dem keuchenden Bähnchen in der gleichen, lebhaft schwatzenden und spuckenden Gesellschaft (Nachkommen der Griechen??) wie vorher nach Neapel zurück.
Der Ring.
Von Frida v. Oppeln.
Es ist sehr reizvoll, den Veränderungen nachzugehen, die im Lause der Jahrhunderte die Kunst und das Kunstgewerbe umgestalten. Denn dadurch werden ost Aufschlüsse und jähe Erleuchtungen vermittelt, welche die große Historie nicht immer zu geben vermag. Man folgt leisen Wandlungen des Stils, des Geschmacks, die letztlich Wandlungen der Volksseele, ja ganzer Weltanschauungen sind. So ist auch in dem allerkleinsten Rahmen, den der Ring darstellt, zu vielen Zeiten das Bild der damaligen Welt zu sehen.
Wenn wir in die ersten Anfänge der Kultur zurückschauen, so fallen uns Ringe aus, aus dem uralten Nillande Aegypten. Ihnen sind die geheimnisvollen Zeichen des heiligen Auges, der Uräusschlange, des Skarabäus ausgeprägt. Von diesen, so nahm man an, ging eine Zauberkraft aus, die das Glück herbeiführen, oder vor Dämonen und irdischen Feinden bewahren sollte. In Siegelringe, ähnlich den unseren, häufig mit drehbarem Petschaft, waren diese heiligen Zeichen geschnitten.
Der Glaube an die symbolische Bedeutung des Ringes als Zauber- und Schutzring geht durch alle Jahrhunderte und Völker. Er wird von den Weisesten ihrer Zeit anerkannt — auch zweckvoll verbreitet in anderen Epochen, von Aufgeklärten belächelt, vom Volk aber immer zäh festgehalten. Wir findn den Zauberring bei den Juden im Alten Testament erwähnt, in Kleinasien bei den Lydern — in der Sage des Gyges zur Abwendung von Unglück oder bei Polykrates zum Herbeilocken des Glücks.
Die symbolische Bedeutung des Ringes als Verlobungs- und Ehering geht aus dem Altertum bis zu uns. Die Juden berufen sich dabei auf die Bücher Mosis. Der Ring wird auf dem vierten Finger der linken Hand getragen, weil man glaubte, daß von ihm eine Ader direkt zum Herzen führe.
Die ältesten griechischen Ringe, von ost hohem, künstlerischen Wert, kommen uns aus dem sagenumwobenen Mykenä. Im allgemeinen galt der glatte Goldreif als Zeichen des freien Mannes in Griechenland sowohl wie in der ältesten römischen Zeit. Lange war er das Vorrecht der Ritter und Senatoren, und erst in Roms Verfallzeit trugen nicht nur die Freigeborenen, sondern auch die Freigelassenen den goldenen Ring. Im allgemeinen herrschte im Altertum ein großer Luxus in Schmucksachen und auch in Fingerringen. Plinius berichtete, daß Männer und Frauen ihre Hände damit beluden, sogar besondere Ringe für verschiedene Jahreszeiten trugen.
Unsere germanischen Vorfahren begleitete der Ring auf ihrem Lebensund Todeswege. Er diente ihnen zum Schmuck, zur Gabe an die Geliebte, als Amulett gegen böse Gewalten und wurde den Verstorbenen mit ins Grab gegeben. Sonderbar erscheint uns der zerhackte Ring, dessen einzelne Telle zum Geschenk, zur Entlohnung oder auch als Geldstück verwendet wurden.
Später, als die Weltherrschaft des Christentums begann, wurde der Ring neben seiner Bedeutung als Ehering auch das Symbol der Verbindung mit dem Mysterium. Der Bischof trug ihn zum Zeichen seiner Vermählung mit der Kirche, der Nonne bedeutete er die Vereinigung mit dem himmlischen Bräutigam. Um stets an einen Schwur, den man dem Himmel oder den Menschen geleistet hatte, erinnert zu werden, trug man auch den Schwurring aus Eise».
Und in Venedig fand alljährlich am Himmelfahrtstage die Vermählung des Dogen mit dem Meere statt. Der Fürst fuhr auf einem reichgeschmückten Schiff hinaus und warf den Ring in die Fluten.
Ringe von anderer geheimnisvoller Bedeutung find die Ringe der Alchimisten. Die Schlange, wohl eine Nachkommin der uralten Uräusschlange, das Bild der Weisheit, war häufig darauf abgebildet. Familienringe, deren Sage sich von Gneration zu Generation forterbt, gehören auch in dies Bereich, sowie der Ring der Frangipani.
