Ausgabe 
14.5.1927
 
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tief Atem.Das Spielchen kann beginnen! Steht mir bei, Amor und Merkurius!" v

Es klopfte.Herein!" Stadlrat wnmckel trat em und grüßte freund­lich.Guten Morgen!"Guten Morgen, Herr Stadtrat!" gab der Sekretär ehrerbietiger, als er fonft tat, zurück.

Sobel machte dem Sekretär hinter Finnickels Rucken die Gest« des Trinkens und ging hinaiis.Ich bin, fcheint's," fagte Finnickel,der Srfte."Zu dienen, Herr Stadtrat, der Erste."3fr Er allein? Wo ist der Herr Bürgermeister?"

Der Sekretär räufperte stch.Der Herr Bürgermeister ist hm

KGnickel achtete nicht auf die Antwort, sondern fragte:Sm Ver­trauen, Sekretär, ist die Jungfer Sabine im Haufe?"Die Sungfer Sabine? 3ch glaube ich weiß nicht"

Finnickel kam etwas näher und fagte, wohlwollend nickend: ..Sekre- torius, ich wette. Er ist ein Mann von Geschmack!"Wie?

Finnickel, indem er aus der Tasche seines Rockschoßes eine kleine Schachtel hervorzog, fuhr er fort:Ich habe da etwas, da soll Er mir sein Urteil sagen. Sch meine, es sei eine hübsche Sache." Er klappte die Schachtel auf und zeigte dem Sekretär den Inhalt.Hm, was sagt Er? Er muß doch wissen, ob das einem jungen Blut gefallen kann." Der Sekretär betrachtete den Schmuck. ,

Ein schönes Stück, ja. Korallen."Echte Korallen, Sekretär ins! Oh, in Gold gefaßt!"Will ich meinen! In echtem, schwerem Gold gefaßt!"Hm! Und mit einem Schloß aus Diamanten!" Aus echten indischen Diamanten, Sekretarius, flach geschliffen."

Ein respektables Stück, Herr Finnickel", gab ihm der Sekretär zu and er spürte ein Kribbeln in den Beinen, denn ssmußen im Flur hörte er Stimmen und Schritte.Ein respektables Stück, das will ich meinen!. ,! Es stecken neunzig gute Taler drin!"

Das glaub' ich wohl", erwiderte der Sekretär zerstreut und schaute nach der Tür.Der Schmuck ist wohl für Dero Patenkind?"Paten­kind? Das kostbare Stück? Was denkt Er? Ich will es meiner Braut verehren."Braut?" rief der Sekretär überrascht.

Ja, mein Lieber, für meine Braut", antwortete Finnickel und blin­zelte ihn mit einem Auge an.Da macht Er Augen,,!"Sch muh gestehen, ich bin ein wenig überrascht."

Finnickel lachte selbstgesällig.,, das läßt sich denken,, Aber weiter sag' ich nichts." Er steckte die Schachtel wieder in die Tasche, j

Zabel trat herein, die große Tür weit öffnend, um die Stadträte Pro- ! iessor Nägele, Kalkulator Siockebrandt, Brauer Völlig und Käser Jung- j Mut einzulassen.So, da sind wir", sagte Wollig.Schau', der Herr Fin- > Nickel ist schon da!" Er gab Finnickel die Hand. Der erwiderte:Er- ! gebener Diener, Herr Wollig."Guten Morgen!" grüßte Stockbrandt. s ,Walt's Gott, daß unsere Beratung zum guten Ende führt."Sa, ja, ja, ja", antwortete Professor Nägele. Ballig gähnte.

Neun Uhr, das weiß der liebe Himmel, ist doch ein bißchen früh am Tag für eine Sitzung."Auf die Art, Herr Ballig," meinte Jungblut, habt Ihr bis Mittag gründlich Zeit zum Ueberlegen und zum Entschluß. Morgen allerseits, Ihr Herren!" fügte er hinzu, weil er als Letzter hereingekommen war.Sch hoffe, daß der erste Schreck vorbei ist." Was meint der Herr Küfermeister?" fragte Finnickel mit einiger Schärfe.Ich mein, daß wir heut' mannhaft und besonnen"

Freilich," fel ihm Finnickel ins Wort,die Besonnenheit hat Shnen, Herr Sungblut gestern am meisten gefehlt."Wieso?"Die Besonnen­heit," erklärte Ballig,die Besonnenheit gebietet, mit den Franzosen

zu paktieren, he?" vollendete Jungblut den Satz.Bläst der Wind noch immer aus diesem Loch? So geh' ich hintereinander lieber." Er ; machte Anstalten dazu.

Aber, Herr Sungbtut!" rief Finnickel,bitte ,bitte! Muß denn gleich die Flamme wieder aus dem Dache schlagen?"

