz von Badeorten die glückliche Mite bildet, das ruhmreiche Homburg. Wer liebte nicht sein mit Park und Wiesen ausgesülltes Tal mit den tempelartigen Brunnen, seine Terrasse vor dem v Kurhaus, die dem Blick nur mit dem sommerlichen Grün, dem herbst­lichen Bunt der Wälder begegnet. Aber auch sein alter Schiohgarten Mit der märchenhaften Zeder und den Kastanien, dm Rosenbeeten und den versteckten Bänken um den See soll nicht vergessm sein. Auch denen, die aus den Luxus der großen Hotels verzichten und am Pferdchenspiek im Kurhaus nicht teilnehmen würden, geben di« in allen Mmschenarten er­fahrenen Bäderstädte des Rheinlandcs Beiriediaung und Bewegungs-

ireiheit. Es gib: im übrigen noch die. besonderen Bäder des Mittelstandes. Ihr Typus ist etwa das kleine, am geschützten, üppig fruchtbaren Südhang bes Taunus gelegene S öden. Der Sprudel steigt da vor dem alten reizenden Kurhaus mitten aus dem Rasen; Quellen und Trinkhallen Hegen unter Bäumen versteckt, die Wiesen sind zu liebenswürdigm Anlagen ge­worden, und viele Pfade führen aus den Nelkengärten der Umgebung durch die Kastanienhain« und Obstwäldchen des Tales zu den Buchen­wäldern hinauf bis zu den windfrischen Höhen des Taunus.

Köstlich sind irie sriichen. reinigenden Trinkwasser dieser Dielen Quellen des Rheinlandes. Heilsam die wohlverordneten Bäder an sanft verrinnen­den Tagen freiwilliger Weltenrzogenheit. Und überall ist der Rhein in blinkender und lebensvoller Nähe. Man freut sich seiner unerschöpflichen Landkchali in einer vom feuchten Element getragenen Nüchternheit

^A«"gr^echischc Kaiser in Byzanz hat dem Attila den, Titel eines Feld- marschalts de- Kaiserreich- verliehen und zahlt ihm jährlich Tribut m Form eines Feldherrngehalts; aber derselbe Kaiser hatte trotzdem noch immer Hunnen in eigenem Sold; Attila wollte dies nicht dulden. Daher di- Gesandttchaft. Beiläufig aber waren diese Gesandten beauftrag, Attila zu ermorden; große Geldmittel waren ihnen mitgegeben, um einen ge- cinneten Jäter anzuwerben. m . .,

" Attila zieht eben in seiner Residenz ein; die griechischen Gesandten hinter ihm her. Es war ein umfangreiches Dorf von Holzhäusern m slamer Eben«. Die Häuser bestehen aus schön geglättetem Tafelwerk. Das Blockhaus de- Königs selbst hat einen Holzzaun nut hohen Holzturmen; bie Tür des Zaunes hat Schloß und Riegel. Das Wunderwerk des Ortes aber find Thermen aus wirklichem festem Stein; ein kriegsgefangener römischer Architekt hat sie für den König bauen müssen. Einreitend wird Attila von Ehrenjungsrauen mit Gesang empfangen. Die Mädchen halten dabei Schleiertücher über sich hoch, so daß immer etwa sieben unter einem laichen Schteir einherschreiten. Der König ist hungrig, sitzt aber nicht ab, sondern speist hoch zu Roß; seine Mannen müssen einen Tisch solange hoch

Aul ^Tc/vichen siegt er, als er die Gesandten zum erstenmal offiziell empfängt: um ihn eine Menge Dienerinnen, die Buntstickereien auf Leinwand machen. Durch Dolmetscher wird verhandelt; denn die Hof- lcitte dort verstehen zwar deutsch, auch etwas Latem, aber kein Griechisch., E- folgten Tischgelage, erst beim König, dann auch bei der Königin. Atttla ha't viele Frauen; feine Hauptgattin heißt Kerko, und er hat viele Sohne, die schon erwachsen sind und Teilherrschaften im Reich verwalten.

Bei der Mahlzeit stehen hölzerne Sessel an beiden Langswanden des Saales entlang. Attila sitzt zwischen ihnen auf einer Klme emem- Sofa hinter welchem gleich sich lein Schlafraum mit Bett befand; das Bett war Airch bunte Vorhänge verdeckt. Auf derselben Klme sitzt sein «ohn neben ihm der aber in Scheu den Blick nie zu erheben wagt. Zuerst wird nur getrunken, und wem Attila zuzutrinken geruht, der mutz vom Stuhl aus- fteben und so den Trunk erwidern. Daun werden die kleinen Tische mit dem Essen gebracht und vor die Stühle gestellt, ein Tisch immer für je drei Personen. Attila selbst itzt nur Fleisch von einem Holzbrett; er tun, auch aus Holz; die Gesandten dagegen bekommen auf Silber serviert u» besonders leckere Speisen. Gewöhnlich lebt der Hunne von Hirse und Dünnbier. Als es dunkelt, werden Fackeln angezündet, und zwei Sanger singen von den Heldentaten de- Attila. Ein Narr tritt auf und macht seine Spähe, obendrein auch ein Buckliger, der die Gabe hat, m allen Sprachen durcheinander zur sprechen: da dröhnt die Holzhalle vom Ge-