Seit den Kreuzzügen war vom Orient her ein großer Luxus ins Abendland gekommen. Es drangen Elemente ein, die zu neuen Anforderungen an das Dasein führten, neue Bedürfnisse brachten. Das einfache Leben, das zuvor auch auf den Schlössern und Burgen geherrscht hatte und das seinen geistigen Inhalt in der Dichtkunst und in religiöser Hingabe fand, genügte den gesteigerten Anforderungen nicht mehr. Man umgab sich mit reicherem Hausgerät, Gefäßen aus Edelmetallen, Kleidung und Schmuck wurden prunkvoller, — so auch der Ring. Man verziert ihn mit edlen Steinen, das plastische Moment wird betonter. Als die Renaissance die Gotik ablöst, wird die Form lebendiger, gewinnt eine reichere Gliederung. Aber zugleich tritt der Ring hinter andere Schmuckstücke zurück. Es scheint, daß Männer und Frauen der italienischen Renaissance mehr die schweren, ornamentalen Schmuckstücke bevorzugten. Es werden Anhänger sehr großen Formats getragen, eingegliedert in den Figurenreichtum ist pflanzliches Ornament. Auch in der deutschen Renaissance tritt der Ring zurück. Die Schmuckmode wendet sich der Kette, der Gürtelschnalle, auch dem Kreuz zu. Es ist, als ob diese deutschen kunstgewerblichen Erzeugnisse — schwerfälliger in der Form als die romanischen — noch an die Gotik gebunden seien.
Aus dem Osten kam zu allen Zeiten neben dem Erhabenen auch das raffiniert Verbrecherische ins Abendland. — die Lehren der Weisen und Guten und die schleichenden Gifte. Selbst der Ring konnte sich ihrem Bereich nicht entziehen. Man fertigte in Venedig Ringe an, in denen eine kleine, mit Gift gefüllte Spitze verborgen war. Beim Händedrücken kam sie hervor und tötete heimlich den Feind. In einer Berliner Sammlung sah ich einen derartigen Ring, der nun harmlos auf einem lila Sammetpolster lag.
Doch verlassen wir dies finstere Bild. Vor uns liegt ein Ring aus dem Beginn des 17. Jahrhunderts, der die Symbole der Treue und Freundschaft trägt, dargestellt durch einen Hund mit freundlichen Rubinaugen. Damals kamen auch Ringe auf, in die winzige Uhren eingesetzt wurden, und Ringe, die Porträts umschlossen. So besaß Ludwig XV. einen solches:
mit dem Bilde der Pompadour, unter Kristall von stilisiertem Dkätterwerk und Frauenköpfen umgeben. Das zierliche 18. Jahrhundert brachte beit Devisenring in Mode, d. h. cs wurden in das Gold enigmatische Buchstaben geprägt, bereit Sinn der Besitzer kannte oder der Beschenkte erraten muhte. So z. B. die Devise „L. A. C. D." — „eile a cedä*. Freundschafts» ringe mit der Devise: „A l’Amite" waren sehr beliebt, auch in Deutschland. Die Worte standen auf buntem Glas, umschlungen von einem Rosen- kränzlein. Das anmutig Spielerische jener Zett bemächtigte sich auch der Verlobungsringe. Es gibt deren, die, auseinandergeklappt, eine Liebeswidmung in ihrem Innern bergen.
Den nach oben und unten spitz zulaufenden, meist das ganze untere Fingerglied bedeckenden Ring nannte man Markisenring. Er wurde häufig guillochiert, d. h. über den mit Kreis- und Schlangenlinien bedeckten Grund wurde ein Glasfluß gewölbt ober Edelsteine eingelassen.
Diese Markisenringe werden auch viel in unfern Tagen getragen so wie überhaupt unsere Zeit in der Ringmode auf Entlegenstes zurück- greist. Allerdings will mir scheinen, als würde heute der Edelstein als solcher immer mehr bevorzugt, als würde weit mehr auf die Schönheit des Steins als auf die Kunst der Fassung gesehen.
In den neunziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts trat eine Mode auf, die an die Unsitte der Römerinnen, sich die Hände mit Ringen zu überladen, erinnerte. Diese Unmode kam von Amerika und war der Beweis, daß eine kulturferne Zivilisation immer wieder die gleichen Er- scheinungen zeitigt.
Jetzt sehen wir in den Fenstern der Juweliere und an den Händen eleganter Frauen vornehmlich zweierlei Arten von Ringen. Einmal den in reinem, weißen Licht strahlenden Brillantring und dann den Ring mit dem bunten Edel- ober Halbedelstein, von Brillanten eingefaßt. Der breite Goldreif von gejammerter ober ziselierter Arbeit wird mehr von Männern bevorzugt.