Stockebrand sagte in seinem etwas pastoralen Tone:Wir wollen ohne Zwist und mit Ruhe, wie es Männern geziemt, beraten."Wollen die Herren nicht zunächst Platz nehmen?" schlug Finnickel vor.Schön," antwortete Jungblut,setzen wir uns auf das El und brüten." Sie setzten sich auf die hochlehnigen Stühle um den Beratungstisch.

Der Sekretär, der bis jetzt abseits gestanden hatte, kam näher.Guten Morgen! meine Herren!" begrüßte er die Versammlung und setzte stch auf den Stuhl neben dem des Bürgermeisters.

Morgen!" erwiderten die anderen, nur Jungblut winkte ihm freund­lich mit der Hand und dankte mit:Morgen, Sekretarius!"

»Nachdem die Hüstel-, Räusper-, Husten- und Schneuzpause vorüber war, rief Jungblut, von einem zum andern blickend:Na, worauf warten wir?"Kommt denn der Bürgermeister nicht?" fragte Ballig, und Finnickel wandte sich an den Sekretär.Wo bleibt der Herr Bürger­meister?"Der Herr Bürgermeister" begann der Sekretär.Geh' Er und melde Er," unterbrach ihn Finnickel,daß die Herren Stadträte alle da sind."

Der Sekretär stand auf und nahm sich zusammen.

3ch ich hm ich muß den Herren die Mitteilung machen, daß der Herr Bürgermeister nicht zu der Beratung kommt."Wie?" riesen alle erstaunt.Der Herr Bürgermeister liegt zu Bett."Zu Bett?", riefen alle, und Finnickel wiederholte, in dem er den Sekretär mißtrauisch ansah:Zu Bett, hm, hm."

Ist er etwa krank?" fragte Ballig.Jawohl, meine Herren, der Herr Bürgermeister ist krank," Staunen und Kopfschütteln.

Zabel, der an der Türe an seinem Tischchen faß, stand auf und be­stätigte eifrig:Jawoll, meine Herren, wie der Herr Sekretär sagt, der Herr Biirgermeister ist krank." Alle drehten sich mit mißbilligender Miene nach ihm um. Der Sekretär gab Zabel einen warnenden Wink und sagte: Die Aufregung des letzten Tages hat ihn so mitgenommen, daß er zu Bett liegen muß."

Jungblut lachte spötllsch.

Ich bemerke übel," fagte Finnickel,daß der Herr Sungbtut lacht."

Ballig schaute Jungblut tadelnd an.Der Herr Bürgermeister ist ein alter Mann, den soll die Alteration nicht anpacken!" Der Sekretär nahm rasch den Faden auf.Der Herr Bürgermeister kann darum den Vorsitz der Beratung nicht führen."So muß der Aelteste von uns den Vorsitz führen," meinte Sungblut.

Der Aelteste ist der Herr Professor Nägele." Nägele nickte dem Sekre­tär zu:Sa, ja, ja, ja." Finnickel drehte sich zu Nägele hin. Würde der wertgeschätzte Herr Professor damit einverstanden fein, den Vorsitz an den Zweitältesten abzutreten? Dem Herrn Professor würde sonst dieAnstren»

:qermeii« 4 Er und sprechen wünsche, .-spiel:Herr Sekre- Er!"Schon.-w (Fortsetzung folgte^

scherzen??" -

Heut' in der Frühe," fuhr der Sekretär fort, der seine ganze RW wiedergefunden hatte,ließ mich der Herr Bürgermeister rufen. Er be­fahl mir, den Herren Stadträten seinen neuesten Entschluß mitzuteilen. Sn ruhiger Erwägung aller Umstände"

Ballig schlug mit seiner roten Faust auf den Tisch.Zum Teufel! Bei aller Achtung vor dem Herrn Bürgermeister, aber wenn er feinen ein« von heute auf morgen so auf den Kopf stellen kann"Gestern aveno stand er auf dem Kopfe!" entgegnete Sungblut.Heul' steht er auf ge­funden Füßen." Finnickel fagte kühl:Wenn ich es mir auch nicht ve>> kommen laste, an den Worten des Sekretärs zu zweifeln, so will es M doch richtig scheinen, in dieser außergewöhnlichen Angelegenheit selbst nm dem Herrn Bürgermeister zu sprechen."Das wollt' ich meinen^ stimmte ihm Ballig zu.Gehen wir gleich hin und keine Zeit versäumt: Er stand auf, aber der Sekretär legte ihm die Hand auf den Ann.

Verzeihung, meine Herren! Bedenken Sie, der Herr Bürgermeister liegt krank zu Bett."Zabel," sagte Finnickel zu dem,so ger melde dem Herrn Bürgermeister, daß ich mit ihm zu Zabel fragte nach entsprechendem Augen- und Gebärdens tarius, soll ich?"Et. freilich, Zabel! Geh' Er! gehe." Und er wollte durch die Haupttür. C

gung schaden." Nägele nickte.So, ja, ja, ja."