*) Wir entnehmen diese frische und plastische Darstellung dem un­gemein fesselnden, soeben in 4. Auflage erscheinenden Werk Charakter­bilder Spätrom- und die Entstehung des modernen Europa . Der Meister dichterischer Geschichtsschreibung zeigt hier die Fäden auf, die aus dem niedergehenden Rom in das deutsche Mittelalter hinuberreichen. In Leinenband 12 Mk. Verlag von Quelle 8- Meyer in Leipzig.

ihre Bäder enthalten. Aachen und Wiesbaden find durch ihre heil­kräftigen Brunnen die volkreichen Städte geworden; dort Heizen die be- ' rühmten Thermen auch den Kessel der gesamten ökonomischen Maschine;

Kuranstalten, Trinkbrunnen, Gasthäuser, Gartenpflege setzen viele Berufe i in Nahrung. Zurückgezogener erscheinen die Kurorte van Spa, von Kreuznach, Münster am Stein, Homburg, Nauheim. Sie pflegen ihre Vornehmheit, die zwischen dem Bürgerlichen und dem Aristokratischen schillert. Aber auch die ländlicheren Bäder, das kleine, nah' am Rhein zwischen Oberwesel und Boppard gelegene Salzig, das milde, den grottenartigen Felsen benachbarte Bertrich an der Mosel sind nicht zu verachten. So wenig wie die im Schiefergeröll der Wälder verborgenen, auf rostrotem Bett in die Wiesen verrinnenden Quellbäche, die den Wan­derer in manchen Seitentälchen des Rheinlandes überraschen. SZBer hätte bis jetzt die Geheimnisse dieser aus der Tiefe steigenden Wasser ergründet? Wie nach einem Uhrwerk, immer in bestimmten Zeitabständen steigt der fchaumweitze hohe Sprudel von Namedy auf der Insel bei Andernach p In die Höhe. Und immer gleichmähig in Temperatur und Meng« wallen und sprudeln die heißen, braunen Wasser des W ie s b a d e ne r ^K o ch - brunnens. lieber die granitene Brüstung beugen sich Tag für -rag die Wasserschöpferinnen, um den in Prozession gekommenen Besuchern die gefüllten Gläser hinzureichen. .....

Die Badezelle ist »der natürliche Keim dieser Bäderstädte. Oft verdanken L sie das Vorbild ihrer erfreulichsten Einrichtungen zur Bequemlichkeit und Körperpflege der Besucher den alten Römern, deren Villen und Bade- Häuser, geschmückt mit Mosaiken, an derselben Stelle standen, wo jetzt Kur­häuser, Inhalatorien, Gasthäuser sich ccheben. Das Baden bedarf der ärzt­lichen Vorschrift; das ist für das Trinken weniger nötig. So gibt es nicht wenige Qu eil en orte, die für das Baden niemals eingerichtet waren und nun fast industriemäßig mit automatisch herangerollten Flaschen das Ab­fangen der prickelnden Sauerwasser besorgen. Da ist die Quelle von , Rhens, die jede Woche ein Segelschiff voll Flaschen mit Apollinaris-

- wasser den Rhein und die Schelde hinab nach England sendet. Da ist im alten Schloßgarten an der Lahn die Quelle von Staatlich Fachingen, deren Tafelwasser in Eisenbahnzügen nach allen Teilen Deutschlands geht. Und im Wiesengrund von Kronth al im Taunus erhebt sich neben den sieben nebeneinander fließenden Brunnenrohren des Quellbezirkes das b fabrikähnsiche Brunnenhaus unter der städtischen Regie von Frankfurt. Manche Glasbläsereien und Töpferwerkstätten im Westerwald stellen nichts anderes her als die grünenMineralwafserflaschen, die braunen röhren­förmigen Tonnen für Setters, Ems und Wiesbaden.

Südsrankreich, Böhmen, di« mittlere Donau, der Kaukasus haben ihre berühmten Bäder, die ganzen Ländern als Erholungsstätten dienen. Aber keine Gegend Europas ist auf der Karte so dicht punktiert mit mineralischen Quellen, heißen Sprudeln und falten Sauerwasserbrunnen wie das Rhein- > ,gnd Es handelt sich aber da um ein gleichsam quergestelltes Rheinland, das nur in der Mitt« von dem breiten, vielgeschmückten Strom durchzogen ist- das Gebiet der Heilquellen reicht von den Ardennen zu den letzten Ausläufern des Taunus bis an die thüringische Grenze hinüber. Das ist alter vulkanischer Boden, vielleicht auch Küste längstverschwundener Meere, ein Land der mineralischen Altertümer, der geologischen Geheimnisse. Zum I rheinischen Schieferaebirge gehören ja die stumpfen Kraterhohen der i" Eifel ebenso wie "die hochgehobenen, rauh durchfurchten «chragslachen i des Hunsrück, die grauen und bewaldeten Rücken des Westerwal - des, die schöngeflochtene Gipfelkette des Taunus. Ueberall in btejen Gebirgen, besonders an ihren Rändern fliehen die Quellen, lieber den I stärksten dieser Quellen sind Ortschaften entstanden, von denen manche schon in ihren alten Namen den Hinweis auf ihr Wasser, ihr Salz oder