Das, was die Menschen vergangener Jahrhunderte verstanden, nämlich den Ring der Individualität der Hand anzupassen, scheint heute fast verloren ober ber Beachtung nicht wert. Das ist bedauerlich, denn gerade in diesen kleinen Zügen bekundet sich eine bewußte ober unbewußte Kultur.
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in der Falle. Und — und ich will ihn eingesperrt halten. Er, Zabel, sorgen." Zabel wiegte bedenkttch den Kopf
Sabine!"
„Laß' Er sich nicht von dem Frauenzimmer beschämen, Alter! Wenn Er sich nicht auf unsere Seite schlägt, Zabel, so sind wir kühn genug, allein zu handeln." — „Nee, nee, Herr Setretarius!" rief Zabel und winkte mit beiden Händen ab, „nee, bat könnt Ihr nit allein. Er unb bat Demoi- sellchen! Hui, bat ist ein keck Unternehmen! Da muß ein Mann dabei sein mit hellem Kopf und kühnem Rat, — und — und der Zabel will denn in Gottes Namen dieser Mann sein."
Er reichte dem Sekretär die Hand. Der schüttelte sie und antwortete: .Das wollt' ich hören, braver Zabel!" — „Wenn bat Demoisellchen mit im Komplott ist, möchf ber alte Zabel auch nit fehlen." — „Ich will's Ihm banken, ehrlicher Zabel."
Zabel kratzte sich wieber hinter den Ohren. „Um bei der Ehrlichkeit S bleiben," jagte er, „mutz ich gestehen, daß mir bie Sorg' um unser Geäst ein klein bißchen auf ben Magen geschlagen ist. Ich werb' vorher einen Kilian trinken." Er ging zur Haupttür, kehrte aber wieber um.
„Unb mein Jung, ber Zappermentslüinmel, der gehört natürlich von selber mit batet Der ist ein Nixnutz, ber Flipp, hol' mich ber Teufel, ein Leichtfuß, aber keck unb behend wie ein Fuchs. Mag leicht, bat wir ihn brauchen können. Aber laß' Er mich bumm fragen: wat will Er benn beginnen mit dem Herrn Bürgermeister unb,ben Stadträten unb den Sansculotten unb weiß ber Teufel? In dergleichen Geschäften, sag'
trinken."
Auf dem Wege zur Tür schaute er durchs Fenster. Er drehte sich rasch zum Sekretär um unb flüsterte mit besorgter Miene: „Herr Setretarius, bie Stadträte!!" — „Herein mit den Herren!" rief der Sekretär unb holte
ich mir, muß man boch einen Plan haben.
„Den hab' ich, guter Zabel. Folge Er mir nur, ich bitt' Ihn, blinblings in allem." — „Schön, schön. Ich frag’ nix mehr. Er muß es wissen, E" ist ein heller, fixer Kopf! — Ich muß mir, wie gejagt, einen Kilian
sich selber eingesperrt."
Zabel riß die Augen auf unb schaute ben Sekretär bumm an.
„Selber? — Nee, nee, Herr Setretarius, nee, bat muh Er mir ntt weismachen!" — „Auf mein Wort, Zabel! Die Aktenkammer hat ein Schnappschloß, muh Er wissen —"
........ ,Die Tür schnappte zu, und der Bürgermeister sah ib ich will ihn eingesperrt halten. Und dafür muß
1 1 Kopf und rümpfte die
Dis Aktenkammer.
Erzählung aus den Revolutionstriegen von H. Müller-Schlösser.
(Fortsetzung.)
Der Setretär trat näher an ihn heran und sagte leise: „Der Bürgermeister ist in der Aktentammer eingesperrt." — „Allmächtiger!" rief Zabel und schlug die Hände zusammen. „Er hat ihn eingesperrt?" — „Er hat
Nase,
„Er weiß, Setretarius, bat ich Ihm gern einen Gefallen aber--"
„Er muß mir helfen, Zabel! Ich hab' Ihn nötig." — „Dat ist Sach', bet ber fann es uns an Hals unb Kragen gehen!"
„In Teufels Namen benn!" rief der Setretär, „so geh' — -.
Kragen! Was hat Er zu verlieren, Graukopf? Und w s diesem Handel ein?!"
„Freilich, freilich, Herr Setretarius. Er ist ein junger Kerl, und mein Lebensfädchen ist bald abgesponnen." — „Und das Er's weiß, Zabel, wenn Er uns nicht hilft —"
Zabel stutzte. „Uns?" — „Uns, ja uns! Der Demoifelle Sabine und mir* — „Demoifelle Sabine?" — „Sie steht zu mir. Sie ist meine wackere Alliierte." — „Ei, ei," schmunzelte Zabel, „die Demoifelle