Finnickel stand aui, nahm [ein Papier und seine Feder und setzte sich auf den Stuhl des Bürgermeisters, stand gleich wieder auf und sagte: Sch habe also die Ehre, den Vorsitz zu übernehmen"Wenn's nit anders geht," brummte Sungblut.

und die Konferenz zu eröffnen," fuhr Finnickel fori,ich über­nehme um fo lieber den Vorsitz, als ich in der uns beschMtiaenden An­gelegenheit am besten unterrichtet zu sein glaube."Wieso?" fragte Sungblut.Was weih der Herr Finnickel denn besser als wir alle?" Sch bitte, mich nicht zu unterbrechen, Herr Sungblut! Und überdem, wer klopft denn da oben?"

Alle hoben das Gesicht nach der Decke. Wan hörte ein dumpfes Pochen. Der Sekretär erschrak.Klopft?" fragte er und spielte den Ahnungslosen. Sch wüßte nicht"Mit Berlaub!" rief Zabel von feinem Platz her­über,bat ist der Schreinermeister."Ah, richtig," bestätigte der Se­kretär rasch,der Schreinermeister in der Mtenkammer."Der zimmert ein neues Regal für die Akten, der Schreinermeister," log Zabel.

Finnickel fügte unwirsch:So soll der Mann aufhören mit seinem Ge­hämmer. Geh' Er und sag' es ihm." Zabel verständigte sich durch Blicke und Gebärden mit dem Sekretär und wiederholte:Sch geh' und sag' es ihm." Darauf ging er hinaus?

Sch habe gestern abend," berichtete Finnickel,zu später Stunde .noch lange mit dem Herrn Bürgermeister konferiert"

Gestern abend noch?", fragte der Sekretär und sah ihn forschend an. Finnickel räusperte sich und fuhr fort:Sn seiner Sorge um die Stadt ließ mich der Herr Bürgermeister rufen, und wir beide haben"

Mit Verlaub, Herr Stadtrat!" fiel ihm der Sekretär in die Rede,mir ist von einer solchen späten Konferenz nichts bekannt." Die anderen räu­sperten sich mißbilligend, und Fmnickel runzelte die Stirn.Herr Sefre» tärius, bei aller Freundschaft, Er soll mir nicht dazwisthenfo.hren! Was sind das für Manieren?!" Völlig nickte und meinte: ,Lch finde das ein bißchen naseweis, um keinen anderen Ausdruck zu gebrauchen."He, Sekretär!" rief Sungblut,was sagt Er da? Shm ist nichts bekannt von"

Soviel mir bekannt ist, war der Herr Bürgermeister gestern abend schon hm lag der Herr Bürgermeister schon krank zu Bett."

Ei, schwatz' er doch nicht!" rief Finnickel böse.Er ließ mich an sein Bett rufen."

Zabel, der wieder eingetreten war, lachte, schlug sich aber aufs Maul, als er die warnenden Blicke des Sekretärs sah.Zabel, hat Er's dem Bürgerm dem SchreinermePer ausgerichtet?"

Ausgerichtet, jawoll, Herr sekretarius."

Finnickel klopfte mit dem Fingerknöchel auf den Tisch.Ser Herr Bür­germeister und ich, wir haben über die Kvntribuiionsverteilung blsfurkrt Der Herr Bürgermeister ist gewillt, mit Zustimmung der Herren Stadt- räte die Stadt den Franzosen aus gütlichem Wege zu übergeben, und ich bitte die Herren, in diesem Sinne zu beschließen."

Nir da, nix da!" rief Sungblut und sprang auf.So wird nach mei­nem Kopf nicht befchlosfen!"Das wird sich ja alles finden." mein!« Finnickel freundlich,zumal der Herr Bürgermeister"

anderen Sinnes geworden ist!" siel der Sekretär gewichtig und mit Schärfe ein. Alle starrten ihn erstaunt an.

Sch habe nicht recht gehört!" behauptete Finnickel und trommelte mit den Fingern.

Der Herr Bürgermeister ist anderen Sinnes geworden, meine Herren. Er ist seft entschlossen, die Stadt zu halten"

Die anderen machten große Augen.

nicht den Sansculotten zu übergeben, keine Kontributionen ju zahlen."Bravo, Herr Bürgermeister!" ries Sungblut laut.Wackrer Mann! Nix für ungut!" Die Stabräte sprachen erregt durcheinander.

Ruhe, meine Herren!" rief Finnickel.Wir wollen zuvörderst hören, wie west der Herr Sekretarius den Scherz nach zu treiben beliebt Scherz, Herr Finnickel?? Sn solchen Dingen und zu solcher Stunde

Verantwortlich: Dr. Hans Lhhrivt. Druck und Verlag: Brühl'sche UniverfitätS-Vuch- und Steindruckerei, D. Lange, Gießen.